Das Studium ist eine Investition in Dich und Deine Zukunft. Doch was, wenn daraus eine Schuldenfalle wird? Das muss nicht sein. Entscheidend ist, wie die Schulden aufgebaut sind. Wir erklären Dir den Unterschied zwischen Schulden beim Bafög-Amt und einem Studienkredit.
- Je niedriger der Zins, desto günstiger der Kredit.
- Stipendien als Möglichkeit sehen.
Grundsätzlich: Banken verdienen Geld, indem sie Geld verleihen. Dafür nehmen sie einen Zins (siehe auch Geldsystem einfach erklärt). Der Zinssatz entscheidet darüber, wie viel Du am Ende insgesamt zurückzahlst.
Besonderheiten beim Studienkredit: Normalerweise musst Du bei einem Kredit Sicherheiten hinterlegen – also Einkommen, eine Bürgschaft der Eltern mit Einkommen oder Wertgegenstände. Bei Studienkrediten werden solche Sicherheiten in der Regel nicht verlangt. Richtig so! Schließlich haben Studierende, die monatlich Geld zum (Über-)Leben brauchen, nichts vorzuweisen. Doch das kann auch dazu verleiten, leichtfertig Schulden aufzunehmen. Umso wichtiger ist es, sich gut zu informieren, bevor Du einen Vertrag unterschreibst.
Was muss ich beachten?
Die wichtigsten Dinge!
- Zinssatz: Je niedriger der Zins, desto günstiger der Kredit. Ein Zins von 0 % bedeutet: Du zahlst am Ende genau das zurück, was Du geliehen hast. Alles über 2 % kann, je nach Laufzeit, erhebliche Mehrkosten mit sich bringen.
- Laufzeit und Rückzahlungsstart: Wie lange wird der Kredit ausgezahlt und ab wann muss ich zurückzahlen? Direkt nach dem Abschluss? Nach einer Karenzzeit? Gerade während des Studiums sollte die Rückzahlung kein Thema sein, denn Du sollst Dich in Ruhe auf Prüfungen konzentrieren können.
- Stundung: Eine Stundung erlaubt Dir, die Rückzahlung zu pausieren, wenn Du kein zusätzliches Geld übrig hast. Das könnte etwa passieren, wenn Du nach dem Studienabschluss nicht sofort einen Job findest, sondern erstmal mit Grundsicherung über die Runden kommen musst.
- Höhe des Kredits: Mit wie wenig Geld kann ich auskommen? Anders als beim Bafög gibt es bei Bankkrediten keine Höchstgrenze. Angenommen, Du brauchst 650 Euro pro Monat während des Bachelors. Dann kommst Du nach drei Jahren Regelstudienzeit schon auf Schulden in Höhe von 23.400 Euro. Das kann mit einem Master schnell auf Schulden in Höhe von 40.000 Euro wachsen. Je höher der Kredit, desto länger musst Du ihn zurückzahlen und desto mehr Zinsen fallen an.
Je höher der Kredit, desto länger musst Du ihn zurückzahlen und desto mehr Zinsen fallen an.
Bafög oder Studienkredit?
Der Markt an Krediten ist groß. Das sind – sehr allgemein formuliert – Deine Optionen:
Bafög: Staatliche Förderung, zur Hälfte geschenkt. Die Rückzahlung ist auf maximal 10.010 Euro begrenzt, unabhängig davon, wie viel Du insgesamt erhalten hast. Der Zinssatz liegt also bei 0 Prozent.
Studienkredit bei einer Bank: Viele Angebote, sehr unterschiedliche Konditionen. Hier ist Aufmerksamkeit geboten. Zinssätze zwischen 3 und 17 Prozent sind möglich. Das kann sehr teuer werden und zu einer Schuldenfalle führen. Oft werden keine Sicherheiten benötigt. Das führt schnell dazu, dass zwar Geld ausgezahlt wird, aber die Rückzahlung nicht ausreichend besprochen wurde.
