WEtell – Wie Du mit Mobilfunk das Klima und Deine Daten schützt

Das junge Unternehmen WEtell aus Freiburg ist ein Mobilfunkanbieter mit Visionen. Seit Juli 2020 am Markt, setzt unsere Kundin von Anfang an auf Nachhaltigkeit: 100% Klimaschutz, Datenschutz, Fairness und Transparenz. Nach eigenen Angaben wurden bereits 1.000 Solarmodule für WEtell in Deutschland gebaut. Außerdem verspricht WEtell, alle Kund*inenndaten so früh es geht zu löschen, monatlich kündbare Tarife ohne versteckte Kosten und besten Service von Mensch zu Mensch.

Alma Spribille hat das Unternehmen gegründet. Zusammen mit Andreas Schmucker und Nico Tucher. Sie hatten es irgendwann satt, zuzusehen, welche negativen Veränderungen es in der Welt gibt. Sie wollten gegensteuern – einfach mal machen und nicht nur reden!

„Wir sind laut, wenn andere leise sind. Geben uns nicht damit zufrieden, dass die Welt so läuft wie sie eben so läuft.“
– WEtell –

Und so riefen Andreas, Alma und Nico WEtell ins Leben. Einen nachhaltigen Mobilfunkanbieter, der mehr kann als nur telefonieren und surfen. Was heißt das genau? Was steckt dahinter? Wie funktioniert das?

Ich habe bei Alma, Mitgründerin und zuständig für den Fachbereich Finanzen, mal nachgefragt.

Hallo Alma, Ihr seid jetzt endlich auf dem Markt, der Gründungsstress ist vorbei, kannst Du jetzt endlich durchatmen, wie geht´s Dir heute?

Seit Juli 2020 sind wir am Markt, was ein großartiges Gefühl ist, aber durchatmen kann ich aktuell noch nicht. Ich bin bei WEtell für die Finanzen und damit auch für die Finanzierung und das Crowdinvesting zuständig und da ist gerade richtig viel los. Unsere zweite, komplett nachhaltig gestaltete Finanzierungsrunde ist in vollem Gange, was natürlich auch mit viel Arbeit verbunden ist. Dennoch sind wir sind super glücklich, diesen Weg gehen zu können. Mir geht es dabei dabei richtig gut, die Zusammenarbeit mit so tollen und konsequent nachhaltigen Unternehmen, wie beispielsweise der GLS Bank, macht Spaß und zeigt, dass erfolgreiche Unternehmen ihre Ideale nicht aus den Augen verlieren müssen.

Alma Spribille, Gründerin WEtell, nachhaltiger Mobilfunk
Alma Spribille, Gründerin WEtell

Stell Dich doch bitte einmal kurz vor

Ich bin 36 Jahre alt, habe Energie- und Umweltmanagement in Flensburg studiert, und nach meiner Diplomarbeit als Wirtschaftsingenieurin im Themenbereich Solarzellen bin ich am Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem in Freiburg geblieben und habe dort meine Karriere begonnen. Zuletzt habe ich als Gruppenleiterin weltweit wichtige Industrieprojekte geleitet. Meiner Vision, all meine Energie in Nachhaltigkeit zu investieren, folge ich seit meinem Studium kontinuierlich. Vor 3 Jahren gestartet habe ich seitdem mit WEtell die Möglichkeit, von Grund auf ein Unternehmen aufzubauen, all meine Ideale einzubringen, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln und mit spannenden Partnerunternehmen Kooperationen zu entwickeln. Ich habe das große Glück, fantastische Gründerkollegen und tolle Mitarbeiter*innen an meiner Seite zu haben, die gemeinsam mit mir den Wandel im Mobilfunk gestalten möchten.

Du bist Mitgründerin und zuständig für den Fachbereich Finanzen- damit scheinst du mit allen „alten Rollenbildern“ aufzuräumen als Gründerin bist du als Frau – statistisch gesehen – noch die Ausnahme, woran liegt das? (Anm. d. Red: Im Jahr 2020 betrug der Anteil der Gründerinnen an Startups 15,9 Prozent.)

Vor und während der Gründung ist mir auf Jungunternehmer Veranstaltungen immer wieder aufgefallen, wie wenig diverse Teams mit einer Frau als Mitgründerin es gibt. Ich fürchte, dazu tragen viel die noch immer tief gesellschaftlich verankerten Rollenbilder bei. Männern wird oftmals mehr Kompetenz zugesprochen und sie trauen sich häufig auch selbst mehr zu. Dazu kommt, dass viel der Betreuungsarbeit nach wie vor bei Frauen hängenbleibt. Eine Schwierigkeit ist sicher auch, dass Investor*innen überwiegend männlich sind und lieber die Ideen von Männern finanzieren, weil sie deren Sichtweise besser einschätzen können.

