Glyphosat wirkt sich unter anderem auch auf Kaulquappen aus, die auf diesem Foto zu sehen sind.

Warum ein Glyphosat-Verbot so wichtig ist

Glyphosat als Gift ist seit einigen Jahren in aller Munde. Inwieweit darf man es nutzen? Wer darf es nutzen? Und wie genau wirkt Glyphosat eigentlich?

Mehr darüber zu wissen, ist wichtig: Im zweiten Halbjahr 2023 findet auf EU-Ebene eine erneute Abstimmung über die Wiederzulassung von Glyphosat statt – und du kannst deine Stimme für ein Verbot einsetzen.

Glyphosat und dessen Auswirkung

First Things first: Was genau ist Glyphosat und was sind die Auswirkungen?

Glyphosat ist ein Totalherbizid. Das bedeutet, dass es alle Pflanzen tötet, die nicht gentechnisch so verändert sind, dass sie es überleben. Ziemlich radikal also.

Der Einsatz eines so starken Pflanzen-„schutz“-mittels bringt einige Nachteile mit sich. So hat Glyphosat zum Beispiel Einfluss auf den Rückgang der Artenvielfalt. Es hat eine direkte Auswirkung auf die Ackerflora und eine indirekte Auswirkung auf die Ackerfauna. [Update vom 13.6.: Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien, die zeigen, dass Glyphosat auch direkte Auswirkungen auf Insekten hat, nicht nur indirekte (siehe zum Beispiel die Entwicklung von Florfliegenlarven oder die Gefährdung des Bruterfolgs von Hummeln).] Dadurch, dass das Mittel auch die Wildpflanzen rund um die Äcker schädigt, bieten diese weniger Lebensraum für Insekten. Dadurch wiederum reduziert sich die Nahrung von Vögeln. Ganze 30 Prozent aller Vögel der Agrarlandschaft sind bereits auf der Roten Liste der bestandsbedrohten Arten.

Im September 2018 belegte PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences), dass Glyphosat eine große Rolle vor allem im Bienensterben spielt.

In unseren Gewässern und Kläranlagen sollte Glyphosat laut Zulassungsbericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gar nicht landen. Es hat sich aber gezeigt: Glyphosat und das Abbauprodukt AMPA greifen Wasserbewohner an und bereiten besonders den Amphibien große Probleme. Zum Beispiel sterben Kaulquappen, da die schädlichen Stoffe im Wasser ihre Embryonalentwicklung stören.

Glyphosat wirkt sich unter anderem auch auf Kaulquappen aus, die auf diesem Foto zu sehen sind.

In unsere Kläranlagen gelangen die Stoffe vor allem durch unrechtmäßigen Gebrauch auf Gehwegen. Von dort aus landen sie in der Kanalisation und in Klärwerken. Glyphosat wird von der Europäischen Chemikalienagentur ECHA als „giftig für Wasserlebewesen” eingestuft, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte es 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Somit nehmen wir diese Stoffe nicht nur über unser Essen, sondern auch über unser Wasser auf.

Nutzung von Glyphosat

Nun zu der Frage, wo und wie Glyphosat eingesetzt wird.

Traurig, aber wahr: Es wird weltweit verwendet. An den erstmal offensichtlichen Orten wie in der Landwirtschaft, im Obst-, Wein- und Zierpflanzenbau und auf Christbaumplantagen. Aber auch auf Grünflächen im urbanen Raum: erstaunlicherweise in Parkanlagen, auf Bahngleisen und in privaten Gärten, obwohl laut BMEL Folgendes gilt:

„Die Anwendung von Glyphosat im Haus- und Kleingartenbereich und auf Flächen, die von der Allgemeinheit genutzt werden, wie öffentliche Parks und Gärten, Sport- und Freizeitplätze, Schulgelände und Kinderspielplätze, ist verboten.”

Auf 39 Prozent der deutschen Ackerflächen wird Glyphosat gespritzt. Vor der Aussaat und nach der Ernte. Es ist somit ein ständiger Begleiter in der Landwirtschaft. [Update vom 13.6.: In diesem Absatz haben wir die Aussage entfernt, dass Glyphosat „kurz vor der Ernte (Raps und Hülsenfrüchte reifen dadurch schneller)” gespritzt wird, denn dies ist tatsächlich mittlerweile verboten.]

Die Bundesregierung hat den Vertrieb von Glyphosat ab Januar 2024 bereits verboten. Den Plan zum Glyphosat-Ausstieg gibt es im Netz.

Mithelfen!

So, und was kannst du jetzt machen?

