Warum Du jetzt ein Lastenrad kaufen musst!

„Durch ein Lastenrad bekommt das Bekenntnis zur Regionalität gelebten Ausdruck.“

Warum Du jetzt ein Lastenrad kaufen musst!Dieser Satz schoss mir durch den Kopf, als ich gestern mit Kind und Kegel im Urban Arrow zum Veggihaus sauste. Was für ein Lebensgefühl der Freiheit: Das Kind direkt im Garten oder vor der Wohnungstür eingepackt – da darf jedes Kuscheltier und Feuerwehrauto mit –, ohne Parkplatzsuche kurz in die Innenstadt geflitzt und danach ab in den Park. Decke raus, Spielsachen raus und das Picknick kann starten. Und all dies in der wohl schönsten Fahrradfahrzeit: In der man auf leeren Straßen ohne Stress über den Asphalt gleiten darf, der sonst nur den Autos vorbehalten ist. Kurz: Es gab nie einen besseren Zeitpunkt, um Rad zu fahren oder damit heute zu beginnen.

Man hat mit diesem Gefährt nahezu alle Freiheiten eines Autos: bequem und schnell einkaufen gehen, Kind, Baby und Einkäufe trocken und windgeschützt von A nach B bringen oder mit kühlen Getränken direkt in den Park fahren. In Zeiten von Corona kommen weitere Vorteile für die eigene Gesundheit hinzu: Man bleibt an der frischen Luft, bewegt sich und der Radius bleibt in den gut 80 Kilometern Reichweite, die 500-Wattstunden-Akku liefert. Aber man macht eben nicht den Quatsch zu dem ein ein Auto verleitet, wie zum Shoppen Hunderte von Kilometern zu einem Outlet-Center zu rasen.

Neben diesen Soft Skills für die eigene Lebensqualität sind Lastenräder noch in einer anderen Kategorie unschlagbar: Sie sind Klimachampion! Wer verstehen will, wie man ehrlich und authentisch dem Klimawandel die Stirn bietet, kommt um den Begriff der Primärenergie nicht herum. Was sperrig klingt, beschreibt einfach nur die gesamte Kette an Energie, die in etwas steckt oder für etwas verbraucht wird. Also wie viel Energie steckt in einem Liter Diesel?

BigBang-Nerd-Exkurs in die Physik

Warum Du jetzt ein Lastenrad kaufen musst!

Die Antwort: ≈ 10.000 Wattstunden. Doch ist das viel? Ist das wenig? Ist das gut oder gar böse? Das kommt darauf an. In Zeiten, in denen wir um des Überlebens unserer Zivilisation willen für jedes Gramm CO2-Einsparung hart arbeiten müssen, ist das sehr viel und damit leider böse (vgl. Ha Vinh Tho). Oder positiv gedacht: Der Vergleich der verbrauchten Energie pro Kilometer (km) zeigt, warum E-Bikes, E-Lastenräder oder das gute alte Fahrrad den mit Abstand wichtigsten Beitrag zu Mobilitätswende leisten werden und damit moralisch gut sind. Und da ist die Embodied Energy noch gar nicht mit eingerechnet.

Warum Du jetzt ein Lastenrad kaufen musst!

In den Akku des unten abgebildeten Urban Arrows passen besagte 500 Wattstunden (Wh). Damit schafft man gemütlich 60 bis 80 km Strecke auch bei den vielen Bergen des Ruhrgebiets, die man in Süddeutschland auch als „Hügel“ diffamieren würde. Mit der gleichen Menge Energie kommt ein Tesla Model X – das bereits effizient ist – ca. 2 km weit. Ein sparsames Dieselauto wie ein Seat Ibizia mit viel Glück 1 km.*

Lastenrad für Unternehmen von XCYC

Denn in einem Liter Diesel stecken besagte 10.000 Wattstunden an Primärenergie. Allerdings verbrauchen Verbrennungsmotoren auf den ersten Metern exorbitant viel Sprit. Man verbläst also quasi schon beim Anlassen die gesamte Menge an Energie, mit der man mit einem Lastenrad mit Kind und Kegel 60 bis 80 Kilometer weit kommen würde. Nur mit dem Unterschied, dass das Lastenrad keinen Lärm macht, weniger (Park-)Platz braucht, keine vergiftenden Gase erzeugt und man wirklich überall hinkommt. Da hilft es auch nicht, dass Bill Gates beeindruckt ist, wie viel Energie man mit einer Tankladung in ein Auto bekommt (Quelle). Auch dieser alte weiße Mann aus Amerika hat es leider noch nicht verstanden: Das smarte Weniger ist das neue Mehr.

