Lasst uns über Tiere sprechen!

Lasst uns über Tiere sprechen!

Meist sind wir uns einig in der GLS Gemeinschaft. Wir sind für Ökologie, eine gerechtere Welt und gegen Atomkraft und Massentierhaltung. Ungemütlich kann es aber werden, wenn es ganz grundsätzlich um Tierhaltung geht. Veganer haben dazu deutlich andere Ansichten als beispielsweise Ökolandwirte. Wenn es um Tiere geht wird es schnell emotional und persönlich. Verlassen wir also einmal unsere gemeinschaftlichen Überzeugungen und gehen hinein in diese Kontroverse.

Diskutiert mit uns hier im Blog, hinterlasst uns einen Kommentar mit Eurer Meinung zum Thema Tiere & Ernährung.

 

Auch mich lässt dieses Thema nicht kalt, spätestens nachdem ich letztes Jahr einigen Kindern mal wieder meine Bienen gezeigt habe, drei Völker, die im Garten stehen und fleißig Honig bringen. Eine Wabe hatte ich rausgeholt und die Kinder durften vom Honig kosten. Alle staunten und freuten sich. Dann schritt allerdings eine Mutter ein, eine Veganerin, wie sich herausstellte. „Meine Kinder nehmen den Bienen keinen Honig weg“, sagte sie. Ich war zunächst etwas sprachlos, dass überhaupt jemand auf die Idee kommt, meine schöne Bienenidylle infrage zu stellen. Mit den verbliebenen Kindern machte ich zunächst einfach weiter. Aber danach ratterten mir die Argumente durch den Kopf, warum ich im Recht bin: Es macht den Bienen bestimmt wenig aus, wenn etwas Honig fehlt. Jetzt im Spätsommer hängen die Bienen ohnehin oft in großen Trauben einfach im Stock herum und freuen sich vielleicht sogar, wenn sie die Wabe wieder schön in Ordnung bringen dürfen. Der Übergang von Arbeit zu Spiel ist auch bei Tieren oft fließend. Und überhaupt: Viele vegane Produkte kommen aus der industriellen Landwirtschaft, die unsere Bienen existenziell gefährdet. Die Spritzmittel sind das Problem, nicht das Honigernten. — Solche Gedanken setzten sich allmählich in mir fest und brachten damit wieder Ordnung in mein Weltbild, genauso wie das Bienenvolk wieder in seine Routinen verfiel, nachdem ich den Kasten mit dem Deckel verschlossen hatte.

Dennoch tauchten auch nach Wochen leise Zweifel auf. Nutze ich meine Bienen aus, wenn ich Honig ernte? Mit Blick auf den Bankspiegel musste ich außerdem feststellen, dass wir in den letzten Jahren eine Auseinandersetzung über Tierhaltung möglichst zu vermeiden suchten, nachdem einige Tierrechtler sehr aufgeladene E-Mails und Kommentare geschrieben hatten. Ein Kreditnehmer, der seine Hühner selbst schlachtet, wurde sogar einige Zeit lang beschimpft. Eine ungute Situation. Also machte ich mich auf den Weg.

Erste Station: Ein veganer Brunch

Bochum, sonntags um 13 Uhr. Ich bin mit einem GLS Kollegen verabredet. An der Türe treffe ich zufällig einen weiteren Kollegen und drinnen eine Kollegin. So exotisch sind sie also gar nicht, die Veganer. Jeder hat etwas mitgebracht und kann sich vom selbst gemachten Buffet bedienen. Echt lecker, vor allem die eine Hälfte mit den süßen Sachen. Es geht also auch ohne tierische Produkte.

Die Sitzplätze werden bald knapp. Die meisten hier sind unter 30. Wie die Lebensmittelindustrie auch schon festgestellt hat, strahlt diese Szene ein echtes Potenzial aus. Als ich meinen Notizblock auspacke und sage, dass ich über Tierhaltung schreibe, erhalte ich viel Aufmerksamkeit. Es sind vor allem die persönlichen Geschichten, die mich interessieren. Ein junger Aktivist erzählt, wie er zufällig auf YouTube gesehen hatte, was in einem Schlachthaus passierte. Das schockierte ihn so, dass er sich entschied: „Ich will niemanden mehr dafür bezahlen, dass er für mich intelligente Wesen tötet.“ Solche prägnanten Sätze höre ich dann immer wieder. Schnell wird deutlich, wie konsequent die Leute hier bereit sind, bestimmte Gedanken zu Ende zu denken — auch wenn sie als Folge ihr Leben ändern müssen.

Das ist großartig zu erleben. Und gleichzeitig erschütternd. Denn bin ich selbst ebenfalls dazu bereit? Es gibt auch ganz andere Geschichten, etwa die vom guten Leben. „Vegane Ernährung ist ein Gewinn für mich, kein Verzicht“, so eine Gesprächspartnerin. Der ganze Konsumwahn im Supermarkt kann ihr egal sein, weil sie nur ein paar wenige, qualitativ gute Produkte braucht. Das macht ihren Kopf frei für das, was wirklich wichtig ist im Leben. Ein großes Thema sind auch die ökologischen Folgen des Fleischkonsums: Zum Klimawandel trägt er mehr bei als Flugzeuge, Autos und alle anderen Transportmittel zusammen. Wer sich komplett ohne Fleisch ernährt, verursacht 60 Prozent weniger CO2-Emissionen. Sonst noch Fragen? Eine Ärztin ergänzt schnell im Vorbeigehen, dass laut WHO verarbeitetes Fleisch Krebs auslösen kann. Sie ist Onkologin und muss das wissen. Nach über zwei Stunden und zwölf beschriebenen Blättern meldet sich eine junge Frau, die schon länger schweigend dabeigesessen hat: „Ich will auch noch unbedingt etwas sagen.“ Sie erzählt, dass ein Drittel der weltweiten Getreideernte an Schweine verfüttert wird, mit der Folge, dass die Getreidepreise für die Armen steigen. — Ich bin erstmal bedient, habe keine Fragen mehr, aber großen Respekt vor allen meinen Gesprächspartner*innen.

Zweite Station: Fußgängerzone

Meine nächste Station ist samstagnachmittags in der Fußgängerzone. Hier bin ich mit Nadja Ismail verabredet. Sie organisiert den Cube of Truth, eine Aktion, die sich von Australien aus seit 2017 auch in Deutschland immer weiter ausbreitet. Ein starkes Bild: Zwölf Menschen stellen sich im Quadrat mit dem Rücken zueinander auf, weiß maskiert und schwarz gekleidet. In den Händen halten sie schwarze Tafeln, auf denen „Truth“ und „Wahrheit“ steht, sowie Laptops mit Videos aus der Massentierhaltung und Schlachtung. Die gezeigten Bilder sind schrecklich. „Das soll Fragen provozieren“, sagt Nadja. „Was ist die Wahrheit? Habe ich bisher in Lügen gelebt?“ Die Menschen sollen eine Verbindung zwischen dem herstellen, was in der Fleischindustrie passiert, und dem, was sie ansehnlich verpackt in ihren Einkaufswagen legen.

Nadja ist 19 und hat in Australien den ersten Cube gesehen. Zunächst war sie Vegetarierin. „Mir wurde dann aber deutlich, dass in Milch und Eiern sogar noch viel mehr Gewalt stecken kann als in Fleisch.“ Beim Cube ist sie meistens bei den Outreachern, sie führt also ohne Maske Gespräche mit Passanten. „Wichtig ist mir eine respektvolle Ebene. Niemand ist als Veganer geboren. Wir alle brauchen einen Anstoß, um unsere Gewohnheiten zu ändern.“ Auch die meisten Aktivisten*innen hinter den Masken sind jung. Sie gehören zu der Generation, von der die aktuelle Shell Jugendstudie sagt: Ihr politisches Engagement bringt sie weniger in traditionellen Organisationen ein, sondern in Konsumboykott und anderen Aktionen. Das politische Interesse junger Leute ist demnach seit 2002 von 31 auf beachtliche 40 Prozent gestiegen. Das ist auch hier zu spüren. Man fühlt sich als Teil einer globalen Bewegung. Per Facebook sind die weltweit über 400 Aktionsgruppen bestens vernetzt und unterstützen neue Initiativen. Für Ende Juni ist ein vierundzwanzigstündiger Cube in Berlin angekündigt, vermutlich ein Großevent.

Bleibt noch eine Frage, die mich als GLS Banker besonders umtreibt: „Ist denn Ökotierhaltung okay?“ Nadja antwortet sofort: „Nein!“ Das Töten von Tieren ist in jeder Hinsicht unethisch, „egal wie viel Grün sie vorher gesehen haben. Wir sollten die Tiere einfach in Ruhe lassen“, so Nadja. Auch in dieser Frage zeigt der Cube of Truth also klare Kante.

Dritte Station: Tiere vom Bärenbrunnerhof

Zwei Tage später bin ich unterwegs zum Bärenbrunnerhof, die letzten sechs Kilometer vom Bahnhof zu Fuß auf Wanderwegen durch den schönen Pfälzer Wald mit seinen roten Sandsteinfelsen. Landwirtschaft gibt es hier kaum noch. Die Böden sind zu sauer und die Sommer zu trocken. Wälder und Büsche breiten sich aus. Früher gab es hier überall offenes Weideland mit einer großen Artenvielfalt. Eine interessante Beobachtung: Die durch Tierhaltung entstandene Kulturlandschaft war attraktiv für viele Pflanzen und Wildtiere. Ohne Tierhaltung schwindet die Biodiversität wieder. Ganz andere Probleme waren auf dem Weg hierher zu sehen: großflächig industrialisierte Landwirtschaft, oft tierfrei mit Einsatz von chemischem Dünger. Ist das die Zukunft? Mit Chemie bewirtschaftete Flächen ohne Tiere auf der einen Seite, verwaldete Mittelgebirge mit wenig Vielfalt auf der anderen Seite?

Das Ehepaar Kill hat anderes vor. Auf ihrem Bioland-Betrieb leben 50 Kühe mit Jungvieh, 60 Schweine und 450 Hühner, eine Bilderbuchidylle zwischen aufragenden Felsen. Dazu kommen noch Hütehunde, Pferde und ein kleines Tierheim für Katzen, die im Laufe der Zeit hierher gebracht wurden und zu denen Nina Kill nicht Nein sagen konnte. Als ich ihr von den Cube-Aktivisten erzähle, sagt sie: „Das wäre sicher auch ein Weg für mich gewesen. Aber ich habe mich anders entschieden. Ich will an Alternativen arbeiten.“ Auf die Frage, wie sie Tiere essen kann, die sie vorher gekannt hat, fragt sie zurück: „Wie kannst du Tiere essen, die du nicht gekannt hast?“ Auch ihr ältestes Pferd, das sie von frühester Jugend an begleitet und mit 28 Jahren bald am Lebensende ist, soll geschlachtet werden. „Den Toni gebe ich doch nicht auf den Kadaverwagen. Er ist doch kein Müll.“

Heute ist Schlachttag auf dem Bärenbrunnerhof. Ich gehe mit Nina zum Stall und sie bringt ein Rind auf den Anhänger, ganz unaufgeregt, einer der Hunde bleibt auf Abstand immer dahinter. Die Fahrt im Schritttempo geht nur wenige Meter, denn die Kills haben ihr eigenes Schlachthaus. „Das Tempo bestimmen die Tiere“, sagt Nina, und die Tiere vertrauen ihr. Am Schlachthaus angekommen ist aber spürbar, dass es jetzt ernst wird. Auch Sebastian Kill und ein helfender Metzger sind voll konzentriert. Jetzt darf nichts schiefgehen. Für einige Sekunden ist die Stimmung angespannt, der Bolzenschussapparat wird aufgesetzt, das Rind betäubt, ins Schlachthaus fallen gelassen und durch einen gezielten Stich getötet. Das Blut fließt ab. Mir wird nicht schwarz vor Augen, aber schon etwas schummrig. Hier wurde aus einem Lebewesen plötzlich ein toter Körper, der dann mit handwerklicher Kunst und viel Kraft zerlegt wird.

Nachher spreche ich mit den Kills über diesen Moment. Nina sagt offen: „Je besser ich ein Tier kenne, desto schwerer fällt mir das Schlachten.“ Sebastian bezeichnet es als Scheidepunkt, wenn er im vertrauensvollen, ruhigen Umgang dem Tier plötzlich den Bolzenschussapparat aufsetzt. Spüren sie auch Trauer dabei, jede Woche vertraute Tiere zu schlachten? „Ja“, sagt Nina, „wenn wir viel schlachten, dann kann ich auch an mein Limit kommen.“ Die wirklich dramatischen Todesszenen, die sie schildern, stammen allerdings von kranken oder verletzten Tieren. Der Tod ist selten ein unbeschwertes Einschlafen, auch nicht in der freien Wildbahn. Es ist beeindruckend, wie Nina und Sebastian mit aller Empathie und Fachlichkeit auf ihre Tiere schauen, ihnen das bestmögliche Leben ermöglichen — und aus ihrer Sicht auch das bestmögliche Sterben.

Nach meiner Reise bin ich mir sicher: Unser empathischer Blick auf die Tiere — also versuchen zu verstehen, was sie fühlen, und wie wir verantwortlich mit ihnen umgehen können — wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzenten noch zu einem großen Thema entwickeln.

Die Aktivisten, mit denen ich gesprochen habe, stehen dabei an vorderster Front. Eine solche Entwicklung braucht immer Kämpfer*innen, die kompromisslos für ihre Sache eintreten, wenn nötig auch konfrontativ, immer wieder radikal aus der Perspektive der Tiere geschaut. Was uns die Tiere zur Massentierhaltung sagen würden, ist klar: Das geht gar nicht! Aber wollten die Bärenbrunner Kühe tatsächlich nicht in ihrem idyllischen Tal leben, wenn sie wüssten, dass sie später geschlachtet werden? Und würden meine Bienen akzeptieren, dass für vegane Produkte Chemie auf die Felder kommt, wenn dadurch weniger Schweinemast betrieben wird? Fänden es die Mistkäfer, Tausendfüßler und Schmetterlingsraupen auf einer Kuhweide gut, wenn wir ihren Lebensraum für einen Sojaacker umpflügten? Oder dass daraus wieder Wald wird, weil es keine Tierhaltung mehr gibt?

Die möglichen Antworten zeigen: So schwarz und weiß wie am Cube of Truth ist die Welt nicht ganz. Es gibt auch einige Schattierungen und Farben. Christian Vagedes von der Veganen Gesellschaft Deutschland fragte in einem Interview: „Wie können ehemalige Ausnutz-Tiere Teil einer neuen Kultur werden, in der wir die Tiere in unsere Kommunikation einbeziehen?“

Lasst uns also über Tiere sprechen — und mit ihnen!

