Neue Leitstände für grünen Strom

Klimaneutral werden bis 2035 – Utopia ist nah!

Klimaneutral werden bis 2035? Ja, Europa hat ein stärkeres Klimaziel, Deutschland seines gerade übererfüllt. Also alles gut? Mitnichten. Noch immer fehlt ein Weg, um die Erderwärmung unter zwei Grad, besser auf 1,5 Grad zu halten. Erst dann werden die gravierendsten Folgen der Erderwärmung vermieden. Wie die Theorie in die Praxis umgesetzt wird, wird die zentrale Frage im Wahljahr sein.

Die Möglichkeiten sind da: Schon 2035 könnten wir es geschafft haben. Das hat 2020 erstmals eine Studie von Fridays for Future, Wuppertal Institut und GLS Bank gezeigt.

Mehr dazu auch im Video unseres Vortrags vom 9. Dezember 2020. Die Fragen aus dem Chat der Teilnehmer*innen beantworten wir darunter.


Was sind zentrale Ergebnisse?

  • Wenn wir nicht wollen, dass die Erderwärmung über 1,5 Grad steigt, müssen wir aufhören, Treibhausgase zu emittieren. Je früher das gelingt, desto besser. Deutschlands aktuelle Klimaziele findest Du hier.
  • Die Forscher*innen haben die Bereiche, die 90 Prozent der Emissionen ausmachen, analysiert: Verkehr, Industrie, Energie, Bauen.
  • Weniger und besser: Eine Verkehrswende mit 30 Mio. weniger Autos, keine Inlandsflüge und ausschließlich klimafreundliche Antriebe. Sinnvolle Mobilität dank ÖPNV, Sharing und Home Office.
  • Viel mehr Energie aus Wind und Solar, zudem grüner Wasserstoff.
  • Klimaneutrale Fabriken, Kreislaufwirtschaft und ein CO2-Preis, der hoch genug ist, um echte Lenkungswirkung zu entfalten.
  • Unsere Gebäude müssen saniert (4% pro Jahr, derzeit 1%) und unsere Heizungen nachhaltig betrieben werden.
  • Mehr Infos findest Du hier.

Klimaneutral – Und was kann ich tun?

Mich informieren, über meine Lebensweise nachdenken und dabei auf die Hebel achten. Beispiel Heizenergie haben einen viel größeren Effekt als das Vermeiden von Plastiktüten. Der CO2-Rechner des Umweltbundesamts bietet eine erste Übersicht über den eigenen CO2-Fußabdruck. Danach kann ich an den wichtigen Stellschrauben drehen, vor allem Energie, Wärme, Mobilität.

Ich kann meinen Konsum anpassen und bei Unternehmen Nachhaltigkeit einfordern.

Meinen Abgeordneten den Klimaschutz nahe bringen, egal wo. Ich kann ihnen die Studie zukommen lassen, fragen wie wir klimaneutral werden sollen, Ankündigungen auf ihre Klimawirkungen abgleichen. Wenn ich mehr Infos brauche, werden Fridays for Future und viele andere nachhaltige Akteure Impulse liefern (wir natürlich auch).

Sebastian Grieme von Fridays for Future meint: „Wir müssen anfangen, Maßnahmen vom 1,5-Grad-Ziel her zu denken und endlich über die notwendigen Maßnahmen zur Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad reden. Genau das macht die Studie des Wuppertal Instituts möglich.“

Was sollte die Politik tun?

Wichtig wäre ein angemessener CO2-Preis. Dann würde es für Unternehmen teurer, Kohlenstofdioxid (CO2) in die Atmosphäre zu pusten. Die Forscher erklären, dass ein hoher Preis automatisch alle klimaneutralen Schlüsseltechnologien günstiger machen würde. Windräder stünden besser da als Kohlekraftwerke, E-Autos besser als Diesel und die Bahn besser als Flugzeuge. Ab 2021 werden in Deutschland 25 Euro pro Tonne emittierter CO2 fällig. Für eine echte Klimawirkung müsste der Preis viel höher sein, Experten sprechen von bis zu 180 Euro pro Tonne.

Die große Koalition hat zu wenig für den Klimaschutz in Deutschland getan. Die EU hat immerhin den Green New Deal angestoßen, um Europa klimaneutral zu machen. Leider spiegelt sich das etwa in der Agrarpolitik nicht wider.

