Holz: Hightech vom Großvater

Abfallfrei bauen, klimaneutral und gesund wohnen — dazu gibt es altes Wissen. Thoma Holz will damit die Bauwirtschaft transformieren.

„Erst heute begreifen wir, wie zukunftsweisend unsere Großeltern gewirtschaftet haben“, so Erwin Thoma. „Ihre Häuser bauten sie vollkommen abfallfrei und für Jahrhunderte. Weder zum Heizen noch zum Kühlen brauchten sie globale Ressourcen. Eine unglaubliche Kreativität — aus der Not heraus.“ Sein Großvater Gottlieb Brugger baute als Zimmermann im Salzburger Land Blockhäuser im alpinen bäuerlichen Stil. „Er übte großen Einfluss auf meine Denkweise aus“, sagt Thoma heute. Thoma selbst war zunächst Revierförster im Karwendel. Dann gründete er 1990 sein eigenes Holzbauunternehmen. Ein Anlass war eine Holzleimallergie in der Familie: „Ich wollte für meine Familie das gesündeste und beste Wohnhaus bauen.“ Für ihn naheliegend, vertraute er dabei ganz auf das reine Holz, also ohne Holzschutz und Klebestoffe.

Um den Holzbau wieder neu in die Welt zu bringen, genügte jedoch das alte Wissen nicht: „Die Anforderungen an die Wohnqualität sind deutlich gestiegen. Außerdem würde heute die Handarbeit, die früher geleistet wurde, niemand mehr bezahlen.“ Also begann Thoma seine langjährige Forschungsarbeit. Mit dem Erfahrungswissen, das er in den ersten Jahren sammelte, machte er dann eine ganz entscheidende Erfahrung: „Ich wollte das alles in einem Buch veröffentlichen. Mein Steuerberater riet mir aber dringlichst davon ab, weil es sonst auch andere Unternehmen nutzen könnten.“ Diese betriebswirtschaftliche Sicht war ihm jedoch zu eng. „Ich wollte etwas zurückgeben.“ Einige Zeit später geschah eine Überraschung: Aus Japan meldete sich eine Delegation buddhistischer Mönche an, aus einem jahrhundertealten Holzkloster. Durch das Buch hatten sie von Thoma erfahren und wollten nun seine Arbeit kennenlernen. Bei ihrem Besuch interessierten sie sich sehr für die Forschung. „Zum Abschied sagte mir der Abt, dass sie meine Arbeit unterstützen wollen. Mir war nicht ganz klar, wie sie das meinten.“ Aber bald kamen Aufträge für Holzbauten aus Japan  — und damit finanzielle Möglichkeiten, ein Forschungszentrum einzurichten. „In den 90er-Jahren war hierzulande noch kaum jemandem die Relevanz von Holzbau klar. Umso wichtiger waren die Menschen aus einer fremden Kultur, die uns verstanden haben“, so Thoma. Er selbst lernte daraus: „Wenn Du wirklich gibst, dann kann etwas zurückkommen.“

Als Ergebnis der langjährigen Entwicklungsarbeit setzt die Thoma Holz GmbH mittlerweile die handwerklichen Traditionen in einer industriellen Fertigung fort. „Was der Opa früher von Hand aus dem Stamm gehauen hat, das macht jetzt der Roboter“, sagt Thoma. Mehr als 2.000 Häuser hat das Unternehmen bereits gebaut, darunter ein siebengeschossiges Holzhotel mit Swimmingpool auf dem Dach, ein Bürogebäude mit über 6.000 Quadratmetern und das Filmarchiv Austria, wo die Temperaturschwankungen ganzjährig nicht mehr als zwei Grad betragen dürfen. Die Heiz- und Kühlkosten betragen trotzdem null Euro, wie in jedem Thoma-Haus. Denn das Massivholz wirkt wie eine natürliche Klimaanlage. Für Thoma ist das von globaler Relevanz: „Das macht Atomkraftwerke überflüssig und kann die Kriege um das Erdöl beenden.“ Die Zementindustrie verursacht global etwa acht Prozent der Treibhausgasemissionen. Umgekehrt bindet jeder Baum, der in ein Haus eingearbeitet ist, dauerhaft eine große Menge an CO2, als Beitrag gegen die Klimakrise. Wie sieht es aber mit den Kosten aus? „Es gibt nichts Wirtschaftlicheres als echten Holzbau“, ist sich Thoma sicher. Die Baukosten seien zwar etwa zehn bis 15 Prozent höher, „aber das ist bereits nach fünf Jahren wieder reingeholt, weil viele Betriebskosten und sämtliche Heizkosten wegfallen.“ Eine Garantie auf 50 Jahre gibt es außerdem. Zumindest die erste Generalsanierung kann man sich also auch sparen.

Kein Zufall also, dass Thoma Holz und die GLS Bank eng kooperieren. Dazu Benedikt Altrogge, Branchenkoordinator Wohnen der GLS Bank: „Wir bringen das Thema Holzbau aktiv in unsere Kundengespräche ein. Für viele ist das der erste Anstoß, über alternative Baustoffe nachzudenken.“ Umgekehrt empfiehlt Thoma seinen Kunden die GLS Bank zur Finanzierung — nicht im Rahmen eines kommerziellen Vertriebsmodells, sondern als Kooperation auf Gegenseitigkeit. „Wir haben die gleiche Philosophie und die gleichen Werte“, so Thoma. Das stellten auch GLS Kolleg*innen im letzten Herbst auf einem Partnertreffen mit den über 100 Handwerkern fest, die Thoma-Häuser in allen Regionen aufbauen.