Dazu kommt, dass Männer und Jungs viele Vorbilder haben und diese aktiv von der Gesellschaft und den Medien präsentiert werden. Vorbilder für Frauen und Mädchen gibt es noch sehr wenige, beziehungsweise die Präsentation hierbei ist nicht proaktiv. Meist müssen Frauen ihre Vorbilder aktiv recherchieren, während Männer Vorbilder überall finden.

Ich habe die schöne Erfahrung gemacht, dass mir in der Schule auch von meinen männlichen Lehrern in den Naturwissenschaften und Mathe immer alles zugetraut wurde. Die Befähigung, in mich selbst und meine Stärken zu vertrauen hat dazu geführt, dass ich Mathe und Physik als Leistungskurs und später ein wirtschaftlich-technisches Studienfach gewählt habe. Dabei habe ich persönlich nie in Frage gestellt, ob ich – als Frau – das kann. Diese Erfahrung hat sich im Studium trotz kaum weiblicher Professorinnen fortgesetzt. Am Fraunhofer ISE, als eine von sehr wenigen Frauen, als Führungskraft und als Wirtschaftsingenieurin unter vielen Physikern, musste ich mich teilweise ganz schön durchsetzen. Um das mit einem gewissen Gleichmut zu können, habe ich Schulungen zu „Frauen in Männerberufen“ gemacht. So konnte ich neue Impulse für meine Kommunikation erhalten und mein Selbstmarketing verbessern, ein von Frauen leider oft unterschätzter Aspekt.

Als erste Frau in einem Bereich von 200 Mitarbeitenden habe ich eine Führungsposition eingenommen und 11 Mitarbeiter*innen geführt. Was ich gelernt habe ist, dass es bei all diesen Schritten wichtig ist, dass du dir Menschen und ja auch Männer suchst, die dich besser machen, deine Stärken erkennen und dich fordern und fördern. Solange es davon welche gibt, kann man den Rest überzeugen. Ich kann nicht empfehlen, diesen Weg ganz allein zu gehen.

Gerade Finanzthemen gehören zu einem Feld, welches gesellschaftlich (leider) noch als Männerdomäne gilt: Wieso ist das noch so? Und was braucht es, um diese Bilder neu zu besetzen?

Auch hier ist viel Prägung aus Kindheit und Jugend sowie mangelnde Vorbilder sicher ein wichtiger Aspekt. Die positiven Ausnahmen wie Christine Lagarde als Präsidentin der EZB sind eben genau das – Ausnahmen!

Es ist unerlässlich, dass wir daran arbeiten, junge Frauen und Mädchen zu ermuntern, solche Studienfächer zu wählen und Berufe zu ergreifen, um langsam aber sicher zu echter Gleichberechtigung zu kommen. Denn dass Zahlen eher Männersache sind, ist ja auch eine moderne Erscheinung und hat wirklich nichts mit Begabung oder Können zu tun. An dieser Stelle empfehle ich gerne allen Leser*innen den Film „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“, der auf realen Begebenheiten basiert und in dem sehr plastisch dargestellt wird, dass zur damaligen Zeit Mathematikerinnen, die komplexe Berechnungen durchgeführt haben, als „Rechenmaschinen“ genutzt wurden. An Zahlenkompetenz hat es da wohl nicht gemangelt.

Gründungsteam des WEtell, nachhaltiger Mobilfunk, v.l.n.r. Andreas Schmucker, Alma Spribille, Nico Tucher
Gründungsteam WEtell, v.l.n.r. Andreas Schmucker, Alma Spribille, Nico Tucher

Wer gehört noch zu Eurem Team?

Das WEtell Team besteht insgesamt aus 14 Menschen, wovon 75% Frauen sind. Im Kund*innen Service arbeiten derzeit 6 Mitarbeiter*innen mit unterschiedlich viel Arbeitsstunden und -zeiten und bieten echten Service von Mensch zu Mensch. In den Bereichen Marketing und Vertrieb haben wir im vergangenen Jahr unser Team erweitern können. Alle Mitarbeiter*innen tragen auf ihre Weise zum Erfolg von WEtell bei und machen das Unternehmen zu dem was es ist – eine richtig runde Sache.

Was unterscheidet WEtell von anderen Mobilfunkanbietern?

Wir wollen aus Mobilfunk eine rundum nachhaltige Dienstleistung machen. Damit unterscheiden wir uns bis auf die Basis-Dienstleistung des Mobilfunks eigentlich in allem. Wir sind werte-basiert statt profit-maximiert und machen Mobilfunk, weil wir Nachhaltigkeit in einen weiteren Lebensbereich bringen wollen. Und genau diese Haltung spüren unsere Kund*innen auch. Dabei verstehen wir Nachhaltigkeit als ganzheitlichen Ansatz und fassen darunter unsere Alleinstellungsmerkmale Klimaschutz, Datenschutz, Fairness und Transparenz zusammen.

Wir bieten unseren Kund*innen klimaneutralen Mobilfunk, setzen uns aktiv für Datenschutz ein, haben eine transparente Preisgestaltung mit ausschließlich monatlich kündbaren Tarifen und behandeln selbstverständlich Mitarbeitende genauso wie Partner*innen und Kund*innen fair.

