Schafe auf einer Wise mit PV-Modulen - das Bild ist mit Hilfe von KI generiert.

Klimaneutralität: Deutschland kann auf Kurs kommen

Deutschland kann bis 2045 klimaneutral werden – technisch ist der Weg klar. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts zeigt, wie ein Energiesystem auf Basis von Wind, Sonne und Speichern funktionieren kann. Entscheidend sind jetzt aber nicht die Technologien: Wir brauchen politischen Mut, gesellschaftliche Bereitschaft und massive Investitionen in die Energiewende. Wir stellen fünf wichtige Energieprojekte der GLS Bank vor.

Zwei Bauarbeiter auf einem Dach mit PV-Modulen
Eine aktuelle Fraunhofer-Studie beschreibt, wie der Umbau des deutschen Energiesystems und somit die angestrebte Energieneutralität machbar ist.

Elektrifizierung in Gebäude, Verkehr und Industrie

Die aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts veranschaulicht den Weg zur Klimaneutralität in Deutschland bis 2045. Die Kernbotschaft lautet: „Die Erreichung der Klimaziele ist (…) weniger eine Frage technischer oder wirtschaftlicher Machbarkeit, sondern vielmehr eine Frage des politischen Gestaltungswillens und der gesellschaftlichen Bereitschaft zum Wandel.“

Die Studie beschreibt einen tiefen Umbau des deutschen Energiesystems. Technisch ist die Energieneutralität machbar, politisch ist Deutschland nicht auf Kurs.

Laut Fraunhofer ISE führt der kostengünstigste Weg über eine starke Elektrifizierung. Strom wird zur dominierenden Energieform für Gebäude, Verkehr und Industrie. Deutschland muss bis 2045 insgesamt 1.607 Terawattstunden Strom bereitstellen – das wäre gut dreieinhalbmal so viel wie heute. Ein Teil davon wird direkt verbraucht, ein großer Teil fließt in die Herstellung von Wärme und Wasserstoff.

Wind und Sonne tragen das System

Erneuerbare Energien lieferten im ersten Halbjahr 2026 58 Prozent des Stroms in Deutschland – so viel wie noch nie. Das geht aus Hochrechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor. Die Quote liegt fast drei Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Dabei geholfen hat die höhere Stromerzeugung aus Windenergie an Land (+7,0 Prozent) und auf See (+28,3 Prozent); Solarstrom stieg um 3,7 Prozent.

Eine gute Entwicklung – die Erzeugung stärkt die Widerstandsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Je höher der Anteil an Erneuerbaren, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger.

Die Zukunft sieht laut Fraunhofer Institut so aus:

  • Wind hat einen Anteil von 60 Prozent
  • Photovoltaik hat einen Anteil von 30 Prozent.

Auf Jahresbasis entspräche das 965 Terawattstunden Windstrom und 473 Terawattstunden Solarstrom. Zusammen würden Wind und Photovoltaik damit 90 Prozent der Stromerzeugung liefern.

Damit das gelingt, müsste die installierte Leistung beider Techniken stark wachsen. Die Studie rechnet bis 2045 mit 308 Gigawatt Windkraft (heute ca. 80 GW) und 470 Gigawattpeak Photovoltaik (heute ca. 120 GW). Fossile Energieträger würden nicht mehr importiert; stattdessen blieben Importe von Wasserstoff sowie synthetischen gasförmigen und flüssigen Energieträgern nötig.

Je höher der Anteil an Erneuerbaren, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger.

Was ist eine Dunkelflaute?

Dunkelflaute bezeichnet in der Energiewirtschaft eine Wetterlage mit geringer Sonneneinstrahlung und Windstille und dadurch einer geringen Stromerzeugung aus Photovoltaik- und Windenergie. Eine Dunkelflaute kann bei gleichzeitiger hoher Stromnachfrage zu hohen Strompreisen oder sogar zu einem Unterangebot – im schlimmsten Fall zu einem Stromausfall – führen.

