Richard Buch
Bei der GLS Investments als Analyst im sozial-ökologischen Research tätig. In dieser Rolle treibt Richard Buch das Thema Engagement voran.
Was passiert mit dem Geld von Anleger*innen, wenn sie es in GLS Fonds investieren? Eines ist sicher: Die Verantwortung endet nicht, wenn eine Investition erfolgt ist. Wie institutionelle Investoren durch Engagement positive Veränderungen anstoßen können, beantwortet Experte Richard Buch von der GLS Investments.
Viele Anleger*innen verbinden nachhaltige Fonds vor allem mit strengen Auswahlkriterien. Warum reicht das nicht aus?
Wir bei der GLS Investments verstehen uns als umfassend nachhaltige Investorin. Wir suchen gezielt Unternehmen aus, die einen positiven Beitrag für Mensch und Umwelt leisten, und begleiten sie nach einer Investition auf ihrem Weg: Wenn wir Verbesserungsbedarf erkennen, treten wir mit ihnen in Kontakt. Es geht darum, unserer Verantwortung gerecht zu werden, die aus den sozialen und ökologischen Erwartungen erwächst, die Anleger*innen an uns stellen, wenn sie uns ihr Geld anvertrauen.
Heißt das, ihr als Investorin greift dann wirklich aktiv ins Geschehen ein?
Ja. Wir telefonieren mit den Unternehmen und schreiben E-Mails, in denen wir nicht nur Sachverhalte darstellen, sondern auch unsere Haltung deutlich machen. Ein Beispiel: Bis vor kurzem waren wir in zwei nordeuropäische Holzwirtschaftsunternehmen investiert. Weil uns Informationen vorlagen, dass ein Großteil des Holzes durch ökologisch nicht vertretbare Flächenrodung gewonnen wurde, haben wir den Firmen signalisiert, dass wir solche Praktiken nicht akzeptieren. In diesem Fall konnten wir letztlich nur unser Investment zurückziehen. In vielen anderen Fällen erleben wir jedoch, dass Unternehmen dankbar für konstruktives Feedback von Investor*innen wie uns sind.
Welche Rolle spielt dabei eure kürzlich aktualisierte Engagement-Strategie?
Sie gibt unserer Arbeit einen klaren Rahmen. In der Strategie beschreiben wir, wie wir Dialoge führen wollen, welche Formen von Engagement wir nutzen und, wo unsere Grenzen liegen. Die Veröffentlichung der Strategie schafft Transparenz, sowohl für Anleger*innen als auch für Unternehmen. Wir machen deutlich, dass Engagement ein fester Bestandteil unseres sozial-ökologischen Investmentansatzes und einer unserer wichtigsten Hebel ist, um positive Wirkung voranzutreiben.
Was bedeutet Engagement?
Engagement (englisch ausgesprochen: [ɪnˈɡeɪd͡ʒ.mənt]) bezeichnet im Finanz- und Investmentkontext den gezielten Dialog von Investor*innen mit Unternehmen, in die sie investieren. Ziel ist es, verantwortungsvolles Handeln anzumahnen und anzubahnen. Im Unterschied zum Engagement im Kontext ehrenamtlicher Arbeit bedeutet Engagement in der Geldanlage keine operative Mitarbeit, sondern die Nutzung von Eigentümer‑ und Einflussrechten, um Unternehmensverhalten positiv zu verändern.
Welche Formen von Engagement setzt ihr ein?
Neben klassischen Informationsanfragen sind für uns vor allem zwei Formen relevant: Kontroversen-Engagements führen wir bei stichhaltigen Hinweisen auf Missstände, etwa bei Arbeitsrechten, Umweltfragen oder Landkonflikten. Wir prüfen diese Kontroversen sorgfältig und suchen gezielt das Gespräch. Bei thematischen Engagements begleiten wir übergreifende Themen, die viele Unternehmen betreffen – zum Beispiel Lieferketten, Diversität, Hitzeprävention oder Kinderrechte. Diese Themen bearbeiten wir oft langfristig und mit klaren Erwartungen.
Wie läuft ein solcher Dialog ab?
Meist beginnt der Kontakt mit einer E-Mail, in der wir unsere Erwartungen, Ziele und einen zeitlichen Rahmen formulieren. Darauf baut der weitere Austausch auf – telefonisch, schriftlich oder in Meetings mit Entscheider*innen und Nachhaltigkeitsverantwortlichen. In den Gesprächen arbeiten wir konstruktiv und auf Augenhöhe. Wir erkennen Fortschritte ausdrücklich an. Gleichzeitig benennen wir, wo wir weiteren Verbesserungsbedarf sehen. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel Fortschritte bei fairen Arbeitsbedingungen macht, fragen wir nach, wie diese Standards entlang der Lieferkette umgesetzt werden.
Über die GLS Investments
Als hundertprozentige Tochter der GLS Bank widmet sich die GLS Investment Management GmbH der Entwicklung nachhaltiger Fondskonzepte und betreut diese dauerhaft unter sozialen, ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten. GLS Investments gehört hinsichtlich ihres Nachhaltigkeitsverständnisses zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das durch ein eigenes sozial-ökologisches Research, einen Anlageausschuss und eigene ökonomische Analysen entsteht.
Viele Privatanleger*innen fragen sich jetzt vielleicht: Wirkt Engagement wirklich?
Engagement ist eine langfristige Verpflichtung. Es ist unrealistisch zu erwarten, dass Unternehmen umgehend nach einem Gespräch mit Investor*innen alle Kritikpunkte angehen und Maßnahmen ergreifen. Solche Prozesse und echte Veränderungen dauern häufig Jahre. Trotzdem sehen wir konkrete Fortschritte. Unternehmen, in die wir investieren, entwickeln neue Richtlinien, setzen ambitioniertere Klimaziele oder verbessern ihre Transparenz.
Was macht ihr, wenn sich langfristig nichts ändert?
Dann ist das ein Fall, den wir an den GLS Anlageausschuss weitergeben. Wenn dieser keine Aussicht auf Veränderung erkennt, zieht er eine klare Konsequenz: Das Unternehmen wird aus unserem Anlageuniversum entfernt und wir ziehen unsere Investitionen zurück.
Welche Rolle spielen Kooperationen bei eurer Arbeit?
Wirkungsvolles Engagement gelingt am besten in Kooperation. Deshalb arbeiten wir mit gemeinnützigen Organisationen wie dem Südwind-Institut, der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG e.V.) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND e.V.) zusammen. Im europäischen Netzwerk Shareholders for Change bündeln wir gemeinsam mit rund 20 weiteren institutionellen Investor*innen – etwa Triodos aus den Niederlanden, Forma Futura aus der Schweiz oder Etica aus Italien – Kapital, Expertise und Erfahrung. So entfalten wir mehr Gewicht im Dialog mit Unternehmen und in der Öffentlichkeit.
Wie kann man sich die Zusammenarbeit der Shareholders for Change konkret vorstellen?
Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit den anderen Mitgliedern aus ganz Europa und bereiten beispielsweise größere Engagements gemeinsam vor. So entsteht aus vielen Perspektiven eine starke, abgestimmte Investorenstimme. Einmal im Jahr kommen alle Mitglieder außerdem persönlich zu einer gemeinsamen Hauptversammlung zusammen. In diesem Jahr findet das Treffen erstmals in Deutschland, hier bei uns in Bochum statt.
Vielen Dank für das Gespräch, Richard!
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