Ein Artikel aus dem aktuellen Kundenmagazin der GLS Bank, den ganzen Bankspiegel gibt es hier: ZUM BANKSPIEGEL

Zum cube of truth: anonymousforthevoiceless.org
Zum Bärenbrunnerhof: baerenbrunnerhof.de
Zum Interview mit Christian Vagedes https://www.info3-magazin.de/bio-dyn-trifft-vegan/
Zum Tierzuchtfonds für eine artgemäße Tierzucht www.tierzuchtfonds.de
Zum Fleischatlas: https://www.boell.de/de/fleischatlas
Weitere Artikel im Blog zum Thema: Ernährung

  1. Karlheinz Jahraus

    Meine Antwort an Nathan V. vom 21.Mai:.
    Zur ersten Frage:
    ein Fachmann hat mal ausgerechnet, daß der Durchschnittsverbrauch an Fleisch bei uns ca. 15 kg pro Einwohner und Jahr ausmachen würde, wenn so viele Tiere gehalten würden, wie für eine dauerhafte Bodenfruchtbarkeit erforderlich ist. Das Fleisch müßte vorwiegend von Wiederkäuern kommen, da sie Grünland und Ackerfutter ( Kleegras ), das entscheidend für die Fruchbarkeit im ökologischen Ackerbau ist, nutzen können. Geflügel und Schweine sind dagegen echte Nahrungskonkurrenten zum Menschen, da sie viel Getreide bzw. Körnerleguminosen ( z.B.Bohnen) benötigen.

    Jeder einzelne Mensch hat Verantwortung dafür, daß die Erde lebendig bleibt und mit Respekt und Würde kultiviert wird. Jeder Mensch, der diese Arbeit an andere delegiert, alleine schon dadurch, daß Nahrungsmittel gekauft werden, ist dafür verantwortlich, daß die Bauern und Bäuerinnen die Mittel bekommen, die hierfür notwendig sind.
    Das kann über den bewußten Einkauf, aber noch viel weiter gehen.Z.B. durch Beteiligung an einer Betriebsgemeinschaft oder einer Solidarischen Landwirtschaft. Eine relativ einfache Möglichkeit wäre eine Beteiligung bei https://bioboden.de/startseite/.
    Es gibt übrigens bei uns nicht mehr viele Menschen, die in der LW arbeiten – und es werden täglich weniger.

    Zur Frage nach einer moralischen Pflicht, Fleisch essen zu sollen, damit die Böden dauerhaft fruchtbar bleiben.
    Nach welchen moralischen Grundsätzen ein Mensch sein Leben einrichten will, sollte in Freiheit entschieden werden können. Die Bereitschaft, die Verantwortung dafür zu übernehmen, gehört dann aber auch dazu.

    Grundsätzlich gibt es heute eine moralische Verpflichtung für jeden mündigen Menschen, sich zu fragen, welche Folgen sein – auch alltägliches – Verhalten für seine Mitwelt hat.

    In Bezug zur Frage Landwirtschaft/ Tierhaltung und Ernährung traf ich eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe. Sie hatte sich später in meinen geschilderten Erfahrungen voll bestätigt.
    In der Anfangszeit als Bauer lebte ich vier Jahre lang vegetarisch. Bis zu dem Tag als eine Kuh, die mir sehr ans Herz gewachsen war (das ist nicht ironisch gemeint !), zum Schlachter sollte.
    Da war mir klar geworden, ich kann doch nicht die Kuh schlachten lassen und die Annahme von ihrer letzten Gabe verweigern. Damals hatte ich eine starke Ahnung – noch kein klares Wissen – daß wir die Tiere für die Bodenfruchtbarkeit, und darüberhinaus, auch für gute Nahrungsmittelqualitäten brauchen.

    Warum sollten nur die Menschen, die für die anderen die Lebensmittel produzieren, Fleisch essen ?
    Warum sollte man keine Milchviehhaltung mehr betreiben ?
    Nach meinen geschilderten Erfahrungen gibt es, zumindest aus Sicht der Tiere, keine Notwendigkeit zu einer veganen Lebensweise. Es ist sehr wohl möglich, den Tieren vom Anfang bis zum Schluß, mit Respekt, Rücksicht und Anstand zu begegnen.

    Ich bin auch sicher, daß es noch lange viele Menschen geben wird, die tierische Lebensmittel benötigen. Daneben gibt es auch Menschen, die das nicht nötig haben. Ich gehe auch davon aus, daß das in Zukunft immer mehr werden.
    Was ein Mensch braucht ist eine recht individuelle Angelegenheit und heute kaum noch instinktiv zu erleben.
    Die körperliche und seelische Befindlichkeit sind da wichtige Gradmesser, reichen aber m.E. nicht aus, um die Wirkungen der Nahrung vollständig zu beurteilen.

    Das bewußte Wahrnehmen all der Kräfte, die über das Stoffliche hinausgehen, kann prinzipiell von allen erlernt werden. Siehe z.B. bei Rudolf Steiner „ Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“. Eine zeitgemäße Form an diese Dinge heranzugehen wird z.B. von den Menschen geübt,
    die in der Gesellschaft für Bildekräfteforschung arbeiten ( http://www.bildekraefte.de/ ).

    Mit Hilfe dieser Wahrnehmung konnte ich u.A. erleben, daß die seelische Situation eines Tieres vor der Schlachtung im Fleisch noch wahrnehmbar ist.
    Ich habe noch nicht viele Untersuchungen mit Fleisch gemacht, bisher auch nur mit Biofleisch.
    In den allermeisten Fällen waren die Tiere, in einer ihrer Art gemäßen Weise, in einer sehr guten seelischen Verfassung. Einmal konnte ich aber auch erleben, daß ein Tier ängstlich war. Das kann durch eine gute Vorbereitung der Tiere vor dem Schlachten vermieden werden. Siehe mein Erlebnis mit den Gänsen.

    Man darf die Frage der Ernährung nicht nur auf der Ebene der Stoffe betrachten.
    Die Ebenen der Lebenskräfte, des Seelischen und Geistigen sind da viel entscheidender.
    Wenn es nur auf die Stoffe ankäme, könnte man ja die Nahrungsmittelherstellung ganz auf chemische Fabriken verlagern.

    Alles was ein Mensch zu sich nimmt, muß er mit seinen eigenen Lebenskräften, seinen Seelenkräften und seinem Ich durchdringen – sich sozusagen zu Eigen machen. Wenn das nicht gelingt, kann es krankmachend wirken.
    Das gilt nicht nur für die Nahrung, sondern z.B. auch für Wärme, Luft, Licht oder auch bei Gedanken bzw. Ideen. Den Satz des Pytagoras können alle nachsagen – er kann aber auch innerlich begriffen werden. Dann hat man ihn sich zu Eigen gemacht und kann kreativ damit arbeiten.

    Die Stofflichkeit, die man mit Tierischem zu sich nimmt, ist von Lebenskräften und auch von seelischen Kräften des Tieres durchdrungen.
    Pflanzliche Substanz ist weitgehend nur von Lebenskräften ergriffen.
    Der Mensch muß sich hier stärker bemühen die Nahrung seelisch zu ergreifen.
    Bei tierischer Nahrung wurde ihm ein Teil dieser Arbeit schon vom Tier abgenommen.
    Die größere Anstrengung, die pflanzliche Nahrung erfordert, hat aber auch zur Folge, daß der Mensch sich dadurch größere Kräfte aneignet – ähnlich wie z.B bei Bodybuilding oder Gedächtnistraining.
    Rudolf Steiner war der Ansicht, daß ein Mensch, der sich rein pflanzlich ernährt, durch diese Kräfte besser spirituell arbeiten könnte.
    Wüden diese Kräfte aber nicht für eine spirituelle Arbeit genutzt, so könnten sie zu Fanatismus führen.
    Gerade Veganer und Veganerinnen begegnen mir öfter ( nicht alle ) fanatisch, aggressiv und mit persönlichen Beleidigungen.

    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß ein ( geringer ) Fleischkonsum eine spirituelle Arbeit nicht behindert.
    Ein Bedürnis nach Fleisch habe ich besonders dann, wenn ich, z.B. durch Überarbeitung oder Krankheit, geschwächt bin.

    Viel Fleisch wird heute nur wegen des Lustgewinnes gegessen. In mehrmonatigen Ernährungsversuchen an mir selber habe ich herausgefunden, daß eine Unterscheidung von einem natürlichenen Bedürfnis nach tierischen Lebensmitteln, zur Genußsucht, möglich ist.

    Damit meine Antwort jetzt nicht zu lange wird, lasse ich andere – nicht weniger wichtige – Aspekte
    zur Nahrungsqualität mal weg.

  2. Gereon Janzing

    Vor 20 Jahren hätte mir so ein Artikel gefallen. Damals mussten die Veganer noch selber denken und konnten nicht die ganzen Argumente von kryptokommerziellen Websites nachplappern. Damals gab es noch keine große Geschäftemacherei mit dem Aufdruck „vegan“ wie heute. Kurz: Damals war der Veganismus innovativ und wurde von Ihnen ignoriert. Heute ist er zu Kommerz und Modemitläuferei verkommen, und jetzt haben Sie auf einmal lobende Worte für ihn, als wäre er etwas Neues. Eine traurige Einstellung.

    Es ist schon beeindruckend, wie sich manche Menschen sinnlos kasteien, zum Teil bis zur Selbstzerstörung, nur um Aufmerksamkeit zu erregen oder um in zu sein. Wenn die Veganer deshalb Respekt verdient haben, dann haben die Zeugen Jehovas sicher auch Respekt verdient, weil sie sich viele Freuden im Leben versagen. Solange Veganer und Zeugen Jehovas so wie ein Fakir auf dem Nagelbrett die Menschen in Frieden lassen und auch ihren Kindern nicht ihre eigenen defizitäre Ernährung aufzwingen, kann man sie sicher problemlos gewähren lassen, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wenn sie aber ihren Lebenszweck darin sehen, anderen Schuldgefühle einzureden, weil sie sich nicht ihrer Askese anschließen, dann sollte man sie meines Erachtens doch in ihre Schranken weisen. Und wenn sie die Bauern zu Sündenböcken für ihre eigenen Unzufriedenheit machen, dann hört bei mir jedes Verständnis auf.

    Eigentlich dachte ich, die GLS Bank wäre eine Bank mit ethischen Ansprüchen und – zumindest seit der Übernahme der Ökobank – auch an Ökologie interessiert. Aber nun führt eine snobistische Bewegung der Überflussgesellschaft ohne jegliches Interesse an Ressourcenmanagement (so als wären Ressourcen einfach vorhanden) einen Krieg gegen die biologische Landwirtschaft, gegen Weideökosysteme und gegen ein ökologisch angepasstes Ressourcenmanagement. Und Sie sind zu feige, klar Stellung zu beziehen für die biologische Landwirtschaft und ihre Ökosysteme. Haben Sie sich denn nie gefragt, warum der Veganismus auf einmal von einer gemeinhin verspotteten Nischenernährung zur Mode geworden ist? Haben Sie sich nie gefragt, welche Lobby hinter dem Paradigmenwechsel steckt? Wer hat Interesse daran, dass biologische Tierprodukte durch Soja ersetzt werden und Gensoja in Bioläden Einzug hält? Wer hat Interesse daran, dass Butter durch Margarine aus Palmöl ersetzt wird? Wer hat Interesse daran, dass Stallmist durch vegane Kunstdünger ersetzt wird? Lässt die snobistische Stellvertreter-Bewegung all Ihre früheren Ideale vergessen? Übt die GLS-Bank nun den Schulterschluss mit Bayer-Monsanto? Da muss ich als langjähriger BUND-Aktiver und studierter Biologe mit ökologischem Schwerpunkt doch einmal ernsthaft einen Wechsel meiner Bank in Erwägung ziehen.

    Die Veganer maßen sich autoritär an, im Namen der Tiere zu sprechen, glauben, sie wissen besser, was die Tiere wollen und fühlen, als Biobauern, die tagtäglich mit Tieren zu tun haben. Vermutlich kennen die meisten Veganer die Tiere, in deren Namen sie zu sprechen beanspruchen, in erster Linie aus Zeichentrickfilmen. Ist das nicht eine maßlose Entwürdigung der Tiere? Das haben Ziegen, Kühe usw. sicher nicht verdient.

    Schauen Sie doch mal die beiden Parteien an: Auf der einen Seite parasitäre Nutznießer des kapitalistischen Systems, die die Tiere missbrauchen, um ihre Probleme mit der Gesellschaft und ihren Hass auf die Menschen zu rechtfertigen, und die nichts Konstruktives tun. Auf der anderen Seite engagierte Menschen, die im Schweiße ihres Angesichtes für sehr geringen Stundenlohn Nahrung für uns alle produzieren und nebenbei wertvolle Ökosysteme schaffen. Und die Ersteren titulieren die Letzteren, von deren Hände Arbeit sie leben, als „Ausbeuter“! Da investieren die Bauern viel Arbeit und Liebe und ernten dafür von den Veganern nur Hass. Das ist egoistisch und uneinfühlsam. Dabei sind die meisten Veganer aufgrund ihrer defizitären Ernährung vermindert leistungsfähig und hängern somit vermehrt von der Leistungsfähigkeit anderer und von fossilen Brennstoffen ab. Und da fällt es Ihnen schwer, klar Stellung zu beziehen? Ich stimme zu, dass es in vielen Fällen nützlich ist, zwei sich widersprechende Seiten aufzuzeigen. Aber wenn eine Sichtweise nur dem Ego, der Geschäftemacherei und der Verbreitung von Hass dient, finde ich ihre Schönfärberei doch fehl am Platz.

