Freiland-Schweine

Freilandhaltung – die Rampensäue

Wer in den vergangenen Wochen und Monaten durch einen größeren deutschen Bahnhof gefahren ist, kennt sie vielleicht: Die Rampensäue unserer Werbekampagne „Massentierhaltung braucht deinen Kontowechsel“. Viele haben nachgefragt, woher die Tiere kommen. Darum möchten wir euch den Züchter unserer „Fotomodelle“, den langjährigen GLS Bank-Kunden Clemens Strohmeyer, und seine Arbeit vorstellen.

Freilandhaltung - Die Rampensäue

Clemens Strohmeyer und die Schweine des Potsdamer Sauenhains sind das perfekte Gegenmotiv zur Massentierhaltung: Der kleine landwirtschaftliche Betrieb hält eine Herde von etwa 200 Tieren. Die Ferkel kommen in einer alten Apfelplantage zur Welt, verbringen dort die ersten Wochen zusammen mit dem Muttertier und leben im darauffolgenden Jahr auf den umliegenden Feldern und Weiden.

Freilandhaltung – jeden Tag suhlen und wühlen

Diese Art der Freilandhaltung ist in der Schweinezucht selten, denn sie ist vergleichsweise aufwändig.  Im konventionellen Mastbetrieb stehen jedem Schwein – zwischen 50 bis 110 Kilogramm schwer – gesetzlich 0,75 Quadratmeter zur Verfügung. Das ist weniger als die Platte eines normalen Schreibtisches. Im Durchschnitt hat ein Betrieb in Deutschland 1.200 Tiere. Die Dumping-Preise, die wir in den Tiefkühltruhen des Einzelhandels vorfinden, sind also die Folge einer Schweinehaltung, die sich an die gesetzlichen Vorgaben hält. Um trotzdem nachhaltig und artgerecht wirtschaften zu können, vermarktet der Potsdamer Sauenhain seine Produkte über einen eigenen Online-Handel und kann so einen höheren Gewinn erzielen.

Schweine sind neugierig. Unter natürlichen Bedingungen verbringen sie 70 Prozent ihrer Aktivitätszeit mit der Suche nach Futter. Im und um den Potsdamer Sauenhain können sie dieser Beschäftigung nach Lust und Laune nachgehen. „Es ist schön, sie im Freiland zu beobachten“, meint Clemens Strohmeyer. „Den ganzen Tag wird gebuddelt!“ Ebenso wie das Wühlen gehört das Suhlen zum Schweinedasein.  Die Tiere genießen jeden Tag ausgedehnte Schlammbäder . Suhlen und Wühlen – beides lässt nur die Freilandhaltung zu.

Die Arbeit können Clemens Strohmeyer und seine Kollegen*innen nur mit kleinen Herden bewerkstelligen. Dafür ermöglicht die weitläufige Weidehaltung den Tieren ein artgerechtes Dasein. Dazu gehört schlussendlich auch eine respektvolle und stressfreie Schlachtung durch eine familiengeführte und biozertifizierte Partnerfleischerei. Sie gewährleistet außerdem, dass alle verwertbaren Teilstücke eines Tieres auch genutzt werden.

„Die GLS Bank unterstützt einen Systemwechsel in der Produktion unserer Lebensmittel, das ist der richtige Ansatz.“

Der Wunsch allein reicht nicht beim Tierwohl

Glaubt man dem Ernährungsreport von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, interessieren sich 86 Prozent der Bundesbürger*innen für artgerechte Tierhaltung. Will man diese umsetzen, braucht es die Bereitschaft, den Mehraufwand an Fläche (also mehr als 0.75 qm pro Tier) zu tragen. Auch das ist Wertschätzung. Warum laut einer Studie der Hochschule Osnabrück lediglich 16 Prozent der Einzelhandelskunden*innen bereit sind, einen grundsätzlichen Aufpreis für zertifizierte Tierwohl-Standards zu zahlen, ist nicht verständlich.

Freilandhaltung 2 - Die Rampensäue

Brauchen wir Fleisch?

Ob wir heute überhaupt noch Fleisch essen müssen, kann kritisch hinterfragt werden. Wenn wir uns jedoch dafür entscheiden, sollten wir eine artgerechte Haltung sicherstellen, die diesen Namen auch verdient.

Der Potsdamer Sauenhain zeigt, dass bei der Fleischproduktion Respekt und Achtung vor Tieren möglich sind. Genau deshalb sind wir sehr stolz auf Clemens Strohmeyer, seine Arbeit und die Protagonisten unserer Werbekampagne: die Schweine vom Sauenhain.  Die Schlachterzeugnisse können Fleischesser*innen online oder vor Ort erwerben.

Diskutiert dazu auch mit uns im folgenden Artikel:

Lasst uns über Tiere sprechen!

 

  1. Martin H.

    Danke für Ihre Antwort. Rein gefühlsmäßig würde ich sagen, je glücklicher das Schwein lebt, desto tragischer ist der bewusst früh herbeigeführte Tod.

    Ich könnte mir vorstellen, dass — bei entsprechender Aufklärung und Kommunikation — es Kunden gibt, die einen höheren Preis und längere Garzeiten akzeptieren würden, wenn dadurch die Tiere länger am Leben gelassen werden.

    Wie sehen Sie das? Könnte man vielleicht einen Teil der Herde unter einer Art „Happy-Life-Span-Premium“-Label vermarkten; mit unterschiedlichen Preisstufen je nach zusätzlich gewährter Lebenszeit?

  2. Martin H.

    Stimmt es, dass Tiere wie Schweine das Bedürfnis haben, während ihrer normalen Lebenszeit nicht getötet zu werden? Also das biologische Prinzip der Selbsterhaltung gilt; ähnlich wie bei uns Menschen?

    In der derzeit durchgeführten kommerziellen Schweinefleischproduktion (konventionell und Bio) liegt das Schlachtalter von Schweinen bei weit unter einem Jahr (z. B. 8 Monate bei eher langsam wachsenden Bio-Rassen). Die natürliche Lebenserwartung des Schweins liegt allerdings bei 8 – 10 Jahren.

    Mich würde interessieren: Sollte Lebensdauer, die wir den Tieren gewähren, mit in die Tierwohlkriterien einfließen? Zum Beispiel als Prozentsatz der zu erwartenden Lebensdauer des Tieres. Die Maßzahl läge dann heute bei 10 % und weniger. Wären 10 % dann schon artgerecht oder sollten es z. B. mindestens 50 sein, um zu unterstreichen, dass wir Menschen es mit dem Respekt und der Achtung vor dem Tier auch wirklich so meinen?

    Auf welche Zahl kommt derzeit der Potsamer Sauenhein und – falls unter 50 % – was würde es kosten, die Zahl auf über 50 % zu erhöhen?

    • Clemens Stromeyer

      Hallo Martin,
      interessanter Gedanke! Schweine können sogar noch älter werden. Im SauenHain werden die Tiere etwa 1 Jahr alt. Das ‚Problem‘ älterer Tiere ist auch (neben dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, die den Preis natürlich um ein vielfaches erhöhen würden), die Zubereitung (vor allem längere Garzeiten).

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