Raul Krauthausen Aktivist

Inklusion: Heim oder nicht Heim?

Seit über 45 Jahren finanziert die GLS Bank ausgewählte Behinderteneinrichtungen. Aktivisten aus der GLS Community stellen solche Einrichtungen grundsätzlich infrage. Ein nicht auflösbarer Widerspruch? Mit dieser Frage war Falk Zientz unterwegs.

Idyllisches Brandenburg: An einem sommerlichen Freitagnachmittag kommen unter Lindenbäumen über 70  Menschen zusammen, etwa die Hälfte der Bewohner*innen der Ortschaft Rohrlack im Westhavelland. Die Ortsvorsteherin begrüßt alle mit Handschlag. Die meisten haben etwas zum Essen mitgebracht. Kinder werden geschminkt. Der Wagen des benachbarten Waldkindergartens hat seine Türen geöffnet. Einige Menschen der Lebensgemeinschaft Rohrlack, die im Ort Werkstätten und Wohnheime mit etwa 40 Plätzen betreibt, sind dabei. Hier treffen wir Christian Raasch von der Einrichtung: „Selbstverständlich beteiligen wir uns hier auch am Dorfkreis, der solche Veranstaltungen wie heute plant.“ Wir gehen weiter an der kleinen Dorfkirche vorbei und er erwähnt, dass die Lebensgemeinschaft hier regelmäßig ihre Sonntagsfeier veranstaltet, in Absprache mit der Kirchengemeinde. Vor allem erzählt Raasch aber von der Kulturarbeit, die immer wieder auch Publikum aus der ganzen Region anzieht. Derzeit erarbeiten Theaterpädagogen mit einer Gruppe ein Stück, das nächstes Jahr aufgeführt werden soll. Kultur bringe Menschen zusammen und das trage zur Entwicklung der Region bei. Dafür steht bereits ein besonderer Ort zur Verfügung: das Schloss Vichel im Nachbardorf. Raasch ist offensichtlich ein Gestalter, und er denkt immer ganz selbstverständlich über die Grenzen seiner Einrichtung hinaus.

Kennengelernt hatte ich Raasch eine Woche vorher in Berlin am Sitz der LebensWerkGemeinschaft  gGmbH, der Trägerin von Rohrlack. In Berlin war ich gemeinsam mit den Aktivist*innen Anne Gersdorff und Raúl Krauthausen unterwegs. Mich interessierten deren Perspektiven auf die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Was sind ihre Erfahrungen mit Einrichtungen? Wie weit sind wir mit der Inklusion? Ihre Antworten waren schonungslos und stellen das System infrage.

„Sonderwelten“

„Behinderteneinrichtungen sind oft in Randlagen“, erklärte mir Raúl Krauthausen, als wir auf dem Weg zur LebensWerkGemeinschaft feststellen mussten, dass der einzige Fahrstuhl am S-Bahnhof Zehlendorf kaputt war. „Abends in die Stadt zu fahren, ist dann für Rollstuhlfahrer ausgeschlossen.“ Krauthausen hat nichts Grundsätzliches gegen „Sonderwelten“, wie er diese Einrichtungen nennt. „Für bestimmte Lebensabschnitte wie Kindergarten oder Altersheim ist das vielleicht ganz sinnvoll. Aber für viele Behinderte bedeutet das, lebenslänglich separiert zu sein.“ Das zeigt sich auch in Werkstätten: Weniger als ein Prozent der dort Arbeitenden schafft den Übergang in den regulären Arbeitsmarkt. Ein Grund dafür ist sicherlich die Schwere von Behinderungen. Krauthausen macht aber auch die öffentlichen Förderungen dafür verantwortlich. „Es gibt starke ökonomische Anreize, die Menschen im Fürsorgemodus zu halten, aber nur geringe Anreize, die Menschen raus zu lassen.“

