Nachhaltigkeit auf dem Campfire Festival 2018

Zukunft des Journalismus: Campfire Festival 2018

Auf den Düsseldorfer Rheinwiesen war Anfang September viel im Fluss. Wohin bewegt sich der Journalismus? Wie kann er Gesellschaft mitgestalten? Welche Fragen soll er beantworten? Das beschäftigte rund 11.000 Menschen beim 2. Campfire Festival.

Drei Tage lang trafen sich Medienmacher und -begeisterte auf dem Festival von Correcitv. In Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops fand reger Austausch statt. GLS Bank und GLS Treuhand waren gemeinsam mit einem Zelt vertreten. Einige Highlights haben wir für Euch zusammengefasst.

Freitag

Fake News und Social Bots besser erkennen

mit Rouven Kasten

Fake News sind derzeit in aller Munde, daher gab Rouven Kasten einen Einblick wie man diese erkennen kann. Fake News Webseiten stammen oft von Websites ohne journalistischen Hintergrund haben – oder eine schlechte Täuschung eines journalistischen Produkts darstellen. Rouven erklärte, worauf man achten kann, um eine seriöse Webseite zu erkennen. Zum Beispiel eine https-verschlüsselte Domain, ein vollständigres Impressum oder ein Check von gefälschten oder falsch genutzten Bildern. Diese und weitere Anhaltspunkte erklären wir hier: „Fake News erkennen“.

Samstag

Tut was: Ein Aufruf an Europa

mit Richard Gutjahr, Can Dündar und Recai Hallaç

Can Dündar hat einen Aufruf zu Europa verfasst. Er appelliert an die Menschen, Demokratie zu schätzen und zu verteidigen. Auf dem Podium erläuterte der Journalist, dass man oft nicht weiß, wie gut der Staat und die Gesellschaft funktionieren, bevor man grundlegende Rechte verloren hat. Wenn es etwa keine Meinungsfreiheit mehr gibt und keine unabhängige Justiz, wie im Moment in der Türkei. Der frühere Chefredakteur der Cumhuriyet hat damit reichlich Erfahrung.

Dündar hofft, dass wir Nation oder Nationalitäten überwinden können. Danach gefragt, ob er einen populistischen Kanzler in Deutschland für möglich hält? Leider ja. Der Populismus sei eine internationale Krankheit, so global wie die Klimakatastrophe, die sich auch nicht an Landesgrenzen halte. Und genauso wenig an Landesgrenzen entlang formiert sich der Widerstand. Wer in Deutschland gegen die AfD sei, sei auch mit jenen verbunden, die in der Türkei gegen Erdogan kämpfen.

Chemnitz – miteinander statt übereinander sprechen?

mit Phillip Grimm, Fabian Guzzo und Mike Karst

Unter dem Motto „Quatsch dich frei“ diskutierte Köln bzw. Düsseldorf spricht mit vielen aktiven Besuchern des GLS Nachhaltigkeits-Zelt die aktuellen Geschehnisse in Chemnitz. Der Verein aus Köln und Düsseldorf setzt sich für den offenen Dialog und Meinungsvielfalt ein.

Wie das geht zeigten Philipp Grimm und Fabian Guzzo von „Köln spricht“ in unserem Zelt. Sie beschrieben zunächst die aktuellen Geschehnisse in Chemnitz. Dann warfen sie Fragen auf: „Warum protestieren die Leute überhaupt?“ und „Was können wir in unserer Gesellschaft dagegen tun?“. 45 Sekunden sollte sich jeder dazu „frei quatschen“ – mit jemand Unbekanntem im Zelt. Anschließend wurden die Ergebnisse zusammen getragen. Die Wichtigsten: Haltung zeigen – und den Austausch fördern.

