Menschen für ein Schiff

Mit dem Auslaufen des Segelschiffs beginnt das, wofür SOS Humanity steht: retten, schützen, bezeugen und verändern. Und sie steht für eine Überzeugung, die nicht verhandelbar ist: Kein Mensch darf im Mittelmeer ertrinken. Im Interview berichtet der Geschäftsführer Till Rummenhohl über seinen Weg zur Seenotrettung und die aktuelle politische Lage.

Wir sind stolz darauf, dass die Finanzierung des Seenotrettungsschiffes über die GLS Bank gemeinsam mit einem Crowdinvesting der GLS Crowd ermöglicht werden konnte. Mein Name ist Silke und ich war bei der Schiffstaufe im Juni für die GLS Bank vor Ort. Ich bin zutiefst dankbar, diese starke Gemeinschaft erlebt zu haben, die hinter der Humanity 2 steht: Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, Erfahrungen und Lebenswegen, die dennoch ein gemeinsames Ziel verbindet — das Schiff auf See zu bringen. Neben dem Interview möchte ich euch genau diese Gemeinschaft in den bunten Kästen vorstellen.

Wie bist Du zur Seenotrettung gekommen? Was hat sich seit deinem ersten Einsatz bis heute politisch und gesellschaftlich verändert?

Ein Mann mit Brille und weißem Shirt sitz am Steuer
Giancarlo

Giancarlo, Busfahrer von Siracusa zur Werft in Licata

Mich hat besonders berührt, dass er sich für unsere Arbeit bedankt hat. Ihn bewegen die Begegnungen mit den Menschen immer wieder. Hinter jeder Fahrt steckt eine Geschichte voller Hoffnung, Angst und Mut. Er wünscht sich, dass Solidarität immer stärker bleibt als Hass, weil wir nicht vergessen dürfen, dass es vor allem Menschen sind.

Sein Transportunternehmen bringt die Menschen, die von den NGO-Schiffen in Pozzallo an Land gebracht werden zu den Erstaufnahmeeinrichtungen.

Till Rummenhohl: Es war Ende 2015, ich war kurz davor meinen Bachelor in Schiffbau und Meerestechnik abzuschließen und wollte eigentlich in der Pause zwischen Bachelor und Master Erfahrung auf großen Handelsschiffen sammeln. Ich komme aus dem Jollensegeln, was ich schon früh als Kind anfing, hatte bis dahin aber noch nie auf großen Handelsschiffen gearbeitet oder gelebt. Ich dachte: „Wenn ich mal solche Schiffe entwerfen möchte, sollte ich einmal auf einem gefahren sein!“. Doch dann kam alles anders. Zu der Zeit hatten wir ein Geflüchteten-Aufnahmecamp gegenüber von unserem Campus und als Studierende brachten wir uns in Form von Buddy-Programmen und Sprachkursen in der Aufnahme mit ein. Als ich dann einen Facebook Post von SOS Humanity (damals noch SOS Méditerranée) sah, die mit einem großen, sehr tauglichen Schiff – der Aquarius – raus ins Mittelmeer in den Einsatz fahren wollten, erkannte ich, dass das die perfekte Gelegenheit war, den Wunsch nach Erfahrung auf Seeschiffen mit meiner Leidenschaft für humanitäre Arbeit zu verbinden. Ich bewarb mich als Koch und Hilfsingenieur und wurde kurze Zeit später mit der Frage angerufen, ob ich mir auch vorstellen könnte, im Search and Rescue (SAR), also dem Rettungs-Team mitzufahren. Ich hatte keine Erfahrung mit Seenotrettung, aber mir wurde gesagt, dass ich alles an Bord beigebracht bekommen würde. Ich nahm an und im August 2016 ging ich für meinen ersten Einsatz in Trapani an Bord der Aquarius. Was ich damals noch nicht wusste: es sollte mein Leben verändern.