Nun ist Zeit für EURE FRAGEN aus dem Onlinevent. Stellt gern weitere Fragen in den Kommentaren! Wir werden die Antworten hier laufend ergänzen.

„Wurde die Studie begutachtet (Peer Review)?“
Die Studie wurde vorab mehreren Wissenschaftler*innen aus namhaften Institutionen vorgelegt. Weitere Informationen dazu findet Ihr in der Studie.

„Gibt es Zusammenhang zum Buch ‚Handbuch Klimaschutz‘? Gibt es eine Meinung zu German Zero?“
Der in der Studie verfolgte Budgetansatz unterscheidet sich von demjenigen des „Handbuchs Klimaschutz“ insofern, dass die Studie keine Aktivitäten außerhalb Deutschlands einbezieht. Dadurch arbeitet die Studie mit einem geringeren Gesamtbudget, welches von gleichen Pro-Kopf-Emissionsbudgets weltweit ausgeht.
Sofern es möglich sein sollte, die Aktivitäten anderer Länder substanziell zu unterstützen, ließe sich damit entweder der inländische Pfad moderater gestalten oder aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, tatsächlich unter einer Erwärmung von 1,5 °C zu bleiben.

„Aussage in der Studie: ‚Um das 1,5 Grad Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% zu erreichen, bleibt Deutschland… ab 2020 noch ein Restbudget von 4,2 Gt CO2.‘ Wie kommen Sie auf 50%ige Wahrscheinlichkeit?“
Diese Wahrscheinlichkeit basiert auf Aussagen des „Weltklimarates“ IPCC, der für verschiedene globale CO2-Budgets wahrscheinliche Temperaturentwicklungen angibt. Für eine höhere Wahrscheinlichkeit, unter einer Temperaturerwärmung 1,5 °C zu bleiben, würde sich das verbleibende Budget nochmals stark reduzieren.

„Was passiert wenn wir in eine ‚Heißzeit‘ kommen?“
Ein Abgleiten in einen neuen Zyklus, bei dem unser Planet über Jahrtausende dann zwischen sehr heißen und warmen Zeiten pendelt, steht der jüngeren Erdgeschichte gegenüber, wo wir zwischen Eis- und Warmzeiten pendelten. Das Einhalten der 1,5-°C-Grenze zielt darauf ab, diese Dynamik zu vermeiden, um „nur“ mit schwerwiegenden, aber nicht das Gesamtsystem zum Kippen bringenden Veränderungen umgehen zu müssen. Eine Heißzeit wird umso wahrscheinlicher, je mehr Kippelemente des Erdsystems überschritten werden. Oberhalb einer Erwärmung von 1,5 °C steigt dieses Risiko stark an.
Der Bericht des IPCC zum Vergleich von 1,5 °C und 2 °C veranschaulicht deutlich, dass es schon in diesem Temperaturbereich sehr große Unterschiede gibt – lange bevor eine Heißzeit eintreten würde. Unter anderem steigt die Anzahl und Intensität von Hitzewellen in Mitteuropa stark an und die Niederschläge werden deutlich unregelmäßiger, was zu mehr Überschwemmungen, Erosion und Missernten führen dürfte.

„Wäre es nicht konstruktiver, sich auf Asien zu fokussieren, wo etwa 90% der Emissionen entstehen, anstatt hier immense Ressourcen zu verbrauchen?“
Zunächst: Für fast die Hälfte der CO2-Emissionen sind China, die USA und Indien verantwortlich. Zudem müssen Deutschland und die EU ihrer eigenen Verantwortung gerecht werden, damit sie zweitens bei anderen Akteuren Klimaschutz einfordern können und drittens sind über die globalen Lieferketten die Verursacher ohnehin verwoben. Deutsche Konzerne produzieren in Asien, deren Produkte wir hier konsumieren.

„Gibt es Berechnungen zu (nicht nachhaltigen) CO2-Einsparungen aufgrund der Corona-Pandemie?“
Gerade erschienen von Agora Energiewende. Außerdem vom „Global Carbon Project“. Grund für Entwarnung besteht aber nicht, meint die UN.

