Früher war mehr Lametta – Weihnachten trifft Corona

Was für ein Jahr! 2020 wird gewiss den Weg in die Geschichtsbücher finden als das Corona-Jahr. Im März dieses Jahres konnte kaum jemand von uns erahnen, wie lange diese Pandemie unser Leben bestimmt. Und welche gewaltigen Ausmaße diese haben wird. Das Jahr hat uns einiges genommen und abverlangt. Hat bei einigen von uns bestimmt Spuren und Narben hinterlassen, im Herzen, in der Seele, am Körper – aber auch ganz profan im Geldbeutel. Vieles ist ausgefallen. Was aber trotz dieser Pandemie nicht ausfallen wird, ist Weihnachten. Das Fest der Liebe kann uns auch das Virus nicht nehmen.

Alle Jahre wieder…

…um diese Zeit beschleicht uns dieser gewisse Zauber. Egal, ob wir gläubige Christen sind oder nicht. Da ist sie dann – diese Sehnsucht nach Ruhe und Frieden. Nach Nähe und Geborgenheit. Wir werden sentimental und besinnen uns. Auf jeden Fall sind wir redlich bemüht. Vor unserem inneren Auge sehen wir Kerzenschein, reinweißen Schnee, leuchtende Kinderaugen. Alles erstrahlt und funkelt so schön. Von irgendwoher hören wir Glöckchen klingen. Wir riechen duftendes Weihnachtsgebäck. Fahren an den großen Tagen alles auf, was Küche und Keller zu bieten hat. Machen es uns so richtig gemütlich und haben uns alle lieb.

Und dieses Jahr Weihnachten?

Wird es definitiv ein anderes Weihnachten. Wir werden es wohl nicht mit all unseren Liebsten so verbringen, wie wir es uns wünschen würden. Auch Weihnachtsfeiern mit Kolleg*innen finden nicht statt. Auf jeden Fall nicht in der bisher gewohnten Weise. Die meisten Weihnachtsmärkte fallen aus. Ja, das ist alles schade. Einiges von dem was, was dieses Jahr anders sein wird, stimmt uns auch traurig. Weil es so ist – tatsächlich traurig.

Aber ehrlich. War Weihnachten bei uns immer so beSINNlich, wie es eigentlich sein sollte? War es stets ruhig und friedlich? Hatten wir uns immer alle lieb? Und wie haben wir uns unsere gegenseitige Wertschätzung und Liebe gezeigt? Geschah dies tatsächlich immer durch liebevolle Gesten und Aufmerksamkeiten? Oder durch von Herzen kommenden Geschenken? Haben wir Weihnachten wahrhaftig stets als das Fest der Liebe zelebriert?

War früher wirklich mehr Lametta? Wahrscheinlich nicht. Bestimmt nicht immer. Oft war Weihnachten auch einfach nur anstrengend und stressig. Viele von uns verfielen in einen Konsumrausch. Rannten noch auf „den letzten Drücker“ los, kauften dann irgendwas, was niemand brauchte. Und wenn uns gar nichts mehr einfiel, dann einfach einen Gutschein von irgendeinem der „großen Onlineshops“ für was auch immer. Und das sollten dann die liebevoll gemeinten Aufmerksamkeiten sein, der Sinn von Weihnachten?

Und was ist mit dem Bummel über den Weihnachtsmarkt?

Das wird es dieses Jahr nicht geben. Auf jeden Fall nicht so, wie wir es gewohnt sind. Die meisten Weihnachtsmärkte sind wegen Corona abgesagt.

Nun gibt es einige unter uns, die ohnehin keine großen Fans von Weihnachtsmärkten sind. Zu viel Gedränge und Geschiebe. An die Büdchen kommt man vor Menschenmassen kaum ran. Und es gibt Menschen, wie mich, die mögen eh keinen Glühwein. Darüber hinaus lässt bei einigen Weihnachtsmärkten das Feilgebotene sowieso „zu Wünschen übrig“. Was sollen wir also da?

Aber es gibt auch diejenigen, die sich jedes Jahr besonders auf die Weihnachtsmärkte freuen. Weil es auch die andere Seite der Medaille gibt. Entzückende Büdchen, Hand in Hand mit einem geliebten Menschen oder mit einer Gruppe toller Freunde oder Kolleg*innen schlendern. Der Duft von gebrannten Mandeln. Allerlei Leckereien, Regionales, liebevoll Handgemachtes. Nette Gespräche mit den Austeller*innen. Behagliche Lichterstimmung. Geballte, gemeinsam erlebbare Vorfreude.

Analog wird dies nun alles in 2020 nicht stattfinden. Nicht nur sehr schade für Weihnachtsmarktbummler*innen. Denn durch die Absage der Weihnachtsmärkte sind gerade Soloselbstständige, kleine Gewerbetreibende, Künstler*innen und kleine Händler*innen stark betroffen. Das Aus der Weihnachtsmärkte bedeutet für sie weitere Einkommenseinbußen und somit eine finanzielle und existentielle Katastrophe.

Was also tun?

