GLS Crowd: Mitten im Schwarm

Seit Februar ist die GLS Crowd online. Über 600 Menschen haben sich bereits beteiligt. Wir haben einige gefragt, warum.

In der Natur finden sich die erstaunlichsten Anblicke. Stare, die einen Schwarm bilden, gehören mit Sicherheit dazu. In völliger Einheit bewegen sie sich am Himmel, ein Schwarm tanzt und pulsiert.

Solche Bewegungen machen auch Menschen. Nur während die Vögel sich ganz nah sind, befinden sich die Mitglieder der GLS Crowd hunderte Kilometer voneinander entfernt. Was sie verbindet sind Windräder, Solarpanele oder auch alte Autoreifen. Denn sie haben sich ein Projekt angeschaut, einen Betrag ausgewählt und bestätigt – „Jetzt investieren“. Damit haben sie sich mit anderen zusammengeschlossen und Kapital für eines der sieben Projekte auf der GLS Crowd bereitgestellt. Über 600 haben bereits mitgemacht.

Eine von ihnen ist Karen Riemann. Es war nicht das erste Mal, dass Sie sich per Klick an einem Vorhaben beteiligt hat. Als eine sozialtherapeutische Gemeinschaft einmal für einen Film sammelte, machte Karen Riemann mit. „Dabei habe ich gemerkt, dass ich mit anderen gemeinsam etwas Gutes anstoßen kann. Der Film wurde produziert und bei einer netten Veranstaltung in einem Dortmunder Kino gezeigt. Ich habe ihn als DVD zu Hause.“

Dieses Erlebnis, mit mehreren etwas entstehen zu lassen hatte sie beeindruckt. Die GLS Crowd hat sie gerne ausprobiert. Dort könne sie mitentscheiden, welche Ideen sich durchsetzen und gleichzeitig auch neue Ideen kennen lernen. Bei den Projekten hat sie schon genauer hingeschaut: „Ich investiere nicht so viel und versuche auch, das Geld zu streuen. Das Projekt und seine Zielsetzung müssen schon zu mir passen, damit ich das unterstütze.“

Die Renditen, sie liegen zwischen 4 und 7 Prozent, sind nicht ihr vorderstes Ziel. „Wenn mein Geld nicht weniger wird, reicht das schon. Und ich weiß, dass ich es für eine gute Sache eingesetzt habe. Klar, es kann auch passieren, dass ein Projekt schief geht. Die Risiken werden ja schon beim Start immer deutlich mitgeteilt. Da gehört Vertrauen in das Konzept des Projekts und noch mehr in die Leute dazu.“ Zusätzlich gebe ihr Sicherheit, dass jedes Projekt auf der Plattform von der GLS Bank ausgewählt worden sei.

„Wir wissen, dass die Menschen auf der Crowd sehr loyal aber auch sehr kritisch sind.“

Betreiber der GLS Crowd ist die Firma CrowdDesk, die Auswahl der Projekte obliegt der GLS Bank. „Wir wissen, dass die Menschen auf der Crowd sehr loyal aber auch sehr kritisch sind. Sie hinterfragen die Projekte, fordern zusätzliche Informationen ein. Das ist in diesem Bereich sehr selten“, fasst GLS Bank Vorstand Dirk Kannacher die bisherigen Erfahrungen zusammen.

Verbraucherschützer warnen gern vor den hohen Risiken des Crowdfundings. Dem sind sich die Investoren*innen der GLS Crowd bewusst. Das zeigen Gespräche und eine Umfrage. Zudem sind die Ziele der Fundings klar formuliert.