Unterschreiben! In der zweiten Hälfte dieses Jahres wird erneut über die Wiederzulassung von Glyphosat auf EU-Ebene entschieden. Deshalb startet das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft (BeL) jetzt eine neue Kampagne für ein Nutzungsverbot dieses Wirkstoffes. Die Kampagne soll Druck auf die Regierung ausüben, damit diese gegen die Wiederzulassung stimmt.

Teil der Kampagne ist eine Petition. Setze jetzt deine Unterschrift für glyphosatfreie Grünflächen!

Ein weiterer Teil der Kampagne ist das direkte Anschreiben von EU-Abgeordneten, das ab dem 7. Juni möglich sein wird. Bleibe also neugierig und verfolge die Kampagne auf den Seiten des Bündnisses! Für dich, für Mensch und Natur, für die Reduzierung von Pestiziden.

Was du noch tun kannst, erfährt du in diesem Blogbeitrag.

Pestizidabgabe – Agrarwende politisch anpacken

  1. Hartwig Callsen

    Der Bericht enthält und suggeriert Unwahrheiten über Glyphosat !
    Zum einen ist die Anwendung vor der Ernte zur Sikkation / Trocknung in Deutschland schon seit 2015 verboten – dieses Verbot ist auch ein Grund, weshalb die Erzeugnisse unserer heimischen Landwirtschaft keine Glyphosat-Rückstände enthalten, da die Kulturpflanzen gar nicht mit Glyphosat in Kontakt kommen. Wenn Rückstände gefunden werden, dann in industriell verarbeiteten und/oder importierten Nahrungsmitteln.
    Zum anderen wird hier das Märchen wiederholt von dem Rückgang der Artenvielfalt auf den Äckern durch Glyphosat – auch das trifft auf die Anwendung in der deutschen Landwirtschaft nicht zu, denn tatsächlich ist es so, dass auf unseren Äckern keine einzige Pflanze durch Glyphosat abgetötet wird, die weiterleben würde, wenn es Glyphosat nicht (mehr) gäbe !
    Und gerade Vögel profitieren stark von der Habitaterhaltung, die durch die Anwendung von Glyphosat anstatt Bodenbearbeitung (Conservation Agriculture) möglich ist, wie internationale Studien genauso wie Beobachtungen auf unseren Äckern zeigen.

    Warum das so ist, wird leichtverständlich in diesem Faktencheck-Video erklärt:

    https://www.youtube.com/watch?v=v8TwgVf_zrQ

    Bitte in Zukunft besser recherchieren und wahrheitsgemäß & objektiv berichten. Danke.

  2. Antje Tönnis

    Lieber Herr Callsen,
    Ihre positive Einschätzung zu Glyphosateinsatz können wir, kann ich nicht teilen. Ich leite die Kommunikationsabteilung der GLS Bank, dies als Transparenz-Hinweis.

    Viele Studien belegen erhebliche Probleme, selbst bei einmaliger Ausbringung gibt es massive Auswirkungen auf Umwelt und Artenvielfalt. Hier einige Studien:

    Die Studie zur Pestizidbelastung der Luft vom Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft (https://enkeltauglich.bio/start/pestizide/p-in-der-luft/) zeigt, dass sich Glyphosat über die Luft in ganz Deutschland verbreitet. So gelangt es auch in Städte und Naturschutzgebiete – weit abseits von Äckern. 

    Das Herbizid belastet unsere Böden und schädigt dort unter anderem die für die Bodengesundheit wichtigen Regenwürmer, wie eine Studie des österreichischen Forschungsteams BOKU zeigt (https://infothek.landwende.de/glyphosate-based-herbicides-reduce-the-activity-and-reproduction-of-earthworms-and-lead-to-increased-soil-nutrient-concentrations). Und auch für unsere Gewässer ist Glyphosat eine Gefahr. Denn laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) ist es als „giftig für Wasserlebewesen“ eingestuft. Besonders Amphibien reagieren äußerst sensibel auf glyphosathaltige Pestizide: Es stört ihre embryonale Entwicklung und gefährdet so das Überleben von Kaulquappen (https://infothek.landwende.de/stoerung-der-entwicklung-von-kaulquappen-durch-glyphosat). 

    Indirekt belastet das Unkrautvernichtungsmittel ebenfalls die biologische Vielfalt, denn als Totalherbizid tötet Glyphosat flächendeckend alle Wildpflanzen ab, die auf dem Acker wachsen. So gefährdet es nicht nur die pflanzliche Vielfalt, sondern auch die der Tiere, die an diese Ackerlebensräume gebunden sind – insbesondere Insekten und Vögel. 

