Bio-Kantine: Ein Projekt mit Vorbildcharakter

Unsere Ernährung beeinflusst in hohem Maße unser Klima. Der ökologische Fußabdruck unseres Ernährungssystems ist enorm – dementsprechend groß sind die Einsparpotenziale von Treibhausgasemissionen, wenn das Angebot in Kantinen auf regionale, saisonale und überwiegend pflanzliche Bio-Kost umgestellt wird.

Die meisten Menschen essen außer Haus: Egal ob Kita, Schule, Mensa, Altersheim, Krankenhaus oder Betriebskantine – die flächendeckende Umstellung auf pflanzliche, frisch zubereitete Menüs bieten ad hoc mehr CO2-Potenziale als die Verkehrswende.

Zu viel Salz, zu viel Fett, zu viel Zucker

Die Probleme ungesunder Ernährung sind seit Jahrzehnten bekannt, doch die Lebensmittelindustrie zwingt uns Essgewohnheiten auf, die krank machen. Weltweit sterben jedes Jahr elf Millionen Menschen an den Folgen ungesunder Ernährung: zu viel Salz, zu viel Fett, zu viel Zucker (siehe dazu “Ungesunde Ernährung ist der größte Risikofaktor der Welt” auf www.sueddeutsche.de). „Schlechte Ernährung ist für mehr Todesfälle verantwortlich als jeder andere Risikofaktor auf der Welt“, erklärt Christopher Murray von der Universität Washington (siehe dazu “Deutlich mehr Todesfälle durch Corona” auf www.zeit.de). Folgeerkrankungen, Übergewicht und Fettleibigkeit belasten die Gesundheitssysteme, hemmen Kinder in ihrer gesunden Entwicklung und machen Menschen arbeitsunfähig. Die externen Kosten für die Gesellschaft lassen sich kaum beziffern, dennoch hält sich hartnäckig das Argument „Bio-Essen ist zu teuer“.

Die GLS Kantine: ein fortlaufender Prozess

Die GLS Kantine hat sich vor neun Jahren auf den Weg gemacht, alle Potenziale voll auszuschöpfen. Sechs Angestellte in Teil- und Vollzeit denken und optimieren fortlaufend den Prozess im Einkauf, in der Zubereitung und kreieren auch den Speiseplan immer wieder neu. Denn nicht nur die Anpassung von Rezepturen, auch die Art der Zubereitung, Portionsgrößen, Vermeidung von Verpackungsmüll und die Reduzierung von Lebensmittelabfällen bieten Möglichkeiten, massiv Emissionen einzusparen.

Bio-Kantine: Ein Projekt mit VorbildcharakterDabei sollen die Menüs nicht nur gesund, sondern auch lecker sein und den Geschmack von möglichst vielen Mitarbeitenden treffen. Das Angebot aus 100 Prozent Bio-Lebensmitteln wird so gestaltet, dass es nie eintönig wird und neben altbewährten Lieblingsgerichten immer wieder Neues auf den Teller kommt. Die angebotenen Menüs sind vegan und vegetarisch, maximal ein- bis zweimal pro Woche wird eine Fleischbeilage angeboten, für 1 bis 1,50 Euro Preisaufschlag. Während der Pandemie blieb die Kantine durchgehend geöffnet, um die Menschen, die nicht im Home Office arbeiten können, mit gesundem Essen zu versorgen. Mitarbeitende können sich in Mehrwegboxen ein oder mehrere Portionen mitnehmen, als Entlastung für Familien im Home Schooling oder als gesundes Abendessen.

Beratend zur Seite stehen

Das gute und klimafreundliche Essen der GLS Kantine hat sich inzwischen in Bochum und darüber hinaus herumgesprochen. 2021 gab es mehrere Beratungsgespräche mit dem Schauspielhaus Bochum, das sich in direkter Nachbarschaft befindet. Die Kantinenleitung der GLS Bank stand beratend zur Seite, als es um die Einrichtung und Umsetzungskonzepte im Schauspielhaus ging, wo ab 2023 eine nachhaltige Kantine eingeführt werden soll.

Die Umstellung auf nachhaltige Kantinen ist ein wichtiger und notwendiger Schritt Richtung Klimaneutralität. Schätzungen zufolge zählen deutsche Kantinen 2,24 Milliarden Besucher*innen jährlich. Von einem ausgewogenen Speiseplan mit Bio-Lebensmitteln würden am Ende alle profitieren: die Unternehmen (weniger krankheitsbedingte Ausfälle), die Bio-Bauern, das Klima und nicht zuletzt die Menschen selbst durch ein längeres und gesünderes Leben.

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Unsere Ernährung verursacht mindestens ein Drittel der globalen Treibhausgas-Emissionen

Auf das globale Ernährungssystem sind bis zu 37 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen zurückzuführen. Besonders schädlich für das Klima sind Methan aus Reisfeldern und aus der Rinderzucht, sowie Lachgas, das aus landwirtschaftlich genutzten Böden entweicht. Methan ist 25-mal so wirksam wie CO2, Lachgas sogar 198-mal. Das heißt, bereits kleine Mengen haben eine große Wirkung auf die Erderhitzung. Tierhaltung stößt mehr Treibhausgase aus als der globale Verkehr.[/grey_box]

Mehr zur Kantine in der GLS Bank erfahrt ihr auf unserem GLS BLOG: Die GLS isst öko und sozial. Schreibt uns gerne eure Meinung in die Kommentare.

Wenn ihr mehr zu Kühen, Milch und Methan erfahren wollt, empfehlen wir euch “Die Kuh – ein Klimakiller?”.

Die GLS isst öko und sozial


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4 Antworten zu „Bio-Kantine: Ein Projekt mit Vorbildcharakter“

  1. Avatar von Jaques
    Jaques

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    Als wir in unserem Unternehmen (auch ein Finanzdienstleister) den externen Caterer endlich überzeugt hatten, mal eine vegetarische Woche zu veranstalten, wurde das von sehr, sehr vielen Kollegen schlichtweg boykottiert. Wenn man die wöchentliche Currywurst streichen würde, gäbe es eine sofortige Revolution.

    1. Avatar von Marianne Steinmeyer
      Marianne Steinmeyer

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      Lieber Jaques, wenn sogar die VW-Mitarbeitenden auf die Currywurst verzichten können, gibt es Hoffnung. 🙂 https://taz.de/Vegetarische-Kantine-beim-Autobauer/!5788085/

  2. Avatar von Ricardo Hudeczek-Hilf
    Ricardo Hudeczek-Hilf

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    Ist die GLS Kantine öffentlich zugänglich, könnte ich als GLS-Kunde dort auch essen?

    Mit hoffnungsvollen Grüßen
    Ricardo Hudeczek-Hilf

    1. Avatar von Marianne Steinmeyer
      Marianne Steinmeyer

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      Lieber Ricardo, leider nein. Wir sind hier an unserem Hauptstandort über 500 Beschäftigte und die Räumlichkeiten der Kantine sind beschränkt, so dass keine Externen bei uns essen können. Wir beraten aber gerne Köche und Köchinnen, die sich das Konzept abschauen wollen und hoffen, dass es bald in ganz Bochum und darüber hinaus leckeres, gesundes Bio-Essen für die Angestellten gibt. Herzliche Grüße, Marianne

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