    • Ich bin nicht ganz sicher, wo hier der Hass angesiedelt ist. Soweit ich informiert bin, leben Veganer vegan, weil sie einfach keine anderen fühlenden Wesen töten möchten. Die meisten Veganer greifen keine Fleischesser an, sondern informieren, teilen ihre Überzeugung mit und versuchen etwas zu bewegen. So wie die Gegendemonstranten gegen die unsägliche AfD gestern in Berlin.
      Der Artikel ist vollkommen ausgewogen und angemessen, zeigt weder Hass, noch Extreme. Er zeigt einen zeitgemäßen, notwendigen Gedankengang.
      Als verantwortungsbewusster Veganer setzt man selbstverständlich auf bio und regional und freut sich über wohlschmeckendes Gemüse der nahegelegenen kleinen Landwirtschaftsbetriebe und darüber, dass man die Nährstoffe direkt und wesentlich effizienter ohne den Umweg über den Tierkörper aufnehmen kann. (Man kann übrigens sehr gut ohne Soja vegan leben, 90% des Sojas wird ohnehin für Tierernährung genutzt)
      Von einer defizitären Ernährung bei Veganern zu sprechen ist nicht mehr zeitgemäß. Millionen von sehr gesunden Menschen inklusive zahlreicher professioneller Sportler, die aufgrund der für sie geeigneteren Nährstoffversorgung auf vegan umgestellt haben, beweisen das Gegenteil.
      Ideologie? Veganismus ist natürlich eine Ideologie. Eine gewaltfreiere. Fleischessen (Karnismus, s. Melanie Joy) ist ebenfalls eine Ideologie.
      Ich lebe gern eine Ideologie, die auf einen kurzzeitigen Genussverzicht setzt, um 1.000 neue Genüsse kennenlernen zu dürfen und vor allem anderen fühlenden Wesen nicht den Garaus macht. Es ist vieles so bereichernd, wenn man nicht auf Tradition der Traditionen wegen beharrt.
      Vielleicht bleiben wir alle ein bisschen offen und hinterfragen uns selbst immer wieder.

    • Nathan V.

      Sehr geehrter Herr Janzing,

      ich kenne Sie nicht persönlich; ich kann nur das reflektieren, was ich in Ihren zwei Beträgen zu lesen bekomme. Und das stimmt mich – als differenzierten Menschen und Umweltschützer – sehr traurig. Ich war am hin- und herüberlegen, wie genau Ihre Beiträge zu verstehen sind. Sie sind langjähriger BUND-Aktiver, studierter Biologe und somit ein Experte mit Fachwissen. Ihre Beiträge allerdings enthalten Elemente von unzulässigen Verallgemeinerungen, Hass und Angst. Sie haben anscheinend sehr schlechte Erfahrungen mit einigen vegan lebenden Menschen gemacht haben und das tut mir sehr leid.

      Die Rhetorik in den beiden Beiträgen zeugt davon, dass Sie sich mit den Facetten des Veganismus entweder nicht tiefer beschäftigt haben oder es nicht wollen. Einige Aussagen sind so verzerrend, dass sie so klingen, wie die Einseitigkeit der Betrachtung, die Sie „den Veganern“ vorwerfen. Ich würde gerne zu einigen Ihrer zentralen Aussagen Denkanstöße setzen, die zu einem Weg der Versöhnung führen sollen und nicht zu einer weiteren Spaltung. Ich denke, wenn Sie sich gegenüber Menschen, die sich ohne Tierprodukte ernähren möchten, stärker öffnen und nicht gleich innerlich blockieren, profitieren alle davon.

      Punkt 1: Es fällt auf, dass Sie öfter den Veganismus mit Religion gleichsetzen und Veganer als Sektenmitglieder. Veganismus ist aber nachweislich keine Religion, sondern eine Lebens- und Ernähungsweise. Auch ist es für die meisten Menschen keine „Ersatzreligion“, was immer das auch sein mag. Was würden wohl Christen, Juden, Muslime oder Buddhisten, die selber vegan leben, zu Ihrer Aussage, die Religion als etwas Negatives darstellt, sagen? Ergänzend ein Beitrag eines Kulturwissenschaftlers dazu: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.kulturwissenschaftler-zu-veganismus-veganer-sind-ueberwiegend-tolerant.f58a63ef-a6ac-40ec-afb7-5f6e851a9df1.html („Veganer sind überwiegend tolerant“).

      Punkt 2: Sie stellen die These auf, dass Veganer sich „sinnlos kasteien, zum Teil bis zur Selbstzerstörung“ und „Askese“. Auf welcher Basis entsteht bei Ihnen dieses Bild? Bestimmt gibt es einige traurige Einzelfälle, aber damit lassen sich doch keine Schlüsse über den allgemeinen Veganismus ableiten. Die vegan lebenden Menschen, die ich persönlich kenne, sind lebensfroh und gesund. Auf genau dieselbe Art könnte man Umweltschützern vorwerfen, Sie würden sich sinnlos kasteien, weil sie sich anstrengen müssen, weil sie mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto fahren. So ein Niveau bringt uns nicht weiter.

      Punkt 3: Wem genau werfen Sie „einen Krieg gegen die biologische Landwirtschaft, gegen Weideökosysteme und gegen ein ökologisch angepasstes Ressourcenmanagement“ vor? Allen Menschen, die sich vegan ernähren möchten? Da tun sie der großen Mehrheit dieser Menschen sicher unrecht. Viele Veganer kaufen Bio-Produkte und engagieren sich gegen Agrarkonzerne. Oder ist das jetzt auch verkehrt?

      Punkt 4: Ich lese eine Angst heraus, dass große Chemie- und Gentechnik-Konzerne den größer werdenden Veganismus für sich nutzen wollen, um mit ihren Geschäftspraktiken die Umwelt zu zerstören. Da stimme ich Ihnen zu. Nur: ist das ein Problem des Veganismus? Das Wort „Nachhhaltigkeit“ ist auch schon länger „in Mode“. Und auch damit machen diese Konzerne Propaganda. Monsanto wirbt damit, dass Glyphosat die Umwelt schützt, weil man weniger oft über die Felder fahren muss und damit Diesel eingespart wird. Unilever macht Lobbyismus in Kantinen, um ihr Palmöl schön zu reden. Dieses Palmöl wird dort primär für nicht-vegane Gerichte verwendet. Die Agrar- und Chemiekonzerne nehmen alles auf, was Ihnen nützt, darunter natürlich auch den Veganismus.

      Punkt 5: „Die Veganer maßen sich autoritär an, im Namen der Tiere zu sprechen, glauben, sie wissen besser, was die Tiere wollen und fühlen, als Biobauern, die tagtäglich mit Tieren zu tun haben.“ – Wo bekommen Sie nur solche Eindrücke her? Und warum verallgemeinern Sie auf „Die Veganer“? Warum setzen Sie einen Kontrast speziell zu Bio-Bauern? Die meiste Tierhaltung wird in Deutschland konventionell und in Massen betrieben. Wenn der Durchschnittsveganer in seiner Kantine nach veganen Gerichten fragt, dann wird genau das reduziert, was Sie auch wollen: die konventionelle Massentierhaltung. Optimal ist es natürlich zusätzlich zu fordern, dass die Kantine allgemein auf Bio umstellt und die Fleischgerichte auf Weidetierhaltung. Dazu eine Feststellung: der Kantinenchef könnte quasi sofort und kostenneutral (nach Lieferantenwechsel und Kochausbildung) auf Bio-Gemüse und vorwiegend vegane Gerichte umstellen. Bei Fleisch aus Weidetierhaltung wird das schwieriger, weil die geforderten Mengen einfach (noch?) nicht verfügbar sind und die Preise exorbitant sind.

      Punkt 6: „Da investieren die Bauern viel Arbeit und Liebe und ernten dafür von den Veganern nur Hass.“ – Warum bilden Sie hier Fronten, wo keine sind? Das erinnert mich an „Teile und herrsche“: was Sie hier machen spielt den ausbeuterischen Agrarkonzernen in die Hände. Warum treten Sie stattdessen nicht in den Dialog mit den veganen Kollegen im BUND?

      Punkt 7: „Aber eines hatten alle Veganer gemeinsam: Sie hatten keinerlei Interesse an Ökologie.“ – Das ist wieder eine unzulässige Verallgemeinerung. Wieviele Prozent der allgemeinen Bevölkerung interessiert sich für tiefer Ökologie? Sehr wenig. Greifen Sie die Menschen, die regelmäßig zu McDonalds gehen, auch so an wie die Veganer? Ich würde sogar sagen, der Anteil der sich für Ökologie interessierenden Veganer ist wesentlich höher als in der Durchschnittsbevölkerung. Viele Veganer sind Biologen/innen wie Sie und auch in Umweltschutzorganisationen tätig. Wie passt das mit Ihrer Aussage zusammen?

      Punkt 8: Immer wieder betonen Sie, dass alle Veganer neben der Massentierhaltung auch die Weidetierhaltung ablehnen. Das gilt vielleicht für Veganer, die sich nicht mit biologischer Landwirtschaft beschäftigt haben. Hier ist helfende und wohlwollende Aufklärungsarbeit von Ihrer Seite erforderlich. Für den Veganismus im Allgemeinen gilt Ihre pauschale Aussage jedoch nicht. Sie können nämlich Weidetierhaltung sehr wohl auch ohne Produktion von Milch und Eiern durchführen und die Schlachtzahlen so reduzieren, dass es zu einer niedrigen Fleischnachfrage passt. Fragen Sie mal bei bio-dynamischen Experten nach. Es ist eine Frage der konsumentenseitigen Nachfrage.

      Punkt 9: Gesundheit: Sie stellen die These auf, alle Menschen können sich nicht ohne Tierprodukte gesund ernähren. Diese These ist heutzutage widerlegt. Ergänzend: Was halten Sie von der vegetarischen Ernährung, die vor 20 Jahren von einigen Leuten genauso diffamiert wurde wie Sie es jetzt mit der veganen machen?

      Punkt 10: „naive Heilserwartungen“ – Was soll das? Fragen Sie einen konventionell ausgebildeten Landwirt, der regelmäßig die topagrar liest. Der wird Ihrer flächendeckenden Weidetierhaltung ebenfalls naive Heilserwartungen zusprechen. Mit Anschuldigungen dieser Art kommen wir nicht weiter.

      Punkt 11: „Massentierhaltung und Veganismus sind einander viel ähnlicher, als viele glauben“ – Wahnsinn, wie hier alles verdreht wird. Es geht hier doch um vegane Ernährung und Reduktion von Schlachtzahlen in der industrialisierten Welt; nicht um die Abschaffung jeder Tierhaltung um jeden Preis an jedem Ort der Welt. Haben Sie einmal ausgerechnet wieviel Fleisch, Milch und Eier für den menschlichen Verzehr in Deutschland zur Verfügung steht, wenn man die komplette Versorgung auf bio-dynamische Landwirtschaft umstellt? Und zwar so, dass auf die Produktion größerer Milch- und Eiermengen verzichtet wird, da diese für das Ökosystem nachweislich nicht benötigt werden.

      Punkt 12: Begegnen Sie den Menschen doch auf Augenhöhe: Die Gegenüberstellung von „echtem Joghurt“ und „Gensoja-Imitat“ geht so weit an der Realität von vegan lebenden Menschen vorbei, dass es mich nicht wundert, dass Sie und Ihre veganen Gesprächspartner nicht zueinander finden.

      Fachliche Fragen zur Weidetierhaltung:

      1) Halten Sie eine Weidetierhaltung, die zur Produktion von Lamm- und Kalbfleisch ausgelegt ist, für sinnvoll? Ich habe letztens gelesen, dass früher in der Schafwirtschaft hauptsächlich Wolle produziert wurde. Erst in den letzten Jahren wird vermehrt Lamm- und Schafsfleisch produziert. Wegen der hohen Lammfleisch-Nachfrage.

      2) Wie wenig Fleisch, Milch und Eier „darf“ man denn aus Ihrer Sicht essen, um eine flächendeckende Weidetierhaltung in Deutschland aufbauen und aufrechterhalten zu können?

      3) Haben Sie sich einmal genauer mit den Zuständen in den Zuchtbetrieben für Legehennen (inkl. Bio) beschäftigt? Was ist Ihre Antwort darauf?

      4) Sehen Sie es nicht auch so, dass man den Milchkonsum in Deutschland reduzieren muss? Ist es nicht schön, wenn immer mehr Individuen gar nichts davon konsumieren, um dieses Ziel schneller zu erreichen? Was ist ein aus Ihrer Sicht vernünftiges Maß bei der Milchproduktion?

      Ich würde mich freuen, mit Ihnen hier in einen konstruktiven Dialog zu treten. Wir können sicher alle voneinander etwas lernen.

      Herzliche Grüße

    • Sehr geehrter Herr Janzing,
      dass Sie Menschen als parasitäre Nutznieser bezeichnen geht garnicht. Seitens GLS Bank sind wir an einen Austausch auf Augenhöhe interessiert. Wenn Sie dazu nicht bereit sind ist das kein Formum für Sie.
      Grüße aus Bochum, Falk Zientz

    • Bettina Schmoll

      Sehr geehrter Herr Janzing,
      wir freuen uns, wenn Menschen hier im GLS Bank Blog miteinander unterschiedliche Standpunkte diskutieren. Wir bitten aber darum, unsere Blog-Regeln zu beachten und wertschätzend miteinander umzugehen.
      Viele Grüße
      Bettina Schmoll

    • Damian P.

      Sehr geehrter Herr Janzing,

      vielen Dank für Ihre Ansichten.

      Ich bedauere wirklich, dass Sie sich anscheinend niemals ernsthaft mit der Gegenseite (aus Ihrer Sicht der Veganismus) auseinander gesetzt haben. Alle Ihre Vorwürfe basieren leider auf Vorurteilen. Hätten Sie sich jemals ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt, oder zumindest mit einen Tierrechtsaktivisten gesprochen, hätten auch Sie sicherlich eine andere Meinung.

      Zu glauben, dass der Veganismus an Gen-Soja und Palmöl schuld ist, ist einfach sachlich falsch. Der aller größte Teil wird doch für die Futtermittelproduktion benötigt. Durch eine pflanzliche Ernährung wird daher weniger als mehr hiervon angebaut. Insgesamt wird viel weniger Ackerland benötigt um einen Menschen pflanzlich zu ernähren. Der Zusammenhang zwischen der Zerstörung unserer Welt und der Produktion von tierischen Produkten ist auch der Grund weshalb „eine gemeinhin verspotteten Nischenernährung zur Mode geworden ist“.

      Die Aussage Veganer bzw. Tierrechtsaktivisten haben kein Interesse an Ökologie ist einfach nicht richtig. Viele Menschen ernähren sich aus genau diesen Gründen pflanzlich(er). Kühe, Ziegen, Schaffe usw. können auf Wiesen weiden und tolle Ökosysteme „erschaffen“ auch ohne nachfolgend geschlachtet und gegessen zu werden. Der evtl. Mehrwert der Tiere im ökologischen Kreislauf steht im keinerlei Zusammenhang mit dem Konsum von Tierprodukten.

      Und ich bin sicherlich kein Nutznießer des kapitalistischen Systems. Ich beackere in meiner Freizeit auch ein Stück Land, ebenfalls im Schweiße meines Angesichts, sogar ohne Stundenlohn und nach biologischen Anbaumethoden.