Auf einer Klausur der GLS Führungskräfte erzählte Thoma vom Ökosystem Wald und von der Kommunikation zwischen Bäumen: „Wir Menschen können nur gewinnen, wenn wir die Weisheit der Bäume anerkennen und bereit sind, von deren intelligenten Konzepten zu lernen.“ Sein Unternehmen zeigt, dass dies möglich ist.

[button link=“https://blog.gls.de/bankspiegel/der-bankspiegel-2020-1/“ color=“green“]Zurück zum Bankspiegel 2020/1 Inhaltsverzeichnis[/button]

[green_box]Ein Artikel aus dem GLS Kundenmagazin Bankspiegel zum Thema „Neu denken – So geht Transformation“. Diesen und viele andere spannenden Artikel finden Sie im Blog. Alle Ausgaben des GLS Bankspiegel als PDF finden Sie unter: https://www.gls.de/bankspiegel/. [/green_box]

Filmtipp

Filmemacher Erwin Wagenhofer (Let´s Make Money) zeigt in seinem Film „But Beautiful“, dass ein „anderes“ Leben möglich ist. Unter anderem berichtet er über Erwin Thoma, den Förster, der die gesündesten Häuser der Welt entwickelt. Mehr Infos

Diesen Artikel teilen

3 Antworten zu „Holz: Hightech vom Großvater“

  1. Avatar von Anna

    |

    Es ist schon richtig: Unsere Großeltern haben ökologisch noch ganz gut gehandelt. Die Boomer-Generation hat dann, größtenteils ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein, unseren Planeten ausgeraubt. Nun heißt es, schnell umzusteuern. Wir bauen unser Haus auch aus Schnittholz und verwenden umweltfreundliche Dämmmaterialien. Ich wünsche der Firma eine gute Zukunft. Wir versuchen uns erstmal alleine an dem Projekt.

  2. Avatar von Achim Pilz

    |

    Lieber Herr Zintz,

    ein hoffnungsvoller Artikel. Doch die Details stimmen nicht alle.
    Sie schreiben „die Heiz- und Kühlkosten betragen trotzdem null Euro, wie in jedem Thoma-Haus.“
    Das kann nicht sein. Ein Thoma-Haus ist kein Passivhaus und selbst die brauchen Strom. Gerne kann ich Sie bei allen Themen der zukunftsfähigen Architektur unterstützen.

    Herzlich
    Ihr Achim Pilz

    1. Avatar von Rouven Kasten

      |

      Hallo Herr Pilz, Erwin Thoma antwortet wie folgt:

      Ja, natürlich brauchen unsere Häuser auch Energie, da zur Heizung oder Kühlung zumindest eine elektrische Pumpe benötigt wird. Was aber den Unterschied ausmacht:

      Bei üblichen Passivhaus geht es darum, durch extrem dicke Wärmedämmung den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Das kann man mit entsprechendem Kostenaufwand auch relativ weit treiben und Energieverbräuche auf bis zu 10% der herkömmlichen Werte reduzieren. Bei unseren Holz100 Häusern geht es einerseits darum, den Passivhausstandart ohne Wärmedämmung, nur durch die Holzkonstruktion zu erreichen. Andererseits wird die notwendige Energie nicht aus dem Netz geholt, sondern von der Sonne, die auf das Dach scheint. Das klingt grundsätzlich für jedes Haus sinnvoll, hat aber die Herausforderung, dass die Sonne oft dann nicht scheint, wenn man gerade Energie braucht, etwa an kalten Tagen. Hier kommt die besondere Holz100 Konstruktion zum Tragen. Wir können in unseren Wänden und Decken bis zu einem Monat (!) Wärmeenergie oder im Sommer auch Kälte zum Kühlen speichern. Dadurch wird es möglich, die Zeitversetzung des Energieeintrages der Sonne so zu regeln, dass die Häuser tatsächlich vollkommen energieautark ganzjährig beheizt und gekühlt werden können. Das geht bei herkömmlichen Passivhäusern dezidiert nicht. Ganz abgesehen davon, dass herkömmliche Häuser durch die exorbitant eingesetzte Bauchemie wahre Sondermülldeponien sind.

      Wir können also jedem Bauherren vollkommene Energieautarkie in diesem Sinn anbieten. Natürlich gibt es auch immer wieder BauherrInnen, denen diese Möglichkeit – leider – egal ist. Die nehmen dann unsere Bauelemente und kombinieren sie mit herkömmlicher Haustechnik. Das tut mir jedes Mal leid, besonders dann wenn es unnötigerweise immer noch fossile Energiequellen in unseren Häusern gibt. Aber am Ende entscheidet halt der Bauherr und Investor. In Summe sehen wir aber gerade in der letzten Zeit ein stark wachsendes Interesse an den thermischen Möglichkeiten unserer Bauweise. Der Anteil der 100 % energieautarken Bauten steigt stark.

      Herzliche Grüße, Erwin Thoma

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere aktuelle Themen