Eine junge Frau sitzt am Schreibtisch und kalkuliert ihre Finanzen.

Frau achtet auf sich selbst

Junge Frauen machen Schluss mit traditionellen Rollenbildern und priorisieren verstärkt ihre eigene Unabhängigkeit – sowohl emotional als auch finanziell. Genug von nicht anerkannter Care Arbeit, denn Selbstverwirklichung und Finanzwissen sind längst keine „Männerthemen“ mehr. Das Stichwort lautet: Financial Feminism!

Von Jada-Janay Simmons

Selfcare statt Care Arbeit

Heterofatalism, #Boysober und die Male Loneliness Epidemic – auch wenn Social Media nicht gerade dafür bekannt ist, uns mit verlässlichen Informationen zu versorgen, lässt sich vielleicht trotzdem aus so manchem Trend ein Rückschluss auf die Realität ziehen. Spätestens seit TikTok jedem die Möglichkeit bietet, mit ein bisschen Glück tausende Menschen zu erreichen, teilen viele junge Frauen online ihre skurrilsten Erfahrungen aus dem Hetero-Dating und Beziehungsleben. Aber es bleibt nicht bei den lustigen Fremdscham-Geschichten über den einen oder anderen Typen: Sie sprechen von Dating-Burnout, emotional unreifen Männern und dem aufkeimenden Wunsch, ihnen ganz abzuschwören – in anderen Worten: #Boysober zu sein. Zusätzlich macht sich in den letzten Monaten ein weiteres Phänomen bemerkbar. Inmitten eines undankbaren Dating-Markts – überschwemmt mit Apps, die einem die nächste große Liebe versprechen und dann Frösche statt Prinzen liefern – scheint das Leben als junge Single-Frau gar nicht mehr so finster, wie es einem die großen Rom-Coms der 90er und 2000er eingetrichtert haben. Statt einer Beziehung als das ultimative Lebensziel und emotionaler Care Arbeit für den männlichen Partner als Nebenjob lockt die Aussicht auf Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung.

Finanzielle Vorsorge statt männlichem Versorger

Ohne Mann an der Seite eröffnen sich neben der Freiheit von traditionellen Beziehungsmustern aber noch ganz andere Möglichkeiten: zum Beispiel die volle Kontrolle über die eigenen Finanzen.

Zwar hat sich an den verschiedenen Gaps – vom Pay Gap, über den Care Gap bis zum Financial Literacy Gap – noch nicht viel getan. In Deutschland liegen wir zum Beispiel laut Statistischem Bundesamt auch 2025 bei einem Gender Pay Gap von 16 Prozent. Doch Phänomene wie der Gender Financial Literacy Gap oder finanzielle Gewalt durch den Partner bekommen zunehmend größere Aufmerksamkeit. Wo Finanzwissen lange Zeit männlich dominiert war, wächst jetzt der Trend zu Financial Feminism. Die Nachfrage für Zeitschriften, Blogs und Podcasts wächst, parallel weiten immer mehr Banken ihre Angebote auf spezielle Beratung für Frauen aus. Auch die GLS Bank bietet Workshops (zu finden unter Veranstaltungen) und einen eigenen Finanznewsletter für Frauen an (den Du hier bestellen kannst). Das ändert noch keine gesellschaftlichen Strukturen, kann ihre Überwindung aber unterstützen.

Dabei lohnt sich die Investition in die eigene Finanzbildung nicht nur für Frauen, die in Richtung Rente blicken. Gerade junge Frauen verdienen heute durchaus viel Geld und sollten sich daher unbedingt mit ihrer Geldanlage beschäftigen – nicht zuletzt, um langfristig vorzusorgen und finanziell unabhängig zu bleiben. Ein Blick über Deutschlands Grenzen hinaus zeigt: In anderen EU-Ländern wie Belgien, Frankreich und Finnland liegen die durchschnittlichen Stundenlöhne von Frauen unter 25 sogar bis zu 8,3 % über denen ihrer männlichen Altersgenossen.

Gerade junge Frauen verdienen heute durchaus viel Geld und sollten sich daher unbedingt mit ihrer Geldanlage beschäftigen – nicht zuletzt, um langfristig vorzusorgen und finanziell unabhängig zu bleiben.

16%

der Männer leiden unter Einsamkeit und fehlenden engen Beziehungen.

Female Empowerment statt Frauenfeindlichkeit

Gleichzeitig berichten Forschungsinstitute, dass rund 16 % der Männer unter Einsamkeit und fehlenden engen Beziehungen leiden. Die Rede ist von der Male Loneliness Epidemic, einer sozialen und psychischen Gesundheitskrise. Denn während Frauen meist ein Netz aus mehreren emotionalen Bezugspersonen haben, übernimmt diese Rolle bei Hetero-Männern meist die Partnerin. Das bringt uns wieder zurück zum #Boysober Trend.

Was erfolgreiche Schritte in Richtung Gleichstellung sein könnten, befeuert laut Studienlage Radikalisierung und Antifeminismus. Mit einem traditionellen Bild von Männlichkeit – dem starken maskulinen „Versorger“ – und patriarchalen Geschlechterrollen erhalten rechtsextreme Parteien besonders starken Zuspruch bei Männern unter 25. Noch immer werden von Frauen ausgeübte Care Arbeit als Selbstverständlichkeit, Female Empowerment und der Wunsch nach Gleichberechtigung viel zu oft als ungerechtfertigt oder in extremeren Fällen sogar als umgekehrte Unterdrückung der Männer fehlinterpretiert. Dabei funktioniert die Wirtschaft nicht ohne uns Frauen als Arbeitskräfte und schon gar nicht mit Verzicht auf unsere unbezahlte Fürsorgearbeit. Der internationale Frauentag am 8. März und der Frauenstreik am 9. März sollen die Fehler im System gesellschaftlich sichtbar machen. Wir sagen: „Genug!

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