      Beste Grüße

    • Während ich den Kommentar von @Gereon Janzing gelesen habe, war ich zwar zunächst an meine eigene Geschichte erinnert, wie z.B. dass ich vor ca. 30 Jahren Vegetarierin wurde u. im Vorwort eines meiner ersten willkürlich gekauften Kochbücher bereits Texte fand zu all dem, was heute langsam endlich in den Mainstream d. Wissens gerät, wie z.B. dass die Tier-„produktion“ ein Vielfaches an Nahrung verschlingt, die gleich für den Menschen eingesetzt effizienter eingesetzt wäre u. die Umwelt weniger belasten würde, aber dann verlässt er praktisch den Pfad der Logik u. stuft Veganer als Snobs u. praktisch autoritäre Besessene ein … Könnte mir egal sein, wenn mir nicht allzuoft ähnliche Reaktionen im tägl. Leben begegnen würden. Deshalb:

      Meiner Meinung ist es noch viel zu wenig, wenn Veganer u. Gleichgesinnte sich dafür stark machen, dass die Fleisch-„Produktion“ abgeschafft wird (siehe weiter oben: „die Veganer maßen sich autoritär an, im Namen der Tiere zu sprechen […]“ – ja Gott sei Dank, denn den Stimmen der gequälten Tieren selbst möchte ja offenbar keiner zuhören, u. auch das Reden der hier als radikal bezeichneten Veganer hat m.E. viel zu wenig Wirkung). Meiner Meinung nach sollte man gerichtlich gegen die politischen Parteien vorgehen (wenn das geht … ?), die, obwohl das Ausmaß des Umweltschaden (von Schaden an den Seelen der Tiere ganz zu schweigen) u. der gesundheitlichen Schäden (durch Umweltschäden u. Fleischkonsum für Menschen) seit Jahrzehnten bekannt ist, zumind. die Massentierhaltung nicht längst verboten worden ist, nur noch artgerechte Tierhaltung genehmigt wird u. auf Fleisch eine so hohe Fleisch-Steuer erhoben wird wie bspw. auf Alkohol in Schweden o.ä. (hier bspw. ein Artikel darüber, dass eine Fleisch-Steuer von unseren tollen, „fortschrittlichen“ Parteien abgeleht wurde: https://www.morgenpost.de/ratgeber/article208921367/Warum-hoehere-Steuern-auf-Fleisch-sinnvoll-sein-koennen.html; und hier ein Artikel der deutschen PETA zu einem neuen Vorschlag zum selben Thema: https://www.peta.de/fleischsteuer; und ein noch jüngerer Artikel aus dem engl. Guardian, in dem eine „Meat Tax“ für früher o. später unausweichlich gehalten wird: https://www.theguardian.com/environment/2017/dec/11/meat-tax-inevitable-to-beat-climate-and-health-crises-says-report).

      Am Verhalten der (insbes. deutschen) Parteien (siehe Artikel unter o,g. Links) sieht man, dass Fortschritt auf dem parteipolit. Weg viel zu lange auf sich warten lässt (u.U. länger als der Planet Zeit hat). Veränderung darf aber auch nicht auf den armen Konsumenten abgewälzt werden, der „mit Gabel“ („statt Messer“), mit veganer Lebensweise, statt Schnäppchen-Jägerei alles richten soll. Die ständige Forderung nach der Veränderung beim Einzelnen bewirkt solche „Reaktionen“ wie die des Vor-Kommentators hier – solche „Hass“-Reaktionen. Denn der Einzelne ist damit nicht nur überfordert, sondern kann es sich auch nicht leisten. Einige können es, andere können es nicht. Hier Spalterei zu betreiben bringt nichts. Ich, z.B., bin Geringverdienerin, seit einem halben Jahr nicht mehr nur Vegetarierin, sondern Veganerin, u. kaufe trotz meinem geringen Einkommen im Bioladen ein u. bei regionalen Anbietern vor Ort direkt. Ich schaffe es problemlos mit hochwertigen Lebensmittel gut so auszukommen, dass „Weniger“ in meinem Falle tatsächlich „Mehr“ ist. In meiner Gegend beobachte ich aber viele Menschen (die meisten hier), die sich im Supermarkt (in dem ich für manche Sachen auch einkaufen gehe) die Einkaufswagen mit weniger hochwertigen Fertigprodukten, Fleisch, Snacks u. Süßwaren voll hauen. Und dieser eher anwachsenden Teil der Bevölkerung (wenige Geld, mehr Billigprodukte/Schnäppchen kaufen wollen o. meinen zu müssen) ist m.E. nach nicht mit Argumenten zu überzeugen. Ähnliche argumente-resistente Bevölkerungssegmente gibt es sicherlich auch in anderen Verdiener-Schichten. Resultat: Hier müssten m.E. großangelegte Kampagnen von staatlicher Seite her (so dass sie nicht „als Trend“ gesehen werden, sondern als Tatsache, wie eine in der Schule unterrichtete Geschichtswahrheit).

      Solche o.ä. Kampagnen oder Verbote! – Öko-Bauern, die ihren Tieren eine artgerechte Lebensweise vor dem Schlacht-Tod ermöglichen, sollten m.E. nicht angegriffen werden, sondern als Vorbild für eine Übergangslösung dastehen.

  3. Joachim Konrad

    Danke für den Denkanstoß zu diesem wichtigen Thema. Wie gehen wir mit unseren Mit-Lebewesen um. Was ist ethisch zu rechtfertigen und was nicht. Eines ist klar: die auf Niedrigpreise ausgerichtete konventionelle Landwirtschaft mit ihrer Massentierhaltung und auf maximale Produktion getrimmten Rassen kann es nicht sein. Und dass auch Biofleisch von artgerecht gehaltenen Tieren bedeutet, dass ein Tier getötet werden muss ist auch eine Tatsache. Aber wenn auch der Konsum von Honig, Biomilch, Käse aus extensiver Schaf- und Ziegenhaltung oder Wollpullover als „Ausbeutung von Tieren“ abgelehnt wird, frage ich mich, ob überzeugten Veganern bewusst ist, was die Konsequenz dieses „konsequenten Handelns“ ist: Dann gibt es nämlich keine Rinder, Schafe, Ziegen und Hühner mehr, und damit auch keine Wiesen und Weiden mit ihrer Artenvielfalt. Für mich ist das Leitbild eine vielfältige bäuerliche Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung. Ersatzprodukte mögen geschmacklich oder ernährungsphysiologisch genauso gut oder besser sein, Ein Ersatz für eine bäuerliche Landwirtschaft sind die nicht. Vor allem dann nicht, wenn für die Grundstoffe Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel auf riesigen Ackerschlägen zum Einsatz kommen. Dann verschwindet nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Vielfalt der Kulturlandschaft.

    • Nathan V.

      Hallo Herr Konrad,

      ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit ökologischer Landwirtschaft und veganem Konsum. Mein bisheriger Wissensstand ist, dass beides gut vereinbar ist.

      1) Honig: Warum ist er ökologisch notwendig? Als ein Punkt wird die Bestäubungsleistung der Honigbiene angeführt, die aber laut diesem Artikel z. B. nicht überbewertet werden sollte, weil (gerade) auch Wildbienen diese Aufgabe übernehmen (https://www.naturgartenfreude.de/wildbienen/honigbiene-versus-wildbiene/). Von daher könnte man sicher die Honigproduktion reduzieren, ohne dass Nachteile entstehen.

      2) Biomilch: Eine Milchproduktion ist für einen bäuerlichen Stoffkreislauf (Mist für die Bodenfruchtbarkeit) nicht nötig. Es gibt Demeterbetriebe, die bewusst darauf verzichten. Oft wird Milchproduktion mit a) der Nachfrage des Konsumenten begründet, b) mit der Annahme dass wir Menschen die Milch benötigten oder c) hat wirtschaftliche Gründe, die in der aktuell vorliegenden Entlohnungsstruktur der Landwirte begründet liegt.

      3) Rinder: eine Rinderhaltung ist möglich, ohne die Tiere für den menschlichen Konsum zu schlachten. Weil aber derzeit die Nachfrage da ist und Bio-Rind ein hochpreisiges Produkt ist, wird eher selten auf diese Einnahmequelle verzichtet (was auch verständlich ist, solange das Entlohnungssystem für unsere Landwirte nicht geändert wird). Hier aber ein Beispiel eines Demeterhofes, der seine Rinder bewusst nicht schlachtet: http://willmann-biokiste.de/ueber-uns/. Das Stichwort ist „Tiere nutzen ohne töten“ (https://www.lebenlassen.de/veranstaltungen-aktuelles/). Für mich ist das selber recht neu, von daher weiß ich nicht viel über die Details.

      4) Käse aus extensiver Schaf- und Ziegenhaltung: Damit habe ich mich bisher weniger beschäftigt, weil diese Produkte bei mir in der Gegend schwer zu beziehen sind. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Milchproduktion analog zu Milchkühen funktioniert. Wenn man nun die Schafs- und Ziegenmilch den Lämmern etc. überlasst, bleibt wahrscheinlich keine Milch für eine Käseproduktion übrig. Milchgeben ist für jeden Organismus eine Belastung und daher ist eine Reduktion auf das Mindestmaß vermutlich gut für die Tiere, ohne die ökologische Funktion zu beeinträchtigen.

      5) Wolle: Wo kommt die Wolle her? Ein großer Teil kommt von Tieren, die im Akkord geschoren werden. Das ist sehr schmerzhaft. Ich bin kein Biologe, aber anscheinend wurden Schafe extra so gezüchtet, dass ihnen viel mehr Fell wächst, als eigentlich nötig. Wenn man im Internet „wolle kritik“ eingibt, findet man einige Artikel dazu, was Woll-Schafe alles erleiden müssen.

      Mir scheint, dass auch wenn das konsequente Handeln von vegan lebenden Menschen an manchen Stellen befremdlich wirkt (auch weil sich sicher nicht alle Menschen tiefer mit den Details einer ökologischen Landwirtschaft auseinandergesetzt haben), es aber – in Anbetracht der derzeit mehrheitlich vorherrschenden schlimmen Zustände – überwiegend Vorteile mit sich bringt. Nicht zuletzt, indem es die Gesellschaft anregt, über Alternativen nachzudenken und neue Wege zu gehen.

      Momentan gehe ich davon aus, dass – abgesehen vom Abschaffen der Massentierhaltung und -Quälerei – sich eine mehrheitlich vegane Lebensweise schrittweise umsetzen lässt, und zwar im Einklang mit der Entwicklung einer vielfältigen bäuerlichen Landwirtschaft mit Tierhaltung (mit minimaler Schlachtungszahl) inkl. Wiesen, Weiden und Artenvielfalt. Expertenmeinungen zu den Details der Umsetzbarkeit würde ich sehr begrüßen.

  4. Markus Schulz

    „Macht Euch die Erde Untertan!“
    Als denkendes und (mit-)fühlendes Wesen, bin ich als Mensch auch verantwortlich. D.h., ich bin in der Lage, mein Handeln zu reflektieren und zu hinterfragen. Denn bei all den brennenden Themen rund um Umwelt, Ressourcen, Ethik, Konsum etc. bin auch ich ein Akteur. Dies dedeutet also, dass ich es in der Hand habe etwas zu tun. Ich kann mich also beispielsweise nicht über Massentierhaltung und Tierleid beschweren, ohne gleichzeitig mein eigenes (Konsum-)Verhalten in Frage zu stellen. So dargestellt in dem treffenden Sprichwort man solle zuerst vor seiner eigenen Haustür kehren. Um also etwas zu verändern, muss ich (leider) selbst tätig werden.
    Beim Thema Fleischkonsum, Vegetarismus, Veganismus muss also jeder für sich selbst entscheiden, wie er sich verhalten will bzw. ob er (sie) tatsächlich bereit ist etwas an den eigenen Verhaltensmustern zu ändern.
    Ich persönlich war streckenweise immer wieder vegetarisch unterwegs, wobwi mir dennoch Zweifel kamen, ob das wirklich Tierleid verhindert. Im Grunde ging es darum, ein „gutes Gewissen“ zu haben, dass ja wegen mir kein Tier getötet werden muss. Aber unterschwellig wurde mir immer bewusster, dass das äußerst inkonsequent war, denn somit wird kein Tierleid verhindert.
    Als ich dann den Dokumentarfilm „Earthligs“ gesehen hatte, war die Entscheidung vegan zu werden von einen auf den nächsten Augenblick vollzogen. Und ich kann nur sagen, dass es mir – abgesehen von den anderen vielen Vorteilen für Mensch und Umwelt – wesentlich besser geht als vorher. Ich ernähre mich seit dem tatsächlich gesünder und fühle mich auch fitter. Noch nie vorher war meine Verdauung so unbeschwert. Ich habe keine Figurprobleme und mein Gewicht ist konstant – und dass obwohl ich in keiner Weise auf irgenswelche Kalorien o.ä. achte. Ich esse wann wo und soviel ich will. Es ist einfach ein Genuss…
    Ich kann es einfach nur empfehlen, denn es ist wider der landläufigen Meinung in keinster weise ein Verzicht!

  5. Gereon Janzing

    Zur Massentierhaltung: 1. Sie verschwendet Ressourcen und nur eine Überflussgesellschaft kann sie sich leisten. 2. Sie hängt in der Regel von importierter Soja von desaströsen Feldern in Argentinien ab. 3. Ihre Vertreter kennen die Nutztiere nur als anonyme Masse, nicht indivduell. 4. Sie zerstört die artenreichen Ökosysteme, die der Weidehaltung zu verdanken sind. All diese Punkte hat die Massentierhaltung nicht mit der Weidetierhaltung gemeinsam. Aber all diese Punkte hat die Massentierhaltung sehr wohl mit dem Veganismus gemeinsam. Massentierhaltung und Veganismus sind einander viel ähnlicher, als viele glauben.

    Was mich an vielen Veganern stört, ist, dass sie sich für den Mittelpunkt der Welt halten, dass sie – oft noch aggressiver als die Zeugen Jehovas – für sich in Anspruch nehmen, die alleinige Heilslehre zu haben. Sie glauben, da sie sich so kasteien, müssten sie keine Rücksicht nehmen, weder auf die Natur noch auf die Gesellschaft, die sie trägt, aber alle müssten sich nach ihnen richten.

