Humanas Wohnpark Colbitz – zu Hause in der Wabe

Humanas, größter Pflegeanbieter in Sachsen-Anhalt, ermöglicht durch ein besonderes Konzept alten und pflegebedürftigen Menschen ein selbstbestimmtes Leben.

Die Ortschaft Colbitz liegt 25 Kilometer nördlich von Magdeburg. Wie vielerorts auf dem Land sind hier Altersheime rar. Wer nicht mehr allein leben kann und Unterstützung braucht, müsste wegziehen. Doch damit wollten sich Dr. Jörg Biastoch und Ina Kadlubietz nicht abfinden. Die beiden Gründer*innen der Humanas entwickelten Wohnparks in kleinen Gemeinden. Inzwischen sind es 15, einer davon in Colbitz. Sie alle machen es möglich, in der alteingesessenen Kommune und in eigenen vier Wänden alt zu werden und sich so viel Alltagsleben und Selbstständigkeit zu erhalten.

Das Geheimnis

An diesem Ort wird der Alltag bewahrt! Wer hier angekommen ist, hört nicht auf, das normale Leben zu leben, das von größeren und kleineren Anstrengungen und Verrichtungen bestimmt wird.
Das Konzept basiert auf einer wissenschaftlichen Studie zum altersgerechten Wohnen des in der DDR ausgebildeten Mediziners Biastoch: eine Wohnanlage, in Größe und funktionaler Architektur auf den jeweiligen Ort zugeschnitten, deren kleine Reihenhäuschen und Einraumwohnungen von den Bewohnern preiswert angemietet werden — an Standorten, mit denen sie in der Regel biografisch verbunden sind. Außerdem können zusätzliche Pflegeleistungen — ambulante Dienste, Tagespflege und Nachtbereitschaft — abhängig von der individuellen Situation bis zu 24 Stunden täglich abgerufen werden.

Bauweise

Das einstöckige Gebäude in Colbitz mit 26 Quadratmeter großen Einraumwohnungen und 58 Quadratmeter großen barrierefreien Wohnungen hat eine ungewöhnliche Wabenstruktur, die gegen Vereinzelung wirkt, und ist inspiriert durch ähnliche Projekte in Dänemark. Der Grundriss vermeidet lange, ungemütliche Flure und bietet wie von allein Begegnungsräume. Da einstöckig gebaut wird, sind die Brandschutzauflagen leichter zu erfüllen. Und durch Oberlichter in den Decken ist es überall taghell.

Begegnung architektonisch geplant: Die überdachten Flure zwischen den wabenähnlichen Wohnungen mit Gemeinschaftsraum machen es möglich.

Der Eingang öffnet sich in die große zentrale Wabe. Hier ist es kurz vor Mittag voll. Viele Bewohner*innen sitzen zusammen in Sesselgruppen und vertreiben sich die Zeit vor dem Mittagessen, das gemeinsam stattfindet. Von überall im Gebäude sind es hierher nur wenige Schritte — gut zu schaffen für die Bewohner*innen und effizient für das Pflegepersonal. Ein Farbkonzept, das alle Waben klar voneinander unterscheidet, ist besonders für die an Demenz erkrankten Bewohner*innen hilfreich. Das Linoleum auf dem Fußboden ist gelb, rot, blau oder grün. Die Farbe findet sich auch in der gemeinsamen Küche und den individuellen Wohnungen an einer Wand wieder oder ist auf dem Esstisch zu sehen. Das macht die Orientierung leichter.

Kontakte

Neben dem Leben in der Gemeinschaft schafft das Humanas Konzept gute Voraussetzungen für Kontakte zu den Angehörigen und Familien der Bewohner*innen sowie zum örtlichen Umfeld. Die Wabenküchen etwa können gerne von Angehörigen benutzt  werden. Der Pflegedienst betreut auch Menschen im Ort. Ergänzt wird diese Durchlässigkeit dadurch, dass Menschen aus dem Ort zur Tagespflege ins Haus kommen. Sie verbringen dann den Tag inklusive der Mahlzeiten hier — und bringen ihre eigenen Geschichten mit.

Gute Balance

Und wie ist das alles gebaut worden? Grundsätzlich versuchen die Leute bei Humanas, eine gute Balance zwischen nachhaltigem Bauen und tragbaren Investitionskosten zu finden. Die Mieten sollen möglichst niedrig gehalten werden, damit die Bewohner*innen auch finanziell autonom bleiben können. Blockheizkraftwerke sind seit dem zweiten Wohnpark überall errichtet worden, auf den Dächern befinden sich Photovoltaikanlagen.

Der im Jahr 2015 errichtete Wohnpark in Colbitz entspricht KfW-Standard 70. Der Primärenergiebedarf beträgt 70 Prozent eines üblichen, vergleichbaren Neubaus. Was im Wohnungsbau weitverbreitet ist, stellt für eine Pflegeimmobilie schon einen großen Schritt
dar.

Die 2018 gebauten Wohnparks erreichen bereits den KfW-Standard 40. Die bewährte Struktur und Raumaufteilung wurden beibehalten, aber in Holzrahmenständerbauweise mit Fertigteilen errichtet und die Dächer begrünt, was das Wohnklima angenehmer macht. Zusammen mit weiteren Maßnahmen wie einer Solaranlage wurde der KfW-Standard 55 erreicht.

Regional

Das 2006 gegründete Familienunternehmen Humanas ist inzwischen mit 350 Mitarbeiter*innen und zweistelligem Millionenumsatz der größte Pflegeanbieter in Sachsen-Anhalt. Ein regionaler Player, der regional bleiben will und dessen Fundamente in den Dorf- und Kleinstadtstrukturen des Bundeslandes begründet sind.

„Es geht uns nicht um Wachstum als Selbstzweck — Wachstum ergibt sich, weil wir von allen Seiten gedrängt werden“, so Biastoch.

Das Management ist in flacher Hierarchie organisiert, agiert nah an den Einrichtungen und ihren Mitarbeitern. Neues auszuprobieren und sich einzumischen, ist erwünscht.

Bauen auf die GLS Bank

Es ist kein Zufall, dass die GLS Bank von Anfang an der wichtigste Finanzpartner von Humanas gewesen ist. Ein Fachberater stellte den Kontakt zum Kundenbetreuer der Bank her: „Uwe Knauer hat unser innovatives Konzept sofort verstanden und bis heute mit vielen eigenen Ideen begleitet“, so der Geschäftsführer Biastoch. „Ganz gleich, ob es um die ersten Bauvorhaben ging, um die betriebliche Altersversorgung, um unsere soziale Stiftung oder die Entwicklung hin zum energieeffizienten Wohnpark mit Gründach, Photovoltaik und hohen Speicherkapazitäten — auf die GLS konnten wir buchstäblich immer bauen!“

2017 erhielt Humanas den Großen Preis des Mittelstandes

Weitere Informationen zum Unternehmen humanas.de

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Ein Artikel aus dem GLS Unternehmer*innen-Magazin Sinnmacher zum Thema nachhaltige Immobilien. Diesen und viele andere spannenden Artikel finden Sie hier im Blog. Alle Ausgaben des Sinnmachers als PDF finden Sie unter: https://www.gls.de/sinnmacher/.

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