Altenpflege: Was können wir beitragen?

Altern ist kein leichter Prozess. Damit auch Menschen mit Pflegebedarf ihre letzten Lebensphasen mit hoher Qualität gestalten können, muss das Thema Altenpflege aus der sozialen Isolation heraus. Wie wir als gemeinwohlorientierter Kreditgeber dazu beitragen wollen.

Ein Gastbeitrag von Lisa Neal

Noch vor 70 Jahren lag die Lebenserwartung von Frauen bei 68,5 und diejenige von Männern bei 64,6 Jahren. Inzwischen ist sie in Deutschland bei Frauen auf 84,1 und bei Männern auf 79,1 Jahre gestiegen. Das verändert unsere Gesellschaft nachhaltig: Auf der einen Seite stehen die Chancen auf ein langes, erfülltes Leben. Andererseits benötigen mehr Menschen Unterstützung und Altenpflege im Alltag. Damit einher geht ein steigender Bedarf an Pflegekräften für ältere Menschen.

Diese Entwicklung mitsamt ihren Konsequenzen ist vielen Menschen, die in der Altenpflege arbeiten, seit über 20 Jahren bekannt. Politische Maßnahmen wurden in den letzten fünf Jahren vor allem anhand der Umsetzung der Pflegestärkungsgesetze sichtbar. Bei den politischen Bemühungen geht es aktuell vor allem um die Eingrenzung von Fachkräftemangel, denn das ist – neben der zusätzlichen Belastung des Personals durch die Corona-Pandemie – die wohl größte Herausforderung in der Altenpflege.

Auf 100 gemeldete freie Stellen kommen nur 27 Bewerber*innen

Es gibt unterschiedliche Schätzungen dazu, wie viele Mitarbeiter*innen in Altenheimen fehlen. Zu den verlässlichsten Angaben gehören die Zahlen der Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (Stand: Mai 2020). Demnach fehlen in Deutschland bis zu 23.500 Mitarbeiter*innen in Altenheimen. Dass es wenig Personal und kaum Nachwuchspflegekräfte gibt, liegt nicht allein an der erhöhten Pflegenachfrage. Es liege auch daran, so erzählt die erfahrene Leiterin eines Altenheims, dass der Beruf ein Imageproblem habe. Er werde viel negativer gesehen als andere Tätigkeiten. Zu den Gründen gehörten die unregelmäßigen Arbeitszeiten, das Gehalt, die knappe Zeit mit den Pflegebedürftigen selbst und der Rechtfertigungsdruck. Sprüche wie „Das könnte ich nie.“ auszuhalten, zerrt an den seelischen Kräften.

An der Aufwertung des Berufs wird gearbeitet

Bei den nachfolgenden Betrachtungen gilt es zu bedenken, dass es Einrichtungen gibt, in denen die Situation anders liegt und die eine gute Mitarbeiterzufriedenheit erreichen.

Die gute Nachricht für die anderen: Auf mehreren Ebenen gibt es Bewegung, um das Berufsbild zu verbessern und mehr Anreize für Arbeitnehmer*innen zu schaffen: Bis zum 1. April 2022 soll der Mindestlohn für Altenpflegekräfte auf bis zu 15,40 Euro angehoben werden, dafür liegt ein Vierstufenplan vor. Dadurch sollen auch die Lohngefälle zwischen den Bundesländern ausgeglichen werden. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) verhandeln über einen möglichen Tarifvertrag für die Beschäftigten in der Pflege. (Aktuell pausieren die Verhandlungen aufgrund der Pandemie-Herausforderungen. ) Sollte es hier Fortschritte geben, förderte dies den Stand der Arbeitnehmerseite, doch wäre es auch eine finanzielle Herausforderung für die öffentlichen Arbeitgeber. Etwa die Hälfte aller Pflegeheime in Deutschland wird von privaten Unternehmen betrieben. Auch hier müssen nachhaltige Refinanzierungsmodelle gefunden und gefördert werden. Denn Pflegekosten sollten weder Betreiber noch Angehörige finanziell übermäßig beanspruchen. Aufgrund der besonderen Belastungen durch die Corona-Pandemie hat der Bundestag einen steuerfreien Bonus für alle beschlossen, die in der Altenpflege arbeiten: Je nach Art und Umfang der Tätigkeit erhalten die Mitarbeiter*innen einmalig bis zu 1.500 Euro.

