Zusammenarbeit: „Einfach mal loslassen“

Zusammenarbeit: „Einfach mal loslassen“

Derzeit werden in der GLS Bank neue Formen der Zusammenarbeit erprobt. Dazu Aysel Osmanoglu und Verena von der Heide im Gespräch mit Falk Zientz.

Habt Ihr ein bestimmtes Konzept oder eine Theorie für die Zusammenarbeit in der Bank?

Verena von der Heide: Wir haben zwar vieles gelesen und uns angehört. Aber es ist auch klar: Erst im Tun können wir bewerten, wie wir unterwegs sind. Eine Mitarbeiterin sagte neulich: „Das Bild entwickelt sich erst in der Zusammenarbeit.“ Wenn das im gemeinsamen Tun konkret wird, dann zeigt sich: Passt das wirklich zu den Menschen? Wer bringt welche Ideen ein? Und welche Methoden sind dazu die richtigen?

Aysel Osmanoglu: Was wir gemeinsam lernen müssen ist, dass wir in Zeiten von Un-sicherheit die Verantwortung nicht nach oben delegieren, sondern direkt und selbstver-antwortlich handeln. Aus der Perspektive der Führungskräfte bedeutet das: Wenn es schwierig wird, sich dann nicht automatisch auf die hierarchische Position zurückzuziehen, sondern die Mitarbeiterschaft in der Eigenverantwortung zu stärken. Das zu lernen, ist eine echte Herausforderung. Aber die Entscheidung an den Vorgesetzten zu delegieren, ist meist nicht die sinnvolle Lösung, sondern selbst aktiv zu werden.

Wann wurde das zum großen Thema in der Bank?

AO: Im Laufe des letzten Jahres, ganz besonders auf unserer Managementklausur im Juli 2019 mit 50 Führungskräften — da haben wir das Thema bewusst gesetzt. Danach kamen immer mehr Fragen: Wie können wir das konkret angehen?

VvH: Dann war klar: Der Vorstand meint das ernst und hat selbst schon losgelegt. Wenn jetzt irgendwo in der Bank an neuen Strukturen gearbeitet wird, dann kann es nicht mehr um den Aufbau von Hierarchien, sondern nur noch um den Abbau gehen.

Wie geht es jetzt weiter?

VvH: In allen Ressorts der Bank laufen jetzt Experimente, mit Kolleg*innen, die ganz praktisch ins Tun kommen wollen. Ein Team etwa stellte fest: „Wir brauchen keine Teamleitung mehr.“ Deshalb überlegten wir: Was sind derzeit unsere Aufgaben? Welche müssen formell noch bei einer Führungskraft liegen? Wie können wir alles sinnvoll aufteilen? Mittlerweile hat sich das Team auf den Weg gemacht und wird hoffentlich zum Vorbild für andere. In solchen Prozessen ist es sehr wichtig, die Menschen immer wieder zu bestärken und das Ganze ins Bildhafte zu bringen.

AO: Was weiter passiert, ist nicht vorhersehbar. Wesentlich ist die Erfahrung als Führungskraft: Wenn ich loslasse, dann entsteht Mut auf der anderen Seite. Und als Loslasserin kann ich viel Neues lernen!

Das klingt sehr herausfordernd!

VvH: Wesentlich ist, einen Vertrauensraum herzustellen. Wenn das gelingt, dann sind das so schöne Momente! Dann wird erlebbar, wie erfüllend eine gelingende Zusammenarbeit sein kann. Dafür verstehe ich mich als Mutmacherin.

AO: Welches Potenzial wir haben, ist bei jedem Neujahrsempfang zu sehen: Was da alles aus der Mitarbeiterschaft auf die Bühne kommt — vom Chor über Modern Dance, Kabarett, Orchester, Band bis hin zum DJ. Alles nebenbei selbst organisiert. Da denke ich mir: Diese Leidenschaft und Energie könnten unsere Kund*innen noch viel mehr erleben, wenn unser Rahmen in der Bank nicht so eng wäre. Aber es ist echt cool, wenn wir lernen, in dieser Art frei und dynamisch zusammenzuarbeiten.

Aysel Osmanoglu, im Vorstand zuständig für Organisation, Infrastruktur und Mitarbeiterentwicklung

Verena von der Heide arbeitet im Team „Neue Formen derZusammenarbeit“ und begleitet Veränderungsprozesse.

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Ein Artikel aus dem GLS Kundenmagazin Bankspiegel zum Thema „Neu denken – So geht Transformation“. Diesen und viele andere spannenden Artikel finden Sie im Blog. Alle Ausgaben des GLS Bankspiegel als PDF finden Sie unter: https://www.gls.de/bankspiegel/.

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