KfW-Studienkredit: Der Studienkredit wirkt auf den ersten Blick sinnvoll strukturiert. Es sind keine Sicherheiten nötig, der Kredit lässt sich mit Bafög kombinieren. Darauf musst Du aufpassen: Der Zins ist variabel und richtet sich nach dem sogenannten Euribor. Das ist ein europäischer Zinssatz, der vorgibt, wie viel Banken für Geld zahlen. Wie hoch die Kosten am Ende sind, weißt Du zu Beginn des Vertrages also nicht genau. Daraus kann sich für Dich eine Schuldenfalle entwickeln.
Eine weitere, oft übersehene, Möglichkeit ist ein Stipendium. Hier kannst Du von verschiedenen Organisationen und Stiftungen direkt finanziell und oft auch darüber hinaus gefördert werden. Der Bewerbungsprozess ist je nach Stipendium unterschiedlich. Das Geld ist geschenkt, Du musst nichts zurückzahlen. Die Suche kostet Zeit, lohnt sich aber umso mehr. Es müssen auch nicht immer die besten Noten sein, um durch die Auswahlverfahren zu kommen. Datenbanken und Beratungsstellen an Universitäten können Dir bei der Suche helfen.
Checkliste Kredit und Zinssatz: Worauf es ankommt
- Je schneller Du den Kredit zurückzahlen kannst („tilgen“ heißt das in der Banksprache), desto günstiger wird er.
- Wie hoch ist der Zinssatz? Alles unter 2 % – oder unter der aktuellen Inflationsrate – kann als günstiger Zins verstanden werden, 0 % ist die beste Option.
- Alle Kredite ab 2 % und höher können teuer werden – vor allem, wenn sie lange laufen.
Null %
ist die beste Option für Deinen Kredit. Ab einem Zinssatz von über 2 % kann es auf lange Sicht teuer für Dich werden.
Was kostet ein Kredit wirklich? Zwei Beispiele
1. Zinsloser Kredit (beispielsweise Bafög)
Am Ende Deines Studiums hast Du vom Bafög-Amt 10.000 Euro erhalten. Nun tilgst Du jeden Monat 130 Euro, das ist die reguläre Monatsrate bei Bafög-Zurückzahlungen. Du brauchst 77 Raten – also 6 Jahre und 4 Monate – um diese Schulden zu begleichen. Insgesamt zahlst Du 10.010 Euro und somit einen kleinen technischen Mehrbetrag.
Jetzt kommt die Inflation ins Spiel: Liegt diese im Schnitt bei etwa 2 % pro Jahr, dann verlieren Deine zukünftigen Raten immer weiter an „Wert“. Du zahlst zwar über die 77 Monate insgesamt 10.010 Euro. Rechnet man aber die jährliche Inflation von 2 % ein und betrachtet alles in der Kaufkraft von heute, sind die Zahlungen nur noch ungefähr 9.500 Euro wert.
Exkurs: Lohnt es sich, die Bafög-Schulden auf einen Schlag abzubezahlen? Etwa vier Jahre nach Ende des Bafög-Bezugs, bekommst Du einen sogenannten “Feststellungsbescheid” vom Bundesverwaltungsamt. Hier steht, wieviel Du dem Amt schuldest und wie Du das Darlehen zurückzahlst. Es gibt immer das Angebot, die Schulden auf einen Schlag zu bezahlen. Dann gibt es einen Rabatt von bis zu 21 Prozent. Das heißt: Statt 10.000 Euro sind auf einen Schlag “nur” 7.900 Euro fällig. Klingt attraktiv. Aber lohnt sich das? Die Einmalzahlung rechnet sich nur, wenn Du das Geld sofort zur Hand hast. Da der Bafög-Kredit ein zinsfreier ist, relativiert die Inflation den Rabatt ohnehin etwas. Für viele Menschen ist die Einmalzahlung von vielen tausenden Euros außerdem nur schwer realisierbar.