Die Arbeit hat sich im Vergleich von 2016 zu heute komplett verändert. Als wir 2016 begannen mit der Aquarius in den lebensrettenden Einsatz zu fahren, wurden wir von allen Seiten willkommen geheißen. Wir arbeiteten in enger Abstimmung mit der italienischen Küstenwache und Kriegsschiffen der EU-Mission „Sophia“. Alle hatten vor allem ein Ziel. Allen Menschen, die im Mittelmeer in Lebensgefahr waren zu Hilfe zu kommen. Die Rettungsleitstelle in Rom koordinierte sämtliche Rettungseinsätze. Jeder Notruf wurde vorschriftsgemäß an Schiffe in der Region weitergeleitet, Küstenwachen-Kapitäne baten unser Schiff um Hilfe, wenn sie mit Rettungen überfordert waren. Und die Leitstelle sorgte dafür, dass wenn ein Schiff mit Menschen an Bord Richtung sicherem Hafen fuhr, es so viele Menschen wie möglich von anderen Schiffen mitnahm, damit diese weiter im Einsatzgebiet bleiben konnten. Heute schweigen die offiziellen Meldesysteme, Handelsschiffe fahren Umwege, um keine Menschen retten zu müssen, die Schiffe der italienischen Küstenwache fahren nicht mehr auf aktive Patrouille im südlichen Teil des zentralen Mittelmeers. NGO-Schiffe sind die letzten europäischen Einheiten, die sich in der maltesischen und libyschen Rettungszone bewegen und die völkerrechtliche Pflicht zur Seenotrettung aufrechterhalten.

Heute wird alles versucht, sie politisch und juristisch an der lebensrettenden Arbeit zu hindern. 2017 haben europäische Mitgliedsstaaten das sogenannte Malta Agreement beschlossen. Ein 10-Punkte-Plan, der ganz klar definiert, wie Europa seine Seegrenze zum afrikanischen Kontinent „abriegeln“ will. Hierfür wurde eine sogenannte libysche Küstenwache etabliert. Ein Zusammenschluss aus Milizen wurde finanziert, ausgerüstet und trainiert, um in Zukunft die Rettung von fliehenden Menschen in Seenot zu übernehmen. Das zentrale Element der Strategie: Wenn sie die Menschen “retten”, also abfangen, bringen sie sie gewaltsam wieder zurück nach Libyen und niemand kommt mehr nach Europa, ohne dass sich die EU an diesen Völkerrechtsverstößen direkt beteiligt. Die Realität ist eine andere. Die EU hat wesentlichen Anteil an den völkerrechtswidrigen Pull-backs und steckt mit der Grenzschutzagentur Frontex tief in der Koordinierung dieser Rückführungen mit drin. Gleichzeitig sorgt Italien mit absurden Dekreten und fadenscheinigen Vorwürfen dafür, dass NGO-Schiffe für ihre lebensrettende Arbeit sanktioniert werden und nach Rettungen in weit entfernte Häfen geschickt werden, um sie so lange wie möglich aus dem Einsatzgebiet fernzuhalten.

Kurz: Von damals zu heute hat sich vieles verändert, aber nicht die Notlage der Menschen, die fliehen. Die ist immer noch die gleiche. Von einem reinen humanitären Noteinsatz hat sich die zivile Seenotrettung zu einem der politisiertesten Themen entwickelt und wird immer wieder kriminalisiert. Doch eigentlich ist sie immer noch das, was sie früher war: humanitäre Nothilfe für Menschen auf der Flucht.

Grundsätzlich haben wir als Gesellschaft einen starken humanitären Ansatz. Wir wollen nicht zusehen, wie Menschen ertrinken müssen. Was glaubst Du, liegt hinter der Abschottungspolitik der EU?

Till Rummenhohl: Hinter der Abschottungspolitik der EU steckt ein zynisches Kalkül: Migration als Sündenbock für alle gesellschaftlichen Probleme zu instrumentalisieren. Statt Probleme wie soziale Ungleichheit, fehlende Wohnungen oder marode Infrastruktur anzupacken, wird in der Debatte Migration als Ursache vieler dieser Probleme verkauft. Das ist viel bequemer, als z.B. Fehler bei der Integration zu benennen und das Sündenbock-Prinzip funktioniert. Rechtspopulistische Parteien in ganz Europa hetzen seit Jahren gegen Geflüchtete, und die etablierten Parteien sind ihnen auf dem Fuße gefolgt. Die Angst vor dem Fremden lässt sich leichter verkaufen als das Eingeständnis des eigenen Versagens.

