Fairnica – mit Mode die Welt ein wenig besser machen!

Also, ich schreibe es wie es ist: Ich mag Mode. Wie viele andere auch, weltweit. Ist ja perse erstmal nichts daran auszusetzen. Mode kann ein Ausdruck des individuellen Stils, der Persönlichkeit sein. Mir kann sie auch gute Laune machen. Und Hand aufs Herz – manchmal macht es auch einfach Spaß, sich ein schickes, neues Teil zu gönnen.

Oh, da fällt mir gerade ein Lied von Herbert Grönemeyer ein:

„Oh, ich kauf mir was
Kaufen macht soviel Spaß
Ich könnte ständig kaufen gehn
Kaufen ist wunderschön

Ich kauf, ich kauf
Was, ist egal
Hat das Fräulein dann bei mir abkassiert
Was jetzt meins ist, schon nicht mehr interessiert…“
(Herbert Grönemeyer „Kaufen“ / Album „Gemischte Gefühle“ 1983)

„…schon nicht mehr interessiert“ – heißt wohl, damit geht die Spirale los. Denn nun müssen immer schneller neue Trends und Kollektionen her. Und das möglichst billig. Und wenn es kaputt ist? Reparieren? Nein, wer macht denn heutzutage noch sowas? Dann lieber wegwerfen. Oder ab in den Kleidercontainer, auf den Weg in die ohnehin teils verstopften Secondhandwege. Denn Nachschub ist doch schon wieder da!

Kleidung ist politisch

Allerdings gibt es da bestimmt ein Problem. Wenn wir so exzessiv weitermachen, stehen wir durch diese Art des „Fast Fashion“ bald vor einem Konsumkollaps. Denn die Textilindustrie gehört zu den umweltschädlichsten Branchen. Und die Bilder der unmenschlichen Bedingungen der Herstellung in den „Billiglohnländern“ kennen wir doch wohl alle.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sagt, wir kaufen in Deutschland durchschnittlich sechzig Kleidungsstücke pro Jahr. Davon wird jedes fünfte Kleidungsstück so gut wie nie getragen! Die globale Bekleidungsproduktion hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als verdoppelt! Tendenz für die nächsten Jahrzehnte stark steigend!

Somit ist Mode dann wohl auch ein gesellschaftspolitisches Thema. Tja, macht vor diesen Hintergründen dann doch wohl keinen richtigen Spaß mehr, oder?

Mode zwischen Konsum und Nachhaltigkeit

Wie können wir also unseren Kleiderschrank weiterhin aufpeppen, den Spagat zwischen nachhaltigem Konsum und Verlangen nach neuer Mode hinbekommen? Vielleicht Fair Fashion einfach mieten. Ja, richtig gelesen. Wir mieten doch auch Wohnungen und Autos. Warum dann nicht auch Mode?

Das hat sich auch unsere Kundin Fairnica aus Herne gedacht und die erste Fair Fashion Capsule Wardrobe Vermietung ins Leben gerufen. Im Sommer 2018 nahm Fairnica am Gründerwettbewerb Senkrechtstarter mit ihrem Vermietkonzept teil und gewann den vierten Platz und den Sonderpreis für Nachhaltigkeit, verliehen von der GLS Bank.

Ich war neugierig und habe bei der Geschäftsführerin und Co-Gründerin Nicola Henseler nachgefragt.

Bank trifft Fashion – passt!

Sonja: „Hallo Nicola, stell Dich doch bitte einmal kurz vor, woher kommst Du, was hat Dich wie zu Deinen heutigen Visionen geführt?“

Nicola: „Ich bin Nicola, 35 Jahre alt, Mama von zwei Kindern und Innovationsmanagerin. Ich komme aus Herne und lebe dort auch. Ich habe mich in meiner ersten Elternzeit mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Ich ernähre mich seit ich 14 bin vegetarisch und mir war schon recht lange klar, dass ich mich mal mit dem Thema Fair Fashion auseinander setzen sollte, habe es aber immer vor mir her geschoben.

Die Elternzeit habe ich dann genutzt, meine Wissenslücken im Bereich Nachhaltigkeit zu füllen. Dabei bin ich über eine Studie von Greenpeace gestolpert, die davon berichtete, dass die Textilindustrie 2015 mehr CO2 ausgestoßen hat, als der gesamte Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Da bin ich etwas aus den Latschen gekippt. Davon, dass die Textilindustrie so einen großen Impact in der Klimakrise hat, habe ich nicht gewusst. Mir war sofort klar, dass ich da für mich etwas ändern möchte und auch mehr im Freundeskreis aufklären muss. Ich habe dann nach Fair Fashion Labels gesucht und vor allem nach alternativen Businessmodellen zum Kauf. Es gab zu der Zeit einen Online-Anbieter, der Alltagskleidung vermietet hat. Ich habe es ausprobiert und gemerkt, dass ich die Teile nicht mit meiner Garderobe kombinieren und so nicht wirklich oft nutzen konnte. Ich dachte, das muss man doch besser hinkriegen. Und so fing ich an, ein eigenes Konzept zu entwickeln.“

Sonja: „Erklär doch bitte mal das Konzept von Fairnica“

Nicola: „Ich dachte, wenn man Kleidung mietet, möchte man doch auch sicher gehen, dass man sie viel tragen kann und dass sie mit der eigenen Garderobe kombinierbar ist. Ich habe also überlegt, ob es nicht besser wäre Outfits statt Einzelteilen zu vermieten. Als ich dann über das Konzept der Capsule Wardrobe gestolpert bin, schien das perfekt zusammen zu passen.