Und nein: Ich wollte diesen Satz schon schreiben bevor Bill Gates Bashing unter Verschwörungsideologen in Mode kam ;-).

Lastenrad-kaufen-tabelle-2

BigBang-Nerd-Exkurs in die Psychologie

 

Soviel zur Physik: Aber der Mensch ist eben ein emotional geleitetes Wesen. Seine Gewohnheiten und Rhythmen, die sie oder er sich aufbaut und braucht, vermitteln das Gefühl von Kontrolle und Geborgenheit. Doch es gibt ein Momentum, in dem sich alles wandeln kann und darf. Der Augenblick, wo die besinnungslose Betriebsamkeit (Grünewald) zum Erliegen kommen und das was sein musste, nicht mehr sein muss: Lebensumbruchsphasen. Die Geburt des eigenen Kindes, ein Kulturwechsel, ein Partnerwechsel oder eben Corona sind das Momentum, in dem unser Gehirn ungewöhnlich offen für mentale Beweglichkeit wird. Wo sich alles neu sortieren kann, kein Paradigmenwechsel zu tollkühn erscheint und plötzlich möglich wird, was vorher nicht möglich schien: zum Beispiel wie in Japan überall mit einer Maske rumzulaufen ;).

Das kann man sich zunutze machen. Im Bösen, wie es Firmen wie Walmart und andere in den USA bereits seit Jahren tun, wie der New Times-Journalist Charles Duhigg in seinem Artikel How Companies Learn Your Secrets offenlegte. Oder im Guten: Indem man diese aktuelle Zeit nutzt, um das anzugehen und umzusetzen, wovon der Verstand lange wusste, dass es ansteht. Denn machen wir uns nichts vor: „Pretty much everyone who can read knows we are in trouble,“
wie es der Harvardprofessor Dan Gilbert in seinem Zehn-Minuten-Talk zu „Global Warming and Psychology“ ausdrückt.

Brauchten wir wirklich Greta, damit wir wissen, dass wir zu unserer eigenen Dekadenz Kerosin und Öl wie Heu verblasen? Nein! Jede*r, die oder der bis drei zählen kann, weiß, dass der Weg von 12 Tonnen CO2 Konsum pro Kopf zu 1,5 Tonnen pro Jahr ein langer und harter ist, sowie, dass billiges Fleisch oder Käse essen, in Flugzeuge steigen und alleine mit einem Auto – dem Luftwiderstand im Quadrat trotzend  – mehrere Marathons zu pendeln, um sich vor einen Computer zu setzen, einfach SCHEISSE fürs Klima ist und eine dumme Idee sein könnte. Von den sofortigen Kollateralschäden für Mensch und Tier
mal ganz zu schweigen (vgl. Newton in „Die Anstalt“  und Ha Vinh Tho „Krieg und Öl“ GLS Hauptversammlung 2017). Es ist einfach entfesselter, bodenloser Irrsinn und das wissen wir. Allein das richtige Handeln fällt uns schwer.
Doch nun merken wir – leider getrieben von Not und nicht von Einsicht – dass durch Transformation, also einfach die Umorganisation des Alltags, auch ein anderes, gutes Leben möglich ist, das ohne all diese Nachteile auskommt.

Denn die Waren fließen weiter, es herrscht keine existenzielle Not in Deutschland, da Krankenversicherung und Sozialstaat für alle da sind. Einzig die bestehende massive ungleiche Verteilung von Teilhabe und Vermögen in der Gesellschaft wird ohne ein Grundeinkommen, das den Namen verdient, ungelöst bleiben.

Fazit mit Corona-Bier im Lastenrad

Mit dem GLS Lastenrad und Gepäck auf einer fünftägigen 500 km Tour in der Eifel

Aber was hat das jetzt alles mit dem Lastenrad und Corona zu tun? Nun wenn es lange Euer Wunsch war, konsistent zu Euren sozial-ökologischen Werten zu leben, Ihr es aber aus welchen guten Gründen auch immer bisher nicht geschafft habt, so zu leben, dann ist nun DER Zeitpunkt gekommen vieles anders und besser zu machen. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, um das eigene Auto oder bei machen auch den Zweitwagen gegen ein hochwertiges eLastenrad oder zwei E-Bikes mit Anhänger zu tauschen. Es wird Euch leichter fallen als jemals zuvor.