Gleichzeitig hat die EU in den letzten Jahren eine fehlgeschlagene Asyl- und Migrationspolitik betrieben, die auf Abschottung statt auf Solidarität setzt. Statt legale Fluchtwege zu schaffen, werden Grenzen dichtgemacht, und statt Integration zu fördern, wird Ausgrenzung betrieben. Das Ergebnis? Menschen sterben auf der Suche nach Schutz und Sicherheit, während wir uns hier streiten, ob wir sie retten dürfen oder nicht.

Marie, Crewing und Projektkoordinatorin

Marie ist Sozialarbeiterin in Berlin und unterstützt die Werft-Crew dabei, die Umbauarbeiten an der Humanity 2 zum Abschluss zu bringen, damit das Schiff zu seinem ersten Einsatz auslaufen kann. Sie bedankte sich bei mir als GLS Bank Vertreterin, dass die Bank es möglich machte, das Schiff zu finanzieren.

Die EU hat ihre Grenzen externalisiert – nach Libyen, in die Türkei, nach Nordafrika. Man zahlt Milizen, damit sie die „Drecksarbeit“ erledigen: Menschen abfangen, zurückschleppen, in Lager stecken. Das ist kein Zufall, sondern System. Die EU weiß genau, was in Libyen passiert: Folter, Versklavung, Vergewaltigung. Und trotzdem wird diese Praxis weitergeführt. Warum? Weil das Grauen dort hier niemand sieht und das Ergebnis, weniger “irreguläre” Migration, mehrheitlich erwünscht ist. Aber die Wahrheit ist: Die meisten Menschen wollen nicht, dass andere sterben. Sie wollen nur nicht, dass sich etwas ändert. Und genau das ist das Problem. Solange wir zulassen, dass Migration als Bedrohung dargestellt wird, solange wir wegschauen, wenn Menschen in Seenot sind, solange lassen wir zu, dass diese unmenschliche Abschottungspolitik fortgesetzt wird. Dabei geht es doch eigentlich um etwas ganz Einfaches: Um Menschen und Menschlichkeit. Ich denke eine Welt, in der wir alle sicher und gleichgestellt leben können, ist möglich. Eventuell sogar mit weniger Ressourcen als wir sie aktuell für eine unmenschliche und ungleiche Welt ausgeben.

Menschen begeben sich auf tödliche Fluchtwege, um hoffentlich “lebend” an den europäischen Außengrenzen Asyl beantragen zu können. Hast Du eine Idee von Alternativen dazu?

Till Rummenhohl: Die Alternative zu tödlichen Fluchtwegen ist nicht weniger Migration, sondern sichere Routen und reguläre, legalisierte Migration. Punkt. Solange es keine legalen und sicheren Wege gibt, werden Menschen weiterhin ihr Leben riskieren. Das ist keine Spekulation, sondern logische Realität.

Kurzfristig brauchen wir ein europäisches, staatlich koordiniertes Seenotrettungsprogramm. Die zivile Organisationen können nicht die einzigen sein, die Leben retten. Die EU muss endlich ihre völkerrechtliche Pflicht erfüllen und selbst Schiffe ins Mittelmeer schicken – nicht, um Menschen abzuwehren, sondern um sie zu retten – das beinhaltet laut internationalem Seerecht, sie an einen sicheren Ort zu bringen – also Europa. Das ist machbar, und es wäre ein erster Schritt, um das Sterben zu beenden.

Frede, Tischlerin

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Tischlerin hat sich Hannah als Volunteer für die Werftcrew beworben. Mit ihrem handwerklichen Können und viel Engagement trägt sie dazu bei, dass die Holzarbeiten an Bord der Humanity 2 abgeschlossen werden können.

Mittelfristig brauchen wir aus meiner persönlichen Sicht dringend reguläre und sichere Flucht- und Einreisewege in die EU. Menschen, die Schutz brauchen, müssen bereits in ihren Herkunfts- oder Transitländern Asylanträge stellen können – und mit einem Visum sicher nach Europa reisen können. Dies ist bis heute für Menschen aus den meisten afrikanischen Ländern nicht möglich, was viele hier nicht wissen.