Altenpflege ist eine wachsende Branche

Laut Pflegestatistik belief sich die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland 2017 auf über 3,4 Millionen. Das kann sich bis 2030 verdoppeln, schätzen Experten. Ab 2020 reformiert das neue Pflegeberufsgesetz die Pflegeausbildungen, indem es die drei Bereiche (Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) zusammenführt. Die mit der Generalisierung einhergehenden Maßnahmen sollen alle Pflegeberufe aufwerten. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, setzt der amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) außerdem auf Arbeitskräfte aus dem Ausland. Hierzu gründete er gemeinsam mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa). Diese soll es einfacher machen, Qualifikationen anzuerkennen und Personal zu verteilen. In der Praxis gestaltet sich die Umsetzung bisher schwierig, unter anderem liegt das an Sprachbarrieren und fehlenden Voraussetzungen für eine langfristige Zusammenarbeit.

Dies ist die eine Seite. Zur ganzheitlichen Lösung gehört es außerdem, über die Leitbilder von Altenpflege nachzudenken. Mit welcher Haltung kann es uns als GLS Bank gelingen, zu einer differenzierten Altenpflege beizutragen?

Warum sich die GLS Bank um das Thema Altenpflege kümmert

Altern findet häufig versteckt und in Abgrenzung statt. Unsere Vision ist es, dies gemeinsam zu verändern. In den Zukunftsbildern der GLS Bank geht es konkret um die gesellschaftliche Inklusion des Altwerdens. Das bedeutet, miteinander eine soziale Hülle entstehen zu lassen, in der die verbleibende Zeit im Alter mit hoher Lebensqualität gestaltet werden kann. Deshalb unterstützt die GLS Bank Maßnahmen zur örtlichen Einbindung von Pflege und die aktive, selbstbestimmte Mitgestaltung. Wir fördern Schritte zur sozialen und kulturellen Teilhabe der Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen an Aktivitäten innerhalb und außerhalb ihrer Heime. Das kann auf vielfältige Weise umgesetzt werden. Verschiedene Ansätze zur Alterspflege wie ambulante Dienste , Tagespflege, inklusives Wohnen und Pflegeheime stärken die Wahlmöglichkeiten für Pflegebedürftige und entschärfen die Pflegelücken. Deshalb unterstützt die GLS Bank sowohl stationäre Pflegeeinrichtungen als auch ambulante Pflege und neue Wohnformen. Zu unserem Zukunftsbild gehört es, Alterszentren zu fördern, die lebendige Orte des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung sind. Eine Möglichkeit, Altenpflege in die Mitte des sozialen Geschehens zu holen, ist, Wohnen und Pflegekultur unter ein Dach zu bringen und um Beratungsstellen, gemeinsame Aktivitäten, Kulturprogramme und Cafés zu erweitern. Es kommt uns darauf an, eine offene soziale Umgebung zu schaffen, die Vertrauen und Geborgenheit ausstrahlt.

Zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Altenpflege gehören für uns außerdem die Beratung und Einbindung von Angehörigen. Für Verwandte ist es oft eine große Herausforderung, sich auf die inneren wie äußeren Veränderungen bei einem alternden Menschen einzustellen. Außerdem lassen sich die Versorgungslücken nicht allein durch professionelle Pflege schließen.

Pflege für den ganzen Menschen und nicht nur für den Körper

Altern ist ein natürlicher Prozess, der mit Würde und Menschlichkeit zu begleiten ist. Altenpfleger*innen sind der Vergänglichkeit nahe und das ist etwas, was den meisten Menschen Angst macht. Daher erfordert dieser Beruf viel Feingefühl und Kraft. Um allen Beteiligten mehr Raum zu geben, braucht es Zeit für den Kontakt zwischen Gepflegten und Pflegenden. Deshalb ist für die GLS Bank die Förderung von Menschlichkeit in der Betreuungsqualität ein wichtiges Kriterium. Zukunftsgerechte Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sind der Schlüssel für eine ernsthafte und liebevolle Altenpflege.

Die GLS Bank bemüht sich um die Förderung einer lebendigen Zivilgesellschaft, indem wir sozial-ökologische Angebote finanzieren. Die Investition in Projekte, die das würdevolle Altern bestärken, gehört zu unseren Anliegen im Bereich Gesundheit und Soziales. Wir verwenden 17 Prozent des Kundenkreditvolumens für diesen Bereich. Dabei unterstützen wir besonders Projekte mit längerer Laufzeit, um so nachhaltige Finanzierungen der Altenpflege zu ermöglichen.

