BOB Campus Wuppertal: Hallo Nachbar*in

In Wuppertal entsteht aus einer stillgelegten Textilfabrik ein Campus mit besonderer Mischung, der BOB Campus. Bildung, Gewerbe, Wohnen und Platz für gemeinwohlorientiertes Engagement werden den Stadtteil Oberbarmen beleben.

Von Jörg Jung, Robert Ambrèe

Bis 2012 wurden in der Textilfabrik noch Schnürsenkel und Gardinenbänder hergestellt. Doch nach rund 150 Jahren Industriegeschichte musste das Bünger Textilwerk Oberbarmen (BOB) schließen. Zurück blieben leere Werkshallen auf einem Areal von 8.500 Quadratmetern als sichtbares Zeichen des Strukturwandels.

Der Stadtteil Oberbarmen im Wuppertaler Osten ist ein typisches ehemaliges Arbeiterviertel mit dichter Bebauung und alten, historisch gewachsenen Fabriken inmitten der Wohnviertel. Viele Straßen werden von Gebäuden aus der Gründerzeit gesäumt, teils gut erhalten, teils sanierungsbedürftig. Hinzu kommt die Kulisse der hügeligen Umgebung mit der mächtigen Nordbahntrasse, früher Bahndamm, heute die beliebteste Ost-West-Verbindung durch Wuppertal zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Von der Industrieproduktion ….

Das industrielle Standbein des Viertels ist weggebrochen. Es fehlen Jobs für die vielen Menschen, die hier leben. Sie stammen aus mehr als 100 Ländern. Zuwanderung prägt Oberbarmen seit Jahrzehnten. Der Stadtteil ist divers, lebendig, jung. Doch auch Armut und Marginalisierung gehören für viele Menschen und Familien zum Alltag. Seit 2012 ist Oberbarmen Fördergebiet im Bund-Länder-Programm Soziale Stadt bzw. Sozialer Zusammenhalt.

… zum lebenswerten Quartier

Einen Impuls für die Entwicklung des Stadtteils möchten die Montag Stiftungen geben: Aus der alten Textilfabrik wird der BOB CAMPUS. Die Montag Stiftung Urbane Räume engagiert sich seit einigen Jahren für Projekte, die Immobilien- und Quartiersentwicklung ganzheitlich denken und umsetzen. Grundlage ist die Strategie, aus Mietüberschüssen dauerhaft gemeinnützige Aktivitäten im Quartier unterstützen zu können. Die Rendite ist das Gemeinwohl.

Die Unternehmerfamilie Bünger hat die Immobilien der Fabrik per Erbbaurecht an die Urbane Nachbarschaft BOB gGmbH, eine gemeinnützige Projektgesellschaft der Montag Stiftungen, übertragen. Somit wurde die Familie selbst zur Stifterin für das Gemeinwohl. Der BOB CAMPUS wird einen besonderen Nutzungsmix aus Gewerbe, Wohnungen, Kindertagesstätte, Schule, Gemeinschaftsflächen und Nachbarschaftspark mit Anbindung an die Nordbahntrasse bieten. Die Bewohner*innen des Viertels werden aufgerufen und ermutigt, selbst aktiv zu werden, den Campus kooperativ mitzuentwickeln und künftig auch mitzutragen.

Gemeinsam entwickeln

Die Urbane Nachbarschaft BOB gGmbH ist Bauherrin und Gemeinwohlentwicklerin in einem. Im Projektraum vor Ort wird geplant, finden Netzwerktreffen, Ferienangebote und Kulturabende statt, engagieren sich die Menschen aus der Nachbarschaft als Botschafter*innen für den Campus und ihre Communitys. „Das Projekt schafft unterschiedlichste Zugänge für aktive Teilhabe und hat großes Potenzial, Identität zu stiften — für die Menschen in Oberbarmen, aber auch in ganz Wuppertal“, sagt Helin Keles, Leiterin des Projektbüros. Wichtig ist die Verzahnung mit den Institutionen vor Ort, um die Strahlkraft ins Viertel zu erhöhen. So wird die Max-Planck-Realschule auf dem Campus ihre Fachräume für Kunst, Technik und Textiles beziehen, nachdem Lehrer- und Schülerschaft intensiv an der Planung beteiligt gewesen sind.