Eine Capsule Wardrobe ist eine Garderobe, die aus Kleidungsstücken besteht, die untereinander kombinierbar sind. Wenn dies der Fall ist, braucht man nämlich keinen vollen Kleiderschrank, sondern hat eine Vielzahl an Outfitmöglichkeiten mit nur wenigen Kleidungsstücken parat.

Bei Fairnica erstellen wir also sehr kleine Capsule Wardrobes (wir nennen sie Kapseln), die aus fünf bis sieben Kleidungsstücken bestehen, die alle untereinander kombinierbar sind. Diese Kapseln kann man mieten und so seine Grundgarderobe erweitern. So kann man neue Stile und Farben austesten, ohne einen Fehlkauf zu riskieren. Wenn man gerne viel Abwechslung in seinem Kleiderschrank hat, einem aber der Impact auf Umwelt, Menschen und Tiere bewusst ist, ist die Miete die perfekte Möglichkeit alles ohne schlechtes Gewissen unter einen Hut zu bringen.“

Sonja: „Wer gehört sonst noch zum Team?“

Team Fairnica, Gründerin Nicola Henseler zweite von rechts, und drei ihrer helfenden Freundinnen / Foto Martin Steffen
Team Fairnica, Gründerin und Geschäftsführerin Nicola Henseler zweite von rechts, daneben ihre Mitgründerinnen und eine helfende Freundin / Foto Martin Steffen

Nicola: „Als ich anfing das Konzept zu entwickeln, habe ich immer mehr Leuten in meinem Freundeskreis davon erzählt und so haben sich mir ein paar Freunde und Familienangehörige angeschlossen. Das Team hat sich in der Zwischenzeit leicht verändert. Aktiv arbeiten wir derzeit zu dritt bei Fairnica. Wir haben eine Grafikerin im Team, meinen Mann, der sich um den Kundensupport kümmert und mich. Außerdem haben wir noch Gesellschafterinnen und Freund*innen dabei, die sich so viel einbringen, wie sie können und mögen, aber eben nicht ständig im operativen Geschäft dabei sind.“

Sonja: „Warum glaubst Du, dass durch das Konzept von Fairnica die Welt ein bisschen besser gemacht werden kann? Was könnt Ihr bewirken?

Nicola: „Wir können eine Alternative zur Fast Fashion geben. Wir ermöglichen, dass Menschen, die ein Bedürfnis nach Abwechslung im Kleiderschrank haben, dieses ohne schlechtes Gewissen ausleben können. Wir verlängern die Lebensdauer von Kleidungsstücken und halten sie so lang es geht im Kreislauf, so dass alle davon profitieren können. Und wir können den Zugang zu Fair Fashion vereinfachen, in dem wir viele Labels vorstellen und den Kund*innen die Suche und Recherche abnehmen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir alle nur noch eine Grundgarderobe zu Hause haben und alles, was nur selten oder für eine kurze Zeit getragen wird, gemietet wird.“

Ein GLS Selbstversuch – der Tag des Fotoshootings

Meiner Meinung nach hört sich das alles ziemlich gut an. Aber Mode will getragen und gesehen werden. Also habe ich einige Kolleg*innen von mir gebeten, die Kleidungsstücke einem Alltags- und Wohlfühltest zu unterziehen. Und hier sind ein paar Impressionen der Damenkapsel „Stella“ und der Herrenkapsel „Hugo“:

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

 

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

 

Fairnica Mode / Foto Martin Steffen

Ich behaupte mal, das kann sich sehen lassen! Meine Kolleg*innen und ich sind auf jeden Fall von den tollen Kleidungsstücken und dem Konzept begeistert. Außerdem haben wir viel gelacht beim Fotoshooting! Na, geht doch…das mit der Mode und dem Spaß.


Hier die Aufzeichnung unseres Livestream: „FairFashion und Corona – Fördert Corona die Nachhaltigkeit in der Modebranche?“ vom 7.10.2020 / Mit Nicola Henseler / Fairnica, Marie Nasemann / fairknallt und Verena Paul-Benz / ThokkThokk. Modearation: Stefan Möller & Maurice Attenberger / GLS Bank

Alle Fotos von Martin Steffen, Bochum

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