Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe

Deutsche Umwelthilfe: „Vor Gericht zählen Fakten“

Schwerpunktthema | Zukunftsmut

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kämpft für die Interessen von Verbraucher*innen, Umwelt und Natur – wenn es sein muss auch vor Gericht. Geschäftsführer Jürgen Resch sagt, was ihm trotz Widerstand die Kraft zum Weitermachen gibt. 

Die DUH kämpft für Klima- und Umweltschutz, auch vor Gericht. Wie schöpfen Sie Mut und Zuversicht dafür?

Vor Gericht zählen Fakten und bestehende Rechtsnormen – nicht das Recht des Stärkeren. Wir bereiten uns gut auf unsere Verfahren vor und haben sehr kompetente Anwältinnen und Anwälte an unserer Seite. So haben wir etwa von den mehr als 40 Verfahren für saubere Luft kein einziges verloren. Gleichwohl erleben wir im Umfeld der Verfahren, dass sich die im Fokus stehenden Unternehmen, aber auch Teile der konservativen Parteien, intensiv darum bemühen, uns Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Es wird etwa versucht, uns an der Veröffentlichung brisanter Daten zu hindern oder unsere Gemeinnützigkeit in Frage zu stellen. Doch auch hier können wir auf die Unabhängigkeit der Gerichte zählen – und auf die zahllosen Unterstützerinnen und Unterstützer, die uns zum Beispiel als Klimaklagen-Patinnen und -Paten zur Seite stehen. Der wachsende Rückhalt aus der Zivilgesellschaft macht uns Mut und bestärkt uns darin, diesen Weg weiter zu beschreiten.

Deutsche Umwelthilfe

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist ein unabhängiger Verein, der sich seit mehr als 50 Jahren für Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz einsetzt. Bekannt wurde die DUH unter anderem durch ihre Rolle im Dieselskandal („Dieselgate“) und durch Klagen für strengere Abgas- und Luftreinhaltevorgaben. Zu ihren Erfolgen zählen auch die Einführung des Dosenpfands sowie erstrittene Gerichtsurteile für eine wirksamere Klimapolitik. Mehr bei der DUH.

Die DUH war kürzlich erfolgreich vor dem Bundesverwaltungsgericht: Die Bundesregierung muss ihr Klimaschutzprogramm justieren. Hilft nur noch der Rechtsweg?

Den Rechtsweg zu beschreiten, ist eine der letzten Möglichkeiten, die wir haben, um politische Prozesse für mehr Klimaschutz als Zivilgesellschaft voranzubringen. Zuvor kommt der Austausch mit den politischen Verantwortlichen, mit der Öffentlichkeit, die Beantragung der Umsetzung und Einhaltung geltenden Rechts. Wir wählen den Rechtsweg nur dann, wenn wir sehen, dass die Bundesregierung trotz der politischen Auseinandersetzung nicht bereit ist, ihre eigenen Gesetze zu befolgen. Für die Regierung ist es ein Armutszeugnis, wenn sie uns zwingt, damit bis zur höchstrichterlichen Instanz zu gehen.

Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Beschluss vom 29. Januar 2026 nicht nur unsere Klagebefugnis als NGO gestärkt, sondern auch die Möglichkeit eröffnet, ein tatsächlich ausreichendes Klimaschutzprogramm per Vollstreckung einzufordern.

Wie gehen Sie bei Ihrer Arbeit mit Gegenwind und Rückschlägen um?

Über die Gemeinnützigkeit von Verbänden wie der DUH entscheiden die zuständigen Finanzbehörden beziehungsweise Finanzgerichte und nicht ein Parteitag. Die Diskussion über die Aberkennung unserer Gemeinnützigkeit und unserer Klagerechte kam verstärkt auf im Kontext unserer Aktivitäten zu Sauberer Luft und Dieselgate. Beim einen haben Behörden jahrelang versäumt, die geltenden Grenzwerte für die Qualität unserer Atemluft sicherzustellen. Beim anderen haben Automobilhersteller mit Rückendeckung des Staates Millionen von Fahrzeughalterinnen und -haltern betrogen und hohe Schadstoffbelastungen, vor allem in Städten, verursacht. Diese Angriffe haben uns viel Unterstützung beschert, das gibt uns immer wieder Kraft. Die brauchen wir auch in der Diskussion um Planungsbeschleunigung, bei der es vor allem um die Beschneidung von Umwelt- und Klimaschutz geht.

Denn die aktuelle Bundesregierung betreibt auf ganzer Linie den Rückbau von Klima- und Umweltschutz. Wir sehen das, wenn es um den Bau neuer Straßen und Autobahnen geht, während die Schiene nach wie vor vernachlässigt wird. Gerade wurden die Eckpunkte eines neuen Heizungsgesetzes bekannt, mit dem der Gebäudesektor seine Klimaziele nie erreichen können wird. Für Mieterinnen und Mieter wird es sehr teuer werden. Die Liste der Beispiele ließe sich beliebig verlängern. Doch nun den Kopf in den Sand zu stecken, ist für uns keine Alternative. Wir wissen, dass es Lösungen gibt, und die werden wir einfordern, notfalls vor Gericht.

Was Angriffe gegen mich als Person anbetreffen: Wir prüfen hier aktuell weitere rechtliche Schritte gegen Hass-Gruppen auf Facebook. Die ständigen, systematischen Gewaltdrohungen gegen Umweltschützerinnen und Umweltschützer und andere gesellschaftlich Aktive sind nicht hinnehmbar.

Zukunftsmut

Um in einer bedrückenden Gegenwart eine gute Zukunft zu gestalten, brauchen wir Zukunftsmut! Die GLS Bank versteht darunter die Fähigkeit trotz Gegenwind entlang der eigenen Werte zu handeln. Wie wir das schaffen? Dieser Frage sind wir in unserem Schwerpunkt mit Mutmacher*innen aus unserer Community nachgegangen.

Der Druck auf NGOs wächst. Wie wichtig ist es, sich mit anderen Akteuren zusammenzutun?

Als DUH haben wir schon immer starke Bündnisse geschätzt, Beispiele sind Initiativen wie Kein Diesel ohne Filter, Tempolimit, böllerciao oder Mieterschutzbund. Natürlich hat die DUH eigene Themenschwerpunkte, mit denen wir uns von anderen Akteuren unterscheiden, und unsere Forderungen sind markant. Das hängt auch mit Effektivität und Arbeitsteilung zusammen. Dass aber unter den Verbänden absolute Solidarität besteht, wenn es beispielsweise um die Gefährdung zivilgesellschaftlicher Strukturen geht, ist unstrittig. Dazu engagieren wir uns in mehreren Dachverbänden, national wie auf EU-Ebene (DNR, T&E, EEB, CAN Europa). Und natürlich stehe ich auch innerhalb der DUH nicht als Einzelkämpfer da, sondern agiere Hand in Hand mit der weiteren Bundesgeschäftsführung Barbara Metz und Sascha Müller-Kraenner.

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