Gemeinnützig nutzen

Der CVJM Oberbarmen wird eine Kita einrichten, um dem großen Bedarf an Kitaplätzen im Stadtteil zu begegnen. Auf mehr als 2.000 Quadratmetern Fläche können sich Unternehmen ansiedeln oder gründen. Von Coworking-Spaces über Bürolofts bis zu Flächen für urbane Produktion reicht das Spektrum der Möglichkeiten. Unternehmen, Schule und Jobcenter sollen im Sinne von (Aus-)Bildung und Qualifizierung eng zusammenarbeiten. So leistet der Campus einen Beitrag für neue Beschäftigung im Quartier. Elf Wohnungen, davon acht öffentlich gefördert, werden in zwei ehemaligen Betriebswohnhäusern entstehen. Die Grundrisse sind so angelegt, dass die Wohnungen das neue Zuhause sowohl für Singles und Paare als auch für Wohngemeinschaften und Familien mit vielen Kindern sein können. Das Herz des Campus ist die 1.000 Quadratmeter große Nachbarschaftsetage mit Raum für vielfältige, gemeinnützige Nutzungen, einer Viertelsküche und Zugang zum 4.500 Quadratmeter großen Nachbarschaftspark.

„Das Projekt ist gekennzeichnet durch einen starken Gruppenprozess, sodass diverse Probleme überwunden werden können.“ Benedikt Altrogge, GLS Bank

Kooperationsprojekt

2017 ging die Planung für das Gelände los, 2018 startete die neu gegründete Projektgesellschaft mit dem Projektbüro vor Ort, bis Ende 2021 soll der Umbau beendet sein. Rund neun Millionen Euro werden von den Montag Stiftungen in den Bau des BOB  CAMPUS investiert, weitere rund 1,5 Millionen Euro über vier bis fünf Jahre für die kooperative Projektentwicklung, die Gemeinwohl- und Netzwerkarbeit im Stadtteil bereitgestellt. Die Stadt Wuppertal ist von Anfang an enge Kooperationspartnerin gewesen. Sie trägt — über öffentliche Fördermittel — die Kosten und die Leitung für den Bau des Parks.

Vertrauensvolle Partnerschaft

Für Johanna Debik, Geschäftsführerin der Urbane Nachbarschaft BOB gGmbH und Vorständin der Montag Stiftung Urbane Räume, sprach alles für die GLS Bank als Partnerin: „Wir teilen dieselben Werte: Gemeinwohlorientierung, Förderung von Gemeinschaft und Nachhaltigkeit. Seit dem Projekt Nachbarschaft Samtweberei in Krefeld pflegen wir eine vertrauensvolle Partnerschaft.“

„Das Projekt ist gekennzeichnet durch einen starken Gruppenprozess, sodass diverse Probleme überwunden werden können“, sagt Branchenexperte Benedikt Altrogge. „Auch wenn sich der Standort in einem schwierigen räumlichen Umfeld befindet, vertrauen wir der Idee und Vision des Projekts BOB CAMPUS und glauben an die Umsetzbarkeit.“

Mehr Infos
Montag Stiftung
BOB Campus

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Eine Antwort zu „BOB Campus Wuppertal: Hallo Nachbar*in“

  1. Avatar von Volker Römisch
    Volker Römisch

    |

    Ein interessantes Projekt mit Strahlkraft. Abzuwarten bleibt, ob durch die aktuelle Situation auf dem Baustoffe-Markt weitere Verzögerungen beim Bau auftreten werden.

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