Klimastreik in Bochum: Menschen mit Banner in der Hand demonstrieren

Für eine sichere, bezahlbare, unabhängige Versorgung mit Energie

Es macht einfach keinen Sinn, auf eine Energiekrise, die durch die Abhängigkeit von fossilen Energielieferungen in Kriegszeiten entsteht, mit Subventionen oder gar dem Ausbau eben dieser fossilen Energien zu reagieren. Doch genau so handeln einige Vertreter der Bundesregierung, vor allem das Bundeswirtschaftsministerium. Auf EU-Ebene wird es unterdessen ähnlich haarsträubend, wenn von der Leyen von einer Renaissance der Kernenergie spricht. Deshalb: Viele Menschen in Deutschland sind jetzt streikbereit. Erste Demonstrationen am 18. April wollen nichts weniger als die Energiewende verteidigen.

Das Wirtschaftsministerium unter Leitung von Katherina Reiche:

  • will die feste Einspeisevergütung für Solarstrom vom Dach abschaffen,
  • plant, Betreiber von Erneuerbaren-Energie-Anlagen nicht mehr zu entschädigen, wenn die Netzbetreiber sie wegen Überlastung der Netze zum Abschalten verpflichten,
  • setzt auf neue Gaskraftwerke und
  • denkt über eine Neubewertung von Atomkraft nach.

Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und eine sichere, unabhängige und bezahlbare Energieversorgung müssen auf der Tagesordnung der Politik ganz oben stehen. Die Ankündigungen der Regierung verbreiten aber eher Sorgen und Unsicherheit.

Was das Wirtschaftsministerium gerade plant, siehst Du links in unserer Liste.

All das bremst die Energiewende aus und treibt die Energiepreise in die Höhe. Dagegen protestiert ein breites Bündnis aus Klimabewegung, Umwelt- und Sozialverbänden zunächst am 18. April in Berlin, Hamburg, Köln und München. „Erneuerbare Energien verteidigen!“, lautet der Slogan.

Eine knappe Woche später, am 24. April, weitet sich der Protest aus: Fridays for Future ruft zum bundesweiten Klimastreik auf. „Mit den Demonstrationen bringen wir die Breite der Bevölkerung gegen den Frontalangriff von Katherina Reiche auf die Energiewende auf die Straße“, zitierte die taz FFF-Sprecherin Luisa Neubauer Ende März.

Renaissance Kernenergie? Die ewig gleichen Argumente…

Einen Tag vor dem 15. Jahrestag der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011, am 10. März 2026, bekannte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede auf dem Atomenergie-Gipfel eben zu genau jener Atomenergie. Sie stellte noch für 2026 eine EU-weite Strategie für den Einsatz von sogenannten Small Modular Reactors (SMR) in Aussicht, diese sollen beim Erreichen der Klimaneutralität helfen. Und die EU wolle dafür Garantien in Höhe von 200 Millionen Euro bereitstellen.

Umweltbundesminister Carsten Schneider hielt am selben Tag dagegen und sagte zum Beispiel: „Diese kleinen Atomkraftwerke werden schon seit Jahrzehnten angekündigt, schaffen aber den Durchbruch nicht und ringen stattdessen um Subventionen. Auch wenn die Anlagen kleiner werden, werden die Probleme in der Summe größer.“

Jetzt, Mitte April, berichtet der Deutschlandfunk darüber, dass sich Unionsfraktionschef Jens Spahn auf gesellschaftlicher und politischer Ebene mal wieder eine Debatte über den Wiedereinstieg in die Atomkraft wünscht. Abgeschaltete Reaktoren könnten mit geringem Aufwand ans Netz gehen, das sei ein Beitrag zur Energiesicherheit.

Kurz vor der Bundestagswahl, Anfang 2025, hatten wir diese Diskussion schon einmal. Damals zeigte sich unter anderem CSU-Chef Söder überzeugt davon, dass die Klimaziele ohne Kernenergie unerreichbar seien.

Diese kleinen Atomkraftwerke werden schon seit Jahrzehnten angekündigt, schaffen aber den Durchbruch nicht und ringen stattdessen um Subventionen.

Umweltbundesminister Carsten Schneider

Faktencheck Kernenergie

An dieser Stelle werfen wir gerne einen Blick in den „Faktencheck Kernenergie“ (PDF) des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW):

„SMR-Konzepte (Small Modular Reactors) sorgen immer wieder für ein Aufflammen der Wiedereinstiegsdiskussion. Ursprünglich für die Energieerzeugung auf kleinstem Raum (U-Boote/Flugzeugträger) entwickelt, sind sie unterschiedlich aufgebaut. Eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnet zu erwartende Stromgestehungskosten von 213-581 US-Dollar/MWh. Erneuerbare Energien (Wind, PV) liegen hier bei 31-121 €/MWh. Damit sind Mini-Kernkraftwerke eine deutlich teurere Alternative und erzeugen radioaktive Abfälle, bei einer verhältnismäßig geringen elektrischen Leistung.“

Geht das denn nicht: Alte Kraftwerke schnell ans Netz?

Auch das Argument, man könne doch einfach die alten Kraftwerke wieder in Betrieb nehmen, hält dem Faktencheck nicht wirklich stand: Fraunhofer-Wissenschaftler Christian Klöppelt stellt klar, dass eine Wiederinbetriebnahme zwar rein theoretisch bei einigen Kernkraftwerken in Deutschland möglich wäre, deren Rückbau jedoch permanent voranschreite. Schnell geht hier also gar nichts, mindestens ein bis zwei, eher fünf Jahre dauere eine Reaktivierung. „Denn um wieder ans Netz zu gehen, brauchen die Kraftwerke Sicherheitsüberprüfungen, gegebenenfalls Modernisierungen, neue Fachkräfte, neue Brennstoffe und einen regulatorischen Rahmen“, heißt es auf tageschau.de.

Energieexperte Volker Quaschning stellt in der ZEIT fest: „Es ergibt für ein Land wie Deutschland überhaupt keinen Sinn, auf Kernenergie zu setzen.“ Der Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin erläutert, dass Kernenergie weltweit nur noch 9 % der Stromversorgung und 2-3 % der gesamten Energieerzeugung ausmache. Er betont: „Die Kernenergie ist einfach keine Energieform, die uns für die nächsten Jahrzehnte Energiesicherheit bringen wird.“

Wir wollten das nie wieder besprechen…

Quaschnings Schlussfolgerung führt uns direkt zu den „7 Gründen gegen Atomkraft“, über die GLS Bank Autorin Silke Bechtle eigentlich nie wieder sprechen wollte – und die sie erst recht nicht aufschreiben wollte. Hat sie für das Magazin aber doch gemacht.

7 Gründe gegen Atomkraft

Atomkraft ist zwar teuer und tödlich für die Umwelt, hat aber eine starke Lobby. Vor allem in Frankreich wird versucht, die Technologie als nachhaltig zu verkaufen. Deswegen erleben wir gerade auf EU-Ebene neue Forderungen nach kleinen Atomkraftwerken, sogenannte Small Modular Reactors. Wir nennen 7 Gründe, die dagegen sprechen.

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