Arbeiten für die Energiewende: Die Mitarbeiter des Batteriespeicher-Herstellers Fenecon vor ihrer Firma.

Energiewende: Warum wir Speicher aus E-Auto-Batterien brauchen

Die Energiekrise lässt Energiepreise enorm steigen. Dass die Energiewende wichtiger denn je ist, haben selbst Skeptiker verstanden. Nun geht es darum, wie wir die Energiewende gestalten und umsetzen. Vor allem die Speicherung von Energie gewinnt mit der Umstellung auf erneuerbare Energiequellen an Bedeutung. Denn erneuerbare Energien werden witterungs- und jahreszeitenabhängig produziert.

Ein Gespräch mit Energieexperte und Gründer Franz-Josef Feilmeier

Das Bild zeigt Franz-Josef Feilmeier, der die Energiewende unterstützt.
Energieexperte und Gründer Franz-Josef Feilmeier

Darüber, wie wir Energie speichern können und die hundertprozentige Energiewende erreichen, haben wir mit dem Energie- und Speicherexperten Franz-Josef Feilmeier gesprochen. 2011 gründete er in der Garage seines Vaters die „Feilmeier New Energy Consulting“: Inspiriert von der Idee, erneuerbare Energien speicherbar zu machen, baute er recycelte E-Auto-Batterien zu Energiespeichern aus. Heute zählt der Stromspeicherhersteller FENECON zu den Innovatoren in der Branche.

Herr Feilmeier, was denken Sie: Woher werden Ihre Enkelkinder einmal Strom beziehen?

Franz-Josef Feilmeier: Ha, das ist eine gute Einstiegsfrage! Sie werden ihren Strom zu über 80 Prozent aus Sonne und Wind beziehen, und die restlichen ca. 20 Prozent werden aus Wasserkraft und Bioenergie stammen. Ich stelle mir auch vor, dass sie irgendwie verstört auf uns zurückblicken und sich wundern, dass wir wirklich Dreck aus der Erde geschaufelt und ihn verbrannt haben. Oder dass wir Gas in Russland gefördert und über lange Leitungen zu uns geholt haben, um das dann wiederum hier zu verbrennen. Alles nur damit wir Strom haben – und warme Wohnungen. Nicht so lustig werden sie es finden, dass sie sich noch Jahrhunderte mit hohem Aufwand um alten Atommüll kümmern müssen, nur weil wir entschieden haben, ihnen diese Last aufzuerlegen. Und richtig sauer werden sie sein, weil wir ihnen eine Welt voller Klimakatastrophen hinterlassen, die immer lebensfeindlicher wird.

Ich hoffe aber doch, dass sie mit Blick auf mich, den Opa, und ihre Eltern erkennen, dass wir im Energiesektor und auch Geldanlagefragen alles gegeben haben, um gegen die Widerstände der alten Energiewelt endlich den Aufbruch in die neue, enkelgerechte Energiewelt zu wagen.

Was braucht es Ihrer Ansicht nach in der Politik, um die Energiewende zu fördern?

Franz-Josef Feilmeier: Nach einem Stillstand und sogar Ausbremsen der Energiewende in der letzten Dekade – es klingt wie Hohn, dass wir noch vor zwei Jahren gegen einen „Solardeckel“ in Deutschland gekämpft haben – strengt sich die neue Bundesregierung sehr an, wieder neuen Schwung in das Thema zu bekommen. Da die erneuerbaren Energien ohnehin sehr günstig und damit lukrativ sind, braucht es jetzt vor allem Vereinfachungen in der Bürokratie und in der Netzanbindung. Wir müssen in eine schnellere Umsetzung von Projekten und Anlagen kommen.

An der Stelle wünsche ich mir noch mehr Dynamik, unter anderem bei den Genehmigungen oder auch beim ungehinderten Zugang zu den Energiemärkten. Als Speicherbranche haben wir der Politik gerade einen Vorschlag unterbreitet, wie die bereits installierten Speicher im kommenden Winter das Netz stabilisieren und die Strompreise für alle senken können. Ich hoffe, wir finden Gehör. Ich hoffe, Speicher dürfen ihren Beitrag dazu leisten, dass wir gut durch den Winter kommen.

Wie und woher wir unsere Energie beziehen: Was hat das mit unserer Gesellschaft zu tun?