Weihnachten mal anders. Das Team von fair-bummeln hat den virtuellen Weihnachtsmarkt ins Leben gerufen. Von links nach rechts Daniel Krause, Melanie Esser, Käthe Golücke, Anika Freytag
Team fair-bummeln / von links nach rechts Daniel Krause, Melanie Esser, Käthe Golücke, Anika Freytag

Das fragte sich auch unsere Kundin Käthe Golücke. Und hat eine Lösung gefunden. Zusammen mit drei weiteren Soloselbständigen hat sie den virtuellen Wintermarkt.online ins Leben gerufen. Der Wintermarkt verbindet lokale Schausteller*innen mit Menschen, die sich gerne durch einen Bummel in vorweihnachtliche Stimmung versetzen lassen wollen – weg vom Alltag und inspiriert durch vielfältige Produkte.

Diese Idee hat mich neugierig gemacht. Daher habe ich bei der Gründerin, Käthe Golücke, mal angerufen und nachgefragt.

Käthe Golücke erklärt mir,

„das Weihnachtsgeschäft wird definitiv online stattfinden, für uns ist die entscheidende Frage: WO? Wir möchten online shopping mit „support your local hero“ verbinden und sind überzeugt, dass gerade die Kleinen nur überleben, wenn sie eine (große) Gemeinschaft bilden.“

Sie und Ihr Team möchten damit Hilfe zur Selbsthilfe leisten:

„Jede zweite Schaustellerfamilie, kleine Händler*innen, Künstler*innen und Solo-Selbstständige leben in Existenznot und werden Covid-19 wirtschaftlich nicht überleben. Daher bietet der Wintermarkt als Plattform die Möglichkeit, Selfmade-Produkte zur Weihnachtszeit zu vertreiben und Menschen mit ihrem Angebot glücklich zu machen.“

Wie funktioniert das konkret für die Austeller*innen?

„Anbieter*innen, deren Kontaktdaten durch eine vergangene Weihnachtsmarktteilnahme bekannt sind, werden von uns, dem fair-bummeln-Team, kontaktiert. Initiativbewerbungen von Händler*innen sind aber herzlich willkommen! Wir begleiten die Schausteller*innen bei der Digitalisierung und bei der Erstellung des eigenen Online-Shops in Form von individualisierten Verkaufsbuden. Das heißt, alle Teilnehmer*innen bekommen eine Bude mit persönlichem Branding. Die Buden und der Wintermarkt werden durch eine Social Media Agentur via Facebook & Instagram und städtische Veranstaltungsanbieter reichweitenstark vermarktet. Der Weihnachtsmarkt erreicht somit eine gesellschaftliche Relevanz, da er ein vielfältiges Angebot für die breite Masse anbietet.“

O.K., verstanden. Nun bin ich persönlich ziemlich kunst- und kulturaffin. Gibt es da auch etwas bei Euch?

„Ja, im Zuge des Bündnisses #AlarmstufeRot haben wir haben das Projekt noch um sogenannte „Kulturbuden“ ergänzt. Theater, Kinos, Bands und Solomusiker*innen können ohne Budengebühr eine Bude auf dem Markt bekommen um Gutscheine, Tonträger und Merchandise zu verkaufen. So möchten wir helfen, Kunst und Kultur zu erhalten, indem ohne Personalaufwand am Weihnachtsgeschäft und an unserer Reichweite partizipiert werden kann.“

Also ist für jeden etwas dabei! Ab dem 01.12.20 lädt der Wintermarkt zum bummeln ein.

Natürlich ist digital nicht dasselbe wie analog. Virtuelle Verbindungen werden niemals persönliche Begegnungen ersetzen können. Aber dieses Jahr ist es nun mal wie es ist. Vieles ist dieses Jahr anders. Daher werde auch ich dieses Jahr anders über einen Weihnachtsmarkt bummeln. Werde mir Kerzen anzünden, mir leckere Snacks und wohlig warme Getränke bereitstellen. Mich gemütlich einkuscheln und digital unterwegs sein.

Und wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja beim Bummeln?

Ich wünsche Euch und Euren Liebsten schon jetzt eine beSINNliche Vorweihnachtszeit, bleibt gesund und habt Euch lieb!

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  1. Oliver Schmitt

    Gute Idee, ich wollte gleich loslegen. Leider ist die Seite wohl nicht für Mobilgeräte optimiert. Werde es zuhause nochmal versuchen.

    • Sonja Strahl

      Lieber Oliver,

      vielen Dank für den Hinweis. Käthe Golücke gab mir die Rückmeldung, dass es am Montag tatsächlich ein Problem gab, welches allerdings direkt behoben wurde. Die mobile Funktionalität sollte also wieder gegeben sein. Viel Spass beim bummmeln :-)))

  2. Rainer Kirmse , Altenburg

    CORONA WEIHNACHT

    Versagt ist uns jedes Event,
    Vermummt geh’n wir in den Advent.
    Weihnachtsmarkt und Glühwein ade,
    Solch Christmas tut uns allen weh.
    Geschlossen Cafes und Kneipen,
    Wir sollen zu Hause bleiben.
    Abstand halten ist angesagt,
    Jede Diskussion ist gewagt.
    Wir meiden Umarmung und Kuss,
    Es wachsen Ärger und Verdruss.
    So schwindet langsam das Vertrau’n
    In Sinn und Nutzen des Lockdown.
    Lasst uns besteh’n den Härtetest,
    Damit retten das Weihnachtsfest!

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Ein frohes Weihnachtsfest
    und alles Gute im neuen Jahr!

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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