Besonders freut es mich, dass bereits 1.000 Solarmodule in Deutschland gebaut wurden, um unser unvermeidliches CO2 Aufkommen zu kompensieren. Damit gleichen wir CO2 für bereits 10.000 Kund*innen zu 200% aus und das bei gerade 3.000 Bestandskund*innen.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Mein Co-Founder Andreas hatte nach und nach verschiedene Bereiche seines Lebens auf nachhaltige Alternativen umgestellt. Dabei hatte er festgestellt, dass im Bereich Mobilfunk noch kein entsprechendes Angebot vorhanden ist. Diese Idee hat er ins Team eingebracht. Bei Recherchen haben wir gemerkt, dass es für Menschen wie uns tatsächlich noch keine nachhaltige Mobilfunk Dienstleistung gibt, obwohl das Fairphone schon auf dem Markt war. Die Entscheidung war dann einfach – wir wollten nachhaltigen Mobilfunk entwickeln und haben mit unserer Vision „in der Tasche“ einfach losgelegt. Gleich zu Beginn unserer Idee haben wir den Smart Green Accelerator vom Grünhof in Freiburg gewonnen und hatten so unsere ersten WEtell Arbeitsplätze im Co-Working Space in der Lokhalle.

Wie viele Kund*innen habt ihr bereits?

Aktuell haben wir gut 3.000 Kund*innen und jede Woche werden es 100 mehr.

Was kostet mich als Kundin die Kombi Mobilfunk/die Welt ein klein wenig zu verbessern?

Das kommt natürlich auch auf deinen Mobilfunkbedarf an, empfehlenswert und am beliebtesten ist Mittelwelle – für 20 € bekommt du eine SMS- und Telefonie-Flat in alle deutschen Netze und 5GB Datenvolumen Alles im D-Netz und monatlich kündbar – gepaart mit 100% Klimaschutz, Datenschutz, Fairness & Transparenz.

Was sind eure nächsten Schritte?

Heute haben wir über die GLS Crowd eine Crowdinvesting Kampagne gestartet. Hier sammelten wir in nur zwei Stunden von vielen Kleinanleger*innen in Summe 700.000 € ein. Das ist ein sehr wichtiger Finanzierungsbaustein für uns. Das Crowdinvesting auf der GLS Crowd ist für uns die passende Möglichkeit, in der jungen Geschichte unseres Unternehmens die nötige Finanzierung zu bekommen, um weiterhin Haltung und Werte in den Mobilfunkkosmos einziehen zu lassen. Die Unterstützung durch Nachhaltigkeitsbegeisterte sichert unser selbstbestimmtes Agieren ohne die Mitbestimmung großer Investor*innen.

Dann befinden wir uns mitten in dem Prozess der Gemeinwohlbilanzierung. Im Sommer wollen wir ein sogenanntes Purpose Unternehmen werden. Damit wird WEtell im Verantwortungseigentum sein und es ist sichergestellt, dass das Unternehmen sich selbst gehört, frei von externen Einflüssen bleibt und die Gemeinwohlorientierung langfristig gesichert ist.

Danke Dir, Alma, magst Du unseren Leser*innen noch etwas mitgeben?

Wenn man sich Konsumverhalten insgesamt anschaut, dann werden die meisten Produkte und Dienstleistungen von Frauen gekauft. Da ist es doch nur logisch, dass Frauen auch bei der Entwicklung und Gestaltung an zentralen Stellen mitwirken, oder? Also los geht’s, liebe männliche Leserschaft – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich euer Angebot verbessert, wenn mehr Frauen aktiv dabei sind!

Und allen Leserinnen kann ich nur mitgeben: Sucht euch ein Team, dass eure Stärken stärkt und eure Schwächen ausgleicht. Frau muss nicht alles selbst oder am besten können. Teams sind das Gegenteil von Ketten – wenn sie richtig gut zusammenarbeiten, sind sie an jeder Stelle so stark wie ihr stärkstes Mitglied und genauso ist es bei WEtell.

Also ich finde, Alma hat genau das richtige Mindset! Und WEtell zeigt, was dabei rauskommen kann, wenn man nicht nur redet, sondern handelt. Nämlich, dass Visionen wahr werden können, oder?

Auch interessant zum Thema nachhaltiges Leben, hier bereits im Blog erschienen:

Fairnica – mit Mode die Welt ein wenig besser machen!

  1. Danke, liebe Alma!
    Dein Kernsatz hat mir gut gefallen: „Wir sind werte-basiert statt profit-maximiert und machen Mobilfunk, weil wir Nachhaltigkeit in einen weiteren Lebensbereich bringen wollen.“

  2. Manuel

    Ein tolles Konzept und wirklich überfällig, dass es in diesem Bereich endlich auch eine ökologischere und auch datenschutzfreundlichere Alternative gibt. Ich wünsche dem ganzen WeTell-Team viel Erfolg!

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