„Schonraumfalle“

Das prägt die Menschen. Anne Gersdorff hat das selbst in einer Förderschule erlebt, bevor sie dann an einer  inklusiven Schule Abitur machte und studierte. „Wenn allen um mich herum nichts zugetraut wird, dann arbeite auch ich immer weniger an meinen Wünschen und Träumen.“ Sicher gebe es Menschen, für die eine einfache Tagesstruktur genau das Richtige sei, so Krauthausen. „Aber viele andere kommen dann mit in Sippenhaft.“ Er erzählt aus einer Wohngemeinschaft, in die er testweise eingezogen war: „Um 18.00 Uhr hast du Hunger, weil es dann immer Abendessen gibt. Danach ist Bettgehzeit. Um 21.00 Uhr bist du  müde, denn dann sollen alle schlafen. Die Wohnung verlässt sowieso niemand alleine, weil alle Angst  haben, mit dem Rollstuhl umzukippen.“ Formell dient diese Wohngemeinschaft zur Aktivierung. „Aber die Nachtschwester sagte mir: ‚Lebendig scheidet hier keiner aus.‘.“ Krauthausen fragt: „Wie können Menschen gegen ein solches System rebellieren, wenn sie um 19.00 Uhr ins Bett geschickt werden?“

„Scheitern“

„An unserem Scheitern sind wir gewachsen“, so Gersdorff. Dazu kann sie viele Geschichten erzählen. Das  erste Mal alleine Bus fahren, das erste Mal jemanden bitten, die Türe aufzuhalten. „Inklusion ist auch, wenn der Busfahrer zu mir mal unhöflich ist und ich das trotzdem bewältige“, sagt sie. Durch das Scheitern können sich Menschen entwickeln. Einrichtungen mit Rundumversorgung verhindern aber viele Möglichkeiten zu scheitern — und somit auch zu wachsen.

Anne Gersdorff Aktivistin
Anne Gersdorff, Aktivistin

„Freiheit“

„Ich bin immer auf der Suche nach Begegnungen, die nicht geplant sind“, so Krauthausen, „denn wir können die Barrieren in den Köpfen nur durch echte Begegnungen abbauen.“ Einrichtungen haben aber feste Tagespläne und klare Grenzen. Auch aus regulatorischen Gründen muss fast jedes Detail durchgeplant sein. Zufällig kommt kaum jemand rein oder raus. Aber zum Menschsein gehört, seine eigenen Freunde zu finden und seinen individuellen Umkreis aufzubauen, in dem man wirksam werden kann. Dazu Krauthausen: „Das ist die Herausforderung: Wie kann sich ein Behinderter als Person befreien?“ Für Gersdorff ist ein Anfang dazu, gemeinsam an der Frage zu arbeiten: Wie sieht mein Traumzuhause aus? „Schon alleine der Wunsch, eine Katze zu haben, kann aber das Pflegesystem sprengen.“ Wird dies dann nur als Störung der Ordnung gesehen oder als Chance, das System zu ändern?

„Chancen“

„Von einer barrierefreien Welt profitieren alle, nicht nur die zehn Prozent mit Behinderung, sondern vor allem die anderen 90 Prozent“, sagt Krauthausen. „Ohne Inklusion verpennen wir die Chancen, dass Menschen großartige Piloten werden oder traumhafte Liebhaber — und stattdessen Post sortieren müssen und um 19.00 Uhr ins Bett geschickt werden.“ Krauthausen erzählt von einer Freundin, die er an diesem Morgen in den Zug bringen wollte: „Sie wurde aber abgewiesen, da die Behindertentoilette nicht funktionierte. Dass sie die zwei Stunden ohne Toilette schafft, das hat ihr die Bahn nicht zugetraut.“ Also hat sie ihren wichtigen  Termin in Magdeburg verpasst. Wie soll ein beruflicher Werdegang unter solchen Voraussetzungen funktionieren?

Die beiden Aktivist*innen können von vielen solchen Erlebnissen berichten. Sie tun das sehr sachlich,  drücken nicht auf die Tränendrüse. Aber bei mir kam eine tiefe Traurigkeit an. Wie viele Schicksale stehen dahinter? Wie viele Talente verlieren wir durch unsere Ignoranz? Die Traurigkeit darüber müsste unser Lächeln erfrieren lassen, das wir oft gegenüber Behinderten aufsetzen. Dann erst würden wir überhaupt in die Lage kommen, Schritte in Richtung einer inklusiven Gesellschaft zu gehen.
Was also tun? „Wir brauchen eine Beteiligung von Behinderten an allen Strukturen“, so Krauthausen, „von der Konzeption bis zur Umsetzung. In allen Gremien müssen Behinderte mit ihren Erfahrungen vertreten sein.“ Das will er verbindlich festschreiben.