Franz-Josef Feilmeier: Unsere Gesellschaft hat zu oft eine „Geiz-ist-geil“-Mentalität und denkt zu wenig über die Zukunft nach. Lange Zeit haben wir nur darauf geachtet, möglichst billige Energie zu bekommen – ohne auf die damit einhergehenden Risiken und Abhängigkeiten zu achten. Oder bei den Speichern: Während schon in Österreich und der Schweiz und allen anderen Ländern Systeme ohne Notstromfähigkeit praktisch unverkäuflich waren, bekam man in Deutschland häufig die Frage gestellt: „Wie oft fällt denn bei uns schon der Strom aus?“ Natürlich nahm nur ein geringer Teil der Kunden die höhere Investition für ein System mit Notstromversorgung in Kauf.

Jetzt sehen wir deutlich, was wir mit der Gas-Abhängigkeit angerichtet haben. Und bei den Speichern tauschen viele schon nach wenigen Jahren ihr falsch gewähltes Gerät gegen ein Neues aus. Diese „Wegwerfmentalität“ ist eben nicht nachhaltig.

Wer sich mit Energieversorgung beschäftigt, begegnet immer wieder der sogenannten Grundlastfähigkeit. Was versteht man darunter – und ist sie wichtig für unsere Energieversorgung?

Franz-Josef Feilmeier: Der Begriff Wort „Grundlastfähigkeit“ wurde insbesondere von der alten Energieindustrie geprägt. Kohle- oder Atomkraftwerke brachten eine neue Eigenschaft in das bestehende Energiesystem ein: nämlich, dass sie nur dann wirtschaftlich zu betreiben sind, wenn sie Tag und Nacht laufen. Dazu musste der Energieverbrauch auf den Kopf gestellt werden. Es wurde also versucht, den nächtlichen Stromverbrauch hochzutreiben: zum Beispiel über günstige Nachtstromtarife, Nachtspeicherheizungen oder auch über Anreize für die Industrie, nachts zu arbeiten und zu produzieren, um als konstanter Abnehmer zu fungieren.

Mit den modernen Energieerzeugungsanlagen können wir getrost beginnen, die „Grundlastfähigkeit“ aus dem Duden zu streichen und durch „Flexibilität“ zu ersetzen. Denn jetzt ist Energie nicht mehr dann günstig, wenn ich sie 24/7 und das ganze Jahr gleichmäßig verbrauche, sondern wenn ich sie nach Wind und Sonne verbrauchen kann – die sich optimalerweise auch noch hervorragend ergänzen.
Gefragt sind jetzt also Anwendungen, die dann viel Energie aufnehmen können, wenn wir sie im Überfluss verfügbar haben, aber andererseits auch ihren Energiebedarf reduzieren können, wenn gerade wenig davon da ist. Wenn wir dann noch kurz- und langfristige Speicherlösungen ergänzen, stellt das die Zukunft der Energieversorgung dar.

Unser Energieverbrauch wächst stetig, und dabei steigen die Preise für Energie. Wie lösen wir diese Herausforderung?

Franz-Josef Feilmeier: Zuallererst müssen wir verstehen, dass jede fossil-atomare Energiequelle Abhängigkeit bedeutet: vom Brennstofflieferanten, vom Kraftwerksbetreiber und – wie wir gerade lernen müssen – von einer funktionierenden, geschützten Energieinfrastruktur und Logistik. In diesen Bereichen waren die erneuerbaren Energien durch ihre Eigenschaften schon immer überlegen, mittlerweile sind sie auch wirtschaftlich unschlagbar.

Wir müssen also alle Dächer, sinnvolle Fassaden und Freiflächen, die wir nicht zur Herstellung von Lebensmitteln verwenden können, zur Stromerzeugung nutzen. Wir müssen – speziell in Süddeutschland – noch viel mehr auf Windkraft bauen. Wenn wir es zudem schaffen, unseren Energiebedarf so weit wie möglich auf wind- und sonnenreiche Zeiten zu legen und den Rest mit Speichern zeitversetzt verfügbar zu machen, dann erreichen wir ein stabiles und unbezwingbares Energiesystem. Ein System, das nicht nur unschlagbar günstig ist, sondern von dem ausgehend es auch nie wieder teurer werden kann. Ganz einfach, weil wir komplett unabhängig sind und fast keine Brennstoffe mehr brauchen.

Sie haben Silicon-Valley-mäßig ihren ersten Stromspeicher in einer Garage entwickelt. Was war da los, Herr Feilmeier, im Jahr 2011?