    Ich leite geobotanische Exkursionen auf einer Mittelmeer-Insel, deren Landschaft stark von Schaf- und Ziegenweide geprägt ist. Die Weidewirtschaft hat hier arten- und strukturreiche Ökosysteme geschaffen. Einmal führte ich eine Gruppe von Veganern. Sie waren in meiner ganzen Laufbahn die einzige Gruppe, die keinerlei Interesse an der heimischen Kultur und an ökologischen Fragestellungen hatte. Sie wollten ausschließlich wissen, welche Pflanzen zum Essen und für Tee brauchbar waren. Kein Interesse daran, wem wir die Landschaft mit diesen Pflanzen zu verdanken haben, dass die Hirten mit ihren Herden die Vegetation geschaffen haben. In Form der durch Beweidung geförderten Pflanzen essen sie, ohne sich dessen bewusst zu sein, Produkte der Weidewirtschaft, aber eben nur solche, die sie gratis haben können. Sie waren nur an der Ausbeutbarkeit der Natur interessiert, nicht an ihrer Pflege. Ist das nicht sehr egoistisch? Eine Teilnehmerin schaute, als ich ihr gestand, dass ich lieber echtes Joghurt esse als das Imitat aus Gensoja, mich an, als wäre ich von einem fremden Planeten, und fragte verwundert: „Ach so, isst du Tierprodukte?“ Das auf einer Insel mit großer Milch- und Käsetradition. Kann sie da von vornherein erwarten, dass ein Geobotaniker ihrer veganen Sekte angehört?

    Ich habe verschiedenste Veganer kennen gelernt, sympathische und tolerante ebenso wie aggressive und sehr intolerante, etliche, die mit neurotischer Eintönigkeit von ihrer geliebten Massentierhaltung reden und die in ihrem Alltag sichtbare Weidehaltung gar nicht wahrnehmen. Aber eines hatten alle Veganer gemeinsam: Sie hatten keinerlei Interesse an Ökologie.

    Meine Schwester hatte mal einen Veganer in ihrer Familie einquartiert. Er war sehr respektvoll. Aber sie stellte fest, dass sie in jener Zeit viel mehr Produkte mit großen Transportwegen kaufte. Das Ego des „Ich bin Veganer“ ist für Veganer eben immer wichtiger als die Rücksichtnahme auf ökologische Belange, als die Konzentration auf lokale Produkte.

    Oft maßen sich Veganer aus ihrer Überflussgesellschaft heraus ein Urteil an, dass Viehhaltung Ressourcenverschwendung sei. Wenn nicht nur die Massentierhaltung, sondern auch die Weidehaltung Ressourcenverschwendung wäre, wie hätte sie sich dann über Jahrtausende, auch in Zeiten von Knappheit, gehalten? Dieses Urteil der Konsumgesellschaft über eine jahrtausendealte Wirtschaftsweise erscheint mir maßlos arrogant. Und da bläst auch dieser Artikel in dasselbe Horn mit dem stereotypen Abwickeln der Argumente der Veganer, ohne Differenzierung zwischen den verschiedenen Tierhaltungsformen. Am Ende werden die stereotypen Argumente ein wenig relativiert. Aber eben nur ein kleines wenig und sehr zaghaft und halbherzig. Warum nicht mal eine klare Aussage, dass der Veganismus ein persönliches Hobby ist ebenso wie das Esperantosprechen, in das auch manche bis heute naive Heilserwartungen stecken?

    Man kann sich – zumindest vorübergehend – ohne Tierprodukte ernähren. Ja. Man kann auch eine Geschichte ohne den Buchstaben e schreiben. Wenn man das aber nicht als Kunstwerk tut, sondern daraus ableitet, der Buchstabe e müsse abgeschafft werden, dann kreiert das soziale Spannungen.

  6. Sehr guter Artikel. Sehr interessante Kommentare. Ich füge mal ein paar Gedanken hinzu.

    Ich bin 44 und seit 32 Jahren Vegetarierin, nach einem Schlachthofbesuch mit der Schulklasse. Habe auch vorher laut meiner Mutter nur püriertes Fleisch gegessen (Fleischwurst, Leberkäs, Salami, Frikadellen) … scheinbar war da schon immer eine gewisse Abneigung vorhanden. Meine Mutter (im Krieg als Kleinkind mit der Mutter nach Deutschland geflüchtet) hat dies jahrelang in keinster Weise verstehen können, für Sie ist Fleisch immer noch „was Gutes“ das man nicht ablehnt … sie wird dieses Jahr 76 und fängt so langsam an mit mir darüber zu reden und sich für die andere Seite zu interessieren …

    Ich nehme Fleisch als Tierleiche war, es ekelt mich an, daher fällt mir der Verzicht nicht schwer, es ist ja kein Verzicht für mich, sondern eine logische Schlussfolgerung. Es gibt für mich ja keine Alternative. Ich kann gut kochen, habe Gemüse schon immer geliebt, daher ist das alles auch sehr unkompliziert für mich.

    Vor 4 Jahren habe ich auf Pflanzenmilch gewechselt, was ich körperlich weiterhin sehr positiv warnehme … Käse esse ich noch zweimal die Woche ca. … Hätte man mir vor 30 Jahren gesagt dass ich mich 2018 immer noch erklären muss (bin die einzige Vegetarierin in meinem Freundeskreis, plus meinem Mann) hätte ich dies nicht geglaubt.

    Es ist gut dass man, zumindest in Großstädten, inzwischen sehr viel Auswahl hat um essen zu gehen.
    Es ist gut dass sehr viel mehr darüber berichtet wird.

    Es ist schade dass viele Veganer jeden nicht 100%igen angehen, anstatt sich zu freuen dass es mehr wird. Mir ist klar warum sie dies tun, man versteht es ja wirklich nicht warum „die anderen“ nicht drauf kommen, aber mit Aggressivität kommt man nicht weiter, dies provoziert nur Ablehnung.

    Es ist traurig dass so wenige bereit sind es zumindest mal für einen Monat zu versuchen, wenn schon nicht den Tieren zuliebe, dann der Gesundheit (dieser Aspekt kam bei mir erst später dazu, aber was sich am und im Körper verändert wenn man nicht mehr jeden Tag einen halben Liter Milch trinkt ist wirklich beeindruckend)

    Es macht mich wütend wenn jemand seinen Hund, seine Katze, sein Pferd abgöttisch liebt und mir davon berichtet, während er in seine Bratwurst beisst.

    Ich habe 30 Jahre lang vegetarisch gelebt ohne missionarisch tätig zu sein, bin immer davon ausgegangen dass die anderen schon drauf kommen … hat nicht geklappt. In den letzten 2 Jahren merke ich, dass ich dies nicht mehr kann. Seitdem werde ich zunehmend deutlicher in meiner Argumentation, wenn es Gesprächsbedarf gibt (Warum ich nicht in ein bestimmtes Restaurant gehe, wieso ich andauernd Sport machen kann ohne danach k.o. zu sein, etc.) … Bin sehr gespannt wie es weitergeht.

  7. Ein wahnsinnig toller Beitrag. Was mcih jedoch an vielen Veganern stört ist dieses agressive und militante Verhalten was einige an den Tag legen und alle die sich nicht vegan ernähren sind schlechte Menschen, das sind so meine Erfahrungen. Wir achten sehr darauf woher wir unsere Lebensmittel beziehen und kaufen Fleisch, Milch, Eier usw nur bei Bauern aus der Region. Massentierhaltung lehnen wir grundsätzlich auch ab aber ich sehe das Problem doch da das es in meiner Kindheit nicht immer Fleisch gab weil es finanziell nicht drin war, dann wurde Fleisch immer billiger weil der Markt es verlangt hat. Wir alle als Gesellschaft sind doch daran schuld. Es ist wie mit allen anderen „Produkten“ auch, steigt die Nachfrage werden Möglichkeiten geschaffen diese bis zur Übersättigung zu stillen nur das in diesem Fall Tiere leiden müssen.

    • Hallo Jan,

      > Was mcih jedoch an vielen Veganern stört ist dieses agressive und militante Verhalten was einige an den Tag legen und alle die sich nicht vegan ernähren sind schlechte Menschen

      Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass dieses als aggressiv empfundene Verhalten meistens bei Neu-Veganern zu beobachten ist. Und dort ist es auch nur eine kleine (aber als laut empfundene) Minderheit. Wenn es in einem Gehirn irgendwann „klick“ macht und der Mensch erkennt, was die Tierproduktproduktion für die betroffenen Lebewesen wirklich bedeutet, dass man selber eigentlich niemandem Unschuldigen etwas zuleide tun will und dass der menschliche Verzehr von Tierprodukten entgegen der anerzogenen Vorstellungen gar nicht nötig ist, dann wollen einige dieser Menschen ihr Umfeld wachrütteln. Das ist aus psychologischer Sicht natürlich kontraproduktiv. Dennoch finde ich es wichtig, aus Gerechtigkeitsüberlegungen gegenüber den Tieren und den Menschen, die keinen Zugang zu einem Bauernhof um die Ecke haben, nur die maximal nötige Menge an Tierprodukten zu konsumieren bzw. keine mehr.

      > Wir achten sehr darauf woher wir unsere Lebensmittel beziehen und kaufen Fleisch, Milch, Eier usw nur bei Bauern aus der Region. Massentierhaltung lehnen wir grundsätzlich auch ab.

      Das finde ich sehr interessant, denn Menschen, die sich tiefere Gedanken um die Folgen der Produktion ihrer Nahrungsmittel machen, gibt es, zumindest gefühlt, eher selten. Daher würde mich interessieren, wie Sie folgende praktische Fragen aus Ihrem Erfahrungsbereich beantworten würden:

      1) Da Sie regelmäßig Fleisch, Milch und Eier einkaufen, gehe ich davon aus, dass Sie für sich herausgefunden haben, dass Sie ohne diese Produkte kein gutes Leben führen können. Oder, dass es zu schwierig ist, darauf zu verzichten. Oder dass das Leid der Tiere für die eigene geringe Menge gerechtfertigt ist. Oder aufgrund des sozialen Umfeldes oder der Gesellschaft. Trifft eine dieser Annahmen zu? Was ist die Hauptmotivation für Ihren Tierproduktkonsum? Konsumieren Sie aus Ihrer Sicht genau die richtige Menge an Tierprodukten, um gesund zu bleiben oder mehr oder weniger? Könnten Sie noch weiter reduzieren, als Sie es jetzt schon tun?

      2) Sie lehnen Massentierhaltung grundsätzlich ab. Dieser Grundsatz wird beim eigenen Kaufverhalten für zuhause konsequent umgesetzt. Wie sieht es in Situationen aus, wo Sie die Herkunft der Tierprodukte nicht unter Kontrolle haben und die Produkte garantiert nicht vom Klein-Bauern um die Ecke kommen? Ich denke da zum Beispiel an die Kantine, die Mensa, unterwegs, auf Reisen, im Restaurant, im Cafe, beim geselligen Abenden bei Freunden, beim Grillen auswärts, bei Familiengeburtstagen, beim Kuchen-Snack auf Veranstaltungen etc.

      3) Fleisch: Schlachten Ihre Bauern selber (so wie der Bärenbrunnerhof) oder werden die Tiere in ein anonymes Schlachthaus verschafft?

      4) Milch: Welche Kuhrassen werden eingesetzt? Wieviel Kraftfutter bekommen die Tiere zu fressen? Was passiert mit den männlichen Kälbern? Werden die Tiere künstlich besamt? Wurden die Kühe enthornt?

      5) Eier: Welche Lege-Hennen-Rassen werden eingesetzt? Selbst die meisten Demeter-Hühner kommen z. B. von Lohmann und die Elterntiere dort haben – auch weil das Gesetz dort schwächer ist – ein sehr schlechtes Leben.

      6) Eier: Woher kommen die Küken? Viele Landwirte können aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht selber züchten und müssen auf Zuchtbetriebe zurückgreifen. Dort herrschen in der Regel die schlimmsten Zustände. Kennen Sie die genaue Herkunft der Küken und die Umstände der Aufzucht?

      Auf eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen.

      > in meiner Kindheit nicht immer Fleisch gab […] Wir alle als Gesellschaft sind doch daran schuld. […] steigt die Nachfrage werden Möglichkeiten geschaffen

      Mich würde dabei interessieren, ob Sie dann heute mehr oder weniger Fleisch konsumieren als in früheren Zeiten? Den Zusammenhang, dass die Nachfrage das Angebot schafft, kann ja heutzutage eigentlich jeder einzelne ausnutzen und sich freiwillig dazu entscheiden, auf Tierprodukte wo es geht zu verzichten. Die Gesellschaft bildet sich ja aus der Summe der einzelnen Mitglieder und die Menschen mit Einsicht sind die, die als erstes handeln sollten.

      Viele Grüße

    • Hallo Martin,

      für mich ist dies ein Beispiel, wie andere Menschen nicht überzeugt werden.

      In meinen Augen muss Jan hier nicht die Hose runterlassen und jedes Details seiner Fleischherkunft offenlegen. Denn ich fürchte, dass die Reaktion später heißt „ha, da haben wir doch ein tierfeindliches Handeln, die Küken wurden vergessen“. Klar ist nämlich, dass wir in unserer Welt keine Perfektion finden werden, weder beim Fleisch, noch woanders. Wie, für die Windkraft musste Wald gerodet werden? Wie wird der T-Shirt-Näher behandelt? Verdient der Journalist angemessen? Wurden die Tomaten in einem Schutzgebiet angebaut? Wurde der Computer, von dem wir schreiben, unter menschenwürdigen und umweltverträglichen Bedingungen hergestellt?

      Daher finde ich es respektlos, andere Menschen zu Einzelthemen auszufragen. Jeder Mensch trägt Eigenverantwortung und hat auch bei Engagement persönliche Schwerpunkte und blinde Flecken.

  8. Christine H.

    Mit Interesse habe ich diesen Artikel und einige der bereits veröffentlichten Kommentare gelesen.
    Ich selbst finde es ebenfalls dringend notwendig, das Bewusstsein für das Tierwohl weiter zu schärfen, nicht nur für die Lebensumstände der „Schlachttiere“, sondern auch für alle anderen Tiere z.B. in Zoos, in Haushalten, in der Natur.
    Es wäre meiner Meinung nach viel geholfen und würde von der teilweise recht dogmatischen Diskussion wegführen, wenn wir Menschen der Natur insgesamt mit viel mehr Respekt begegnen würden, und damit meine ich den anderen Menschen, den Tieren, den Pflanzen, der Luft, den Böden und Gewässern.
    Dass Fleischkonsum allein aus ökologischen Aspekten auf ein Minimum reduziert werden sollte, ist das eine. Andererseits müssen wir uns ernähren, und Pflanzen sind auch Lebewesen. Und nur weil wir Menschen uns im allgemeinen einbilden, dass Pflanzen „niedere“ Lebewesen ohne Rechte sind, weil sie ja angeblich keine Schmerzen empfinden, dann fallen mir in diesem Zusammenhang viele Beispiele von inzwischen zum Glück widerlegten Behauptungen uns früheren Zeiten ein, wer angeblich keine Schmerzen empfindet und daher bei Operationen u.ä. nicht betäubt werden muss (Säuglinge) oder „niedere“ Tiere.
    Wo ziehen wir denn die Grenze? Bei Säugetieren, bei Fischen oder erst nach den Insekten und Würmern, die ja als gute Eiweißquelle in Teilen dieser Erde gelten?
    Ein letzte Sache möchte ich noch zu bedenken geben: sind die vielen Nahrungsergänzungsmittel und Convenience-Produkte für Veganer wirklich eine Alternative oder gar ein Gewinn? Letzteres sicher für die Hersteller, für die Erde sicher nicht. Da treibt die dogmatische Einstellung ganz seltsame Wurzeln.