Was sagen die Einrichtungen dazu?

Da ich einige Einrichtungsleiter kenne, sprach ich diese ganz direkt an. Die Reaktionen waren meist  zweigeteilt: Zum einen wurden die massiven Regulierungen beklagt, die sinnvolle Veränderungen verhindern. Das ist sicherlich die eine Realität. Vor allem aber begegnete ich: Zustimmung. So sagte etwa Thomas Gädeke vom Dorf Seewalde: „Die ungeplanten Begegnungen und auch das scheitern Dürfen treffen den Kern unseres Selbstverständnisses und der Zukunftsfragen der Sozialtherapie überhaupt.“ Die Gesetzmäßigkeiten der Einrichtung stehen regelmäßig in Konflikt mit den individuellen Bedürfnissen und Entwicklungen. „Unser Ziel ist aber ein möglichst selbstbestimmtes Leben. Man darf das heute ja kaum sagen, aber: Auch Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Schwierigkeiten.“ Dann schildert Gädeke, warum für bestimmte Menschen ein Leben im Dorf genau das Richtige ist: Durch die überschaubaren Verhältnisse können sie sich im Alltag frei bewegen und anderen begegnen. „Es kommt sehr auf das richtige individuelle Maß an“, findet Gädeke.

Zurück in Rohrlack, wo Christian Raasch und ich über unsere Eindrücke aus dem Gespräch mit den Aktivist*innen sprechen. Er betont, dass es eine größere Wachheit brauche für die Bedürfnisse jedes Einzelnen, für persönliche Entwicklung. Zur Wirksamkeit ungeplanter Begegnungen sagt er: „Dieser Gedanke ist ganz wesentlich für unsere Kulturarbeit hier in der Region.“

An diesem Sommertag bin ich mir sicher: Die Perspektiven von Behinderten auf die Einrichtungen sind ganz wesentlich. Denn dadurch wird die Frage immer wieder zugespitzt: Was soll die grundsätzliche Wirkung sein? In diesem Sinne verstehe ich auch die Forderung von Krauthausen: Behinderte in alle Gremien. Kompetente Schwerbehinderte dazu gibt es genug. Mit Bewohnerbeiräten haben die meisten Einrichtungen bereits einen Anfang gemacht. Und was Krauthausen auch noch sagte: „Letztlich sind wir alle für die Inklusion verantwortlich!“

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Ein Artikel aus dem GLS Kundenmagazin Bankspiegel. Diesen und viele andere spannenden Artikel finden Sie im Blog. Alle Ausgaben des GLS Bankspiegel als PDF finden Sie unter: https://www.gls.de/bankspiegel/. 

Hintergrund des Autors
Falk Zientz machte seinen Zivildienst in einer sozialtherapeutischen  Dorfgemeinschaft, war in den 90ern für die GLS Bank an der Finanzierung von Rohrlack und anderen Einrichtungen beteiligt, verbringt schon langjährig seine Familienurlaube im Dorf Seewalde und ist Schülervater an einer Förderschule. Seit 2010 sind Raúl Krauthausen und Falk Zientz Ashoka Fellows.

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Wer von Behindertenwerkstätten kauft denkt meist: Ich tue etwas Gutes für „Menschen mit Behinderung“. Anne Gersdorff sieht das anders. Ein Beitrag in t3n.de.

  1. Peter Listig

    Inklusion klingt für mich persönlich gar nicht so toll. Ich habe mich in meinem Job auf dem ersten Arbeitsmarkt und auch überall privat als Aspi geoutet. Wenn ich es wollte, könnte ich mir 30% Behinderung bescheinigen lassen. Aber ich will nicht noch weiter an den Rand gerückt werden. Andererseits halte ich unser derzeitiges Zusammenleben, unsere ganze Gesellschaftsstruktur, unser Arbeitsleben und das Leben in der Öffentlichkeit für so schlecht organisiert und extrem unfreundlich, dass ich mir manchmal wünsche ein Leben als einsamer Einsiedler zu führen, fernab von all den desinteressierten Einzelsuperhelden der Stadt.