„Wurden die Emissionen der vorgelagerten Wertschöpfungskette in der Studie einkalkuliert (Ausbau Windenergie On- & Offshore, Photovoltaik, ÖPNV, E-Mobilität, Gebäudesanierung, Wasserstoff, etc.)? Wird der Umbau zur klimaneutralen Wirtschaft nicht selbst zu viele Emissionen verursachen?“
Die Emissionen sind implizit enthalten, da der Aufbau neuer Anlagen aus den Materialien der Grundstoffindustrie erfolgt. Die Gesamtbedarfe an Materialien haben wurden geschätzt und die Annahme getroffen, dass auch bei dem Umbau insgesamt nicht mehr Grundmaterialien wie Stahl, Basischemikalien und Beton benötigt werden als aktuell. Diese werden über die Zeit hinweg dann (weitgehend) klimaneutral produziert werden.

„Woher soll der grüne Wasserstoff kommen. Allein Thyssen-Krupp will 2030 750.000 t pro Jahr.“
Wasserstoff sollte mindestens zu einem Teil innerhalb Deutschlands mithilfe erneuerbarer Energien produziert werden [70-90 GW], wozu es Produktion plus entsprechendes Netz bedarf. Zudem müssten grüner Wasserstoff importiert und andere Lösungen genutzt werden (Suffizienz, Power to X u.ä.).

„Was sollten ersten konkreten Schritte für 2021 sein?“
Die Emissionen müssen bereits in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren extrem sinken. Die Klimaziele der aktuellen Bundesregierung weichen vom 1,5 Grad-Pfad deutlich ab, weshalb der nächsten Bundesregierung eine ganz entscheidende Bedeutung zukommt. Es müssen rasch Rahmenbedingungen geschaffen werden, die nachhaltiges Handeln einfach und kostengünstig machen, klimaschädigendes Handeln hingegen unattraktiv und teuer. Dazu gehört ein wirksamer CO2-Preis genauso wie die Abschaffung von klimaschädlichen Subventionen sowie Effizienzvorschriften und soziale Innovationen. Dabei müssen Kosten und Nutzen des Wandels sozial ausgewogen verteilt werden.

VERKEHR

„Warum wird so wenig über über die so extrem umweltschädlichen Auswirkungen der E-Mobilität gesprochen? Was ist mit der Entsorgung der Akkus?“
Die Studie plädiert für eine Wende mit 50 Prozent weniger Autos, keinen Inlandsflüge mehr, keinen neuen Fernstraßen. Dafür doppelt so viel ÖPNV, bessere Rad- und Fußwege. Es stimmt, dass seltene Erden problematisch sind (auch für Smartphones oder Laptops). Mindestens die Hälfte muss recycelt werden, es wird kräftig geforscht an einer höheren Quote (siehe hier, hier).

„Welchen Anteil haben die weltweiten militärischen Bereiche (Industrie, Verkehr, Flugzeuge, etc..)?“
Durchaus signifikant, allein das US-Militär kommt auf einen höheren Ausstoß als viele Länder (siehe hier, hier).

BAUEN

„Welche Alternativen gibt es für Gas- und Ölheizungen?“
Die Studie schlägt Wärmepumpen, solarthermische Kollektoranlagen oder grüne Nah- bzw. Fernwärme vor. In der Industrie lassen sich Heizsysteme elektrifizieren. Wo sich Anlagen nicht austauschen lassen, müssen sie synthetisch versorgt werden. Empfehlungen etwa hier und hier).

„Wie kann CO2, welches in der Zementproduktion freigesetzt wird, sinnvoll gebunden werden?“
Zum einen durch CCS (Carbon Capture and Storage) an den Zementöfen. Und auch darüber, dass der Beton einen Teil des CO2 wieder aufnehmen kann, wenn er entsprechend behandelt wird. Ansonsten sind hier Strategien notwendig, die insgesamt zur Erreichung von Negativemissionen eingesetzt werden – unter anderem das Ausfiltern von CO2 aus der Luft (Direct Air Capture) plus CCS, und die Kohlenstoffbindung in Pflanzen und Böden, z. B. durch überlegte und standortsangepasste Aufforstung, Humusaufbau, Moor-Wiedervernässung etc..

„Gibt es heute schon anwendbare CCS-Prozesse?“
Es werden bereits erste Projekte umgesetzt, z.B. in der Nordsee und auf Island. Je nach Prozess besteht noch Weiterentwicklungsbedarf. In den nächsten fünf Jahren werden wir hier große Entwicklungen und großtechnische Anwendungen sehen. Zu beachten ist dabei, dass die Art der Endlagerung je nach geplanter Lagerstätte sehr unterschiedlich ist, bzgl. Stabilität, Kosten und Erfahrungsstand.