Denn nicht nur werdet Ihr durch die äußeren Umstände offen für diesen Wandel. Sondern auch andere Menschen werden Euch mit Eurem Lastenrad wahrnehmen und sich selbst hinterfragen, ob sie ihre uncoole, stinkend Weltvernichtungsmaschine wirklich anwerfen müssen, um von A nach B zu kommen ;-). Jetzt ist das Zeitfenster, wo alles anders werden darf und wo alles anders sein kann. Wo man merkt, dass ein gutes und wundervolles Leben mit weniger Primärenergie, aber dafür mit mehr Sinn möglich ist.

Übrigens: Auch ein Lastenrad kann man gemeinschaftlich anschaffen und teilen! So ist das der GLS Bank per Schlüsselkasten von Fleester in das Carsharing-System der Bank eingebunden und für 5€ am Tag ausleihbar. Das geht auch im Doppelhaus oder einer Wohnsiedlung :). Wenn man sein schönes Gefährt dann hat kann man es gut und günstig über Elinor versichern lassen.

PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man Guerilla-Zebrastreifen auf die Straßen sprühen sollte.

Lastenräder im Überblick

Kauf, Versicherung und Zubehör

Weitere Artikel von Patrick Held:

Was ich im Tinyhouse gelernt habe – Teil 2

* Ich bin kein Ingenieur oder Physiker aber nach akademischen Gewissen gewillt jede These gut zu begründen. Den obigen Angaben liegt folgende Annahme zu Grunde: Ein Dieselauto verbraucht 5 Liter auf 100 km. 5 Liter mal 10.000 Wattstunden sind 50.000 Wattstunden. 100 km sind die 500 Wattstunden pro km.

  1. Michael E. Müller

    Hallo Herr Held,
    ist ein sehr interessanter Beitrag dem ich voll und ganz zustimme.
    Allerdings stelle ich mir die Frage, ob in den angegebenen 8 Wattstunden/Km beim Fahrrad auch die „Energiezufuhr durch Nahrungsmittel“, also die Produktion und Zubereitung (alle „sekundär“ benötigten Energien) noch mit einberechnet werden sollten? Denn die 60-80Km werden durch e-Energie und Muskelenergie erreicht…
    Wir brauchen solche „Gründenker“ und „Querdenker“ die sich trauen solche Themen öffentlich zu diskutieren.

    Michael (Raum Stuttgart/Bodensee)

    • Lieber Herr Müller,
      ich gebe zu, dass man da rein technisch etwas schummelt. Natürlich tritt ein Mensch entsprechend Watt dazu. Aber die Technik soll ja dem Menschen dienen und nicht der Mensch der Technik (vgl. Günther Anders).
      Natürlich verbraucht ein Mensch vielleicht mehr „Energie“, wenn er Rad fährt und auch die sollte ökologisch und regional erzeugt werden. Aber er stärkt dabei auch seinen Körper und Geist macht also etwas Positives mit dieser Energie für seinen Körper. Auf der Gegenseite könnte ich eine Liste aufzählen, wo die mangelhafte Bewegung bei Menschen durch Krankheit und Medikamente viel „Energie“ und Lebensfreude raubt. Nicht umsonst sagen viele Krankenkassen, „Sitzen ist das neue Rauchen.“

      Und auch in jedem Liter Benzin steckt ja schon eine ganze Menge Energie bis er von der Förderung, durch die Raffinerie, per Tankschiff und LKW bis zur Tankstelle kommt. Also kurz: Ja, technisch haben Sie natürlich recht. Es sind die 8 Watt plus die individuelle Tretkraft des Menschen. Nur die anderen positiven Nebeneffekte überwiegen hoffentlich menschlich wie ökologisch :-).

  2. Alexandra Hähr

    Ich bitte mal zu bedenken unter welch katastrophalen Bedingungen für Mensch und Umwelt, die Batterien hergestellt werden!
    Nur damit wir saubere Luft atmen können, zerstören wir ganze Landschaften.
    Ich kann den Egoismus und die Heuchelei nicht mehr ertragen.