    Ich gehe im Bioladen einkaufen. Klar, unterstütze ich Nachhaltigkeit und es schmeckt mir da auch besser, aber ein für mich wichtiges Argument ist, dass mich dort die Verkäufer grüßen, ja sogar ab und zu einen kleinen Plausch halten. Würde ich in den konventionellen Supermarkt nebenan gehen, würden sich die Leute wundern, wenn ich grüßte. Hier im Randgebiet der Kleinstadt bekommt man aus seinen Nachbarn noch ein leises kurzes „Hallo“ raus, wenn man ihnen im Treppenhaus begegnet. In Berlin kannte ich die Gewohnheiten meiner damaligen Nachbarin ziemlich genau, wusste wann sie ihre Periode hatte und ob es gerade gut mit dem Freund lief. (Dünne Wände.) Wenn ich ihr im Treppenhaus begegnet bin hat sie, wie auch alle anderen im Haus, plötzlich irgendetwas sehr interessantes am Geländer gesehen, sodass wir uns nie eines Blickes gewürdigt haben. (Ja, ich sehe Menschen an, auch wenn es mir schwer fällt ihnen in die Augen zu sehen). In der Straßenbahn nach einem stressigen Tag bin ich manchmal etwas reaktionsschwer. Mir ist es schon häufig passiert, dass mich Leute dann anbrüllen oder aus dem Weg schubsen.

    Das Arbeitsleben ist für mich ebenso unbegreiflich, wie das Verhalten vieler Menschen in der Öffentlichkeit. Überall werden Überstunden geschrubbt, es wird geschuftet bis zum Umfallen und es gibt Probleme an jeder Ecke. Es ist egal mit wem man spricht, eigentlich berichten alle das gleiche. In der Pflege kann ich mir das sogar vorstellen. Ich habe früher beim Bau, bei der Post und an der Uni in der Wissenschaft und in der Technik gearbeitet. Meine Psychologin hat mir empfohlen meine Kollegen genau zu beobachten, damit ich ein gesundes Maß für die Arbeit finde. Ich habe das mit der Arbeit immer sehr genau genommen und habe immer die besten Bewertungen erhalten, habe es aber nie lange ausgehalten, weil ich immer total überarbeitet war. Nachdem ich also meine Kollegen genau beobachtet habe, musste ich feststellen, dass die Effizienz beim Arbeiten der meisten Kollegen deutlich unter dem lag, was ich mir immer vorgestellt hatte. Kaum einer ist 100% konzentriert und wenn, dann nur für sehr kurze Zeit (wenige Minuten!). Nun ist das ja genau mein „Krankheitsbild“, dass ich mich sehr gut und sehr ausdauernd auf eine Sache konzentrieren kann und der Vergleich ist vielleicht gegenüber meinen „gesunden“ Mitmenschen unfair, aber ich frage mich dennoch, ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre mit diesem Schauspiel Schluss zu machen, sich viel mehr zu entspannen und gleich nur 3 Stunden auf Arbeit zu kommen und sich vielleicht innerhalb dieser Zeit mal auf die Arbeit zu konzentrieren? Mein Eindruck ist aber, dass die Leute Geld für Lebensqualität halten und dafür gerne etwas mehr Zeit hergeben, auch wenn sie dazu eigentlich keine Lust haben. Ich finde das pervers. Viele Menschen erledigen heutzutage Fliessbandarbeit, ob an einem tatsächlichen Fliessband oder am Bildschirm. Und was stellen sie da her? Fliessbandprodukte. Dafür bekommen sie eine Menge Geld, damit sie dieses für noch mehr Fliessbandprodukte ausgeben können, die dann nach kurzer Gebrauchszeit im Müll landen, der am Fliessband sortiert wird. Ich hatte großes Glück, dass ich in einer Firma gelandet bin, in der es wenigstens ein bisschen anders zugeht.

    Inklusion schön und gut, aber Ihr angeblich so gesunden Leute, inkludiert Euch erstmal selbst! Werdet freundlicher und rücksichtsvoller und entspannt Euch mal ein bisschen!

  2. Raimund Barkam

    Die Frage kann ich klar für mich beantworten!

    Als Mensch mit 50%-Behinderung, der in einer WfbM arbeitet und als Single in einer eigenen Wohnung wohnt, würde ich das Leben in einem Wohnheim ablehnen.