    • > Wo ziehen wir denn die Grenze?

      „Klare Grenzen zu ziehen und Kategorien zu bilden, ist nicht einfach, da eine eindeutige Trennung oft nicht möglich oder sinnvoll erscheint. Eines ist jedoch sicher: Die Grenze zwischen Mensch und Tier ist eine willkürlich vom Menschen gezogene Grenze, die nicht rational begründet werden kann. Wer andere Lebewesen konkret schützen will, wird mit Kategorienbildungen eher sparsam umgehen und versuchen, so wenig Leid zu verursachen wie möglich. So kann davon ausgegangen werden, dass zumindest Tiere mit einem zentralen Nervensystem dazu fähig sind, Schmerzen zu empfinden.“ (vebu.de)

      Brauchen wir wirklich einer Hühner-Eier und Kuh-Milch im Kuchen? Brauchen wir wirklich Kuh-Milch im Kaffee-Latte? Brauchen wir wirklich Kuh-Milch-Schokolade? Bei „so wenig wie möglich“ ist bei uns noch viel Luft nach oben, bevor wir anfangen müssen, uns über solche Grenzen zu streiten.

      > oder erst nach den Insekten und Würmern, die ja als gute Eiweißquelle in Teilen dieser Erde gelten?

      Hier könnte man z. B. nach dem „Jeder nach seinen Bedürfnissen“-Prinzip vorgehen. Warum sollten wir hierzulande (industrialisierte Welt) weiterhin mit unserer Konsum-Nachfrage die Herstellung von Tierprodukten forcieren nur weil anderswo in der Welt die Menschen ganz andere Probleme haben als wir?

      > Andererseits müssen wir uns ernähren, und Pflanzen sind auch Lebewesen.

      „Aus ethischer Sicht sollte man selbst unter der Annahme eines Schmerzempfindens von Pflanzen darauf verzichten, Tiere zu essen. Denn durch den Konsum tierischer Produkte werden viel mehr Pflanzen verbraucht, als es bei einer pflanzlichen Ernährung der Fall ist. Somit würde man ganzheitlich betrachtet durch den Konsum pflanzlicher Produkte am wenigsten Leid erzeugen.“ (vebu.de)

      > sind die vielen Nahrungsergänzungsmittel und Convenience-Produkte für Veganer wirklich eine Alternative oder gar ein Gewinn?

      Die meisten dieser Produkte werden von „Flexitariern“ konsumiert. Die Veganer sind zwar oft die Buh-Leute, aber nicht immer an allem Schuld ;-). Was ist daran schlecht, Convenience-Alternativen für Convenience-Tierprodukte zu haben? Es erleichtert Menschen den Weg in einen tierprodukt-reduzierten Konsum.

  9. Annika Bromberg

    Trotz aller Diskussionen in den vorausgegangenen Beiträgen, wollen wir doch sicher alle das Gleiche: keine Tiere mehr in einer nicht tiergerechten Haltung. Schweine müssen im Stroh, besser noch in der Erde wühlen können und sollten nicht auf Spaltenböden stehen. Kühe brauchen kein Soja zu fressen, sie brauchen „nur“ Gras, Heu, Wasser und gegebenenfalls etwas Getreide und sie wollen sich bewegen können. Vieles muss in der Tierhaltung anders werden – dafür sollten wir uns gemeinsam einsetzen!
    Allerdings müssen wir uns auch von der Vorstellung lösen, die Tiere würden in der Natur bis zum Alterstod auf der Weide stehen. Bei Wildtieren erreichen die wenigsten Tiere das ihnen mögliche Höchstalter, sondern sie werden vorher von Raubtieren oder Parasiten zur Strecke gebracht.
    Auch wurden viele artenreiche Gebiete wie die Heide oder Kalkmagerrasenflächen, durch die von Menschen gelenkte Beweidung von Tieren erst erschaffen. Werden sie nicht weiterhin gepflegt wachsen sie wieder zu, verbuschen zunächst und werden dann zu Wald. Dies hat direkten Einfluss auf die Biodiversität (ein Beispiel dazu: https://www.nzz.ch/schweiz/die-gruenerle-erobert-die-alpen-1.18130369). Wir benötige also Tiere die diese Flächen pflegen. Der Landwirt, der wiederum die Tiere pflegt, braucht aber auch ein Einkommen (nur von guten Tarten alleine, kann man leider nicht leben). Entweder durch den Verkauf von Tieren (sprich Fleisch) oder durch Subventionen. Die heutige Subventionierung der Landwirte hat aber leider dazu geführt, das reiche Landwirte noch reicher werden und die, die etwas für den Naturschutz tun, wenig von den Geldern abbekommen. Hier ist die Politik gefragt, die aber anscheinend oft die Interessen der großen Landwirte vor die Interessen der Allgemeinheit stellt. Naturschutzmaßnahmen und eine möglichst naturnahe Landbewirtschaftung sollten aber gefördert werden (weitere Infos hier: http://www.arc2020.eu/)

    • > Der Landwirt, der wiederum die Tiere pflegt, braucht aber auch ein Einkommen (nur von guten Taten alleine, kann man leider nicht leben). Entweder durch den Verkauf von Tieren (sprich Fleisch) oder durch Subventionen.

      Bei gutem Willen, Tiere so weit wie möglich zu schonen, gibt es noch mehr Alternativen. Zum Beispiel diese hier:

      – Die Pflege der Tiere könnte auf den Verkaufspreis der pflanzlichen Produkte umgelegt werden.

      Was ist an sinnvoll gestalteten Subventionen schlecht? Der arm/reich- und groß/klein-Konflikt muss nicht zwangsläufig auf dem Rücken der Tiere ausgetragen werden.

      Das Schlachten von Tieren mit rein wirtschaftlichen Motiven zu rechtfertigen, hält keiner ganzheitlichen ethischen Betrachtung stand und ist sogar gesetzeswidrig. Z. B. schreibt die Bundestierärztekammer 2015 in einer Stellungnahme zur Versorgung von Bullenkälbern der Milchviehrassen: „Die Bundestierärztekammer weist darauf hin, dass sowohl die systematische Vernachlässigung als auch das Töten ohne vernünftigen Grund – und wirtschaftliche Ineffizienz ist kein vernünftiger Grund – nicht nur unmoralisch ist, sondern auch einen Straftatbestand darstellt.“

  10. Karlheinz Jahraus

    Sehr geehrter Herr Zientz,

    Zu Ihrem Beitrag über Tiere möchte ich einige persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Zusammenleben und Arbeiten mit Tieren schildern.
    Ich habe zwanzig Jahre lang in der Biologisch-dynamischen Landwirtschaft (BDLW) und weitere 15 Jahre als Landschaftsgärtner gearbeitet und viele Erfahrungen mit Tieren gemacht.

    Die BDLW wurde von Rudolf Steiner entwickelt, wobei er, wie in der gesamten Antroposophie, spirituelle, also übersinnliche Aspekte, wesentlich miteinbezogen hat.
    Er weißt darauf hin, daß eine gesunde Landwirtschaft, ohne eine vernünftige Tierhaltung, nicht möglich wäre. Meine jahrzehnte-langen Erfahrungen in der Arbeit mit der Natur haben das bestätigt.

    Da die Frage nach dem Schlachten von Tieren eine wesentliche ist,möchte ich zunächst darauf eingehen.
    Ich habe selber Kleintiere geschlachtet und war oft beim Schlachten von Schafen, Schweinen und Rindern dabei.
    Eine ganz entscheidende Erfahrung, die m.E. Aspekte zeigen, wie diese Frage auch aus der Sicht der Tiere beantwortet werden könnte, möchte ich Ihnen schildern.
    Ich spreche ganz bewußt auch die spirituellen Aspekte an, da ich meine, daß ohne diese eine umfassende Antwort auf diese Fragen nicht möglich ist.

    Zu Beginn meiner landwirtschaftlichen Laufbahn war ich zu Besuch bei einem Kleintierzüchter, der drei Gänse schlachten wollte.
    Da er nicht in der Lage war, sie einzufangen, bat er mich,
    ihm dabei zu helfen. Am nächsten Tag wollten wir die Gänse gemeinsam schlachten.
    Ich erinnerte mich dann an Aussagen R. Steiners, daß auch Tiere eine Geistseele haben, ähnlich wie der Mensch einen Wesenskern, also sein Ich, hat. Nur eben nicht in ihrem irdischen Tierleib bewußt anwesend.
    Das wollte ich ganz ernst nehmen und dieses “ Gruppen-Ich“ der Gänse persönlich ansprechen. Am Abend ging ich zu den Tieren
    und sagte ihnen ganz einfach: “ Ihr werdet morgen geschlachtet, damit die Menschen euch essen können, denn sie haben Hunger.
    Eure Seele wird dann in ihre geistige Heimat zurückkehren.“

    Es war hier schon interessant zu beobachten, mit welch zugewandter
    Aufmerksamkeit mir die drei Gänse lauschten.
    Was dann am nächsten Morgen passierte,hielt ich eigentlich nicht für möglich.
    Ich ging in aller Frühe alleine zu den Gänsen. Sie standen schon bereit und ließen sich in aller Ruhe von mir nehmen. Als ich sie zur „Schlachtbank“ trug,waren sie ganz entspannt,aber hoch aufmerksam. Dann geschah etwas völlig unerwartetes, aber für mich zutiefst Bewegendes:
    jede einzelne Gans hielt mir ihren wunderschönen, schneeweißen Hals hin……..und zwar so,daß ich sie ohne Umstände schlachten konnte !
    Ich spürte auch, wie die ganze Zeit über, eine außer-gewöhnliche,feierliche Stimmung über dem Garten lag.
    Für mich war klar, die Tiere sind völlig damit einverstanden, daß wir sie töten und essen!
    Die Haltung und Schlachtung der Tiere muß aber respektvoll, wesensgemäß, in Dankbarkeit und in einem persönlichen Verhältnis geschehen.In der Massentierhaltung ist das nicht möglich.

    Ich habe mehrere Arten des Tötens von Tieren erlebt,auch im Schlachthof.
    Die Erlebnisse, die die Tiere dort oft haben ( Angst,Streß, Fluchtinstinkt,und ein deutlich erkennbarer Wille leben zu wollen )konnte ich genau so auch in Kenia, in freier Wildbahn,
    bei einem Büffel wahrnehmen, der von einem Löwinnenrudel gerissen wurde.

    Da wurde mir schlagartig klar, daß wir Menschen das Schlachten kultivieren können, so wie ich es mit den Gänsen erlebt hatte.

    Ich höre immer öfter von Demeterbetrieben, die ihre Tiere auf das Schlachten vorbereiten, teilweise mit richtigen Ritualen.
    In alten Kulturen war dies ja auch üblich.
    Heute müßte dies bewußt ergriffen werden, was eine tiefere Erkenntnis dieser Fragen erfordert.

    Seit ein paar Jahren gelingt es mir hin und wieder eigene übersinnliche Erfahrungen zu machen.
    So durfte ich,mehr als drei Jahrzehnte nach dem Erlebnis mit den Gänsen,eine bewußte Begegnung mit dem Geistwesen einer Nutztierart haben.
    Dabei wurde mir u.A.gezeigt, daß dieses Wesen von Herzen gerne seine irdischen Leiber für uns „hingibt“!
    Mir ist natürlich klar, daß in der heutigen, sehr materialistisch geprägten Zeit, die meisten Leute so was für Spinnerei halten.
    Wer mehr über diese Begegnung wissen möchte, kann sich gerne direkt an mich wenden.

    Wenn man Schlachten für unethisch hält, müßte man sich dann nicht die Frage stellen, ob Kulturen wie die Eskimos oder Massai eine Existenzberechtigung haben ?

    Müßte man sich dann nicht auch die Frage stellen, ob es vertretbar ist, Pflanzen zu essen, denn auch sie werden, spätestens in unserer Verdauung, abgetötet und können so nicht mehr ihrem natürlichen Tot entgegen gehen ?

    Ich habe nicht die geringsten Zweifel, daß auch die Wesen der Pflanzen voll damit einverstanden sind, daß wir ihre, im Irdischen erscheinenden Leiber, töten und von ihren Kräften leben.

    Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch, ein Tier, oder eine Pflanze getötet wird.
    Das Wesen des einzelnen Menschen – sein Ich -, das seinem irdischen Leib braubt würde,hätte keine Möglichkeit mehr auf der Erde wirksam zu werden.
    Das wäre erst mit einer neuen Inkarnation wieder möglich.

    Das Wesen des Tieres, das gar nicht als individuelles Wesen im einzelnen Tierleib, sondern in allen Tieren einer Art – als seinem Organismus – lebt, kann in diesem Organismus weiter auf der Erde wirksam werden. Es muss nur dafür gesorgt sein, daß immer genügend Nachkommen da sind.
    Erst wenn eine Tierart ganz ausgerottet würde, könnte man von Tod sprechen, so wie man vom Tod bei einem Menschen spricht.

    Der Tod bei den Pflanzen ist nochmal etwas anderes.
    Im Unterschied zu Tier und Mensch ist bei ihnen alles das, was Wahrnehmung und Empfindung ermöglicht, nicht in ihrem Leib drinnen,sondern wirkt von außen ein.
    Sie haben deshalb z.B. kein Schmerzempfinden.
    Das Wesen der Pflanzen ist auch nicht in den physischen Pflanzen anwesend, sondern wirkt aus noch größerer „Entfernung“ als bei den Tieren, auf die irdischen Pflanzen ein.

    Wenn auch mein Beitrag nun recht lange wird, möchte ich doch noch den Aspekt der Evolution von Mensch und Natur kurz ansprechen.

    All die Wesen, die sich in der Natur in einen bestimmten Zustand begeben haben (Mineral, Pflanze, Tier) können keine „Höherentwicklung“ durchmachen. Aus einer Pflanze kann kein Tier entstehen usw.Die Natur kann sich immer nur im Kreise drehen und sich selber reproduzieren.
    Mit der Agrarkultur, also dem Bearbeiten der Natur durch uns Menschen, wird das aber anfänglich möglich.

    Bei der Züchtung von Pflanzen wird das Seelische stärker in den Pflanzenleib hineingezogen.Schön zu sehen ist das beim Obst,
    wo z.B.aus dem steinharten, grünen, geschmacklosen Holzapfel ein farbiger,süßer, aromatischer, essbarer Apfel gezüchtet wurde.