    • Liebe Alexandra,
      das ist natürlich ein wichtiger Punkt bei dem ich ethisch voll bei Dir bin. Allerdings macht ja „die Menge das Gift.“ In diesem Lastenrad steckt zum Beispiel ein 500 Wattstunden Akku von Bosch. Der benötigt nur ein Hundertstel (50.000 Wh/500 Wh) der Ressourcen, die in einem 50 kWh eAuto stecken. Es geht aber nicht nur, um Akkus sondern Ressourcen allgemein: Stahl, Aluminum, seltene Erden. Sie stecken in allem was wir im Alltag nutzen. Es ist wichtig dafür politisch zu arbeiten, dass diese Ressourcen sozial und ökologisch erschlossen und wieder recycelt werden. Noch wichtiger ist aber weniger davon zu verbrauchen. Ganz ohne Unterstützung könnte ich mit dem Lastenrad niemals über Berge hinweg „Kind und Kegel“ bewegen. Da würde ich dann ein Auto ausleihen und in dem steckt ja durch die Produktion viel mehr Energie / Ressourcen. Zumal die Produktionsbedingungen der Erdöl-Förderung nicht besser sind als die von Lithium und Erdöl immer wieder ein Kriegstreiber ist (vgl. Ha Vinh Tho GLS Hauptversammlung 2017)

      Kurz: Ich hoffe ich konnte Dich überzeugen, dass es besser ist mit einem kleinen e-Bike-Akku zu fahren, als mit einem großen Stahl-/Erdölauto. Aber wir müssen uns natürlich gemeinschaftlich dafür einsetzen, dass so wenig Akkus wie nötig unter vernünftigen Bedingungen für Umwelt und Natur erzeugt werden. Da bin ich bei Dir.

    • Hallo,

      warum müssen ständig Äpfel gegen Birnen aufgewogen werden? Die ganzen negativen Folgen der Rohölproduktion werden einfach hingenommen, während über die Akkus geschimpft wird (einfach mal nach „Ölsand“ suchen, Leck geschlagene Pipelines, „Deep Water Horizon“ o.ä.).
      Außen stimmen die 10 kWh Energie, die in Diesel enthalten sind, nur bedingt. Bei der Betrachtung wird die zur Förderung, Raffinierung und Transport benötige Energie nicht berücksichtigt, und das sind – je nach Herstellung – 5 bis 25 kWh, also noch mal das bis zu 2,5-fachte von dem, was dann tatsächlich ins Auto getankt wird. Ein „sparsames“ Auto mit 6 l/100km hat also real einen CO2-Ausstoß wie 9-20 Liter Diesel.
      In diesem Sinne bitte ich Sie um eine ganzheitliche Betrachtung.

  3. Pingback: Was ich im Tinyhouse gelernt habe – Teil 2 - Das Blog

  4. ganz schön offensiver Titel, welcher Azubi hat diesen dauerwerbeartikel verfasst xd klar hier gehts um nachhaltigkeit und nicht darum warum DU UNSER PRODUKT KAUFEN MUSST

    • Der Azubi bin ich ;-). Und müssen, musst Du nichts. Weniger ist immer mehr. Aber für alle die jetzt den Mut aufbringen wollen ihr Auto gegen ein Lastenrad zu tauschen, für die wäre jetzt der beste Zeitpunkt. Warum steht im Artikel ;). Zudem muss man es ja auch nicht alleine „konsumieren“, sondern kann ein Lastenrad auch gemeinschaftlich anschaffen. HG aus Bochum Patrick

  5. Und natürlich habe ich die hier angegeben Werte für das Lastenrad auch selbst getestet ;-) wie man in dieser Tour von Bochum nach Aachen sieht:
    https://www.instagram.com/p/CAa_28VB350/?igshid=1c9vhz984kx1n

  6. Hallo Patrick,

    ich kann deine Begeisterung und das Gefühl mit einem Lastenrad durch die
    Urbane Region zu fahren nur teilen.

    Ich selbst habe vor 5 Jahren ein Lastenradunternehmen gegründet und habe jetzt
    8 Lastenräder und 3 mittlere und 3 große Anhänger zum transportieren von Waren.

    Die Denke, das Lebensgefühl, deine Einstellung zu vielen Dingen verändert sich.

    Selbst jetzt, wo ich privat auf´s Land gezogen bin, fühle ich mich erst richtig wohl, wenn
    ich die meisten Erledigungen mit dem Rad machen kann.

    Ich denke in Radentfernung, in passenden Mengen/Gewicht für das Rad usw.