Dunkelflauten überbrückbar

Dabei blendet die Studie die kritischen Phasen für so ein Energiesystem nicht aus. Sie greift direkt die Debatte um Dunkelflauten und Versorgungssicherheit auf. Die Autor*innen zeigen sich überzeugt, dass Dunkelflauten durch ein „kombiniertes System aus Netzverbund, Speichern, flexibler Nachfrage und ergänzenden gesicherten Erzeugungskapazitäten zuverlässig überbrückt“ werden können.

Ganz ohne Reserven kommt das System nicht aus. Das Fraunhofer ISE veranschlagt rund 400 Gigawattstunden Kurzfristspeicher aus stationären und mobilen Batterien sowie Pumpspeichern. Hinzu kommen 120 Gigawatt Back-up-Kapazitäten für Strommangelphasen. Dann sollen Speicher entladen, Strom importiert und Wasserstoffturbinen oder Gaskraftwerke mit klimaneutralen Gasen einspringen.

Fünf große Energieprojekte der GLS Bank

Das Projekt Bollingstedt Ecostor

… ist ein großer Batteriespeicher in Schleswig-Holstein mit 103,5 MW Leistung und 238 MWh Speicherkapazität. Er ging 2025 in Betrieb und gilt als einer der größten Batteriespeicher Deutschlands; er kann rechnerisch rund 170.000 Mehrpersonen-Haushalte für zwei Stunden versorgen. Die Anlage dient dazu, Strom aus Wind- und Solarenergie zwischenzuspeichern und bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen. Dadurch hilft sie, Stromschwankungen auszugleichen, die Netzfrequenz zu stabilisieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Das Projekt auf Fehmarn

… ist ein Repowering bestehender Windparks: Alte, kleinere Anlagen werden durch deutlich leistungsstärkere neue Windräder ersetzt, damit auf derselben Fläche mehr Strom erzeugt werden kann. Konkret betrifft das Vorhaben die Windparks Fehmarn-Mitte I und II. Dort sollen 24 neue Anlagen mit zusammen 136,8 MW installiert werden; die Inbetriebnahme ist für Herbst 2027 geplant. Das Ziel ist, mit weniger Anlagen mehr Energie zu erzeugen und dabei aktuelle Abstands- und Umweltvorgaben einzuhalten.

Das Projekt Wagenfeld-Süd

… ist ein Bürgerwindpark im Diepholzer Land, bei dem derzeit sieben Windenergieanlagen gebaut werden. Es handelt sich um ein regional getragenes Ausbauprojekt mit starker Bürgerbeteiligung und lokaler Wertschöpfung. Die genehmigten Anlagen haben jeweils 5,56 MW Nennleistung; zusammen kommt der Windpark auf rund 39 MW Gesamtleistung. Die Inbetriebnahme ist für Herbst 2026 vorgesehen.

Die Solaranlage Friedland Rosdorf

… ist eine 80-Megawatt Photovoltaik-Freiflächenanlage im interkommunalen Gewerbegebiet der Gemeinden Friedland und Rosdorf, südlich von Deiderode. Die Anlage entsteht auf einer Fläche von rund 63 Hektar und versorgt mit dem erwarteten Jahresertrag 24.000 Haushalte. Das Projekt gilt als Leuchtturm für gemeinsame Flächenentwicklung und kommunale Wertschöpfung.

Der Bürgerwindpark Hohenlohe

… entsteht am Standort Krautheim-Oberginsbach. Die Bürgerwindpark Hohenlohe GmbH plant die Errichtung und den Betrieb von zwei Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 11.120 kW. Durch das Vorhaben soll der Bestandswindpark „Stachenhausen“ durch zwei weitere Windenergieanlagen ergänzt werden. Gemeinsam werden die Anlagen 23,6 Mio. kWh Strom pro Jahr erzeugen – genug um rund 7.000 Haushalte zu versorgen und jährlich etwa 9.200 Tonnen CO2 einzusparen. Das Bautagebuch mit vielen Bildern berichtet über den aktuellen Baufortschritt.

Hinweis der Redaktion: Das Titelfoto ist ein Adobe-Stock-Bild und mit KI generiert.

Menschen und Musikverein feiern die Einweihung des Schenkwindrads Gnannenweiler.

Wie Erlöse aus einer Windenergieanlage in der Region bleiben, erzählen wir anhand der Geschichte eines Schenkwindrads. Es steht im Kreis Heidenheim zwischen Stuttgart und München und dreht sich für die Menschen vor Ort. Denn der Erlös fließt in eine Heidenheimer Klinik.