Doch eine Möglichkeit gäbe es noch: ein zinsloser Kredit aus Deinem Freundes- und Bekanntenkreis, der nur an die Bedingung geknüpft ist, dass Du ihn langsam abbezahlen kannst. Das kann funktionieren, sollte aber gut durchdacht sein:
- Verändert der “private Kredit” meine Beziehung zu der Geldgeber*in?
- Werde ich durch private Schulden emotional gebunden oder sogar erpressbar?
- Wie würde ich mich fühlen, wenn die Person das Geld plötzlich braucht und ich es nicht zahlen kann?
- Führen die Schulden dazu, dass von mir erwartet wird, häufiger anzurufen oder öfter zu Besuch zu kommen?
Bafög-Schulden bieten außerdem einen wichtigen Schutz während des Berufseinstiegs. Du kannst zum Beispiel bei einem Einkommen von weniger als 1.690 Euro Deine Rückzahlungen pausieren. Nach 20 Jahren werden Dir noch bestehende Restschulden vollständig erlassen.
Merke: Bafög-Schulden haben einen sozialen Rahmen. Du solltest hier alle Faktoren wie Beziehungen und Lebensumstände mit einbeziehen – und nicht nur die reine Summe betrachten.
2. Ein Kredit mit Zinssatz (beispielsweise KfW-Studienkredit)
Vielleicht ist Bafög keine Option für Dich. Dann bleibt oft die Möglichkeit eines KfW-Studienkredits. Du nimmst einen Kredit in Höhe von 10.000 Euro auf, mit 6 % Zinsen und weiterhin 130 Euro monatlicher Rate. Durch die Zinsen dauert es länger, bis Du schuldenfrei bist: Statt 77 Raten brauchst Du jetzt ungefähr 100 Raten – also gut 8 Jahre und 4 Monate. Insgesamt zahlst Du damit rund 13.000 Euro an die Bank zurück.
Liegt Dein Kreditbetrag sogar bei 23.400 Euro, dauert es nicht nur deutlich länger. Mit einer Rate von 130 Euro würdest Du dich über viele Jahre verschulden und insgesamt einen sehr hohen Gesamtbetrag zurückzahlen. Der Grund: Die monatlichen Zinsen – erneut mit dem Jahreszinssatz von 6 % berechnet – liegen zu Beginn bei etwa 117 Euro.
Von Deiner Rate von 130 Euro bleiben damit nur rund 13 Euro übrig, um die eigentliche Schuld zu tilgen. Wenn die Restschuld nur langsam sinkt, bleiben auch die Zinsen lange hoch – so kommst Du kaum aus den Schulden raus und die Tilgung schleicht vor sich hin.
Du müsstest also mit der Bank eine höhere monatliche Rate vereinbaren, damit sich der Kredit überhaupt sinnvoll abbauen lässt. Bei einer Monatsrate von zum Beispiel 250 Euro wärst Du nach 11 Jahren schuldenfrei. Insgesamt zahlst Du dann etwa 33.000 Euro zurück. Davon 9.600 Euro allein an Zinsen.
Fazit
Schulden sind nicht gleich Schulden. Bafög mit 0 % Zins und begrenzter Rückzahlung ist deutlich weniger riskant als ein Studienkredit mit Zinsen, der schnell fünfstellige Summen erreichen kann.
Informiere dich genau über Zinssatz, Laufzeit, Stundungsmöglichkeiten und die tatsächliche Kredithöhe – und rechne durch, was Du Dir realistisch leisten kannst.
Nutze Schuldenrechner, Tilgungsrechner oder die Sozialsprechstunde an der Universität. Frage Menschen, die bereits studiert haben. Auch die AStA – die allgemeine Studierendenvertretung – hilft an vielen Universitäten in solchen Fragen. Informiere Dich über mögliche Stipendien. Auch wenn es Zeit kostet und nervig ist, Formulare auszufüllen, lohnt sich der Einsatz umso mehr. Denn: Wer mit möglichst wenig Schulden ins Leben startet, hat deutlich mehr Spielraum, finanziell und im Kopf.
Wie Du als junge Person Dein Budget managen kannst.





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