ENERGIE

„Wie wahrscheinlich ist es, dass der deutlich erhöhte Strombedarf letztendlich klimafreundlich nur durch das Wiederanfahren der Atomindustrie möglich wird?“
Viele Befürworter sind leider immer noch Befürworter. Offiziell scheint das Thema aber abgeschlossen (Beispiel 1, Beispiel 2), allerdings nicht in anderen Ländern. Aufmerksamkeit erfährt derzeit Fusionstechnik. Aber mit dem Ausbau der erneuerbaren und besseren Speichermöglichkeiten wird sich die Wende immer mehr lohnen.

GLS Bank

„Gibt es bei der GLS Belohnungen für Kreditnehmer*innen, wenn diese ihre Klimabilanz verbessen?“
Wir erfassen mit unseren Kund*innen deren Klimawirkung (siehe auch hier) und begleiten sie dabei, sich zu verbessern. Wir zeigen Lösungen auf und vermitteln Partner*innen aus unserem Netzwerk. Das wird zu weniger Energieverbrauch und mehr Effizienz führen. Letztlich steigern die Unternehmen durch mehr Nachhaltigkeit ihre Resilienz, was sich letztlich im Zugang zu Krediten widerspiegelt. Wir haben für jede Branche Zukunftsbilder erarbeitet, um die nachhaltige Wirkung der GLS Gemeinschaft zu stärken. Die Transformation wird eine Schlüsselaufgabe der nächsten Jahre sein (mehr im Bankspiegel „Transformation“).

„Warum werde keine Konten angeboten, die CO2 kompensieren?“
Das 1,5-Grad-Ziel lässt sich nicht durch Kompensation erreichen. Wir müssen sie drastisch reduzieren als Gesellschaft, als Unternehmen, als Individuen. Darum stellen wir lieber sicher, dass die Gelder unserer Kund*innen nur gemäß dem 1,5-Grad-Ziel verwendet werden. Dazu haben wir eine Wirkungsmessung eingeführt. Sie wird uns helfen, Unternehmen auf ihrem Pfad zur Neutralität zu begleiten.

Mehr unter gls.de/wirkung

Weitere spannende Blogbeiträge zum Thema Klimaschutz.

  1. Jennifer Anders

    Erstmal ein großes Dank für diesen Beitrag! Ich bin von dieser Studie begeistert und freue mich sehr über jede mögliche mediale Verbreitung ihrer Ergebnisse.

    Ich habe nur einen technischen Wunsch an das IT-Team der GLS: Beim Livestream vom 9. Dezember 2020 hatte ich von meinem Android-Telefon ständig Probleme das Video zu laden und ab der Hälfte des Streams, lud nach langem Laden das Video nur ohne Ton. Daher musste ich den Stream doch leider ganz abbrechen. Daher freue ich mich das Video nun endlich – am Stück – ohne Verbindungsprobleme durchschauen zu können. Vielleicht könnte man beim nächsten Livestream-Event eine höhere Serverkapazität nutzen.

  2. Matthias Donath

    Wie schätzt Ihr den von Hans-Werner Sinn vertretenen Standpunkt ein, dass der Wechsel zu erneuerbaren Energien, speziell Solar und Wind, vollständig gar nicht möglich sei, da die naturbedingt stets fluktuierende Energiegewinnung (zeitweise geringere Sonneneinstrahlung, Windflauten) stets Ausfälle bedeuten, die die benötigte, konstante Versorgung nicht gewährleisten können, da Speichertechniken, die Überschüsse aus einer rein grünen Energieproduktion bewahren und nutzbar machen könnten, absehbar nicht zur Verfügung stehen, so dass Fossil- und Atomkraftwerke als konstantes Back-Up erhalten werden müssten?