Auch Sie möchten in die Energiewende investieren? Informieren Sie sich über die Angebote der GLS Bank.

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4 Kommentare zu „Klimaneutralität: Deutschland kann auf Kurs kommen“

  1. Avatar von Matthias Vollmer
    Matthias Vollmer

    Spätestens seit dem 1971 von Nicholas Georgescu-Roegen veröffentlichen Buch „The Entropy Law“ wissen wir, dass die Idee des Grünen Wachstums den Gesetzen der Thermodynamik widerspricht. Weder Umweltschäden noch Ressourcenverbrauch lassen sich vom Bruttoinlandsprodukt entkoppeln.

    Daraus folgt, dass jede technische Entwicklung, sofern sie sich durchsetzt, nicht zu einer Verringerung von Umweltschäden und Ressourcenverbräuchen führt sondern zu einer Erhöhung, sofern – und das ist ganz wichtig – es nicht vorher oder spätestens parallel zu einer Verringerung des Konsum- und Verbrauchsniveau kommt; also einer Anpassung der Lebensstile.

    Davon ist in diesem Artikel natürlich keine Rede.

    So reiht sich dieser Artikel ein in die unzählige anderer, die einer blinden Technik-Utopien folgen, die letztendlich die „Herrenreiter-Idiologie“ (Oliver Decker „Warum die Deutschen die Wirtschaft so lieben“) fortführt.

    Eine Idiologie, die sich übrigens durch alle Parteien zieht, von ganz links bis ganz rechts.

    1. Avatar von Silke Bender
      Silke Bender

      Lieber Matthias Vollmer, vielen Dank für Deine Perspektive auf das Thema!
      Beste Grüße aus Bochum

    2. Avatar von Akebinko
      Akebinko

      Nachvollziehbar. Allerdings ist es nicht verwunderlich, dass die bekannten Parteien von rechts bis links nucht thematisieren. Parteien, die „das Ende der Party“ ohne positive Alternativperspektive bieten, werden (wenn es sie denn gibt) kaum gewählt, schon gar nicht über 5%. Daher sieht man sie nicht.
      Sie können so auch nichts beeinflussen, weshalb manche Parteien vielleicht pragmatisch bleiben, um wenigstens etwas in Richtung Ökologie zu bewirken.
      Mein Fazit ist, dass jeder sowieso für den eigenen Konsum verantwortlich ist und den steuern kann. Das eigene Vermögen ist die entscheidende Wahlstimme im Wirtschaftssystem.

      1. Avatar von Matthias Vollmer
        Matthias Vollmer

        Ich stimme dir zu, dass die Politik völlig machtlos ist. Folgender Bemerkung stimme ich jedoch nicht zu: „um wenigstens etwas in Richtung Ökologie zu bewirken.“
        Es ist ja gerade der Witz an der Sache, dass technische Innovationen das Gegenteil dessen bewirken, was von ihnen erwartet wird.

        Befassen wir uns mal mit folgender Aussage: „Je höher der Anteil an Erneuerbaren, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger.“
        Dies wird einfach so behauptet. Schaut man genauer hin, zeigt sich ein anderes Bild.

        Wichtig ist stets, sich alle materiellen, finanziellen und psychologischen Rebound-Effekte anzuschauen.

        Materielle Rebound-Effekte sind jegliche Flächen- Ressourcen- und Energiebedarfe, die durch Herstellung, Transport, Wartung, Entsorgung der Anlagen entstehen sowie all der Flächen- Ressourcen- und Energiebedarfe der Speicher- und Transporttechnologien.
        Beispiel Windkraft: Eine Anlage mit einer Leistung von zwei bis fünf Megawatt an Nennwertleistung hat einen Mast von 130 Metern. Die Turbine einer solchen Anlage hat die Masse eines Einfamilienhauses. Für den Aufbau werden Kräne benötigt, gegen die Leopard-Panzer Spielzeuge sind. Um sie dahin zu befördern, müssen Wege angelegt werden, die halb so breit sind wie eine Autobahn — die verschwinden auch nicht wieder. Da wird zwar nichts asphaltiert, aber die Verdichtung des Bodens durch das ungeheure Gewicht ist irreversibel. Und dabei haben wir noch nicht über Kupfer, Carbon, Beton und vor allem Coltan geredet.