Alexandar Allinger weiß worauf er sich einlässt. Doch ihn beschäftigen die großen gesellschaftlichen Fragen. Ihn beschäftigt der Klimawandel, das Artensterben, der hohe Ressourcenverbrauch, der Irrglaube an unendliches Wachstum. Und dann ist da doch Entschlossenheit. „Ich höre häufig, dass die Leute nachhaltige Ideen gut finden. Sie glauben aber, nichts ändern zu können. Für einen allein trifft dies auch zu. Aber wenn jeder einzelne das für ihn Mögliche tut, kann sich etwas ändern.“ Für ihn heißt das auch, Teil der GLS Crowd zu sein und etwa bei Matteco mitzumachen, die Autoreifen zu 100 Prozent recyceln. „Cradle to Cradle“ nennen Fachleute das: „Das ist sehr notwendig, um den Ressourcenverbrauch zu senken. Ein wichtiger Ansatz für die Zukunft“, findet Allinger. Aufgrund des Risikos hat Allinger nur einen kleinen Teil seines Geldes beiseite gelegt und in drei Projekte gesteckt. „Wenn eines davon baden gehen würde, wäre das immer noch eine akzeptable Quote. Bei allen dreien wäre das schon anders“, sagt er.

Henning Klingenfuss hält einen vollständigen Verlust bei seinen Projekten für unwahrscheinlich. „Sollte es zu späteren Zins- oder Rückzahlungen kommen wäre das für mich verkraftbar.“ Klingenfuss hat schon Erfahrungen im Crowdfunding. Der Jurist informiert sich. „Die Projekte hatten bereits Genehmigungen oder waren sogar in Bau. Ich habe mir die Informationen angesehen und auch der Vorauswahl durch die GLS Bank vertraut. Die Personen, die dahinter stehen, haben in den Videos einen guten Eindruck gemacht.“ Zudem gefällt ihm, dass er konkret nachvollziehen kann, wofür die Gelder verwendet werden: „Einen Solarpark kann ich mir vorstellen und das Risiko auch besser einschätzen, als bei einem Start-up. Außerdem kann man in spannende Entwicklungen investieren, die zu einem passen. Ich würde in Zukunft auch weiter investieren, wenn sich Gelegenheiten ergeben.“

„Solche Projekte können eine Leuchtturmfunktion bekommen“

Auch das schlichte Verfahren sagt ihm zu. „Schon in wenigen Minuten kann ich investieren und brauche nicht erst etwas ausfüllen und per Post einschicken.“ Schließlich wäre da noch die Rendite, die bei Tagesgeldern oder Aktien niedriger seien.

Holger Kienle hat sich gefreut, als die GLS Bank eine eigene Plattform startete. „Das passt gut zu ihr und zeigt sich auch an den Projekten auf der Crowd.“ Auch er ist bei Matteco dabei. „So etwas kann eine Leuchtturmfunktion bekommen und zeigen, dass man mit grünen Themen erfolgreich Geld verdienen kann.“

Kienle vertraut auf den strengen Filter der GLS Bank. „Trotzdem weiß ich, dass im schlimmsten Fall ein Totalausfall möglich ist.“ Er will in der Crowd mit einer schwarzen Null rauskommen. Fällt ein Projekt aus, gleichen die Zinsen aus einem anderen das aus. Und er hat immer noch nachhaltige Ideen mit angestoßen. Die Unternehmen haben eine Chance bekommen und konnten Arbeitsplätze schaffen. Diese Wirkungen würde ich positiv sehen. „Es steht eben nicht nur die Rendite im Vordergrund bei nachhaltigen Projekten. Wenn es finanziell auch gut läuft – wunderbar.“

Zudem weiß Kienle das differenziert zu betrachten. Er hat bereits eine böse Überraschung erlebt und ist seitdem noch kritischer. „Es kann ja schon reichen, dass in einer Firma eine Schlüsselperson ausfällt. Aber: Schieflagen können einem genauso anderswo passieren. Denken Sie nur an die großen Energie- oder Autokonzerne.“

Dann ist er lieber Teil einer nachhaltigen Crowd. „Das Gefühl ist deutlich besser als bei einer Bankanlage. Es ist meine eigene Entscheidung und ich kann ein Projekt direkt verfolgen. So fühle ich mich näher verbunden.“

www.gls-crowd.de

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