Unser Boden: Basis für Milliarden Lebewesen und Pflanzen

Der Boden, auf dem wir stehen, ist von immenser Bedeutung. Den Planeten Erde umgibt die Erde unter unseren Füßen wie eine Haut. Und diese Haut ist kostbar: Der Erdboden ist die Basis für unsere Ernährung, für alle Pflanzen und für Milliarden Lebewesen.

Ein Gastbeitrag aus dem aktuellen Mondberge-Magazin von Marianne Steinmeyer (GLS Bank).

Regenwürmer, Asseln, Springschwänze, Milben, Bakterien, Glockentierchen, Wimperntierchen und Pilze: In einer Hand Erde existieren über 1,5 Milliarden Lebewesen. Pflanzen können auf Dauer nur wachsen und gedeihen, wenn der Boden gesund und lebendig ist. Der Humus, die Gesamtheit der toten organischen Substanz im Boden, ist entscheidend für die Bodenqualität und beeinflusst alle Bodenfunktionen.

Die Bedeutung von Humus

Humus fördert die Bodendurchlüftung, neutralisiert Giftstoffe, verbessert die Wasserspeicherung, erhöht die Durchwurzelbarkeit und macht die Böden widerstandsfähig. Die Lebewesen in der Erde zersetzen Pflanzenteile und sorgen dafür, dass die Pflanzen die Nährstoffe über ihre Wurzeln aufnehmen können. Der Humus macht den Boden fruchtbar.

Das Zusammenspiel der einzelnen Organismen ist komplex und funktioniert am besten, wenn der Boden möglichst wenig gestört wird. In der intensiven Landwirtschaft verdichten tonnenschwere Maschinen den Boden, Pflüge zerstören die natürlichen Bodenschichten, Kunstdünger und Pestizide vernichten die dort lebenden Mikroorganismen. Versuchsparzellen zur Humusforschung zeigen: Eine einzige Bodenbearbeitung mit dem Pflug kann einen jahrelangen Humusaufbau wieder zunichtemachen.

Klimawandel und Extremwetter

Extremwetter wie langanhaltende Dürren, Starkregen und Orkanstürme nehmen seit Jahren stetig zu. Die Folgen für die Böden sind dramatisch. Bei anhaltender Trockenheit pustet der Wind die obersten, relativ feinkörnigen Schichten einfach weg und Bodenerosion ist die Folge. Bei Starkregen wiederum muss der Boden in kürzester Zeit viel Wasser aufnehmen können. Ein gesunder, lockerer Boden mit natürlichem Bewuchs ist dazu in der Lage, ein degradierter Acker nicht. Auf nacktem, ausgedörrtem Untergrund fließt das Wasser oberflächlich ab, statt in tiefere Schichten einzudringen. Regentropfen, die auf der Erdoberfläche auftreffen, zerschlagen die Bodenteilchen in feine Partikel und reißen sie hangabwärts mit. Wassererosion, also die Abtragung von Boden durch Wasser, ist die Folge. Schlechte Böden verstärken die negativen Effekte des Klimawandels und es kommt mit zunehmenden Wetterlagen zu massiven Ernteausfällen.

Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Nach neuesten Berechnungen könnten wir bereits im Jahr 2026 die 1,5-Grad-Grenze überschritten haben. Weltweit gesehen war das heißeste Jahr bislang 2016. Die globale Durchschnittstemperatur lag damals etwa 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau, das sich auf die Zeit von 1850 bis 1900 bezieht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Rekord bis 2026 gebrochen wird, liege bei 93 Prozent, so die Weltorganisation für Meteorologie.

Der Zustand der Böden

Jedes Jahr verliert die Menschheit etwa zehn Millionen Hektar fruchtbaren Boden. Grund sind vor allem Wind- und Wassererosionen. Auf den betroffenen Ackerflächen werden große Mengen an Boden abgetragen und gehen dadurch unwiederbringlich verloren. Die Folge: Böden werden zunehmend unfruchtbarer und sind irgendwann für den Ackerbau nicht mehr nutzbar.

Bodenerosion zerstört über kurz oder lang eine unserer wichtigsten natürlichen Lebensgrundlagen. Die Böden der Erde können laut einer Studie der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO nur noch für etwa 60 Erntejahre ausreichende Erträge liefern. Dem aktuellen Forschungsstand der Geowissenschaften zufolge werden wir in den nächsten Jahrzehnten die menschliche Gesundheit durch minderwertige Nahrungsmittel ernsthaft schädigen – anhand reduzierter Nährwerte und des Verlustes essenzieller Mineralien. Darüber hinaus werden wir schlichtweg nicht mehr genug Ackerland haben, um Nahrung anzubauen. Ohne eine Änderung der Art und Weise, wie wir das Land bewirtschaften, wird es unmöglich sein, uns zu ernähren.

Der Boden als CO2-Speicher

Im Boden ist mehr Kohlenstoff gespeichert als in der Atmosphäre und der gesamten Vegetation zusammen. Er bildet die zweitgrößte Kohlenstoff-Senke nach den Ozeanen.

Die organische Substanz im Boden besteht etwa zur Hälfte aus CO2. Dadurch kommt dem Boden als Umschlagort von Treibhausgasen eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung der Klimakatastrophe zu. Jährlich entweicht durch Zersetzungsprozesse die zehnfach höhere Menge CO2 aus dem Boden in die Atmosphäre als bei der Verbrennung fossiler Energieträger.