    Mit unserem 2018 gegründeten Lastenradverband (rlvd.de) arbeiten wir dran, noch viel mehr vom Verbrenner auf das Lastenrad zu bringen.

    Liebe Grüße
    Klaus

    • Lieber Klaus, danke für dieses Feedback und Deine Geschichte. Gibt es irgendwo Bilder von Euren Rädern? Welche Räder kannst Du für welchen Zweck empfehlen? LG Patrick :)

  7. Alexander

    Hallo Herr Held, sie haben einen begeisternden Artikel geschrieben, aber mir hilft er nicht weiter. Ich wohne in einer Kleinstadt (9000 Einwohner) und bis in die nächste Großstadt, wo ich beruflich bedingt mindestens zweimal in der Woche nur für ein, zwei Stunden hin muss brauch ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad 1,5 Stunden für eine Strecke, während ich mit dem PKW nur eine halbe Stunde brauch. Das sind also 4 Stunden weniger , oder ein halber Arbeitstag pro Woche. Car-Sharing gibt es hier auch nicht und Taxi wäre sehr teuer. Vom schlechten Wetter und einem Termin mit angemssener Kleidung will ich gar nicht reden. So habe ich doch einen PKW , weil alles andere Zeit für die Familie wegnehmen würde. Wenn es da Wege gäbe, ohne in die Großstadt zu ziehen, das würde mich noch mehr interessieren.

    • Lieber Herr Alexander,
      ich will auch gar nicht behaupten, dass mein Ansatz auf 100% aller Menschen in Deutschland passt. Zudem braucht Wandel Zeit und mutige Ideen. Aber Corona hat auch gezeigt, dass vieles anders laufen kann, wenn es anders laufen muss. Niemand der im Büro den ganzen Tag an einem PC sitze muss sich dafür vorher in ein Auto setzen. Bei ihrem Job mag und darf das natürlich gerne anders sein. Aber haben Sie wirklich mal alle Alternativen angegangen? Wie weit ist denn Ihre Pendel-Strecke? Muss es wirklich ein Verbrenner sein oder täte es auch ein kleines E-Auto wie ein iON oder der Sion (https://sonomotors.com/), die Sie bei der Arbeit laden können? Eventuell wäre für Sie auch das zukünftige Twike 5 (https://twike.com/) als Mischung von Auto und eBike etwas?

      Ansonsten kann man auch selber mit dem Teilen beginnen … Teilen Sie ihr Auto mit Freunden und Nachbarn, denn das meiste CO2 entsteht nicht in der Nutzung, sondern Produktion von PKWs. Man kann Autos via Fleester App für ca. 300€ zum Carsharing-Auto nachrüsten … Worauf ich hinaus will ist dies: Natürlich gibt es immer Situationen, wo ein Auto nicht nur bequem, sondern auch sinnvoll sein kann. Aber oft ist es eben vor allem bequem und daher muss man sich fragen, ob man wirklich an die Grenzen des Möglichen gegangen ist oder ob man nicht selbst etwas dafür tun kann die Rahmenbedingungen zu verändern. Es gibt kein Carsharing bei Ihnen? Dann gründen Sie doch einen Verein. Freunde von mir in Bamberg erklären Ihnen sicher gerne wie das geht: https://www.meiaudo.de/
      Herzliche Grüße :)

    • Alexander Wagner

      Lieber Herr Held,

      danke für Ihre schnelle Antowrt. Ich würde als erstes sagen, ich habe alle Alternativen geprüft und keine gut Idee gefunden. Also, im einzelnen:

      Es sind per Radweg 19 km bis in die Innenstadt, meine Tochter zum Klavierunterricht fahren kann ich aber schlecht nur mit dem Fahrrad, da ist sie nun schon „zu alt“ als Teenager. Ich brauch alos 2 Fahrräder. Wenn ich sonst in der Stadt bin, sind es sehr offizielle Termine im Anzug, da kann ichmich auch schlecht vorher irgendwo umziehen.

      Bei Auto bin ich dann eher so eingestellt, dass ich es lieber fahre, bis es wirklich nicht mehr funktioniert, alos nicht mehr reparbel ist. Der Dieselmotor sollte ja so 250.000 km laufen, diese Woche hörte ich, dass der Akku vom Elektroauto nur 100.000 – 150.000 km halten würde und es in der nächsten Zeit erst haltbarere gäbe. Außerdem kann ich mit dem einen Auto auch mal noch einen Anhänger ziehen, wenn ich was fürs Grundstück brauche und damit zumindest in Europa mit dem Campingwagen sicherlich mit weiniger Umweltverschmutzung als bei anderen Urlaubsformen Ulraub machen. So brauche ich nur das eine Auto und ein normales Fahrrad, ach und für das habe ich sogar noch einen Lastenahänger, womit ich 60 kg ans Fahrrad hängen kann.