    • Julian Mertens

      Zu einer ganzheitlichen Wende gehören mehr Effizienz (insbesondere bei Wärme), weniger und intelliegenter Verbrauch. Wasserstoff erhält eine signifikante Rolle ebenso wie die Sektorkopplung (Wärme, Strom, Verkehr, usw.). Bei Strom steigt der Anteil der Erneuerbaren stetig an, vergangenen Sommer machten sie 100 Prozent aus, trotzdem ist das Netz schon heute sehr robust. Natürlich muss es ausgebaut und flexibler werden. Der BEE schreibt: „Heute verfügen wir über preiswerte dezentrale Kurzzeitspeicher, die bereits vielfach in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen installiert werden und deren Preis weiter sinken wird. Außerdem stabilisieren Großspeicher im Megawatt-Maßstab die Netze. Im Energiesystem der Zukunft werden somit genügend Möglichkeiten vorhanden sein, um eine verlässliche Stromversorgung dauerhaft zu gewährleisten.“ Die Herausforderung wird in der Studie dennoch deutlich, da sie Importe als erforderlich erachtet.

  3. Kann das sein, dass nirgendwo German Zero e.V. erwähnt wurde? Aber deren Ansatz ist doch genau das, was hier so oft gesagt wurde: Der Hebel zur CO2-Reduktion liegt in der politischen Betätigung statt in der Vermeidung von Plastiktüten. Fokus muss also die Bundestagswahl sein statt das eigene Einkaufsverhalten. Jeder kann mitmachen: http://www.GermanZero.de
    (Und GLS Bank Kunde sind die übrigens auch.)

  4. Es scheint mir gegen die Kompetenz und Qualifikation des WI zu sprechen, dass sie zu „parallelen und vielfältigen in allen Sektoren erforderlichen Maßnahmen“, den großen Komplex (natürlicher) CO2-Senken außer Acht lassen. Dass sie in der Studie und in den Vorträgen keine Rolle spielen ist schlimm genug, dass Sie aber noch dazu auf die entsprechenden bereits gestellten Fragen und Ergänzungen bisher nicht eingegangen sind, spricht gegen Ihre so dringen erforderliche ganzheitlich, komplex und vielfältige Realisierung der Herausforderungen des 1,5 Grad Ziels.

    Ausgerechnet auf der Website von Apple fand ich dazu heute zufällig eine sehr griffige Formulierung: „Wir reduzieren Emissionen nicht nur so weit wie möglich, sondern investieren auch in natürliche CO? Speicher wie Wälder, Feuchtbiotope und Grassavannen, …“ Mehrfach hatte ich auch Leute von der GLS auf den programmatisch zu begreifenden Titel von Ute Schaub hingewiesen: „Die Humusrevolution – Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“ bzw. ihr Manifest* zum Thema. Erst und nur in Ergänzung zu den Chancen von Renaturierung und Wiederbefeuchtung von Biotopen und Aufforstung, erhalten wir die Möglichkeit das 1,5 Grad Ziel zu erreichen.

    Die Studie, die Vorträge und Ihr Beitrag sind kümmerlich, viel zu mechanistisch und technikzentriert und verfehlen damit Ihr selbstgeatztes Ziel an Ambition, Komplexität und Vielfalt der erforderlichen Maßnahmen bei weitem.

    * http://www.humusrevolution.de/manifest/

    • Bettina Schmoll

      Hallo Michael,
      in der Studie wurden bewusst nur vier zentrale Sektoren beleuchtet. Daher ist es kein umfassender Ansatz, sondern ein bewusst fokussierter. So wurde auch die Landwirtschaft nicht beleuchtet, ohne die ein 1,5°C-Ziel ebenfalls nicht erreichbar ist. Du hast recht, natürlich funktioniert am Ende nur ein Zusammenspiel aus CO2-Vermeidung und den CO2-Senken und ein ganzheitlicher Ansatz.
      Viele Grüße
      Bettina Schmoll

  5. Eine wirklich tolle Arbeit, die mit dieser Studie vollbracht wurde. Wir brauchen mehr von solchen faktenbasierten Argumentationsgrundlagen!

    Allerdings beschäftigt mich aktuell auch stark die Frage, wie wir die ganze Thematik des Klimawandels mehr in die Breite der Bevölkerung bekommen. Ja, es gibt schon viele, die „auf den Zug aufgesprungen sind“. Aber es gibt in meiner Beobachtung noch viel mehr Menschen, die – gedankenlos – noch nicht wirklich die Zeichen der Zeit erkannt haben. Wie erreichen wir diese Menschen?
    –> Ich versuche aktuell, einige dieser Menschen (Einsteiger & Fortgeschrittene im Themenkomplex Klimawandel) über meinen neuen Blog zu sensibilisieren. Dort greife ich regelmäßig verschiedene Themen auf und verlinke auch auf meine „Nachhaltigkeitsfavoriten“, z.B. die GLS Bank, Naturstrom, Ecosia etc.

