Der Wirtschaftsteil Nr. 221 – Gastbeitrag von Franziska Köppe zum Thema Arbeit

Es geht um Arbeit und Sinn, also um eine manchmal heikle Kombination. Wir haben diesmal Franziska Köppe gebeten, die Links zusammenzustellen.

Ihre Linksammlung:

Hier, wo Geld Sinn macht, macht es natürlich auch Sinn, mal über sinnvolles Wirtschaften laut nachzudenken. Ich bin eingeladen (Danke!), Euch auf meine „Reise des Verstehens“ mitzunehmen. Wie aus dem Wirtschaftsteil gewohnt, tue ich dies, in dem ich Gedanken anderer mit eigenen remixe und etwas Neues daraus entsteht. Ist es nicht das, worum es bei Sinn geht? Die Dinge in (unseren) Kontext zu stellen, zu prüfen und damit zu koppeln? Oder eben nicht? Wobei wir schon beim Thema sind:

Es ist leicht eingefordert, dass Arbeit Sinn stiften soll. Beschäftigen wir uns näher damit, merken wir, dass das gar nicht so trivial ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Da ist zunächst die Tatsache, dass Sinn etwas ganz Individuelles ist. Sinn hat mit unserem Erfahrungsschatz, mit unserer Intuition und mit dem Kontext zu tun, in dem wir uns bewegen. So wird auch klar, dass wir anderen keinen Sinn stiften können. Dahinter steht für mich das grundlegende Weltbild des aufgeklärten, selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Menschen.

Wollen wir aufbauend auf diesem humanistischen Ansatz auf sinnvolle Weise unser Geld verdienen, müssen wir konventionelle, makro- wie mikro-ökononomische Grundannahmen hinterfragen. Die kluge Frage ist: Wie wollen wir leben und arbeiten? Was ist mein Beitrag? Denn – und das ist der Silberstreif am Horizont: Firmen als Systeme lassen sich sehr wohl gestalten und so Sinn ins Arbeitsleben tragen. Um uns die Zusammenhänge klar zu machen, ist für mich der generische Ansatz der Firmen-DNA von Gebhard Borck das beste Denkmodell. Die Firmen-DNA beschreibt allgemeingültig den sozial-genetischen Code einer jeden Organisation anhand der beiden Stränge Firma (= Betrieb, Genossenschaft, …) und dem / den Menschen.

Menschen gestalten ihre Firma über das Geschäftsmodell. Die zum Umsetzen der Geschäftsidee zu erfüllenden Aufgaben brechen sie in eine Arbeitsorganisation herunter. Sie definieren Rollen, die sie ausfüllen. Und Prozesse und Strukturen, die die Wege beschreiben, wie sie kommunizieren und unternehmerische Entscheidungen treffen. Das ist der Unternehmens-Strang der Firmen-DNA. Hinreichend bekannt, ein alter Hut. Die Wendung: Dem Firmen-Strang steht in der Firmen-DNA stets der einzelne Mensch gegenüber. Der Mensch-Strang der Firmen-DNA ist geprägt von seinem Lebensentwurf, seiner gesellschaftlichen Position und seinen Rollen. Und seiner bevorzugten Art und Weise der Kommunikation und Entscheidungsfindung. „Die Ausgestaltung spielt eine entscheidende Rolle, je nachdem, ob und wie viel Intelligenz, Flexibilität sowie Treue ein Geschäft von den Mitarbeitern erwartet.“ Gebhard Borck

Warum erzähle ich das? Nun, verknüpfen wir diese Kenntnisse mit dem oben erarbeiteten humanistischen Menschenbild, wird uns klar: Situativ entscheidet der Einzelne, inwieweit er an die Firma ankoppelt, ihr neutral gegenüber steht oder anfängt – aus Überzeugung – gegen das System zu arbeiten. Machen wir uns nichts vor. Gerade von letzterer Sorte gibt es viele in konventionell geführten Unternehmen. Diese fühlen sich nämlich „von Idioten umzingelt„. Geld vermag einen Teil der mangelnden Sinnkopplung zu kompensieren – doch nicht dauerhaft, und erst recht nicht, wenn ich Freude an der Arbeit und Sinn für mein Tun empfinden möchte.

Nehme ich die Menschen ernst und wünsche ich mir, die Intelligenz der Mitarbeitenden für die Firma zu gewinnen, verändert sich die Rolle des Chefs und auch der Mitarbeiter. Dann heißt es, zuzuhören, Sinn zu thematisieren. Den Mitarbeitern Entscheidungen nicht abzunehmen, ihnen ihre Entscheidungen jedoch klar zu machen und sie von ihnen einzufordern. Dazu muss ich zu einem gewissen Teil die Wirklichkeit des anderen verstehen — ohne sie zu werten oder den Anspruch zu hegen, des anderen‘ Wahrheit teilen zu müssen. In Demut anzuerkennen, dass es keine objektive Wahrheit gibt, ist nicht leicht.

Unser Gehirn funktioniert wie ein Türsteher: Fakten, die uns nicht passen, bleiben draußen. Da laufen selbst Fortgeschrittene in Sachen Arbeitswelten Gefahr, sich ihrer eigenen Filterblase nicht bewusst zu sein. Das heißt, auch den Fake News im eigenen Unternehmen mit einem gesunden, kritischen Geist zu begegnen. Das passt dann auch gut zur allgemeinen gesellschaftlichen Debatte.

Sinnvoll Wirtschaften erfordert also, mir über meine grundlegenden Annahmen bewusst zu werden. Mir selbst und im Spiegel der Gemeinschaft. Für eine Firma bedeutet sinnvoll Wirtschaften, miteinander offen in Dialog zu treten. Und schließlich an den Widerständen zu arbeiten. Für diese Widerstände Lösungen zu entwickeln – gemeinsam mit den Menschen. Dann braucht man auch keinen Spaß an der Arbeit verordnen. Sondern lebt mit sich und der Firma im Einklang. Und wir hören (endlich!) auf, Arbeit als Schicksal zu begreifen, sondern fangen schlicht damit an, sie humanistisch zu gestalten.

Wie das in der Praxis aussehen kann, davon berichte ich demnächst hier. Ich war für die GLS-Kooperative auf Forscherreise.

Seid wandelmutig und bleibt neugierig,

Franziska

franziska köppeFranziska Köppe ist Gründerin und Moderatorin von EnjoyWork, ein dem Gemeinwohl dienenden Unternehmen für Lebens- und Arbeitswelten mit Zukunft. Sie begleitet Menschen, Firmen und Events dabei, in der Welt gesehen und verstanden zu werden. Ihre zentrale Frage lautet: Wie begeistere ich Menschen so für ein Projekt oder eine Vision, dass sie ihre Ideen, ihre Zeit, ihr Engagement gern für eine gemeinsame Sache einsetzen? So unterstützt sie Menschen aller Branchen und Disziplinen in einer wandelmutigen Gestaltung ihrer Firmen-DNA.

Titelbild: (CC BY 2.0) von Takashi.M / Work

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