      Das mit dem Teilen vom Auto machen wir im Prinzip schon in der Familie (mein Sohn ist 19 Jahre und braucht das Auto auch, um damit in den Landwirtschaftsbetrieb aufs Feld zu fahren), früher haben wir es auch mit Freunden geteilt. Wir kamen aber auch an den Punkt, dass die Arbeitszeit halt meist am Tag ist und alle zur gleichen Zeit ein Fahrzeug brauchen. So ganz toll funktioniert es nicht.

      Ich bin ja eher der Meinung, man sollte sich insgesamt beschränken und nur das notwendigste anschaffen. Muss es wirklich ein ganz tolles Elektrorad sein, wenn ich eigentlich gesund bin und das alte Fahhrad nur eine Überholung bräuchte oder mit einer guten Schaltung (z.B. von Roloff) ein schönes Fahrerlebnis bietet? Brauch ich wirklich einen Elektroroller, wenn ich sowieso einen PKW habe? Muss ich überhaupt immer alles neue haben, wenn ich doch weiß, was die Herstellung für Schmutz macht und an Energie kostet?

      Manchmal habe ich das Gefühl, das vieles von dem, was für so umweltverträglich angepriesen wird, nichts anderes als althergebrachte Verkaufstaktik ist. Mit dem Hinweis auf den angeblichen Umweltbeitrag werden vielerlei Produkte verkauft, ohne die es bisher auch ging. So wird natürlich das bisherige Wirtschaftssystem weiter gestützt, halt nur mit anderen Argumenten. Ich denke, da sollte man weiter drüber diskutieren in einer guten Form und mit dem Ziel, konkrete Veränderungen zu erreichen.

      Herzliche Grüße

    • Lieber Herr Alexander,
      da kann ich als Freund der Postwachstum-Ökonomie in der Tat wenig gegen einwenden. Das klingt alles sehr gut, wie Sie es machen. Nur ich glaube Sie sind da, so wie ich, ein Sonderfall und bei ganz vielen anderen Menschen wäre noch großes Einsparpotenzial im Alltag. Gerade in der Stadt – wo ich im Moment lebe – fühlt sich das Leben anders an. Hier müsste eingentlich niemand ein Auto selbst besitzen, wenn es genügend Carsharing-Autos und Lastenräder gäbe.

      Ich bin ganz bei Ihnen: Wer schon ein Auto hat, soll nicht noch x-Sachen zusätzlich anschaffen. (Wobei man die Energie für einen Lastenrad-Akku sicher schnell, mit eingesparten Verbrennungsautofahrten wieder drin hätte.) Oft ist so als würde man einen energieeffizenten Kühlschrank kaufen und den Alten im Keller weiterzubetreiben mit dem Argument: „Der ist ja noch gut.“ Das macht keinen Sinn. Aber Wandel ist möglich und für mich ist nur durch die e-Unterstützung des Urban Arrow Lastenrad und das S-Pedelec zu einem echten Autoersatz geworden, den ein normales Rad nie hätte werden können. Das muss man selbst erlebt haben :):

      Dieses Erlebnis an Menschen zu tragen, die auch gerade überlegen mit Kindern ohne Auto oder ohne zweites Auto zu leben, ist mein Anliegen. Und eAuto hin oder her: Die geballte Energie, die in einem Liter Diesel zu 75% nur in heiße Luft verwandelt wird und die Menge an Öl, die schon verbraucht wurde, um diesen Liter zu erzeugen, tut leider einfach weh. Diese Verschwendung kann nicht zukunftsweisend sein und braucht Ersatz.
      Kennen Sie übrigens den Renault Twizy? Der könnte zumindest Ihren Alltag gut abbilden. Vielleicht ist in Ihrem Falle wirklich nichts mehr zu verbessern, aber ich denke da immer an meine Großeltern: 4 Kinder und nur 3 Autos auf der gesamten Straße bei dutzenden Familien. Wenn das vor Zeiten des Internets möglich war, muss es doch wohl heute in Zeiten der Shareeconomy erst recht möglich sein, oder?

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