Aber all das reicht meiner persönlichen Meinung nach nicht, wenn wir nicht die Gründe angehen, die Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. Und hier kommt die unangenehme Wahrheit: Der Westen trägt eine Mitverantwortung. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben auch nach dem Ende der Kolonialzeit jahrzehntelang viele Länder des globalen Südens durch ungerechte Handelsabkommen, aber auch beispielsweise durch die Ausplünderung von Rohstoffen klein gehalten. Heute werden afrikanische Länder mit Sanktionen belegt, während europäische Konzerne gleichzeitig ihre Märkte mit billigen Produkten fluten. Das ist kein Zufall, sondern ein System, das Abhängigkeiten schafft und Krisen verschärft.

Johanna, Engineer

Ein Segelschiff lebt vom Wind – doch für seinen Einsatz braucht es ebenso einen verlässlichen Motor. Genau daran arbeitet Marie: Mit ihrem technischen Know-how sorgt sie dafür, dass der Motor der Humanity 2 fit gemacht wird und das Schiff bald startklar ist.

Kriege, Klimakrise, Armut – all das sind keine Naturkatastrophen, sondern oft das Ergebnis politischer Entscheidungen. Wenn wir nicht bereit sind, diese Entscheidungen zu ändern, wenn wir nicht bereit sind, unsere eigene Rolle in diesen Krisen zu hinterfragen und entsprechend zu handeln, dann werden Menschen weiter fliehen müssen. Und sie werden weiter diese tödlichen Routen nutzen, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben. Denn solange die Bedingungen in ihren Herkunftsländern lebensgefährlich und perspektivlos bleiben, werden sie keine andere Wahl haben. Das erzählen uns die Geretteten an Bord immer wieder.

Lohnt es sich, zum Thema Menschenrettung bei der Bundesregierung politisch Druck zu machen? Und wie geht Ihr mit den auf breiter Ebene vorgenommenen staatlichen Kürzungen im letzten Jahr seitens des Außenministeriums um?

Till Rummenhohl: Ja, es lohnt sich – weil wir keine andere Wahl haben. Druck zu machen, bedeutet, die Stimme derer zu sein, die nicht gehört werden. Die ehemalige Bundesregierung hat durch ihre Unterstützung für die zivile Seenotrettung ein Zeichen gesetzt. Aber die Streichung der Gelder des neuen Außenministeriums im letzten Jahr zeigen: Humanitäre Werte sind verhandelbar geworden.

Bei SOS Humanity spüren wir diese finanzielle Lücke direkt. Sie bedeutet weniger Mittel für den Betrieb unserer Schiffe, weniger Kapazitäten für Rettungseinsätze, weniger Chancen auf Rettung für die Menschen, die auf dem Mittelmeer in Not sind. Gleichzeitig sieht man, wie die Bundesregierung massiv in Verteidigung und Aufrüstung investiert, während sie bei der humanitären Hilfe und internationalen Zusammenarbeit drastisch spart. Das ist eine politische Entscheidung, die wir nicht hinnehmen dürfen. Druck zu machen, heißt für uns:

  • Öffentlichkeit herstellen: Wir berichten über das, was auf dem Mittelmeer passiert – und darüber, wie die Politik dazu beiträgt, dass Menschen sterben.
  • Allianzen schmieden: Mit anderen NGOs, mit Kirchen, mit Gewerkschaften, mit der Zivilgesellschaft. Gemeinsam sind wir lauter.
  • Juristische Wege gehen: Wenn humanitäre Nothilfe kriminalisiert wird, wenn Schiffe illegal festgesetzt werden, klagen wir gegen dieses Unrecht. Wenn Rechte verletzt werden, wehren wir uns. Nicht nur reaktiv, sondern auch mit strategischer Prozessführung. Wir verstehen uns als eine Organisation, die Leben rettet und Menschenrechte verteidigt.