Die moderne Landwirtschaft hat das Gesicht dieses Planeten in wenigen Jahrzehnten stark verändert und gigantische Mengen Kohlenstoff freigesetzt. Großflächige intensive Monokulturen und industrielle Viehzucht sind verantwortlich für 80 Prozent der Entwaldung und 95 Prozent der Moorentwässerung. Sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen stammen aus trockengelegten Mooren – das entspricht in etwa den Emissionen des Flugverkehrs in Deutschland im Jahr 2014. In Mecklenburg-Vorpommern stammen sogar 30 Prozent der gesamten Emissionen des Landes aus entwässerten Mooren.

Um den Klimawandel einzudämmen und unsere eigene Ernährung zu sichern, müssen wir in unsere Böden investieren. Investitionen in die großflächige Wiedervernässung von Mooren und eine regenerative Landwirtschaft, die ökologisch wirtschaftet und sich dem Aufbau von Humus widmet, sind wirksame Instrumente zur Bekämpfung von Versteppung, Bodenerosion und dem damit einhergehenden Verlust landwirtschaftlicher Flächen.

Das leistet ökologische Landwirtschaft

Die intensive Landwirtschaft zerstört unsere Lebensgrundlagen. Wenn wir in 50 Jahren noch Ernten einfahren wollen, ist eine Abkehr von der industriellen Pflanzenproduktion hin zu einer bodenschonenden, humusmehrenden Bewirtschaftung zwingend erforderlich.

Die ökologische Landwirtschaft kann durch die Verwendung von Naturdünger den organischen Kohlenstoff im Boden tief unter der Oberfläche wieder aufbauen und reduziert zusätzlich Treibhausgasemissionen, weil keine chemischen Düngemittel verwendet werden. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt, dass bei ökologischen Landwirtschaftssystemen die CO2-Emissionen pro Hektar bis 66 Prozent geringer sind als bei konventionellen Systemen.

Ökolandbau leistet Bodenschutz, denn ökologische Landbaumethoden schützen nachweislich den Boden, fördern die Humusbildung und das Bodenleben. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit wird dadurch nachhaltig erhöht. Bei einer richtigen Bewirtschaftung kann der Boden uns bei der Reduzierung der Treibhausgase und der Anpassung an die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels unterstützen. Versäumen wir es jedoch, uns um den Boden zu kümmern, könnten sich die mit dem Klimawandel verbundenen Probleme schneller als wir denken verschärfen.

Die Bio-Boden Genossenschaft

Ein Zusammenschluss von Menschen kümmert sich seit 2015 um den Schutz von Böden: die BioBoden Genossenschaft, die Boden davor bewahren will, zerstört oder als Handelsware missbraucht zu werden. Auf Anfrage von Bio-Landwirt*innen kauft die Genossenschaft Flächen und verpachtet diese an sie. Dadurch werden dem Markt sukzessive Böden als Spekulationsmasse entzogen. Die sozial-ökologische GLS Bank ist Gründungspartnerin der Genossenschaft und unterstützt damit die Erweiterung der Bio-Anbaufläche in Deutschland.

Die erworbenen Flächen werden Landwirt*innen zur Verfügung gestellt, die diese nach den strengen Kriterien eines Bioanbauverbandes (Demeter, Bioland, etc.) bewirtschaften. So erreicht BioBoden eine langfristige ökologische Bewirtschaftung des Bodens, mehr Biolebensmittel aus der Region und eine vielfältige Landwirtschaft. Das Beste daran: Jede*r kann mitmachen und durch das Zeichnen von Genossenschaftsanteilen ein Stück Boden gutmachen. Bereits über 6.300 Menschen und Unternehmen haben sich der Idee angeschlossen und gemeinsam rund 4.500 Hektar Boden für 72 Höfe in ganz Deutschland gesichert.

Auszubildende, Trainees und Mitarbeitende der GLS Bank besuchen die BioBoden Gemeinschaft in Rothenklempenow in Mecklenburg-Vorpommern regelmäßig und packen dort eine Woche lang mit an. Sie helfen bei allen klassischen Arbeiten, die auf einem Bauernhof anfallen: Ernte einholen, Unkraut jäten, Essen kochen, Kühe pflegen, Stall ausmisten, Zäune reparieren, ein neues Küchen- und Veranstaltungsgebäude aus Lehm bauen, Leinsamen schippen.

Auf dem Weltacker in Rothenklempenow wird auch die Ackerfläche sichtbar, die theoretisch und rein rechnerisch jedem Menschen auf der Welt zur Verfügung stehen würde: etwa 2.000 Quadratmeter. „Darauf muss wachsen, was uns ernährt und versorgt”, so lautet das Motto dieser Sehenswürdigkeit, die stets von vielen neugierigen Menschen besucht wird.

Wie können wir unsere Böden schützen? Naturnahe Bewirtschaftung von Schrebergärten, Solidarische Landwirtschaft und Urban Gardening – in jeder Stadt gibt es Initiativen, die sich für den Erhalt von Boden und Stadtgrün einsetzen. Grün statt grau – wofür setzt du dich ein?

Passend zum Thema, unser Artikel der Azubi:

Bank trifft auf Bauernhof: Von Kartoffeln, Kürbissen und Körnern


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