    Bei der Kultivierung der Wild- zu den „Haustieren“ hilft der Mensch den Tieren das Trieb- und Instinktleben, wenigstens anfänglich, zu überwinden.
    Eine Arbeit, die sonst nur der Mensch bewußt an seinem Seelenleben tun kann – aber nicht muß, wir sind da heute relativ frei ( wenn man von gesellschaftlichen Zwängen absieht).
    Das Tier erfährt hier (unbewusst), wie „Ich-Kräfte“ auf das Seelische einwirken.
    Das sind natürlich die Ich-Kräfte des Menschen, noch nicht des einzelnen Tieres, aber ich glaube, daß diese Erfahrung für die Tiere auf lange Sicht von Bedeutung ist.
    Ich denke, Antoine de Saint-Exupéry hat das geahnt, läßt er doch den Fuchs zum Kleinen Prinzen sagen: „ Bitte zähme mich“ !

    Da liegt noch eine große Aufgabe vor uns, die bewußt ergriffen werden müßte, wo auch ich noch viele Fragen habe.

    Ich halte es auch für sinnvoll, die Tiere direkt mit Worten anzusprechen.
    Anfangs war ich verblüfft, daß sie darauf antworteten – nicht mit Worten, aber mit Taten !

    Wenn man „Nutziere“ mit Herz und Verstand hält, hat nicht nur der Mensch einen Nutzen davon, sondern auch die Tiere.

    Sie werden nicht nur vor Raubwild und Witterung geschützt, oder mit Futter versorgt, sondern wir ermöglichen ihnen, das rein Tierische zu überwinden.

    Der Nutzen, den die Natur in der Agrarkultur haben kann, droht heute von zwei Seiten her verloren zu gehen.
    In der industriellen Landwirtschaft steht nur noch der Nutzen des Menschen im Fordergrund – die reine Ausbeutung der Natur.

    Auf der anderen Seite führt ein Naturschutzgedanke, der die Natur erhalten will, wie sie ohne den Menschen wäre, für die Natur in eine Sackgasse.
    Ein falsch verstandenes Mitgefühl mit den Tieren führt oft zu der Forderung, keine Nutztiere mehr zu halten.
    Das würde die Tiere wieder vom Menschen entfernen, sie würden wieder in die „Wildheit“ verbannt werden.

    Ganz kurz noch einige andere Aspekte:
    krank vom Fleischkonsum wird man nur, wenn man zu viel davon ißt, oder die Qualität nicht stimmt.
    Beides ist heute sehr oft eher die Regel, als die Ausnahme.

    Die Bodenfruchtbarkeit entwickelt sich am besten mit einer standortgerechten Tierhaltung.Das ist meine eigene Erfahrung und in wissenschaftlichen Arbeiten auch bestätigt ( siehe z.B. http://www.forschungsring.de/ ).

    Im Landwirtekurs von R. Steiner wird auf die zentrale Bedeutung des tierischen Dungs, insbesondere der Kuh, für die Qualität der pflanzenlichen Lebensmittel hingewiesen.

    Da gibt es viele Hinweise und noch viel zu erforschen.
    Siehe z.B. http://www.lebendigeerde.de/index.php?id=heft_2011_6

    Eine gesunde Landwirtschaft, auch mit Tieren, hilft das Klima zu schützen – im Gegensatz zur industriellen LW.
    Mehr hierzu z.B.in dem Buch von Anita Idel „ Die Kuh ist kein Klimakiller.

    Schöne Pfingstgrüße

    • Nathan V.

      Sehr geehrter Herr Jahraus,
      es ist sehr spannend die Sicht eines Demeter-Landwirten zu lesen. Einen solchen Einblick hatte ich bisher noch nicht. Für meine folgende Frage gehe davon aus, dass die biologisch-dynamischen-Prinzipien in Europa flächendeckend zur Ernährung der Menschen eingesetzt wird. Wäre es dann aus Ihrer Sicht möglich, die Schlachtzahlen der Tiere soweit zu reduzieren (indem z. B. die Tiere länger leben gelassen werden als bisher aus wirtschaftlichen Erwägungen üblich und indem keine Milchviehhaltung betrieben wird, die meines Wissens nur aufgrund der Kundennachfrage von außen nötig ist), dass nur noch so viele Tierprodukte produziert werden, dass allein die Landwirte und ihre Familien dieses Fleisch verwerten können und somit alle anderen Menschen in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft keine Tierprodukte essen müssen, um diese Form der Landwirtschaft nachhaltig zu gestalten?

      Oder haben alle Menschen in den hoch-entwickelten europäischen Gesellschaften sogar eine moralische Pflicht, ihren Anteil an Tieren und Tierprodukte zu essen? Mein Gefühl würde das verneinen. Wie sehen Sie das?

      Herzliche Grüße

    • Damian P.

      Sehr geehrter Herr Jarhaus,

      vielen Dank für Ihre Ansicht und Erfahrungen.
      Aus meiner Sicht kann man die Erfahrungen, die sie mit Tieren gemacht haben, jedoch auch anders interpretieren. Die Tiere haben sich Ihnen nicht geopfert, sondern im Vertrauen an Ihren Guten Willen Ihnen ihre Hälse hingehalten. Welchen Sinn hätte denn in diesen Fall ein Kampf ergeben?
      Ich würde auch wiedersprechen, dass Tiere nur ein Gesamtbewusstsein haben. Das Bewusstsein von Menschen und Nicht-Menschlichen Tieren wurde z.B. 2012 in der „ Cambridge Declaration on Consciousness“ verglichen und festgestellt, dass wir Menschen nicht einzigartig in unserem Empfinden von Bewusstsein sind:
      „Convergent evidence indicates that non-human animals have the neuroanatomical, neurochemical, and neurophysiological substrates of conscious states along with the capacity to exhibit intentional behaviors. Consequently, the weight of evidence indicates that humans are not unique in possessing the neurological substrates that generate consciousness.“

      Quelle: http://fcmconference.org/img/CambridgeDeclarationOnConsciousness.pdf

      Ich glaube die meisten Menschen, die Kontakt mit Tieren haben oder hatten, sei es auf einem kleinen Hof, ein Lebenshof mit Haustieren oder auch beim Kontakt in der Wildnis, würden auch wiedersprechen, dass Tiere keine eigene Persönlichkeit besitzen. Es gibt ängstliche, verspielte, neugierige, usw. Tiere. Ob menschlich oder nicht Menschliches-Tier keines ist komplett wie das andere ?.
      Die Landwirtschaft kann im Zweifel auch weiterhin Mist und Gülle verwendet werden, hierfür können die Tiere mit den Menschen leben ohne von Ihnen geschlachtet und gegessen zu werden. Ich schließe mich der Meinung vom Nobelpreisträger George Bernard Shaw an:
      „Animals are my friends and I do not eat my friends“
      Best Grüße

    • Christa M.Lorei

      Lieber Karl Heinz Jahraus,
      Ihr Beitrag hat mich zutiefst berührt, er ist so ehrlich und mit Herz und Erfahrung geschrieben, ich möchte mehr von Ihnen erfahren.
      Freundliche Grüße
      Christa M. Lorei

  11. Isolde R

    Hier noch mehr Informationen zur Kuhhaltung in Deutschland:

    ttps://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/kuehe-kuhhaltung-in-der-milchproduktion/

    oder zur Schweinehaltung, gelesen in:

    https://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/schweinemast-schweine-in-schweinehaltung/

    oder ist es wirklich so, dass nur „etwas Honig fehlt…“

    https://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/bienen-bienensterben-industrielle-bienenhaltung/

    etwas zu Hühnern:

    https://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/huehner-in-huehnerzucht-und-huehnerhaltung/

    gelesen in der Website von proveg:
    „Die meisten Sojabohnen werden zu 80 % Sojaschrot beziehungsweise -mehl und knapp 20 % Sojaöl verarbeitet. Der proteinreiche Schrot wird fast ausschließlich als Tierfutter verwendet. Nur 2 % des Schrotes dienen direkt der menschlichen Ernährung, etwa als Backzutat oder für vegan-vegetarische Fleischalternativen. Sojaschrot als Futtermittel hat somit nicht nur mengenmäßig den größeren Anteil an der Bohne, sondern mit bis zu 75 % auch an ihrem Wert. Das Öl ist längst nur noch das Nebenprodukt des Futtermittelanbaus.“
    Es ist also nicht nötig „einen Lebensraum fu?r einen Sojaacker umzupflu?gten…“
    Gäbe es weniger Nutztiere bräuchte es weniger Soja.

    Für die Natur, die Artenvielfalt:
    mehr dazu:
    https://vebu.de/tiere-umwelt/umweltbelastung-durch-fleischkonsum/

  12. Jörg Binder

    Ich habe gerade Ihren Artikel „Lasst uns über Tiere sprechen!“ in der Bank Spiegel Ausgabe 1/2018 gelesen. Leider verstehen auch Sie nicht, um was es bei Tierrechten geht und was für ein Potential in der veganen Lebensweise steckt. Sie suchen förmlich eine Entschuldigung oder Rechtfertigung zum Tiere essen und ausbeuten. Der Gaumenkitzel ist für Sie entscheidend und das Lebensrecht der Tiere zweitrangig! Sie stellen die Notwendigkeit des Tötens von fühlenden Lebewesen zur Fleischgewinnung als unausweichliche Tatsache dar, die erforderlich ist, damit die Natur im Gleichgewicht bleibt.

    Was sollen diese nichtssagenden Floskeln am Ende Ihres Artikels? Die Frage ist nicht, ob die Kühe lieber auf dem Bärenbrunnerhof leben würden oder in einem dunklen Stall mit hunderten anderer Tiere. Genauso könnte ich Fragen, ob Kinder die als Sklaven arbeiten müssen, lieber in einem Haus mit Wasser und Heizung oder in einer löchrigen, kalten Hütte leben wollen! Die entscheidende Frage ist doch, ob die Kühe geschlachtet werden wollen oder Leben möchten? Bitte entschuldigen Sie meine Direktheit, aber haben Sie sich einmal überlegt, das etwas mit einem Menschen nicht stimmen kann, wenn er „seine“ Tiere liebt und sie dennoch aus Profitgier einfach töten lässt und dann trauert? -Wie krank müsste ich sein, wenn ich das mit meinen Hunden machen würde!- Oder finden Sie das moralisch korrekt? Was glauben Sie denkt die Kuh? ….“Danke das Du mich umbringst, gerne lass ich mein Leben für einen Gaumenkitzel!“…Landwirte die davon leben, Tierprodukte zu verkaufen, können keine Tierfreunde sein. Egal ob Bio-Bauer oder Konventionell. Der Literatur-Nobelpreisträger Georg Bernard Shaw sagte einmal: „Tiere sind meine Freunde – und ich esse meine Freunde nicht.“

    Warum sollen für vegane Produkte Chemikalien auf die Felder ausgebracht werden? Sie haben wohl noch nicht von der bioveganen Landwirtschaft gehört. Warum soll Schweingülle besser sein?

    Warum um Himmelswillen sollen Weiden für Sojafelder geopfert werden? Rinder könnten auch auf Weiden leben, ohne das wir Menschen sie dafür töten oder ausbeuten. Die Existenz eines Tieres definiert sich nicht darüber, dass es als Nahrung für den Menschen dient. Schon gar nicht in der heutigen Zeit. Genauso wie der Mensch hat auch das Tier ein angeborenes Recht auf Leben.

    Vegan bedeutet nicht, nur noch Soja zu essen. Sie bedienen mit Ihren Aussagen die Vorurteile gegenüber der veganen Ernährung!

    Und warum wäre es verkehrt, wenn unsere Wälder wieder größer würden?

    Alles in allem ist Ihr Artikel sehr enttäuschend!

    Eine biovegane Landwirtschaft ist die machbare Alternative! Alles andere ist ein Verrat an den Tieren, der Natur und der nachfolgenden Generationen.

    Die GLS-Bank ist für mich die Alternative zu den unethisch arbeitenden Banken. Meine Hoffnung ist das die GLS-Bank sich weiterentwickelt und in naher Zukunft die vegane Lebensweise favorisiert.

  13. JP Hofmann

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel!

  14. Nathan V.

    Vielen Dank für Ihren Artikel zu dem Thema, das leider noch viel zu selten auf der Tagesordnung ist.

    Ich finde es sehr gut, dass Sie Fragen zum Nachdenken stellen. Wie schon in dem Kommentar vorher angemerkt, sticht eine Frage besonders hervor: „wu?rden meine Bienen akzeptieren, dass fu?r vegane Produkte Chemie auf die Felder kommt, wenn dadurch weniger Schweinemast betrieben wird?“ –> Diese Frage stiftet aus meiner Sicht große Verwirrung, da sie den „vegan = Chemie“-Tenor impliziert, der immer noch verbreitet wird. Den möglichen falschen Schluss könnte man direkt in einem nächsten Satz entlarven, denn Pflanzen und Getreide („vegane Produkte“) können auch mit ökologischer Landwirtschaft ganz ohne Pestizide angebaut werden. Es besteht also gar kein Konflikt; vegane Produkte und Naturschutz gehen Hand in Hand.

    „Fänden es die Mistkäfer, Tausendfu?ßler und Schmetterlingsraupen auf einer Kuhweide gut, wenn wir ihren Lebensraum fu?r einen Sojaacker umpflu?gten?“ –> Sollte man direkt im nächsten Satz klären. Das meiste Soja geht derzeit in die Tiermast. Die Frage ist daher schnell beantwortet: Mistkäfer, Tausendfüßler und Schmetterlingsraupen würden sich sehr freuen, wenn der Großteil der industrialisierten Menschheit vegane BIO-Produkte nachfragen würde.

    „Oder dass daraus wieder Wald wird, weil es keine Tierhaltung mehr gibt?“ –> Eine spannende Frage! Dazu finde ich folgende Frage spannend: „Wieviele Tierprodukte muss man pro Jahr in Deutschland als Einzelner mindestens essen, damit eine nachhaltige Landwirtschaft inklusive Landschaftfspflege weiterhin möglich ist?“ 16 kg (statt über 80 in Europa) Fleisch und 33 kg (statt über 250 in Europa) Milchprodukte pro Jahr wie es Greenpeace derzeit vorschlägt? Vermutlich wären wesentlich weniger nötig. Ich schätze die nötigen Verbrauchszahlen derer, die selber keine Tiere halten, ist nahe Null. Was sagen anerkannte Experten zu dieser Frage?