Am Ende geht es nicht nur um Geld. Es geht um politischen Willen. Und den können wir nur ändern, wenn wir nicht aufhören, darauf hinzuweisen, dass Seenotrettung keine Frage des Budgets ist – sondern eine Frage der Menschlichkeit und der universellen Pflicht zu retten. Die Bundesregierung muss verstehen: Wenn sie jegliche Unterstützung für die Seenotrettung streicht, macht sie sich mitschuldig am Sterben im Mittelmeer. Denn das, was wir machen, ist kein politischer Aktivismus, es ist die Erfüllung völkerrechtlicher Pflicht!

Was gibt dir Zukunftsmut?

Till Rummenhohl: Zukunftsmut geben mir all die Menschen, die nicht wegschauen. Die Crews auf unseren Schiffen, die Tag für Tag unter extremen Bedingungen Leben retten – ohne Wenn und Aber. Die Ehrenamtlichen an Land, die Spenden sammeln, die demonstrieren, die sich engagieren. Die Überlebenden, die wir aus Seenot retten und die uns immer wieder zeigen, wie stark der menschliche Wille zu leben ist. Und natürlich all die Menschen, Unternehmen und Organisationen, die sich hinter uns stellen, spenden und fördern, führsprechen und uns damit eine starke Stimme geben.

Und dann gibt es diese Momente, in denen man spürt: Es gibt noch eine andere Welt. Wenn ein Segelschiff wie die Humanity 2 nach einem Jahr harter Arbeit endlich einsatzbereit ist – ein Schiff, das über 100 Menschen aufnehmen und versorgen kann. Wenn wir sehen, wie viele Menschen in Europa sich mit uns solidarisieren, wenn sie verstehen, was auf dem Mittelmeer passiert. Wenn wir erleben, wie Gerettete später selbst zu Fürsprechern für andere werden.

Klar ist: Die politische Lage ist düster. Aber die zivile Seenotrettung zeigt, dass Veränderung möglich ist – wenn genug Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Und solange es Menschen gibt, die nicht wegschauen, gibt es Hoffnung. Denn am Ende geht es nicht um Zahlen oder Quoten. Es geht um Menschenleben. Und jedes einzelne ist es wert, sich dafür mit aller Kraft einzusetzen.

Danke für das Gespräch!

Lena, Deck und eine von vielen Medien-Verantwortlichen

Lena führt die Unterstützer* innen, die den Kauf, Umbau und Einsatz des Segelschiffes möglich gemacht haben über die Humanity 2. Dabei beschreibt sie den Weg, den gerettete Menschen an Bord gehen: von der Registrierung über den Gesundheitscheck bis hin zum ersten Willkommenspäckchen mit frischer Kleidung und Hygieneartikeln. Gleichzeitig trägt sie diese Eindrücke nach außen und macht die Mission der Humanity 2 auch medial sichtbar.

Kim, Skipper

Kim hat eine Kapitänslizenz und langjährige Erfahrung in der Seenotrettung, unter anderem bei MSF. Auch für Sea Shepherd war er im Einsatz. Seine besondere Leidenschaft gilt jedoch den Segelschiffen.

Im Hafen von Licata entdeckte er die Humanity 2 – und war sofort berührt. Eine kurze Nachfrage, wem das Schiff gehört, reichte aus: Kim wusste, dass er an Bord wollte. Er bewarb sich für die Crew und bekam die Zusage.

David Yambio

David Yambio, Taufpate der Humanity 2 und Menschenrechtsaktivist

Seine Geschichte steht für das Leid, das viele Menschen auf der Flucht erfahren. Vor fünf Jahren floh er selbst aus Libyen. Fünfmal fand er den Mut zur Flucht aus einem Gefangenenlager aufzubringen — viermal wurde er gefasst und nach Libyen zurückgebracht. Erst der fünfte Versuch gelang. Heute lebt David Yambio in Frankfurt.

Inzwischen ist er für viele Menschen, die diese Fluchtroute noch vor sich haben oder bereits in einem der Lager an den EU-Außengrenzen auf ihr weiteres Schicksal warten, zu einem Hoffnungsträger und einer Vertrauensperson geworden. Seine Präsenz machte einmal mehr deutlich, worum es bei der zivilen Seenotrettung im Kern geht: um Menschen, um Würde und um den Schutz des Lebens.

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