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Auf der Suche nach einem Tagesgeldkonto

Ein Tagesgeldkonto hat Vorteile: Das Geld ist jederzeit verfügbar, vergleichsweise sicher angelegt und meistens verzinst. Teilweise gibt es Angebote mit bis zu 4 Prozent Zinsen. Banken werben Kund*innen an, Sparer*innen bekommen Rendite. Aber es gibt einen Haken.  

Ich habe in den letzten Jahren etwas Geld angespart. Nicht genug für die Frührente, aber genug, um eine kaputte Waschmaschine zu ersetzen, ohne gleich in Panik zu geraten. Dieses Geld gibt mir Sicherheit. Noch läuft meine Maschine. Deswegen kann ich es anlegen. Am besten so, dass ich jederzeit darüber verfügen kann. Wer weiß, wann die Maschine flöten geht. Die Lösung ist ein Tagesgeldkonto mit den höchsten Zinsen. Oder auch nicht. Denn für mich gibt es dabei ein Dilemma.  

Neben Zinsen und Sicherheit ist mir wichtig, dass mein Geld keine neuen Gaskraftwerke ermöglicht. Doch woher weiß ich, was mit dem Geld auf meinem Konto passiert? Und kann ich überhaupt Nachhaltigkeit, Rendite und mein Sicherheitsbedürfnis in Einklang bringen?

Irreführende Lockangebote: Hohe Zinsen für wenige Monate 

Auf Vergleichsplattformen gibt es bis zu 90 verschiedene Tagesgeldkonten im Angebot. Sie liegen teils weit auseinander – von kaum verzinst mit 0,01 Prozent bis zu Lockangeboten mit Prozent. Alle gelisteten Banken mit einem Tagesgeldkonto mit 3,0 Prozent Zinsen und mehr bieten eine deutsche Einlagensicherung.  Das bedeutet: Wenn die Bank hops geht, ist mein Guthaben bis zu 100.000 Euro gesichert. Auf den ersten Blick scheint die Wahl klar: Ein Tagesgeldkonto mit dem höchsten Zinssatz für die maximale Rendite.  

Wenn da nicht noch die Sache mit den Gaskraftwerken wäre. Ich frage Thorsten Holstein, Regionalleiter der Bochumer Filiale der GLS Bank. Er berät jeden Tag Menschen mit genau diesem Problem. Er sagt: „Tageskonten mit höheren Zinsen sind meist Lockangebote. Das hat aber nichts damit zu tun, was es tatsächlich dauerhaft gibt.” 

Ein Blick ins Kleingedruckte zeigt: Die Zinsen gelten oft nur für wenige Monate. Danach sinkt der Zinssatz deutlich. Manche Angebote gelten außerdem nur bis zu einer bestimmten Einlagenhöhe oder ausschließlich für Neukund*innen. Ich muss mir die Konditionen der angebotenen Tagesgeldkonten im Detail anschauen. Sonst laufe ich Gefahr aufs Marketing reinzufallen.  

Merke: Wenn ich nur nach der Zinshöhe gehe, müsste ich regelmäßig vergleichen und mein Konto wechseln. So Zinsjägerin möchte ich nicht werden. Ich habe bereits Hobbys. Ich will es einmal eröffnen und nicht mehr daran denken. 

Tageskonten mit höheren Zinsen sind meist Lockangebote. Das hat aber nichts damit zu tun, was es tatsächlich dauerhaft gibt.

Thorsten Holstein

Zinsen mit Nebenwirkungen

904 Mrd. $

flossen laut dem Bericht Banking on Climate Chaos“ im vergangenen Jahr an den fossilen Sektor.

Lockangebote sind also oft ertragsärmer, als sie vermarktet werden. Und wie sieht’s mit der Nachhaltigkeit aus? Der Bericht Banking on Climate Chaos“, an dem unter anderem die NGO urgewald mitgearbeitet hat, zeigt: viele große Banken lenken Milliarden in die fossile Industrie. Allein im vergangenen Jahr haben die 65 größten Banken der Welt 904 Milliarden US-Dollar an den fossilen Sektor gezahlt. Zum Vergleich: Der deutsche Haushalt beträgt 2026 voraussichtlich 525 Milliarden Euro. 

Das ist ein Problem. Wer Öl, Gas und Kohle weiter finanziert, stabilisiert ein Geschäftsmodell, das die Klimakrise verschärft. Die Folgen sind spürbar — durch Hitze, Hitzetote, fehlendes Wasser, Waldbrände oder Überschwemmungen. Wir verlieren schlicht unsere Lebensgrundlage. Banken sind hier stark in der Verantwortung. 

Ich vergleiche also die Tagesgeldangebote mit dem Bericht. Und siehe da: Einige Banken, die mit hohen Tagesgeldzinsen werben, sind gelistet. Die Super-Zinsen sind also keineswegs harmlos.

Thorsten Holstein sagt dazu: „Es gibt Banken, die investieren in alles auf der ganzen Welt. Alles, was man nicht will. Außer man sagt ‘pecunia non olet’, auf Deutsch: ‘Geld stinkt nicht’. Waffen, Drogen… Kann man alles machen. Aber wenn ich wissen will, was mein Geld macht, und wenn ich nicht will, dass mein Geld dahinfließt, dann lasse ich das lieber.” 

Latein kann ich nicht, dafür aber Englisch. Es heißt: Put your money where your mouth is.” Lass deinen Worten Taten folgen. Wenn ich das mit meinen Werten ernst meine, kann ich mein Geld keiner Bank anvertrauen, die die Klimakrise anheizt. Auf Zinsen muss ich deshalb aber nicht verzichten. Wir liegen mit unseren Zinsen gut am Markt”, sagt mir Thorsten.  

Nachhaltigkeit und Rendite sind vereinbar

Der Vorteil: Die Bank arbeitet mit Ausschlussverfahren. Es gibt keine Finanzierung für fossile Projekte, Waffen und Rüstungsgüter sowie Unternehmen, die Arbeitsrechte verletzen.  

Bei der GLS Bank gibt’s das Tagesgeldkonto mit einem variablen Zinssatz, d.h. der Zinssatz kann sich während der Laufzeit einer Anlage entsprechend den aktuellen Marktbedingungen ändern. Bei der Festsetzung des variablen Zinssatzes in Bezug auf das Tagesgeldkonto orientiert sich die GLS Bank an der aktuellen Marktlage oder dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Aktuell gibt’s das Tagesgeldkonto mit Zinsen von 0,5% p.a. bei einer Summe bis 10.000€. Mitglieder bekommen 1,25% p.a. bis 100.000€. 

Für mich heißt das: Wenn ich Geld auf ein nachhaltiges Tagesgeldkonto lege, lohnt sich das für mich nicht nur finanziell. Mein Geld wirkt auch in meinem Sinne: Windkraftanlagen, statt Gaskraftwerke, Fair Fashion statt Fast Fashion, Öko-Landwirtschaft statt Massentierhaltung.*

* Lies nach wie wir Wirkung messen:

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