Eine Schule nach eigenen Vorstellungen gründen? Karina Ende aus Bitterfeld hat es mit Gleichgesinnten gewagt.
Interview + Redaktion: Kristina von Klot
„Die Idee, eine Schule zu gründen, entstand, als mein älterer Sohn drei Jahre alt war und ich ihn beim Lernen beobachten konnte: Damals beschäftigte er sich monatelang erst mit Buchstaben und danach mit allem, was er über Zahlen wissen wollte. Dabei hat er sich die Herausforderungen selbst gesucht und weitgehend alleine gemeistert; eine Erfahrung, die sich mit der Hirnforschung deckt: Demnach braucht es für intrinsisches Lernen die Möglichkeit, sich spielerisch und im eigenen Tempo Dinge zu erarbeiten.
Auf diese Weise hat sich mein Sohn beeindruckend viele Fähigkeiten angeeignet. Aber mir war klar: Eine Grundschule, die auf Wissensvermittlung im starren Rahmen setzt, ist mit einem freien, selbstbestimmten Lernen unvereinbar. Also suchte ich nach Gleichgesinnten, um eine demokratische, reformpädagogische Schule aufzubauen, an der die Kinder sich selbst kennenlernen, bevor es um Inhalte geht; und an der sie mitbestimmen, was sie wann lernen wollen – und Nein sagen dürfen.
Optimistin geblieben
Der Weg war steinig. Allein das Vorhaben, eine Schule aufzubauen, wirkte wohl, als wollte ich zum Mars fliegen. Dass jetzt 27 Kinder fächerübergreifend hier lernen, ist ein Wunder. Denn unser Ansatz, dass Empathie, Perspektivwechsel und die Suche nach kreativen Lösungen Zukunftskompetenzen sind, klingt für viele in Bitterfeld-Wolfen ungewohnt, auch weil sie schwer messbar sind. Und dass Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen auch ohne Druck lernen, weil sie es lernen wollen, klingt für viele nach Utopie. Als ich neulich über Ecken von dem Vorwurf hörte, dass bei uns Wissen höchstens auf Kindergartenniveau vermittelt werde, dachte ich: Das können nur Leute sagen, die noch nie bei uns waren.
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Karina Ende ist Vorständin des Trägervereins und Lernbegleiterin in Mathematik, Sachunterricht und Gestalten. Der Name des Vereins SiLiVa, der die Schule 2023 gegründet hat, steht für „Singulariter. Libenter. Iuvat!“ – übersetzt: „Einzigartig. Frei. Mit Spaß dabei!“ Die GLS Bank finanziert das Projekt mit einem Bürgschaftsdarlehen.
Dass ich als Landschaftsarchitektin, die nicht aus dem Lehrerberuf kommt, Optimistin geblieben bin, habe ich neben einer Portion Naivität und tollen Mitstreitern auch überraschenden Wendungen zu verdanken: Zum Beispiel haben wir lange vergeblich nach Räumen gesucht, bevor uns ein Chemiepark aus der Region ein Gebäude zur Miete anbot. Auch mit der Finanzierung hatten wir Glück: Als Trägerverein, der nur aus Ehrenamtlichen besteht und keine klassischen Banksicherheiten zu bieten hat, sind wir über die Schulgründer-Bubble auf die GLS Bank gestoßen. Dank eines Bürgschaften-Modells bekamen wir die Chance, unser Bildungskonzept umzusetzen. Ich habe gelernt: Dranbleiben lohnt sich und das Klischee stimmt: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere!“
Zukunftsmut

Um in einer bedrückenden Gegenwart eine gute Zukunft zu gestalten, brauchen wir Zukunftsmut! Die GLS Bank versteht darunter die Fähigkeit trotz Gegenwind entlang der eigenen Werte zu handeln. Wie wir das schaffen? Dieser Frage sind wir in unserem Schwerpunkt mit Mutmacher*innen aus unserer Community nachgegangen.
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