Lest dazu auch gern unseren Artikel „Pflege: Inseln der Souveränität“ aus dem aktuellen Bankspiegel.

[green_box]Jeder Mensch möchte ein möglichst eigenständiges Leben führen – auch Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Wir verstehen den Menschen als körperliches, geistiges und seelisches Wesen. Wählen Sie uns als Finanzierungspartner, können Sie deshalb davon ausgehen, dass uns nicht nur professionelle und liebevolle Begleitung im Rahmen selbstbestimmter und würdevoller Lebensgestaltung wichtig ist. Wir legen zudem Wert auf die Qualität der Pflege, das heißt zum Beispiel, dass neueste Forschungsergebnisse im Bereich Demenz zu berücksichtigen sind.

Infos zu Finanzierungen[/green_box]

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7 Antworten zu „Altenpflege: Was können wir beitragen?“

  1. Avatar von Paul
    Paul

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    Die GLS Bank setzt sich mit diesem Beitrag aktiv für die Förderung einer lebendigen Zivilgesellschaft und nachhaltige Finanzierungen im Bereich der Altenpflege ein. Durch die Unterstützung von Projekten, die eine ganzheitliche und menschenwürdige Betreuung durch Pflegedienste ermöglichen, zeigt die GLS Bank ihr Engagement für eine sozial-ökologische Ausrichtung im Gesundheits- und Sozialsektor. Der Artikel betont die Bedeutung von Zukunftsgerechten Arbeitsbedingungen und zeitlich ausreichendem Kontakt zwischen Pflegenden und Gepflegten, um eine liebevolle Altenpflege zu gewährleisten.

  2. Avatar von Elisabeth
    Elisabeth

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    Es ist schön, zu hören, dass die Lebenserwartung von Menschen in Deutschland über die Jahre derart angestiegen ist. Dies macht die Alten- oder auch Krankenpflege zu einem wichtigen Feld. Demzufolge finde ich es gut, dass an der Aufwertung des Berufs gearbeitet wird.

  3. Avatar von Olli
    Olli

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    Das Arbeitsfeld „Pflege“ wird sich in den nächsten Jahren vermutlich etwas ändern. Wir werden mehr alte Leute haben. Jobs in der Pflege sollten deshalb gut bezahlt werden.

  4. Avatar von Laura Krone
    Laura Krone

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    Ich arbeite in einer Altenpflege. Schade, dass immer noch so wenige Bewerbungen einkommen. Dies finde ich erschreckend, da der Beruf wirklich toll ist.

  5. Avatar von Lina

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    Schade, dass es so wenige Bewerbungen gibt. Woran liegt das denn? Ich fände es schön, wenn ältere Menschen gerne in Pflegeheime gehen würden weil dort engagierte Mitarbeiter arbeiten, die Gefallen an Ihrem Job haben.

  6. Avatar von Samantha
    Samantha

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    Ich finde es sehr interessant, dass die Lebenserwartung von Frauen und Männern so stark gestiegen ist. Vielen Dank für denn Beitrag, denn ich finde auch, dass die Altenpflege ein wichtiges Feld ist. Gut zu wissen, das versucht wird denn Beruf mit Maßnahmen wie dem steuerfreien Bonus aufzuwerten.

  7. Avatar von Bernd
    Bernd

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    Was alte Leute auch brauchen, ist neuer Spass im Leben. Ich erinnere mich noch gut an den Artikel über zwei Drag Queens in einem Altersheim, den ich Euch heute noch einmal herausgesucht habe:
    https://ze.tt/so-bereichern-zwei-dragqueens-den-alltag-in-einem-altenheim/
    Dort heißt es: „…eine der Managerinnen des Altenheims erklärte, dass sich durch den Aufenthalt von Tacky und Paris Motel der Gesundheitszustand vieler Bewohner*innen sichtbar verbessert hätte. Die Besuche von Ärzt*innen seien seltener geworden, erklärte sie gegenüber dem Sender ABC Sydney. Insgesamt mussten während des Programms der Motel Sisters weniger Medikamente verschrieben werden. Studien haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass glückliche Menschen länger leben – sei es, weil sie viel lachen oder regelmäßigen Kontakt mit Freund*innen haben.“
    Coole Sache.

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