Gastbeitrag vom Wirtschaftsmagazin enorm „Nimm mich!“

Mit dem Artikel „Nimm mich“ starten wir unsere Reihe mit Gastbeiträgen aus unseren Mitgliedermagazinen enorm, Wald, Werde und info3.  „Nimm mich“ beschäftigt sich mit Verpackungen, Müll und dem Come Back loser Ware.

enormVerpackungen schützen nicht nur, sie verführen auch zum Kauf. Immer weniger Inhalt wird darum immer mehr verpackt. Die Folge: noch mehr Müll. Erste Läden suchen nun nach Alternativen.

Auf den ersten Blick hat der Ozean nordöstlich von Hawaii mit Halle A 3 der Messe Hamburg an einem grauen Januartag nicht viel zu tun. Bei Hawaii ist es um die 25 Grad warm, das Meer liegt dunkelblau und tief in weichen Wellen. In Halle A 3 laufen Männer in Anzügen von Stand zu Stand, begutachten mit Samt etikettierte Weinflaschen und Tüten mit Ventil, in den Kartoffeln eingeschweißt sind, und die man direkt in die Mikrowelle stecken kann. Es gibt Maschinen, die Plastiksäckchen in T-shirtform passgenau befüllen und andere, die Pufffolie am laufenden Meter aufblasen. In Halle A 3 ist Verpackungsmesse. Was hier zu sehen ist, ist ein kleiner Einblick in eine gigantische Branche.

Quasi kein Gramm Ware bewegt sich auf dieser Welt ohne Verpackung. Gut 95 Prozent der Produkte, die wir einkaufen, sind umhüllt. Dosen und Tetrapacks, Folien, Kartons und Becher nerven manchmal, weil sie nicht gleich aufgehen, manchmal erfreuen und überraschen sie – meist aber beachten wir Verpackung gar nicht. Wenn ein Produkt beim Käufer zu Hause angekommen ist, hat sie ihren Sinn erfüllt. Wir entfernen Aludeckel und schneiden Pakete auf, entwirren, wickeln aus, reißen auf, jeden Tag mehrere Male. Hinzu kommt die Verpackung, die man als Endverbraucher oft gar nicht sieht: die der Logistik. Alleine an Wellpappe fallen, laut Verband der Wellpappe-Branche, in Deutschland jährlich mehr als 55 Kilogramm pro Person an.

Hinter all dem steht eine riesige Industrie: So arbeiten hierzulande derzeit mehr als 100 000 Menschen nur daran, Waren zu verpacken. Im Jahr 2011 verwendeten sie dafür insgesamt 19,9 Millionen Tonnen Material, Tendenz steigend. Das Problem dabei: Ein Großteil davon landet später im Meer und bildet dort riesige Müllstrudel. Einer davon rotiert nordöstlich von Hawai. Seine Fläche ist so groß wie Westeuropa.

Bisher galten Verpackungen dennoch als unverzichtbar. Schließlich töpferten schon die Römer Karaffen, um ihre Ware während des Transports zu schützen. Und vor etwa 60 Jahren änderte sich etwas Entscheidendes: Es entstanden Läden, in denen nicht mehr ein Verkäufer hinter der Theke steht, der den Kunden berät und bedient. In den Supermärkten mussten die Produkte nun für sich selbst sprechen und sich gegen die Konkurrenz durchsetzen. Verpackung bekam damit eine neue, zusätzliche Funktion: Sie muss verkaufen. „Nach der Schutzfunktion ist Werbung das Wichtigste“, sagt Klaus Noller vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik. „Dann kommt bei der Gestaltung die Frage nach dem Preis und zum Schluss ein bisschen die nach der Umwelt.“

Die Initiative Save Food argumentiert sogar, dass gerade Verpackungen nachhaltig seien, da sie Ware vor dem Verderb schütze. Von Henkel über Nestlé bis Siemens sind rund 100 internationale Unternehmen Mitglied. Mit dem Motto, globale Lebensmittelverluste zu bekämpfen ist Save Food Gast beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis, beim World Food Day und den Vereinten Nationen. Aber die Initiative macht nicht nur auf ein Problem aufmerksam, sie nennt auch eine Lösung: „Eine unterentwickelte Verpackungsindustrie“ sei einer der Gründe dafür, dass Ernteerträge verderben. „Adäqute Verpackungslösungen“ würden „dazu beitragen, Verluste zu minimieren“. Initiatorin von Save Food ist die Messe Düsseldorf. Eine der engsten Partnerinnen: die Verpackungsmesse interpack.

Nun aber regt sich Widerstand gegen diese mächtige Branche. Überall auf der Welt entstehen derzeit kleine Inseln des verpackungsfreien Konsums. Ein Lädchen in London war 2007 der Vorreiter, es folgte ein anderes in Texas. Anfang Februar dieses Jahres kam das Lunzers in Wien dazu und „unverpackt“ in Kiel. Alle versuchen das angeblich Unmögliche: Sie verkaufen lose Ware.

Den vollständigen Artikel lest Ihr in enorm Heft 1/14.

 

Fortsetzung

folgt in loser Reihe mit weiteren Gastbeiträgen aus den Zeitschriften „Wald“, „Werde“, info3 und „enorm“.

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  1. meine Eierverpackung nehme ich auch immer wieder mit und packe dort neue rein…,
    Plastikverpackungen vermeide ich auch schon Jahrelang…,
    und alles so lange wie möglich benutzen ( Nachhaltigkeit ) und nichts wegwerfen was noch funktioniert liegt Menschen wie mir, die in Mangelwirtschaften gross geworden sind ( DDR ), im Blut…,
    dies sind viele kleine Schritte auf einem langen Weg

    danke für ihre Aufmerksamkeit

  2. Mechthild Hans

    Leider sind immer noch zu viele Leute recht unkritisch der Natur und Umwelt gegenüber. Sie fühlen sich nicht für ihr Tun verantwortlich, verweisen oft darauf, daß andere doch auch so handeln. Es muß dringend ein diesbezüglicher Bewußtseinswandel erfolgen.

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