Aysel Osmanoglu

Aysel Osmanoglu: „Es für möglich zu halten, spornt uns an“

Schwerpunktthema | Zukunftsmut

Die GLS Bank spricht im Jahr 2026 über Zukunftsmut. Es geht nicht darum, immer den richtigen Weg zu kennen. Ein Interview mit Vorständin Aysel Osmanoglu.



Wir brauchen die Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten.

Aysel Osmanoglu

Zukunftsmut ist ein Wort, das nicht im Duden steht. Was meint die GLS Bank damit?

Wir verstehen darunter die Verbindung aus Mut und Zuversicht, die auch in unseren Kernwerten „beherzt“ und „zukunftsweisend“ zum Ausdruck kommen. Konkret bedeutet Zukunftsmut für uns, trotz Unsicherheit entlang unserer Werte zu handeln. Das gilt selbst dann, wenn die Gewissheit fehlt, dass das, was wir tun, wirksam sein wird. Es dennoch für möglich zu halten, spornt uns an.

Warum spricht die GLS Bank im Jahr 2026 über Zukunftsmut?

Schon die Gründung einer Bank für das Gemeinwohl in den 1970er Jahren war ein zukunftsmutiger Akt – gegen den Trend und aus Überzeugung für gesellschaftliche Grundbedürfnisse. Zukunftsmut ist seitdem eine Kernkompetenz der GLS Bank. Das bedeutet nicht, dass wir meinen, alles richtig zu machen. Zukunftsmut bedeutet auch, Widerspruch auszuhalten und Positionen offen zu verhandeln. Das ist 2026 wichtiger denn je. Wir selbst haben es gerade erlebt, als wir mit einer Initiative aus der Zivilgesellschaft in den Austausch gegangen sind. So etwas ist anstrengend, lohnt sich aber selbst dann, wenn am Ende nicht alle Bedürfnisse erfüllt werden können. Indem wir uns – trotz gegensätzlicher Perspektiven – verbinden und aufeinander einlassen, können wir einander besser verstehen und daraus für die Zukunft lernen.

Wir brauchen eben keinen naiven Optimismus im Sinne von „Alles wird gut“, sondern die Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Angesichts aktueller Herausforderungen wie Krieg, Rückschritten beim Klimaschutz oder Angriffen auf die Demokratie gibt Zukunftsmut vielmehr eine Antwort auf lähmende Zukunftsangst. Es geht darum, trotz schwieriger Bedingungen gemeinsam auf eine gute Zukunft hinzuwirken.

Welche Rolle spielt Geld in dem Zusammenhang?

Geld ist für mich Ausdruck von Beziehung und Werten. Zukunftsmut braucht beides und kann sowohl das Ergebnis eines bewussten Umgangs mit Geld sein als auch die Voraussetzung dafür. Die Finanzierung eines gemeinwohlorientierten Vorhabens ermutigt unsere Kund*innen in dem, was sie tun. Umgekehrt erfordert der zukunftsweisende Einsatz von Geld Zukunftsmut: Wir als Bank schließen die Finanzierung von Rüstung oder fossilen Energien konsequent aus, selbst wenn das kurzfristig hohe Renditen verspricht oder der Zeitgeist sich dreht. Selbst in der Finanzbildung braucht es Zukunftsmut, etwa wenn wir auf unseren „Lernreisen“ mit Interessierten den individuellen Umgang zu Geld erkunden.

Zukunftsmut lässt sich also erlernen?

Ja. Wenn ich mir bewusst mache, was mir im Leben wichtig ist, kann ich mein Handeln danach ausrichten, auch meinen Umgang mit Geld. Oft beeinflussen Gewohnheiten, Konventionen oder Medien und Marketing unser Handeln. Sich davon abzugrenzen und für das zu entscheiden, was einem wichtig ist, erfordert Mut und Selbstbewusstsein. Je öfter wir im Kleinen mutig handeln, desto selbstverständlicher wird es. Auch wir als Bank versuchen das: Unsere Anlage- und Finanzierungsgrundsätze sind Ausdruck unserer Werte und stellen entsprechendes Handeln im Alltag sicher. Rückhalt gibt uns als Genossenschaftsbank unsere starke Gemeinschaft, die unsere Werte teilt.

