Illustration einer Weiche

Wohngenossenschaft: „Ich möchte in Gemeinschaft alt werden“

Schwerpunktthema | Zukunftsmut

Gesa Funke ist Mitglied der Weiche eG, einer Genossenschaft, die im Osnabrücker Lok-Viertel 77 Wohnungen bauen will. Das Vorhaben gibt ihr Zuversicht – trotz mancher Hürde.

Bild von GEsa Funke

Warum willst Du in einer Genossenschaft leben?

Ich bin 34 Jahre alt, aber ich finde schon heute den Gedanken schön, in Gemeinschaft alt zu werden und nicht allein. Ich möchte mit Leuten zusammenleben statt nebeneinanderher. Wenn ich spontan einen Kuchen backe, sollen da andere sein, die den wegessen. Gemeinsam Beete bepflanzen, Spiele spielen – solche Dinge. In Berlin habe ich schon einmal in einem inklusiven Haus gelebt, das hat mir gut gefallen. Auch die Möglichkeit, über eine Genossenschaft Wohneigentum zu erwerben, spielt eine Rolle für mich. So bin ich vor willkürlichen Mieterhöhungen und Kündigung wegen Eigenbedarf geschützt.

Wie wohnst Du aktuell?

Ich wohne gerade vorübergehend bei meinen Eltern. Ich habe in Berlin studiert, aber das war nichts für mich, also habe ich das Studium abgebrochen und bin nach Osnabrück zurückgekehrt, näher zu Familie und Freunden. Jetzt jobbe ich in einer Bäckerei und suche einen Ausbildungsplatz als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste. Ich würde gern bei meinen Eltern ausziehen, aber der Wohnungsmarkt hier in Osnabrück ist angespannt. Ich kenne viele Leute, die Mietwohnungen suchen.

Wie bist Du auf das Projekt aufmerksam geworden?

Durch meinen Vater. Er hat mir vor etwa einem Jahr eine Mail über eine Infoveranstaltung der Weiche eG weitergeleitet. Mein Bruder kam dann in einer späteren Phase dazu; er will auch einziehen.

Was hat Euch überzeugt?

Die Bewohner*innen werden eigene Wohnungen haben und daneben gibt es Gemeinschaftsbereiche auf dem Dach und im Innenhof. Außerdem eine Gewerbefläche. Wie die genutzt werden soll, legen wir in einer AG noch fest. Es könnte zum Beispiel ein Café geben. Toll ist auch, dass alles sehr nachhaltig sein wird, geplant ist ein Holzbau mit Wärmepumpe. Das gesamte Lok-Viertel, das sehr viel größer ist als unser Areal, wird nicht mit privaten Autos befahrbar sein. Früher gab es hier einen großen Güterbahnhof, daher auch die Namen Lok-Viertel und Weiche eG.

Weißt Du schon, wann Du einziehen kannst?

Noch fehlen weitere Gleichgesinnte, damit wir mit dem Bau starten können. Ich denke aber, dass wir die bald finden. Unsere Genossenschaft haben wir Anfang des Jahres gegründet. Wir rechnen mit rund zwei Jahren bis zum Einzug.

Neben Förderprogrammen auf Landesebene gibt es auch eine bundesweite Förderung für genossenschaftliches Wohnen. Der KfW-Förderkredit 134 kommt für alle infrage, die Genossenschaftsanteile für selbstgenutzten Wohnraum kaufen möchten. 15 Prozent der Darlehenssumme werden als Zuschuss vergeben; dieses Geld muss also nicht zurückgezahlt werden. Der Kredit wird über einen Finanzierungspartner beantragt. Finanziert die GLS Bank die Genossenschaft, kann sie auch den KfW-Förderkredit für einzelne Genoss*innen beantragen.

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