Pciknickveranstaltung auf dem Weingut Eva Vollmer

Starke Landwirtinnen: Eva Vollmer

Mitte Februar fand in Nürnberg die Biofach-Messe statt. Schwerpunktthema war in diesem Jahr: „Food for the Future: Frauen und nachhaltige Ernährungssysteme“. Dabei stand die transformative Kraft von Frauen im Lebensmittelsektor im Fokus. Das Blog der GLS Bank greift das Thema in einer „Starke Landwirtinnen“-Reihe auf. In Teil 4, dem letzten Teil unserer Reihe, sprechen wir mit Eva Vollmer vom gleichnamigen Weingut. Der landwirtschaftliche Familienbetrieb, den Eva Vollmer von ihren Eltern übernommen hat und leitet, liegt in Ebersheim, südlich der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.

Eva Vollmer im Weinberg
Eva Vollmer vom gleichnamigen Weingut. Foto: privat

Warum haben es Frauen schwerer in der Landwirtschaft?

Von meinem Standpunkt aus empfinde ich es nicht als schwerer, weil ich sehr vertrauensvolle und sehr fortschrittliche Eltern habe. Sie waren bereit, Verantwortung abzugeben, auch an weibliche Nachkommen, also an mich. Trotzdem kann ich, mit Blick auf andere Betriebe, nachvollziehen, woher die Schwere in der Landwirtschaft kommt. In den Betrieben gibt es eigentlich eine wunderbare Mischung der Generationen, die hoch inspirativ und sehr befruchtend ist. Die Familie ist heilig. Das jedoch schürt eher die Vorliebe für eine männliche Betriebsführung.

Durch das Aufeinanderhocken der Generationen hängt noch viel altes Patriarchat in der Luft. Das heißt also Phrasen wie „So ist‘s schon immer gewesen“, „Der Mann macht es, das kannst du nicht“, „Lass das den Papa machen“, das höre ich immer wieder aus allen Ecken. Diese Strukturen versuche ich mit meiner eigenen „Super-Action-Power“ kleinzuhalten. Ich habe aber schon in meiner Jugend viele Jungs-Sachen gemacht und bin nicht den typischen feminin assoziierten Tätigkeiten wie Stricken oder Puppenspiele nachgegangen. Ich hatte eher handfeste Hobbys.

Was muss sich ändern, damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen?

Es muss schon von klein auf Angebote geben, die Frauen fördern. Ich habe zum Beispiel die sogenannten „b|u|s“-Kurse besucht, das sind moderne Unternehmertrainings, die viel Knowhow und Kenntnis speziell an Menschen weitergeben, die in der Landwirtschaft arbeiten. Wenn die Analyse der eigenen menschlichen und nicht vorrangig weiblichen Kompetenzen schon in der Schule beginnen und man individuelle Stärken bereits früh fördern würde, dann gäbe es bestimmt mehr Frauen in Führungspositionen. Die Mädchen würden sich früher trauen, sich durchzusetzen und ihren eigenen Interessen nachzugehen, anstelle der Interessen, die andere für sie vorsehen.

Es muss schon von klein auf Angebote geben, die Frauen fördern

Eva Vollmer

Welche Stärken kannst du in deinem Betrieb mit einbringen?

Meine Stärke liegt in einer inspirativen Kraft, die dazu führt, dass ich ein harmonisches Miteinander fördere. Ich finde, was Männer oft eher unprofessionell und schreiend tun, gehen Frauen oft ruhiger, koordinierter und auch versöhnlicher an. Ich sage mal so: Das Rudel zusammenzuhalten und klug zu vermitteln, auch zwischen den Generationen, das können Frauen einfach besser – und das habe auch ich sehr gut im Griff.

Was ich auf jeden Fall in den Betrieb einbringe, ist meine Kreativität. Meine Stärken liegen in der Innovation, der Improvisation und der Koordination. Als Winzerin brauche ich eine feine Sensorik – auch im Bereich Marketing zum Beispiel oder für das Kreieren neuer Veranstaltungen im Weinkeller.

Gibt es Themen, die du als Frau eventuell anders, einfacher oder vielleicht auch besser lösen kannst als männliche Betriebsleitungen?

In meiner Antwort auf die vorherige Frage habe ich das schon anklingen lassen. Meine Auffassung ist, dass die Fähigkeit, Kinder zu gebären, in Frauen generell eine hohe Sorge um das Wohlergehen hervorruft. Damit meine ich zum Bespiel ein sensitiveres Eingehen auf negative Schwingungen im Betrieb. Ich erlebe Frauen als Menschen, die negative Vorgänge früh aufspüren und versuchen, sie wieder ins Lot zu bringen.

Was ist besonders an eurem Hof?

Das Besondere an unserem Hof ist die große Vielfalt, auf die wir uns stützen. Sie ist nicht nur durch mein Zutun, sondern auch durch den innovativen Austausch zwischen meinem Vater und mir entstanden.

Mit der Biolandwirtschaft und den Reben ging es los, damit bewirtschafteten schon vorhergehende Generationen unsere Flächen. Hinzugekommen ist die Pferdehaltung. Sie wird von einem Voltigier-Verein übernommen und macht den sozialen Aspekt auf unserem Hof aus. Kreislaufwirtschaft ist uns sehr wichtig: Wir haben eine Solaranlage auf dem Dach und verwerten den Pferdemist in der Landwirtschaft und im Weinbau. Durch meine Hartnäckigkeit wandelten wir zudem unseren ursprünglichen Fassweinbetrieb in einen selbstvermarktenden Weinbau um. Damit erzielen wir den Großteil unserer Einnahmen.

Unser großer Stolz sind die Zukunftsweine. Mit ihnen wollen wir pilzwiderstandsfähige Reben marktfähig machen und deutschlandweit nachhaltige Pflanzen fördern. Unser eigener Betrieb ist bereits mit 40 bis 50 Prozent dieser Pflanzen gestockt. Es nützt aber nichts, es nur allein zu tun, deswegen sind wir deutschlandweit und sogar über Deutschlands Grenzen hinaus aktiv.

Wie groß ist das Team auf dem Hof und was zeichnet die Menschen aus?

Unser Team, das sind natürlich die Familienangehörigen: also mein Mann und ich, die zwei Eltern, Cousin und Cousine. Aber wir haben auch dreieinhalb externe Angestellte, die auf unserem Hof wirken.

Warum braucht es mehr Frauen in Führungspositionen in der Landwirtschaft?

Das Headerfoto zeigt das Weingut während einer seiner gut besuchten Picknick-Veranstaltungen. Foto: privat

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