Je öfter wir im Kleinen mutig handeln, desto selbstverständlicher wird es.

Aysel Osmanoglu

Zukunftsmut

Um in einer bedrückenden Gegenwart eine gute Zukunft zu gestalten, brauchen wir Zukunftsmut! Die GLS Bank versteht darunter die Fähigkeit trotz Gegenwind entlang der eigenen Werte zu handeln. Wie wir das schaffen? Dieser Frage sind wir in unserem Schwerpunkt mit Mutmacher*innen aus unserer Community nachgegangen.

Wie wichtig ist dabei die Gemeinschaft?

Gemeinschaft ist für mich die Voraussetzung: Zukunftsmut entsteht, indem wir uns gegenseitig anstecken. Beziehung und Unterstützung sind die Basis für nachhaltige Veränderungen. Diese Erfahrung mache ich mit der GLS Bank: Unsere Genossenschaftsbank lebt von der Beteiligung, etwa bei Mitgliederversammlungen, wo gemeinsam Weichen für die Zukunft gestellt werden. Auch unser neu gegründeter GLS Zukunftsrat bringt Perspektiven zusammen und zeigt, wie wichtig Austausch und kollektive Verantwortung sind. Unsere Community aus beeindruckenden Kund*innen, inspiriert uns immer wieder und zeigt, wie viel Kraft im gemeinsamen Handeln steckt. Und ganz aktuell: Mit dem Gutes Morgen Festival, das wir im Juni 2026 erstmals veranstalten, schaffen wir einen Ort, wo wir Menschen zusammenbringen, um gemeinsam neue Ideen und Mut für die Zukunft zu entwickeln. Gemeinschaft ist also nicht nur ein „nice to have“, sondern die Voraussetzung dafür, dass Zukunftsmut wachsen und sich entfalten kann.

Wie machst Du Dir und anderen Zukunftsmut?

Beherzte Entscheidungen gehören zu meinem Alltag, dem kann und will ich nicht ausweichen. Das reicht von einzelnen Kreditentscheidungen bis hin zur strategischen Ausrichtung der Bank. Dabei gibt es immer wieder Situationen, in denen die Zukunft ungewiss erscheint. Mir helfen dabei vor allem das Vertrauen in unsere Grundsätze und Überzeugungen und die Erfahrung, dass Vorhaben gelingen können – wenn wir sie gemeinsam angehen. Zugleich möchte ich mit meiner Arbeit Mut machen – egal ob Kolleg*innen, Kund*innen oder in der Gesellschaft. Ich möchte Orientierung geben, vorangehen und andere dazu inspirieren, selbst mutig zu handeln. Das ist eine Verantwortung, die ich als Bankerin sehr ernst nehme. Mit der GLS Bank haben wir die Möglichkeit und können mit unseren Kund*innen zeigen, wie Geld als gesellschaftliches Gestaltungsmittel eingesetzt werden kann.

Logo für das Gutes Morgen Festival der GLS Bank

Zukunftsmut steht auf dem Programm: Am 6. und 7. Juni veranstaltet die GLS Bank das Gutes Morgen Festival in der Bochumer Jahrhunderthallte. Die Besucher*innen erwarten spannende Zukunftstalks mit u.a. Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck, HateAid-Gründerin Anna-Lena von Hodenberg und Influencer Fabian Grischkat. Music Acts wie Alice Merton und Stina Holmquist sorgen für den passenden Sound. In seiner Biodiversitätsshow vereint Dominik Eulberg Musik mit Wissen. Den Rahmen bilden die Generalversammlung der GLS Bank und eine Nachhaltigkeitsmesse mit GLS Kund*innen wie Ecosia, Voelkel und Greenpeace sowie Workshops und Mitmachangebote. Es gibt eine Streetfood-Meile und Kinderbetreuung. Alle Menschen sind eingeladen: Das Programm ist kostenlos.

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