Karikatur zeigt die Geoscopia-Naturwissenschaftler, die sich für Klimabildung in Schulen einsetzen.

Klimabildung: Geoscopia ist besser als Lehrbücher

Der GLS Klimafonds hat dieses Jahr erstmals die 200-Millionen-Euro-Marke überschritten und liegt mittlerweile sogar bei einem Volumen von rund 230 Mio. Euro (Stand 31.08.2021). Schon seit Auflage des Fonds verzichtet die GLS Investments – eine Tochter der GLS Bank, die sich der Entwicklung nachhaltiger Fondskonzepte widmet – auf einen Teil ihrer Einnahmen. Damit fördert sie konkrete Klimaschutzprojekte und betreibt Klimabildung. In unserer Blogreihe Klimabildung stellen wir einige Initiativen und ihre Projekte für mehr Klimaschutz vor.

Geoscopia bringt Wissenschaft unter die Menschen

Am 9. August 2021 wurde der erste Band des aktuellen Weltklimaberichts des UN-Weltklimarats veröffentlicht. Der Bericht fasst den Forschungstand der naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels auf knapp 4.000 Seiten zusammen – eine Menge Stoff und keine leichte Lektüre! Dennoch ist das Verständnis der grundlegenden naturwissenschaftlichen Zusammenhänge des Klimawandels für uns alle relevant, wie Martin Fliegner von der Geoscopia Umweltbildung GbR betont. Als Diplom-Geograf hat er bereits 2001 gemeinsam mit dem Diplom-Biologen Holger Voigt die Geoscopia-Initiative gegründet, um Kindern ab der 5. Klasse Anstöße zum Thema Klimawandel zu geben und um „die Wissenschaft unter die Menschen zu bringen“. Klimabildung eben.

Komplexes wird verständlich

Anhand des Vergleichs von Live-Satelliten-Bildern mit früheren Aufnahmen erläutern die Naturwissenschaftler*innen von Geoscopia die Hintergründe und Zusammenhänge zum Thema Klimakrise. Wissenschaftliche Daten und Fakten werden so heruntergebrochen und visuell dargestellt, dass sie allgemeinverständlich sind. „Klimaexpedition“ nennen die Geoscopianer*innen dieses Unterfangen.

Die Klimaexpedition für Schüler*innen ist für die Klassen 5 bis 13 aller Schulformen geeignet und zieht bundesweit durchs Land. Um den Schulen möglichst wenig Aufwand zu machen, bietet Geoscopia ein „Rundum-Sorglos-Paket“ in Form eines Projekttags an, der mit wissenschaftlich fundierten Inhalten gefüllt ist. Das Programm wird regelmäßig weiterentwickelt, die Daten werden angepasst – in Sachen Aktualität kann kein Lehrbuch mit Geoscopia mithalten. Klimabildung vollzieht sich vom Weltall ins Klassenzimmer: Globale Zusammenhänge werden vor Ort in den Schulen erfahrbar.

Klimaexpedition interessiert auch Unternehmen

Da eindrückliche Bilder nicht nur Kinder und Jugendliche überzeugen, tritt Geoscopia auch in Unternehmen wie Banken, Versicherern oder öffentlichen Institutionen auf. International war die Klimaexpedition bereits in Ländern wie der Schweiz, Luxemburg, Tschechien und sogar Indien unterwegs. Die Basis hierfür bilden langfristige Kooperationen mit Partnern, die die gleichen Interessen verfolgen – wie zum Beispiel Germanwatch oder die GLS Bank. Auch während der Schulschließungen zu Pandemiezeiten konnte sich Geoscopia auf diese Partnerschaften sowie auf öffentliche Gelder verlassen und mit seinem Umweltprogramm fortfahren. Die GLS Investments wird 2021 zehn Projekttage für rund 500 Schüler*innen ermöglichen.

Mit Beginn des Unterrichts jetzt nach den Sommerferien blickt Geoscopia optimistisch in die Zukunft: Die Ergebnisse des IPCC-Berichtes sind zwar alarmierend, dafür aber ist das Interesse, die Hintergründe des Klimawandels zu verstehen, sowohl bei Schüler*innen als auch bei anderen Institutionen gewachsen. Nach der Gründung von Geoscopia am 1. April 2001 glaubten viele Menschen noch an einen Aprilscherz. Inzwischen sind die Klimaexpeditions-Bildungstage jedoch festes Lehrprogramm an etlichen Schulen.

Motivieren, nicht frustrieren

Die Klimafragen werden drängender und die Geoscopia-Mitglieder sind festen Willens, das Thema in der Gesellschaft weiter zu verankern. Sie möchten auf Augenhöhe kommunizieren.

„Der grüne Öko-Zeigefinger hat noch niemandem geholfen“,

sagt Martin Fliegner. Geoscopia will motivieren, Möglichkeiten aufzeigen und Impulse setzen, keineswegs frustrieren. Selbstverständlich blickt Martin Fliegner angesichts der vergangenen Unwetter und Flutkatastrophen sorgenvoll auf die Lage des Planeten. Er erklärt:

„Ich bin erschrocken, dass unsere Beschreibung des Klimas der Zukunft bereits zur Gegenwart geworden ist. Früher haben Schüler*innen gefragt, wann die von uns beschriebenen Wetterextrema in Deutschland ankommen. Basierend auf wissenschaftlichen Daten habe ich dann gesagt, zwischen 2030 und 2035. Das ging nun also viel schneller.“

Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat sich nicht nur das Interesse der Gesellschaft am Klimawandel verändert, sondern auch der Diskurs über die eigenen Möglichkeiten, etwas daran zu ändern. Während früher die Stärkung des eigenen Bewusstseins und die individuellen Handlungsentscheidungen betont wurden, ist inzwischen deutlich geworden, dass Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen muss.

„Die Politik muss jetzt knallhart und schnell entscheiden, um die Auswirkungen der Klimakrise noch abmildern zu können“,

betont Martin Fliegner.

Was war noch mal am 26. September 2021? Ach ja, Bundestagswahl. Wie Ihr daraus eine Klimawahl machen, erfahrt Ihr hier. Weitere spannende Artikel zum Thema Bildung findet ihr hier.