Franz-Josef Feilmeier: Ja, daran erinnere ich mich gerne. Ich habe mit einem Freund zusammen in Papas Garage an dem allerersten Stromspeicher gebastelt. Wir haben ihn aus alten E-Auto-Batterien zusammengebaut. Die Batterien, die in Elektroautos verbaut sind, werden heutzutage nicht recycelt. Sie sind für einen weiteren Einsatz in Autos nicht mehr geeignet, verfügen aber immer noch über eine enorme Speicherkapazität. Da haben wir uns gedacht: Warum diese Speicherkapazität nicht nutzbar machen? Das war alles natürlich noch weit weg von einem Speicher moderner Bauart.

Welche Schritte mussten folgen, um moderne Stromspeicher zu bauen?

Franz-Josef Feilmeier: Wir mussten unzählige kleine und große Anpassungen und Veränderungen an der Hardware sowie der Software der Energiespeicher vornehmen. Wir haben versucht, eine „Energiereise“ zu machen, also den Speicher einer Anlage – egal ob für die Wirtschaft oder die heimische Wohnung – irgendwann auch mit Elektromobilität zu denken, irgendwann mit einer Stromverbindung zur Heizung zu denken, irgendwann mit modernen Stromtarifen zu denken, die ganzjährig einheitliche Preise beinhalten. Und so weiter und so fort. Wie gesagt, wirklich ganz viele kleine Schritte und Entwicklungen.

Was wir damit erreicht haben, ist die Flexibilität. Bei uns sind alle Produkte erweiterbar – in Kapazität, Leistung und den Software-Anwendungen – und die Erweiterungen funktionieren kinderleicht, so als würde ich Apps für mein Smartphone im Store herunterladen. Meine Vision ist immer noch dieselbe wie 2011: 100 Prozent erneuerbare Energien. Wir entwickeln alle Lösungen für eine Welt, die sich in Strom, Wärme und Mobilität komplett erneuerbar versorgt.

Woran basteln Sie aktuell? Was sind Ihre Pläne in der Zukunft?

Franz-Josef Feilmeier: Die Stromspeicher sind endlich ihrem Nischendasein entwachsen, mittlerweile wird praktisch jede neue Photovoltaik-Anlage zusammen mit einem Stromspeicher installiert. Viele Speicher kommen zudem zur Netzausbauvermeidung, der Kappung von Lastspitzen oder auch zur Nutzung günstiger Börsenstrompreise zum Einsatz.

Diesen Aufschwung am Speichermarkt spüren auch wir – sowohl was unsere Heimspeicher anbelangt als auch unsere großen Speicher für Gewerbe, Industrie, Lade- und Solarparks. Und deshalb bauen wir gerade die „CarBatteryReFactory“, eine Fabrik für Industriespeicher aus Zero- und Second-Life-Fahrzeugbatterien. Das heißt, dass wir nur Ersatzteilbatterien verwenden sowie Batterien, die bereits in Fahrzeugen im Einsatz waren. Die Fabrik entsteht im niederbayerischen Iggensbach. Das ist ein großes Vorhaben, das wir glücklicherweise durch eine Crowdfunding-Kampagne und mit Hilfe von Fördermitteln stemmen können. Wir haben als eines von nur zwei deutschen Unternehmen eine Förderung aus dem EU-Innovationsfonds erhalten, der besonders klimafreundliche Projekte unterstützt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Spatenstich für die Energiewende: Hier entsteht eine neue Auto-Batterien-Recycling-Fabrik.
Spatenstich für die Energiewende: Hier entsteht eine neue Auto-Batterien-Recycling-Fabrik. Foto: FENECON GmbH

Die Energiewende beschäftigt uns auf dem GLS Blog. Wie können wir jetzt unsere Energieversorgung transformieren? Darum geht es zum Beispiel in einem Gespräch mit der Energieexpertin Prof. Dr. Claudia Kemfert, das wir im April 2022 geführt haben. Im September 2022 haben wir einen intensiven Blick auf das Erneuerbare Energien Gesetz geworfen.


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Eine Antwort zu „Energiewende: Warum wir Speicher aus E-Auto-Batterien brauchen“

  1. Avatar von Cord Tepelmann

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    Hier ein ergänzender Beitrag von Frank Farenski und Prof. Eicke R, Weber, European Solar Manufacturing Coucil: https://youtu.be/Py_UNDKFhmI.

    Den Link zu diesem Blogbeitrag habe ich als Kommentar zum vorgenannten Beitrag empfohlen.

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