Warum es nicht reicht, die Honigbiene zu retten

Warum es nicht reicht, die Honigbiene zu retten

Der Weltbienentag wurde von den Vereinten Nationen ausgerufen, um auf die Bedeutung der Biene und das weltweite Bienensterben aufmerksam zu machen. Doch nicht alle Bienen sind gleichermaßen bedroht. Unsere Wildbienen sind am stärksten gefährdet. Gleichzeitig spielen sie eine zentrale Rolle für die ökologische Vielfalt und unser Nahrungssystem. Um Wildbienen zu schützen, braucht es also mehr als ein paar vereinzelte Blühstreifen und Hyazinthen im Garten.

Einen einschneidenden Weckruf hat 2016 die Langzeitstudie des EntomologischenVereins Krefeld gegeben. Hier wurde aufgezeigt, dass der Insektenbestand in Deutschland seit 1989 um über 75 Prozent zurückgegangen ist. Mindestens die Hälfte aller Bienenarten sind vom Aussterben bedroht. Ursache hierfür sind in erster Linie der flächendeckende Einsatz von Pestiziden, der massive Verlust der Artenvielfalt und die intensive Bodenbewirtschaftung in Monokulturen.

Lang lebe die Stadtbiene

Infolgedessen leben Bienen mittlerweile in der Stadt besser als auf dem Land. Das Blütenangebot in Parks und privaten Gärten ist hier vielfältiger und die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln geringer.

Auch die GLS Bank bietet einem Bienenvolk ein städtisches Zuhause, versucht aber, dieses artgerecht zu gestalten. Bankmitarbeiter und Hobbyimker Falk Zientz hat dazu einen besonderen Kasten aus Demeter-Bienenhaltung gewählt. Dieser enthält zum Beispiel kein Metall und ermöglicht insgesamt eine wesensgemäßere Haltung. Auch der Standort auf dem Dach orientiert sich an der Natur. Dort nisten Bienen nicht unbedingt in Bodennähe, sondern beispielsweise in Höhlungen im Baum und bevorzugen somit eine Höhe von 2 bis 3 Metern.

Warum es nicht reicht, die Honigbienen zu retten

Doch nicht nur die Honigbiene findet auf der Dachterrasse der Bank ihr Plätzchen. Auch für Wildbienen gibt es ein Insektenhotel. Diese Art der Nisthilfe – eigentlich Insektenhaus – wird mittlerweile immer beliebter und lässt sich auch relativ einfach selbst herstellen. Sie soll für Wildbienen die in der Natur verloren gegangenen Plätze zur Ablegung der Eier ersetzen.

Anders als Honigbienen, die im Volk mit bis zu 80.000 Individuen leben, ist die Wildbiene Einzelgängerin. Sie sucht sich ihren Lebensraum dort, wo ein günstiger Nistplatz, die entsprechenden Baumaterialien für die Brutzellen und ausreichend Nahrungspflanzen auf kurzem Weg erreichbar sind. Da dies oft nicht mehr an einer Stelle möglich ist, bewegt sich eine Wildbiene in verschiedenen Teillebensräumen.

Keine Vielfalt ohne Wildbienen

Wildbienen sind widerstandsfähiger als Honigbienen. Sie sind optimal an ihre Umgebung angepasst und fliegen auch bei Kälte. Außerdem sind Wildbienen die effizienteren Bestäuberinnen im Vergleich zur Honigbiene. Zusammen mit anderen Insekten bestäuben sie knapp 70 Prozent unserer Hauptnahrungspflanzen.

Für die biologische Vielfalt spielen Wildbienen eine zentrale Rolle. Dabei haben sich im Verlauf ihrer Evolution bestimmte Wildbienenarten artspezifisch an bestimmte Blüten- und Kulturpflanzen angepasst. Mit anderen Worten: Wildbienen sind Feinschmeckerinnen. Umgekehrt sind zum Beispiel Möhren oder Tomaten davon abhängig, dass eine ganz bestimmte Bienenart sie anfliegt und bestäubt. Wenn also eine Art ausstirbt, kann es sein, dass auch die entsprechende Blüten- oder Kulturpflanze mit ihrer Biene untergeht.

Weltweit sind knapp 20.000 Wildbienenarten bekannt. In Deutschland kommen knapp 590 vor. Laut roter Liste sind aber davon fast die Hälfte bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Dies ist u.a. auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft zurückzuführen. Wenn auf großen Anbauflächen nur noch eine bestimmte Pflanze kultiviert wird, findet eine Wildbiene, die nicht auf diese Pflanze angepasst ist, keine Nahrung mehr. Besonders kleinere Wildbienen fliegen im Schnitt nur um die 150 Meter weit.