        Schauen wir uns noch die Rotorblätter genauer an: diese bestehen aus Plastikverbundstoffen, die quasi nicht recycelbar sind. Schätzungen des Umweltbundesamts zufolge werden bis 2030 jährlich rund 30.000 Tonnen Rotorblattabfälle anfallen. In den 2030er-Jahren könnte die Menge auf bis zu 50.000 Tonnen im Jahr anwachsen. Bei PV-Anlagen sieht es ähnlich aus, auch diese verschleißen nach spätestens 30 Jahren und sind nicht oder nur unter enormen FLächen- Ressourcen- und Energieaufwendungen recycelbar (Beispiel für zeitliche Verlagerung) und das im Übrigen niemals ohne Verluste! (Oliver Schlaudt von der Uni Koblenz hat ein lesenswertes Buch geschrieben: Zugemüllt. Eine müllphilosophische Deutschlandreise)

        In die Herstellung von Photovoltaikanlagen fließt übrigens nach wie vor auch fossile Energie ein, weil die Verarbeitung des benötigten Siliziums extrem hohe Prozesstemperaturen erfordert, die auf Basis regenerativer Energien nicht erzielbar sind. Ähnliche Fragen wirft die Windenergie auf: Erfolgt die Verarbeitung der hierzu erforderlichen Materialien lückenlos mittels erneuerbarer Energie? Insoweit diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, scheitert erneuerbare Energie am Kriterium der Eigenreproduzierbarkeit.

        Übrigens steigt der Verbrauch fossiler Brennstoffe weiter, weil immer mehr im Netz bestellt wird und der welweite Güterverkehr komplett von fossilen Energieträgern abhägig ist.

        Akkus enthalten
        Lithium
        Kobalt
        Nickel
        Mangan
        Grafit.

        Allein für diese fünf Stoffe könnte man ein Buch über die Umweltzerstörung bei deren Abbau schreiben. Von den Flächen- Ressourcen- und Energiebedarfen beim Recyling will ich gar nicht erst anfangen.

        Das heißt, beim Versuch, die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen zu reduzieren, steigen die Bedarfe und Abhängigkeiten an seltenen Erden, strategischen Metallen und Lithium usw.

        Finanzielle Rebound-Effekte entstehen ganz einfach dadurch, dass JEDE technische Entwicklung (EE, verbesserte Kreislaufwirtschaft, höhere ökologische Effizienz) zu einer technologischen Beschleunigung führt, was zu einer ökonomischen Beschleunigung führt (das BIP steigt), dies wiederum führt zu einer sozialen Beschleunigung (die Löhne steigen) und das führt zur Steigerung der Nachfrage nach Konsum. Es geht also um die Frage: Was machen wir denn eigentlich mit der Energie aus PV- und Windkraft, wenn sie dann so vermeintlich grün daher kommt? Man nutzt sie! Zum Beispiel für Wärme in Wohnräumen. Aber auch: Zur Herstellung und zum Betrieb von Autos, Flugzeugen, Schiffen und für sämtliche industriellen Produktionsprozesse (zur Herstellung allerhand Konsumprodukte, die wiederum woraus bestehen?). Diese wiederum benötigen jedoch nicht nur Energie (für deren Herstellung und Nutzung), sondern auch Material. Endliches Material. Metalle, Mineralöl, seltene Erden, die wiederum gefördert und aufbereitet werden müssen.

        Das alles sind übrigens keine Argumente GEGEN Wind- und Solarenergie und auch keine Argumente FÜR fossile Brennstoffe. Aber die Frage der Technik ist mindestens zweit- wenn nicht drittrangig. Entscheidet ist eine Reduzierung von Flächen- Energie- und Ressourcenverbräuchen, also um angepasste Lebensstile. Es geht also um kulturelle und nicht technische Veränderungen.

        Von all dem wollen die Hoheprister des Fraunhofer Instituts und anderen Instituten aber nichts wissen.
        Das ist modernes magisches Denken.

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