    Schaut doch gerne mal in meinen Blog (https://klimaschutzjetzt.wordpress.com/) rein und teilt ihn, wenn er euch gefällt. :-)

  6. Hallo Bettina,

    Danke für deine Antwort. Allerdings hatte ich ja schon zitiert, dass Ihre Studie „parallele und vielfältige in allen(!!!) Sektoren erforderlichen Maßnahmen“ umfassen will. Dieser zur Schau getragene Anspruch taucht schon in den Zusammenfassungen mehrfach auf. Z. B.: „Die Studie zeigt, dass ein klimaneutrales Energiesystem bis 2035 zwar sehr ambitioniert, aber grundsätzlich machbar ist –­ sofern alle(!!!) aus heutiger Sicht möglichen Strategien gebündelt werden.“

    Meine Kritik, die du in deiner Antwort erneut verschleppst, bezieht sich auf den Mangel zentraler Strategien, die auch du offenbar bewusst weiter ignorieren willst: „Wenn wir nicht wollen, dass die Erderwärmung über 1,5 Grad steigt, müssen wir aufhören, Treibhausgase zu emittieren.“ Nein, wenn wir nicht wollen, dass die Erderwärmung über 1,5 Grad steigt, müssen wir in Ergänzung zu schneller Reduzierung von Treibhausgasemissionen durch agrarökologische LW und Renaturierung effektive Klimagassenken wie Humusaufbau, Aufforstung und Wiederbefeuchtung von Biotopen schaffen. Die für ein Institut wie das Wuppertaler so typische Fokussierung auf (groß)industrietechnische Probleme und Lösungen, droht dagegen die ebenfalls angesprochene „breite Zustimmung der Gesellschaft“ zu verfehlen, weil sie nicht reflektiert und aufgreift, wie sehr z. B. Humusaufbau Arbeit, Leben, Lebensqualität, Artenschutz, Einkommen, Gesundheit, Unversehrtheit und vieles mehr, erzeugen würde. (vergl. a.: http://www.humusrevolution.de/manifest/ & https://www.fuehlenunddenken.de/leserbriefe/warum-wir-krisen-brauchen/#sdfootnote3sym )

    Auch in Bezug auf das Thema Mobilität ist die Studie in diesem Sinne ungenügend: Nach relativ einfacher Rechnung würden z. B. in Hamburg durch 80 % weniger PKW:

    7 x so viele Leute im Vergleich zu heute mobil sein! –

    auf 20 % weniger Fläche – die Werte lassen sich gegeneinander verschieben; brauchen/sollen z. B. nur 2 x so viele Leute oder gleich viel wie heute mobil sein, ließe sich entsprechend (viel) mehr Fläche z. B. für Begrünung oder Wohnraum gewinnen

    mehr als 50 x so sicher für die eigene Person und noch mehr für andere Leute zu Fuß und mit Fahrrad

    durch erheblich sauberere, Luft, weniger Feinstaub, Stickoxyde, Lärm u. a viel weniger Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen bzw. Parkinson, Demenz und Infektionen

    in der Summe durch mehr frische Luft, Bewegung, begrünte Wege u. a. Stressminderung und Gesundheitsförderung – Mobilität wird also zu einem Faktor, der viel mehr Krankheit, Verletzung und (vorzeitigen) Tod vorbeugt und verhindert, als er umgekehrt verursacht! –

    etwa 75 % weniger Microplastik heutiger Emission durch Reifenabrieb oder Fahrbahnmarkierungen

    Möglichkeit von z. B. rund 12 000 neuen Wohnungen allein durch 80 % weniger Parkhäuser

    Grundwasserschutz, Schutz vor Überschwemmung und Überhitzung durch erheblich weniger Flächenversiegelung bzw. durch Renaturierung von diesen

    erheblich weniger Ressourcenverbrauch von Mineralöl, Beton, Alphalt bzw. Sand u. a.

    u. a.

    Vergl.: https://www.fuehlenunddenken.de/2018/04/21/weniger-pkw-mehr-autonomie-mobilitaet-und-verkehr/

    Viele Grüße, Michael

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