Noch dazu kommt, dass die Wildbiene teilweise durch die Honigbiene verdrängt wird. Honigbienen sind weniger wählerisch in ihren Futterpflanzen und damit weniger bedroht von der Verarmung der biologischen Vielfalt. Und dank der vielen Hobby Imker*innen in Deutschland ist die Population der Honigbienen auch relativ stabil. Außerdem können Honigbienen Krankheitserreger auf Wildbienen übertragen.

Privatgärten als Naturschutzflächen

Wenn wir also die Bienen retten wollen, reicht nicht nur der fortlaufende Anstieg der Hobby-Imkerei. Nach Einschätzung des NABU liegt ein großes Potenzial im deutschen Vorgarten. Zusammengerechnet umfassen deutsche Privatgärten eine ähnliche Fläche wie die bestehenden Schutzgebiete in Deutschland. Mit anderen Worten: Es ließen sich die Naturschutzflächen verdoppeln.

Wichtig für das kleine private Naturschutzgebiet sind in erster Linie Pestizid-freie Pflanzen. Auch das gestaltet sich in der Praxis schwierig. Laut einer Untersuchung von BUND und NABU sind häufig selbst als Bienen-freundlich gekennzeichnete Gewächse mit Pestiziden verseucht. In der Studie wurden unter anderem die „Bienen-Pflanzen“ Lavendel und Hyazinthen untersucht. Alle deutschen Proben waren mit unterschiedlichen Pestiziden belastet, davon elf hoch bienengiftig und 22 Prozent ohne EU-Zulassung.

Warme Nistplätze für die Bienen

Statt an Fehlkennzeichnungen im Baumarkt können wir uns mehr an der Natur orientieren. Hecken oder Wildstaudenbeete bieten einen natürlichen Lebensraum für Wildbienen, genauso wie ein kleiner Stapel Totholz oder ein einfacher Steinhaufen. Ganz nebenbei bieten diese auch weiteren Lebewesen wie Vögeln, Haselmäusen oder Eidechsen einen Lebensraum. Wildblumenmischungen und wilde, heimische Arten wie Eberesche, Holunder, Sanddorn und Kamille bieten sich zum Beispiel für Hecken an.

Auch Nisthilfen sind zum Teil relativ einfach zu bauen. Abgesehen von den aufwendigeren Insektenhotels, zu denen es mittlerweile vielerlei Bauanleitungen gibt, können einige Wildbienen auch in Sandhaufen oder selbst in mit Sand befüllten Blumentöpfen nisten. Die zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene nistet ausschließlich in leeren Schneckenhäusern. Wichtig ist, dass die Nisthilfen in der Sonne liegen oder anderweitig erwärmt werden.

Fazit

Dennoch braucht es gezielten und nachhaltigen Artenschutz und dafür in erster Linie einen strukturellen Wandel in der Landwirtschaft. Der bestehende gesetzliche Schutz für Wildbienen reicht nicht aus. Erst wenn auch auf dem Land wieder Artenvielfalt möglich ist und Pestizid-frei bewirtschaftet wird, haben wir eine Chance, den Wildbienenbestand zumindest zu erhalten. Dafür braucht es politischen Wandel.

Die Farm-to-Fork Strategie der EU zielt darauf ab, bis 2030 den Pestizideinsatz zu halbieren. Selbst das wird schon wieder in Frage gestellt. Um langfristige Ernährungssicherheit zu gewährleisten, braucht es aber Wildbienen und Insektenvielfalt und dafür braucht es natürliche, bunte Landschaften ohne Pestizide und Monokulturen.

Wenn ihr noch mehr zu dem Thema erfahren wollt, schaut doch gerne einmal in unsere weiteren Blogbeiträge dazu:

Bürgerinitiative: Jetzt Bienen und Bauern retten!

  1. Selbst in einem kleinen „Handtuch-Garten“ an einem Reihenhaus können viele verschiedene Wildbienen ein Zuhause finden. Wir haben sogar Blattschneiderbienen, die in den Blumentöpfen ihre Nester anlegen. Sieht schon lustig aus, wenn die Biene mit einem kleinen Blatt zwischen den Beinen durch die Luft fliegt. Der Nachbar siehts gelassen, dass die Bienen die Blätter aus seinen Pflanzen schneiden.
    Und das ist auch wichtig. Stichwort Trittsteinbiotop. Hier ein paar Quadratmeter, dort ein paar Quadratmeter, hier ein Vorgarten, dort ein Balkon. Dass die bienenfreundlichen Pflanzen jetzt mit Pestiziden belastet sind – oh mei. Wir Menschen sind wirklich doof. Also auch hier: Biogärtnereien bevorzugen.

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