Robert Habeck

Verantwortungseigentum – Unternehmen ohne Gewinnmaximierung?

Das Verantwortungseigentum ist aktuell in vieler Munde. Wenn ein Unternehmen sich von der maximalen Gewinnerzielung abkoppeln und gesellschaftlichem Mehrwert bieten möchte, kann die Wahl einer anderen Rechtsform von entscheidender Bedeutung sein.

Um dies umzusetzen hat sich die Bewegung „Verantwortungseigentum“ gegründet. Zu ihr zählen bekannte Start-Ups wie Ecosia, Einhorn und Waschbär, aber auch große Unternehmen wie Zeiss und Bosch. Doch nicht nur die Rechtsform ist entscheidend – auch die Bank. Denn nur mit der GLS Bank können verantwortungsvolle Unternehmen ihre Vorhaben ganzheitlich und ohne Kompromisse umsetzen.

Was ist denn verantwortungsvoll?

Verantwortungsvolle Unternehmen, die nicht nach Gewinnmaximierung streben und die Welt zu einem besseren Ort machen – ist das überhaupt möglich? Mit dieser Frage beschäftigen wir uns bei der GLS Bank seit mehr als 45 Jahren. Wir haben bewusst die Rechtsform der Genossenschaft gewählt, dadurch können unsere Mitglieder mitbestimmen, solidarisch sein und Potentiale entwickeln. „Das Ziel des Zusammenschlusses ist gegenseitige Hilfe, nicht die Gewinnerzielung für das einzelne Mitglied oder für die Genossenschaft. (…)“, heißt es in der Satzung der GLS Bank.

Sie ist nicht das einzige Unternehmen, das Verantwortung für Umwelt und nachfolgende Generationen übernimmt. Schon große deutsche Traditionsunternehmen haben gezeigt, wie man verantwortungsvoll mit Eigentum umgeht. Was damit gemeint ist erfahren Sie in diesem Video von Wahn & Sinn.

Die Idee von Verantwortungseigentum ist schon über 100 Jahre alt. Stiftungen etwa ermöglichen es, dass Gewinne der Gesellschaft dienen. Sie werden zum Beispiel für faire Gehälter und als Rücklage für Krisenzeiten genutzt oder auch gemeinnützig gespendet. Doch vor allem für kleinere Unternehmen sind solche Stiftungen schlichtweg zu teuer. So kam die Idee der Stiftung Verantwortungseigentum auf, eine neue Art von GmbH zu institutionalisieren: die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen, kurz GmbH-gebV.

Warum ist gebundenes Vermögen wichtig und was hat Robert Habeck damit zu tun?

Am 23. April 2021 machte die GLS Bank in einer virtuellen Podiumsdiskusstion mit Grünen Co-Chef Robert Habeck einen dazu passenden Aufschlag für die politische Debatte. Seine Partei hat den Vorschlag einer neuen Rechtsform unter anderem in ihr Wahlprogramm aufgenommen. „Natürlich wird das ein Punkt sein, der mit aufs Tableau kommt“, sagte Habeck mit Blick auf mögliche Koalitionsverhandlungen.

Livestream Verantwortungseigentum
Diskussion zum Thema: „Verantwortungseigentum“ im Livestream.

Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann von der taz hält die neue Rechtsform für eine „sinnvolle Reform“, wies aber auch auf die übergeordneten wirtschaftlichen Zusammenhänge hin. Unternehmen – selbst wenn die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund steht – stünden im ökonomischen Wettbewerb und müssten gewinnorientiert wirtschaften. Laut Armin Steuernagel, Vorstand und Mitgründer der Stiftung Verantwortungseigentum, beweisen Beispiele aus Dänemark das Gegenteil: Unternehmen in Verantwortungseigentum existierten länger und seien resilienter als ihre Konkurrenz.

Die Unternehmer*innen, die mithilfe der Stiftung Verantwortungseigentum in Rechtskonstrukten arbeiten, die der GmbH-gebV nahekommen, behaupten sich indes bereits erfolgreich am Markt. Ihre Unternehmen sind unverkäuflich und die Nachfolge wird intern geregelt. Christian Kroll (Ecosia), Katharina Hupfer (Waschbär) und Philip Siefer (Einhorn) berichteten über ihre Erfahrungen in der nachhaltigen Wirtschaft, bemängelten aber einstimmig das Fehlen einer einfacheren Rechtsform, die sie unverkäuflich mache. Ein solch treuhändisch geführtes Unternehmen erreiche zudem weitaus größere Zufriedenheit bei Mitarbeitenden. André Meyer und Martin Bausen von der GLS Bank haben viel Erfahrung mit treuhänderischem Eigentum gesammelt.

„Mit der neuen Rechtsform ist ein Mindset verbunden, dass zu einer langfristig ausgerichteten Unternehmensentwicklung passt und Rahmenbedingungen für eine höhere Resilienz schafft. Zu verhindern, dass Unternehmen – und damit auch die Mitarbeitenden und das gesamte Geschäftsmodell mit seiner (hoffentlich positiven) Wirkung – zu reinen Spekulationsobjekten degenerieren, wäre eine der wesentlichen Errungenschaften, die eine solche neue Rechtsform implementieren würde“, sagt Martin Bausen.