    Toll finde ich, dass Sie den Bärenbrunnerhof besucht haben, wo selber geschlachtet wird; wenn auch schweren Herzens. Im Artikel stand nicht, in welchem Alter die Tiere dort geschlachtet werden. Meinen bisherigen Recherchen zufolge geschieht das meist weit vor Ende der natürlichen Lebenserwartung. Wie macht das der Bärenbrunnerhof? Und dabei würde ich gerne wissen: Auf welche Art könnte man den Menschen dort helfen, so dass sie die Tiere bis zum maximal möglichen Alter leben lassen können (vielleicht sogar auf natürliche Weise sterben lassen?), bevor es ins Schlachthaus geht? Welche grundsätzliche Hindernisse stehen dem Lebenlassen im Weg oder würde es nur an Geld fehlen, weil dann weniger Fleisch teurer verkauft werden müsste?

    Herzliche Grüße

  15. Mariel Davies

    Herr Zientz,

    vielen Dank für diesen wirklich gut geschriebenen Artikel. Was mich etwas verdutzt hat, ist die Überlegung dass eine vegane Ernährungsweise eine großflächige industrielle Landwirtschaft mit Einsatz von chemischem Dünger fördern würde.

    aus dem Artikel:
    „Ganz andere Probleme waren auf dem Weg hierhier zu sehen: größflächig industrialisierte Landwirtschaft, oft tierfrei mit Einsatz von chemischem Dünger.“
    „Würden meine Bienen akzeptieren, dass für vegane Produkte Chemie auf die Felder kommt, wenn dadurch weniger Schweinemast betrieben wird?“

    Vielleicht kommt der Gedanke aus dieser Überlegung: Würden viele Menschen keine Tiere mehr essen, würde weniger Gülle produziert, ein biologischer Dünger und somit der Verbrauch von chemischen Dünger gefördert.
    Das Gegenteil ist der Fall. Denn wofür werden die meisten „veganen Produkte“, also Getreide und Hülsenfrüchte, in industriell angebaut und verbraucht? Für Tiere. Schweine, Hühner und auch Kühe bekommen Soja, Mais und andere Getreide verfüttert.
    Würden viele Menschen keine tierischen Produkte mehr essen, bräuchten wir somit weltweit weniger Acker, Monokultur, Dünger allgemein und es würde vermutlich eine freundlichere Welt entstehen für Ihre Bienen.

    • Hallo Mariel Davies, danke für Deine gute Rückmeldung. Dieser Punkt ist tatsächlich im Artikel nicht ganz klar geworden: Die Mehrzahl der als vegan ausgezeichnete Produkte werden mit chemischen Spritz- und Düngemitteln in „ausgeräumten“ Landschaften hergestellt. Viele Veganer legen allerdings Wert auf Öko-Lebensmittel, und biovegan ist unserer Wahrnehmung nach immer stärker gefragt. Aber es gibt (noch) wenige biovegane Höfe und die Bodenfruchtbarkeit ohne tierischen Dung zu verbessern ist deutlich aufwändiger bzw. es gibt auch die Meinung, dass dies nur im Kleinen, nicht aber großflächig für die Welternährung möglich ist. Eventuell können Leser*innen eigene Erfahrungen dazu einbringen. Einstweilen ist es so, dass viele als vegan ausgezeichnete Lebensmittel dadurch für Tierleid sorgen, dass die industrialisierte Landwirtschaft Lebensräume von Singvögeln, Wildtieren, Insekten, u.a. zerstört. Das ist eine der vielen Widersprüchlichkeiten, in denen wir alle leben. Biovegan wir hoffentlich immer mehr zu einer Lösung. Rouven Kasten für Falk Zientz

    • Nathan V.

      Sehr geehrter Herr Kasten,

      die Widersprüchlichkeiten, in denen wir leben, sind speziell im Bereich des Tierkonsums gar nicht so groß als es mit dem „Vegan = Industrie und Chemie und auch schlecht für die Insekten“-Bild, mit dem Sie Ihre Argumentation untermauern, suggeriert wird. Mir ist aufgefallen, dass in den Texten immer wieder Begriffe vermischt oder nicht scharf genug getrennt werden. Dadurch redet man aneinander vorbei und eine saubere Argumentation wird erschwert. Ich habe einmal versucht, die betreffenden Begriffe herauszuarbeiten:

      „Bio-Produkt“ = ein Produkt aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft; je nach Kriterienkatalog EU-Bio, Bioland, Naturland oder Demeter („bio-dynamisch“)

      „vegan“ = „Veganism is a way of living which seeks to exclude, as far as is possible and practicable, all forms of exploitation of, and cruelty to, animals for food, clothing or any other purpose.“ (https://www.vegansociety.com/go-vegan/definition-veganism)

      „Veganes Produkt“ = ein Produkt, das veganen Kriterien entspricht; im Allgemeinen hat das Produkt keine Zutaten tierischen Ursprungs. Über die Form des Düngers in der Landwirtschaft wird derzeit eher selten eine Aussage getroffen.

      „als vegan ausgezeichnetes Produkt“ = ein Produkt, dass ein Vegan-Label hat. Davon gibt es verschiedene. Gemeinsamkeit: das Produkt hat keine Zutaten tierischen Ursprungs. Die meisten Labels machen gar keine Aussage über die Landwirtschaft, die die nicht-tierischen Zutaten erzeugt hat. Dies ist eine kleine Teilmenge von „veganen Produkten“ und daher für Argumentationen allgemeiner Art ungeeignet.

      „Bio und veganes Produkt“ = Kombination aus „Bio-Produkt“ und „Veganes Produkt“, z. B. Kartoffeln aus Bioanbau, mit oder ohne Tierhaltung für die Düngung.

      „Als veganes ausgezeichnetes Bio-Produkt“ = Kombination aus „Bio-Produkt“ und „als vegan ausgezeichnetes Produkt“, z. B. Kartoffeln mit V-Label (habe ich zwar noch nicht gesehen, aber das ist ja denkbar) oder ein veganes Bio-Tiefkühlfertiggericht. Dies ist eine kleine Teilmenge von „Bio und veganen Produkten“ und daher für Argumentationen allgemeiner Art ungeeignet.

      „Bio-veganer Landbau“ = Landwirtschaft, die ohne Züchtung von Wirbeltieren auskommt, siehe http://biovegan.org/

      Demnach muss es nicht gleich der noch fern liegende „Bio-vegane Landbau“ sein, um für Mensch, Tier und Umwelt hierzulande einen Weg aus der pestizid-behafteten und tierausbeuterischen Sackgasse aufzuzeigen. Mit „Bio und veganen Produkten“ auf unserem täglichen Speiseplan haben wir jetzt und heute schon greifbare Werkzeuge, um einen Riesenschritt vorwärts zu kommen.

      Viele Grüße

  16. Keith Gelfert

    Ein gute Ausrede, trotz aller Erkenntnisse dann doch Tiere zu Essen, gibt es ja immer.

    Zitat: Wenn es um Tiere geht wird es schnell emotional und persönlich.

    Das stimmt, denn für die Tiere ist es immer emotional und was mit Ihnen passiert ist für sie sehr persönlich.

    Zitat: Es gibt auch einige Schattierungen und Farben

    Stimmt auch. 2 % ist ja Bio, also nur 98% Massentierhaltung. Übrigens haben die 2% Bio-Haltung mit dem Bericht und der Bauernhofromantik vom Bärenbrunnerhof nichts zu tun.

    Schöne Schattierung.

  17. Aksel Uhl

    Danke für diesen Beitrag!
    Diese authentische, offene, kontroverse Auseinandersetzung brauchen wir: Eine dialogische Auseinandersetzung unterschiedlicher Perspektiven auf Augenhöhe und mit klarem Bewusstsein über unseren eigenen Schmerz.
    Wenn uns am Ende noch ein solcher Dialog mit dem konventionellen Massentierhalter gelingt, dann könnte Wandlung im Gange sein… ; )

    • Keith Gelfert

      Dialog auf Augenhöhe lässt leider die Tier und Umwelt außen vor, denn die stehen offensichtlich ganz weit unter uns.

  18. Danke für den Artikel, der Fragen zu diesem auch für mich wichtigen Thema aufwirft und die Farben offen lässt.

    Klar ist für mich ein empathischer Umgang mit den Tieren.

    Mir ist es dabei wichtig, das gesamte Leben zu betrachten, auch von uns Menschen. Dabei ist die sogenannte „Massentierhaltung“ weder für die betroffenen Tiere schön, noch bringt es für uns einen Mehrwert. Doch wenn wir kleinere Hofeinheiten betrachten, wie im Artikel beschrieben, oder die Haltung von paar Bienenvölkern oder aber auch manche Formen der Jagd, sieht es anders aus: Dann fehlt mir etwas in der Betrachtung, wenn ich einfach antworte „leben lassen“. Nehmen wir dafür an, dass die gesamte Welt auf eine vegane Lebensweise (nicht nur Ernährung) umschwingt und so kein Tier mehr bewusst getötet wird. Einige Ernährungsgrundlagen würden uns verloren gehen: Alle Pflanzen und Kleintiere, die wir Menschen nicht direkt essen können, namhaft in Form von Grünland (Kühe/Schafe/Ziegen), einzelne Körner/Kleinsttiere (Hühner), Algen/Plankton (Fische) oder Bäume (Rehe) und Eicheln (Wildschweine). Muss denn überhaupt alles genutzt werden? Bei der aktuellen Anzahl an Menschen bin ich der Meinung, dass jedenfalls nur beschränkt Potential aufgegeben werden sollte. Hier geht es für mich um ein weiteres ethisches Gut, die Sorge um die Menschen. Weitere Effekte würden auftreten: Wenn wir z.B. in unserer vom Menschen geprägten Landschaft Rehe laufen lassen, verringert sich die Baumarten-Anzahl (und damit Biodiversität) im Wald und die Masse an nachwachsendem Holz geht zurück – ist das nicht ein wichtiger Rohstoff einer nachhaltigen Zukunft? Eventuell tritt irgendwann tatsächlich eine natürliche Regulierung ein – das wäre eine Seuche oder Verhungern durch Nahrungsmangel, doch damit ist in meinen Augen weder den Wildtieren noch uns Menschen geholfen.

    Speziell mit den letzten Sätzen möchte ich an dieser Stelle meiner Verantwortung als Forst-Ingenieur und Jäger gerecht werden und vor zu einseitige Betrachtungen warnen. Wer aktives Töten ohne Kompromiss ausschließt, sollte sich der Konsequenzen auf eine lebenswerte Welt bewusst sein. Zum Leben gehört nämlich auch immer Vergehen dazu, damit Neues entstehen kann.

    • Nathan V.

      Hallo Tobias,

      sehr schön, hier die Perspektive eines Forst- und Jagd-Experten zu lesen. Ich selber konsumiere seit 7 Jahren möglichst nur noch vegane Produkte und ecke in Diskussionen derzeit manchmal bei meinen Umweltschutz- und Naturschutzfreunden an, wegen der Punkte, die du angeführt hast. Mich interessiert nun Folgendes. Tierhaltung zur landwirtschaftlichen Produktion und Landschaftspflege sind für mich die eine Seite. Das, was man sich als Durchschnittsverbraucher in den Einkaufswagen legt, eine andere. Wenn wir industrialisierten Menschen in Deutschland oder Europa nun…

      1. nur noch die Tiere halten, die für eine nachhaltige Wirtschaftsweise nötig sind;
      2. diese aber dann so spät wie möglich töten (z. B. keine gesunden Kälber, Lämmer etc. und ausgewachsene Tiere nicht schon nach 2 Jahren);
      3. und dabei nur so viele Wild-Tiere jagen, wie es mit gutem Willen höchstens nötig ist zur Pflege der Landschaften…

      …Würden dann überhaupt noch nennenswerte Mengen an Milchprodukten für den Massenmarkt produziert?
      …Wieviel kg Fleisch ständen jedem Bürger des Landes im Durchschnitt pro Jahr zur Verfügung?
      …Bliebe überhaupt noch Fleisch für die Menschen hier übrig, da derzeit ja ein große Menge Fleisch, das auch Menschen essen könnten, in Form von Katzenfutter an unsere vielen Hauskatzen verfüttert wird?

      Über Ihre Einschätzung würde ich mich sehr freuen.

    • Hallo Nathan,

      belastbare Zahlen, wie viel kg Fleisch erzeugt werden könnten, kann ich nicht bieten. Wie ich sehe, haben Sie / hast Du weiter oben Ergebnisse einer Greenpeace-Studie vorgestellt. Vielleicht haut das hin, möglicherweise sind die Mengen noch geringer. Klar ist: Mit den aktuellen (durchschnittlichen) Ernährungsgewohnheiten hier in Deutschland hätte auch mein Szenario nichts mehr zu tun. Es passt auch nicht in eine Wirtschaftsweise, die finanzielle Ergebnisse vordergründig bedient, vor menschlichen Bedürfnissen.

      Daher habe ich nichts gegen vegane Gerichte, sondern versuche, mal erfolgreicher, mal weniger, mich selbst überwiegend vegetarisch oder vegan zu ernähren. Es ist eher der absolute Anspruch im Veganismus, mit dem ich nicht mitgehen kann, nicht die grundsätzliche Richtung. Ich würde auf dem Weg früher anhalten.

      Zu den Haustieren: Da bin ich persönlich der Meinung, dass wir sowieso versuchen sollten, deren Anzahl insgesamt zu verringern. Mein Eindruck ist, dass sie vermehrt zur „Nähe“ gehalten werden. Mir wäre es lieber, wenn wir sie durch mehr zwischenmenschliche Kontakte und Nähe erreichen.
      Das ist natürlich eine Paradoxie: Aus Tierliebe viele Haustiere (Katzen/Hunde) halten und denen Fleisch anbieten. (Nein, mit Gemüse würde ich keinen Hund ernähren; doch dadurch steigt natürlich die nachgefragte Fleischmenge.)

  19. Guter Artikel und sehr schön geschrieben. Als Journalisten schätze ich die Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven und die Offenheit Ihrer selbst, sich dem Thema „neu“ anzunähern. Als Tierrechtsaktivistin widerspreche ich den Grauzonen. Wir können über Religion, Politik und persönliche Vorlieben in der Mode über die Farben streiten. Kommt es jedoch zu lebenden Wesen dann ist es egal, ob sie nach 9 Monaten oder 10 Jahren oder 28 Jahren getötet werden. Fakt ist, dass wir für 5 Sekunden Geschmack einem Tier das Leben nehmen. Und das obwohl es keinerlei gesundheitlichen Mehrwert bietet. Im Gegenteil. Am Ende des Tages stehen wir vor einer Entscheidung und warum sollten wir den Bolzenschuss wählen, wenn wir die Tiere stattdessen einfach mit Liebe begegnen und sie leben lassen können.

  20. Julius A.

    Sehr gut geschrieben!!

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