Der GLS Mikrofinanzfonds (2): Wie entsteht ein Fonds?

Bis ein Anleger den ersten Fondsanteil zeichnen kann, müssen hunderte Seiten an Dokumenten und Verträgen gewälzt, die richtigen Partner gefunden, ein aufwändiges Zulassungsverfahren durchlaufen, viele Gespräche geführt und noch mehr Prozesse festgelegt werden.

So geschehen beim GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds, der vor kurzem in Deutschland für Privatanleger zugelassen wurde.  Für die GLS Bank ist damit ein Meilenstein in ihrer „Fondsgeschichte“ erreicht. Wir sprachen mit Damian Pilka und Martin Feige, die den Fonds auf den Weg gebracht haben.

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Damian Pilka (l), Martin Feige (r)

Wie „produziert“ man einen Fonds?
Damian Pilka (DP): Zentral ist für uns, was die Menschen vor Ort benötigen. Die große Herausforderung für uns lag darin, unser Anliegen – Verbesserung der Lebensumstände durch Zugang zu Finanzdienstleistungen – mit der Welt des Kapitalmarktes zusammenzubringen. Auf dieser Grundlage entwickelten wir das Konzept für unseren Mikrofinanzfonds. Finanzieren wir Darlehen? Vergeben wir Eigenkapital? In welchen Ländern? Das waren einige der Fragen, die wir entscheiden mussten. Das Ergebnis haben wir schließlich detailliert in den Anlagerichtlinien festgelegt.

Martin Feige (MF): Für unsere Ansprüche hat sich ein Fonds als geeignetes „Anlagevehikel“ herausgestellt. Wir können damit unseren Kundinnen und Kunden und den Anforderungen der MFIs gerecht werden. Die richtigen Partner zu finden war jedoch eine große Herausforderung. Wir haben im Sommer 2015 mit der Suche nach einer Kapitalverwaltungsgesellschaft begonnen, die unsere Idee umsetzen kann. Und wir brauchten eine Depotbank für die Verwahrung dieser teils besonderen Vermögensgegenstände.

DP: Außerdem mussten wir einen Fondsmanager finden, der bei der Kreditbetreuung die strengen Anlagerichtlinien der GLS Bank einhalten kann. Wir arbeiten hier mit einem bewährten Partner, der Frankfurt School Financial Services (FSFS), zusammen. Sie verfügt über ein globales Netzwerk an MFIs, mit denen wir zusammenarbeiten können. Die FSFS unterstützt die MFIs außerdem mit Schulungen und Weiterbildungen vor Ort und transferiert auf diese Weise global ihr Wissen.

Der GLS Mikrofinanzfonds (2): Wie entsteht ein Fonds?
Martin Feige

MF: Nach der Partnerauswahl ging es an die eigentliche Arbeit. Hunderte Seiten rechtlicher Dokumente und global gültige Verträge mussten erstellt und von den verschiedenen Rechtsabteilungen geprüft werden. Wir schrieben  einen Verkaufsprospekt, der die Prinzipien der GLS Bank berücksichtigt. Danach konnten wir die Zulassung bei der zuständigen Aufsichtsbehörde beantragen. Die haben wir dann im Dezember 2015 erhalten. Bis dahin konnten wir knapp 20 Millionen Euro Startkapital einsammeln und starteten den Vertrieb an sogenannte semiprofessionielle und professionelle Anleger, hierunter fallen größtenteils Institutionen aus unserem Netzwerk. Seit Mai 2016 haben wir die Zulassung für den Vertrieb an Privatanleger und können nun allen unseren Kundinnen und Kunden den Fonds anbieten.

Welche Aufgaben übernimmt die GLS Bank im laufenden Betrieb?
DP: Als Anlageberater des Fonds beraten wir die Kapitalverwaltungsgesellschaft bei Fragen rund um das Thema Mikrofinanz und unterstützen den Fondsmanager bei der Auswahl der Investitionsprojekte. Zudem überprüfen wir die Einhaltung der sozial-ökologischen Kriterien der Investitionen, entwickeln die Anlagerichtlinien und das Fondskonzept weiter.

MF: Zusätzlich sind wir Initiator des Fonds und bringen regelmäßig alle Partner an einen Tisch, um weitere Aktivitäten zu planen. Als wichtigste Vertriebsstelle des Fonds ist es unsere Pflicht und unser Anliegen, die Kundinnen und Kunden ausführlich zu beraten und zu prüfen, ob das Angebot zum Kunden passt oder nicht.

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Damian Pilka

Wie sieht die geplante Entwicklung des Fonds aus?
DP: Wir wollen in den nächsten Jahren das Fondsvolumen deutlich steigern. Wir können dann die Investitionen – und damit das Risiko – breiter streuen. Durch die größere Risikodiversifikation können wir noch gezielter unsere Anlagekriterien umsetzen. Wir planen z. B. bis zu 20 Prozent des Fondvolumens in Lokalwährungen zu vergeben. Davon würden vor allem die Endkreditnehmer profitieren, weil sie ein geringeres Abwertungsrisiko tragen müssten. Außerdem möchten wir zukünftig kleinere MFIs mit Eigenkapital ausstatten.

MF: Wichtig ist uns vor allem, dass wir kontrolliert wachsen und eine hohe Qualität sicherstellen. Wir wollen dauerhaft den Ansprüchen der MFI und unseren Kunden gerecht werden und uns gezielt weiter entwickeln.

Was war das für ein Gefühl, als der erste Privatkunde gezeichnet hatte?
DP: Nach monatelanger Arbeit, der Erstellung umfangreicher rechtlicher Dokumente und der Auswahl von MFIs war es überwältigend, wie viel Zuspruch und Vertrauen unsere Kundinnen und Kunden uns entgegenbringen. Wir hatten einen weiteren Weg geschaffen, Geld dorthin zu bringen, wo es benötigt wird.

Welches war der spannendste Moment in der Fondsentwicklung?
MF: Das war der Tag der ersten Einzahlung in den Fonds und zu sehen, welche Wirkung damit bei einem MFI vor Ort erzielt werden kann. Ist der Fonds richtig in den elektronischen Handels- und Abwicklungssystemen angelegt worden? Klappt die Weiterleitung der Kundenaufträge? Sind die MFI versorgt? Letztendlich war alles in Ordnung, der Fonds war initiiert.

DP: Schön waren zudem die Auszahlungen an Partnerbanken aus unseren internationalen Netzwerken, z. B. an die XAC Bank in der Mongolei (GABV) oder an die Fundenuse in Nicaragua (INAISE). Zum einen wird das die Zusammenarbeit im Netzwerk stärken und anderseits war es schön zu merken, dass unsere Arbeitsweisen und Auswahlkriterien richtig waren.

Mehr Infos

Teil 1 des Interviews: Der GLS Mikrofinanzfonds – Für ein besseres Leben

Broschüre Mikrofinanz weltweit

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