Warum braucht es die GLS Bank für Verantwortungseigentum?

Fest steht: Wenn wir verantwortungsvoller wirtschaftende Unternehmen wollen, ist eine neue Rechtsform, die das Kapital an die Mitarbeiter*innen und den Unternehmenszweck bindet, ein wichtiger Schritt. Erfolg versprechende Beispiele, die zusätzlich einen Mehrwert für die Gesellschaft bieten sind Ecosia, die Suchmaschine, die ihre Gewinne in Baumpflanzungen investiert, oder Einhorn, die ihre Lieferketten transparent und nachhaltig gestalten. Die GLS Bank unterstützt solche Unternehmen dabei, in der neuen Rechtsform soziale und ökologische sowie gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle aufzubauen.

Haben Sie eine Meinung zu dem Thema? Diskutieren Sie unter dem Beitrag mit uns. Was braucht es noch, um verantwortungsvoll und nachhaltig zu wirtschaften? Ist die Rechtsform ausreichend oder müssen die Veränderungen noch tiefer greifen? Falls Sie bereits überzeugt sind, können sie die Petition für eine neue Rechtsform hier unterschreiben, oder erklären Sie uns gern in den Kommentaren, was Sie noch davon abhält.

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Foto: Robert Habeck – BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

  1. Ludwig Stein

    Interessant und informativ, besten Dank!

  2. Wie auch häufig auf dem Geldgipfel der GLS-Bank 2021, ist die Diskussion von Frederik Meissner nicht prinzipiell, tiefgreifend und umfassend genug setzt setzt zu wenig an Grundlagen und Ursachen an. Gewinn und Allgemeinnützigkeit werden viel zu sehr einander gegenübergestellt allein schon mit der Frage: „Gewinnmaximierung und die Welt zu einem besseren Ort machen – ist das überhaupt möglich?“ Es spricht nicht für Bereitschaft und Fähigkeit der GLS-Bank, sich selbstkonfrontativ und auch radikal-grundlegend mit Geschichte und Thema von Geld und Kapitalismus zu befassen, wenn selbst nach 45 Jahren sich noch keine Antwort herauskristallisiert, die neben vielem anderen auch was reichlich triviales hat:

    Gewinn, Reichtum, Vermögen und Profit jeder Art im Sinne von Leben, Freiheit, Unversehrtheit, (Selbst!)Verwirklichung und Entwicklung, Intelligenz, Bildung, Kultur, Kunst, usw., sind prinzipiell, immer und überall nur zu Gunsten und nie zu Lasten von Leben, Freiheit, Unversehrtheit usw. aller anderen Lebewesen und Menschen zu erzeugen. Anders als z. B. nach einer Implikation von Art. 2 GG, hört die freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bei dem selben Grundrecht und anderen realisierten Rechten anderer Personen (und Lebewesen) nicht etwa auf, sondern fängt dort erst richtig an. In gleicher Weise ist „gegenseitige Hilfe“ nicht etwa irgendwie Hindernis von Gewinnerzielung des einzelnen Mitgliedes, sondern viel mehr notwendige Bedingung und Voraussetzung. Ich bin mir ganz sicher, dass dies auch für juristische Personen, Gemeinden, Städte, Bundesländer, Nationen, Fußballvereine usw. gilt:

    … Angefangen bei Viren, Keimen und Parasiten, über Pflanzen, Säugetiere und Menschen, gab es noch nie ein Lebewesen, das frei oder reich im Sinne einer Unzahl von nutzbaren und zugänglichen Möglichkeiten der Verwirklichung und Entwicklung war, oder gebildet, intelligent und von ausgeprägter, beweglicher und eigener Persönlichkeit, auf Kosten und zu Lasten der Freiheit und des Reichtums anderer Lebewesen und Menschen. … bitte im Zusammenhang nachlesen: https://www.fuehlenunddenken.de/2017/04/02/seine-meine-oder-eine-kurze-geschichte-der-menschheit/#anker8

    (Selbst)Isolierung einer (juristischen) Person durch Kapitalzentralisierung- Monopolisierung und Monokultur ist das definitive Gegenteil von dem, was nach allen logischen und intelligenten Gründen als Gewinnmaximierung definiert werden könnte.

    „Einem Menschen gehört, was er verschenkt“ (Talmud) – „Respekt ist die wertvollste Währung“ (Film „Inside Man“). Das lässt sich sehr gut physiologisch nachweisen: Jeder Organismus innerhalb eines Biotops z. B. kann qualitativ und quantitativ nur in dem Maße Ressourcen gewinnbringend, profitabel, bereichernd und also als Vermögensbildung für sich aufnehmen und integrieren, wie er umgekehrt (die gleichen) Ressourcen mindestens in gleicher Quantität und Qualität auch verstoffwechselt, gibt, teilt und mitteilt.

    Das gleiche gilt ganz sicher im gleichen Sinne auch für unterschiedlichste reiche, profitable, gewinnbringende und vermögende Unternehmen z. B. innerhalb einer reichen, stabilen und krisenfesten Volkswirtschaft oder auch im globalen und internationalen Handel.

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