Medien zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Finanznot

mit Tabea Grzeszyk, Hermann Falk, Stephanie Reuter, Andre Wilkens

„Medien zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Finanznot“ – der Bogen des Titels der von der GLS Treuhand und der Initiative Offene Gesellschaft veranstalteten Podiumsdiskussion im Correctiv-Zelt am Samstagabend war weit gespannt: Stephanie Reuter, Geschäftsführerin der Rudolf Augstein Stiftung, Dr. Hermann Falk, Vorstand der GLS Treuhand, Tabea Grzeszyk, freie Journalistin und Mitbegründerin von hostwriter.org sowie Andre Wilkens, Mitbegründer der Offenen Gesellschaft, gingen kritisch der Frage nach, wie neue Formen des Journalismus finanziert werden können. Soll es das klassische Bezahlmodell sein, braucht es eine „Steuer“ für neue, digitale Medien oder sind nicht vielmehr auch die großen Netzunternehmen wie Google und Facebook in der Pflicht, eine Abgabe leisten? Braucht es gar eine transnationale Europa-Medien-Plattform? In welchem Maße wird Schenkgeld über Stiftungen und gemeinnützige Organisationen benötigt, oder sind nicht vor allem die Bürger*innen als Nutzer*innen der Inhalte selbst gefragt, für unabhängigen Journalismus zu bezahlen?

Deutlich wurde: Es braucht mehr Formate wie das Campfire-Festival und mehr öffentliche Gespräche über die Bedeutung und Finanzierung von Qualitätsjournalismus als ein unersetzlicher Eckpfeiler für eine aktive Demokratie und eine starke Zivilgesellschaft. Insbesondere in Zeiten von Populismus und neuen gesellschaftlichen Fliehkräften. Und es braucht die Räume, in denen sich neue journalistische Initiativen und Plattformen ausprobieren können. Die übergreifende Frage könnte lauten: Was ist die Gesellschaft bereit, dafür zu tun und (direkt oder indirekt) zu bezahlen?“

Sonntag

Ist unser Geld noch sicher? Der Euro und ihre Lebensversicherung

mit Stephan Mündges, Angelika Stahl, Hermann-Josef Tenhagen

Auch auf der CORRECTIV-Hauptbühne war die GLS Bank vertreten. Angesetzt war eine Diskussion über nachhaltige Geldanlagen. Josef Tenhagen hatte eher die Rendite für den Verbraucher im Blick (Wo bekommt der Kunde am meisten Zinsen für sein Geld?). Angelika Stahl betonte, dass es angesichts niedrieger Zinsen doch besser sei, das Geld wenigstens sinnvoll anzulegen. Im Übrigen sei es inzwischen erwiesen, dass „Grüne Geldanlagen“ und „Grüne Fonds“ eine eher bessere Performance zeigen als konventionelle. Außerdem: Zukunftsorientierte und zukunftsweisende Märkte – sind per se eher „sicher“, da langfristig sinnvoll und damit wachstumsorientiert angelegt.

Hand Print – Beweg was dich bewegt!

mit Stefan Küper

Strukturen verändern, Wandel gestalten: Unser Wissen über die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung sind in der Gesellschaft weit verbreitet. Wir haben genügend Ideen dafür, was sich ändern soll. Nur: Die praktische Umsetzung und ein konsequentes Verhalten sin  im Alltag selten.  Nach dem Motto „Strukturen verändern, Wandel gestalten“ stellte Stefan Küper von Germanwatch e. V. das Konzept des „Hand Print“ vor und zeigte anhand von anschaulichen Beispielen, wie nachhaltige Strukturen aufgebaut werden können.

Anstelle von Modellen, wie dem ökologischen Fußabdruck, die das Ausmaß des eigenen Verhaltens aufzeigen, um den persönlichen negativen Impact zu mindern, zielt das Konzept von Germanwatch auf konkrete positive Handlungsansätze ab. Der Handabdruck (Hand Print) steht symbolisch für nachhaltiges Handeln und Engagement. Durch Veränderungen von Strukturen in Schulen, Hochschulen, am Arbeitsplatz werden Akteure*innen zu Multiplikatoren*innen einer nachhaltigen Entwicklung. Im Dialog stellte Küper mehrere Beispiele vor. An Schulen haben Schüler*innen sich für die Nutzung von Umweltpapier eingesetzt. Für Klassenfahrten wird nicht geflogen.  Vereine entscheiden sich für bioregionales Catering und die Festsetzung von „beidseitigem Druck“ als Standardeinstellung des Bürodruckers. Das Modell ermutigt jeden dazu, sich einzubringen. Mit kleinen Grundsatzentscheidungen werden Strukturen verändert, um den Alltag nachhaltiger zu gestalten.

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