    Ich gestalte mein Leben ohne fremde Hilfe, abgesehen von einem Beratungsgespräch, das einmal im Monat bei einer PSZ-Mitarbeiterin stattfinded. Hier kann ich über gewisse Probleme reden. Beim PSZ (Psychosoziales Zentrum) in Münster handelt es sich sozusagen um eine Anlaufstelle für behinderte Menschen.

    Ich war gut 2 1/2-Jahre der gesetzliche Betreuer meiner Mutter und besuchte Sie zum Schluß im Seniorenwohnheim.

    Ich bin gelernter Bürokaufmann und seit Herbst 2017 gehöre ich als Protokollführer dem 7köpfigen Werkstattrat in meiner WfbM an.

    Die Politik klammert derzeit meiner Meinung nach eher die finanziellen Aspekte für Menschen mit Behinderungen aus, um eine vollständige Inklusion, politisch definiert als Teilhabe Behinderter am Leben Nichtbehinderter zu ermöglichen.

    Mit zur Inklusion als Teilhabe Behinderter am Leben Nichtbehinderter sollte auch die garantierte Vermittlungsmöglichkeit von Menschen mit Beginderungen möglich sein, so Diese dieses auch wollen.

    Bevor ich ab Anfang März 2001 in eine WfbM kam, war ich nach meiner Ausbildung zum Bürokaufmann (1987 – 1990) fast 4 Jahre langzeitarbeitdlos, als die Mitarbeiterin vom Arbeitsamt mir einen Stellenausschreibung ausdruckte.
    Dort war zu lesen, dass eine Baumaschinenhandlung noch eine Stelle für Büro-/Berealtungstätigkeiten zu besetzen hatte.

    Ich bewarb mich schriftlich und erhielt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.
    In der Zeit vom 02.11.1994 bis Mitte August 1999 war ich dort als kaufmännischer Angestellter tätig.

    Ich kam einzig und allein wegen einer depressiven Erkrankung in eine WfbM.
    Ich kenne in meiner WfbM Kolleginnen und Kollegen, die zuerst auf dem ersten Arbeitsmarkt, wie ich auch waren und dann, meistens nach Einstellung der Einarbeitungs- und Fördergelder ihre Arbeitsplätze nicht mehr lange halten konnten.

    Somit ist die Exklusion (Absonderung), also die Separierung als eine Art Abschiebung vom ersten Arbeitsmarkt in Sondereinrichtungen wie den WfbM in Deutschlsnd verbreiteter, als eine gute und erfolgreiche Inklusion, abgesehen von einigen (wenigen?) erfolgreichen Fällen, in denen Menschen aus einer WfbM dauerhaft (!) in den ersten Arbeitsmarkt wechseln konnten und dabei keinerlei Probleme am Arbeitsplarz haben.

  3. Timothy Apps

    Ein schöner Artikel, der die Bandbreite an Fragestellungen hin zu einer inklusiven Gesellschaft aufzeigt. Und Bandbreite ist hier auch das Stichwort hinsichtlich der Angebotsvielfalt für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Vielfalt kann vom Leben in der Stadt bis hin zum Leben im Kontext von Lebensgemeinschaften, Lebensorten sein.
    Letztere entwickeln sich mehr und mehr zu generations- und fähigkeitsübergreifenden Lebensorten. So sind beispielsweise viele älter werdende Menschen auf der Suche nach Zusammenhängen, in welchen sie sich in einen sozialen Kontext einbringen und dort leben können. „Lebensorte“ bilden die inklusive Gesellschaft im Kleinen ab. Sie richten sich an alle, von Jung bis Alt.

    Es geht also um die Wahlmöglichkeiten hinsichtlich des Ortes und des damit verbundenen Kontextes, an dem ich leben möchte. In den letzten Jahren hat sich der Fokus von den Einrichtungen, hin zu den Bedürfnissen und Belangen der Menschen gedreht. Ein Aspekt, der für viele Einrichtungsträger ein längst überfälliges Umdenken erforderlich gemacht hat. Eine Öffnung in die Gesellschaft findet statt; die Einrichtungen gehen in der Gesellschaft auf.

    Die Vielfalt der Angebote zeichnet unsere plurale Gesellschaft aus. Die GLS Bank kann dies durch ihre Unterstützung und ihr Engagement fördern. Sie hat dies in der Vergangenheit getan und wird dies (hoffentlich) auch zukünftig tun.

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