    Zahlreiche Bestäuber und Insekten schädigt Glyphosat zudem auch direkt. Eine aktuelle Studie (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969722082614) zeigt, dass glyphosathaltige Pestizide massive Auswirkungen auf Insekten haben, wenn diese das Ackergift über die Nahrung aufnehmen. Zudem beweisen zahlreiche Studien die schädlichen Auswirkungen von Glyphosat auf Bienen, welche in einem aktuellen Bericht von PAN Europe (https://enkeltauglich.bio/wp-content/uploads/Glyphosate-based-herbicides-and-their-impact-on-bees-health.pdf) zusammengefasst werden. 

    Viele Grüße an die schöne Schlei
    Antje Tönnis

    • Hartwig Callsen

      Liebe Frau Tönnis,
      wie viele andere Studien zu dem Thema auch, basiert die BOKU-Studie zu Regenwürmern auf einem Fehler in der Versuchsanstellung, der das Ergebnis zwangsläufig herbeigeführt hat: die Töpfe mit Glyphosat-Einsatz wurde so der Pflanzendecke und damit der Regenwurmnahrung beraubt, während die unbehandelten Töpfe weiter Nahrung boten – so sind die Regenwürmer buchstäblich verhungert, was auch auf jedem Acker nach Bodenbearbeitung passiert. Wäre die Studie richtig als c.p.-Versuch angelegt worden, hätte kurz nach der Glyphosat-Anwendung von allen Töpfen der Bewuchs entfernt werden müssen. So wurde das Ergebnis gezielt herbeigeführt, obwohl seit Charles Darwin bekannt ist, wie Regenwürmer auf solche Veränderung reagieren.

      Zur biologischen Vielfalt ist es eben so, wie in dem von mir verlinkten Video erklärt, dass in der deutschen Landwirtschaft keine einzige Pflanze durch Glyphosat abgetötet wird, die weiterleben und als z.B. Insektennahrung dienen könnte, wenn es Glyphosat nicht (mehr) gäbe. Das ist ein logischer Fakt.

      Insgesamt ist festzustellen, dass natürlich auch bei Glyphosat die Art der Anwendung die Auswirkungen bestimmt und bei Anwendung im System Direktsaat / Conservation Agriculture sind die mittelbar durch dieses Werkzeug ermöglichten Auswirkungen sehr positiv auf sehr viele unserer Allgemeingüter ! Ich habe etliche internationale Studien rund um diesen Themenkomplex hier auf Twitter zusammengestellt, falls es Sie interessiert :
      https://twitter.com/HartwigCallsen/status/1646037808065257473

      Falls Sie mal an die schöne Schlei kommen möchten, können Sie sich auf meinen Äckern gerne persönlich ein Bild von den positiven Auswirkungen von Conservation Agriculture mit Hilfe von Glyphosat machen, auch im direkten Vergleich zu anderen Anbausystemen ohne Glyphosat auf Nachbarflächen ! Ich habe nichts zu verbergen und kann Ihnen alles in Natura zeigen, wie ich es hier auch in den Videos von meinen Feldern zeige :
      https://www.youtube.com/@hartwigcallsen126/videos

      Das Video “Glyphosatverbot gefährdet Arten-, Gewässer- & Klimaschutz” darf ich Ihnen als besonders passend hierzu empfehlen ! Ebenso das Video “Regenwürmer auf Direktsaatfläche beobachtet”, wo Sie selber die Aktivität auf meinen Acker trotz jährlicher Glyphosatanwendung mal mit z.B. Ihrem Garten oder einem gepflügten (Bio-)Acker in Ihrer Nachbarschaft vergleichen können.

      Viele Grüße
      Hartwig Callsen

  3. Timo Hülsdünker

    Lieber Herr Callsen,

    ich kann mich Antje Tönnis nur anschließen: die schädlichen Auswirkungen, die Glyphosat auf Biodiversität, Grundwasser und Co. hat, sind mittlerweile hinreichend belegt. Nicht umsonst plant die Bundesregierung, die Zulassung dieses Herbizids ab 2024 nicht zu verlängern.

    Die Bundesregierung begründet ihre Entscheidung damit, dass Glyphosat als Breitbandherbizid de facto alle Pflanzen und Kräuter abtötet, die auf einem Acker gedeihen. Dadurch wird allen anderen an Ackerlebensräume gebundenen Arten wie Insekten oder Feldvögeln flächenhaft die Nahrungsgrundlage entzogen. In der Folge könnten ganze Nahrungsnetze von der Pflanze über Insekten bis zu den Feldvögeln geschädigt werden.

    Dies trifft natürlich nicht ausschließlich auf Glyphosat, sondern insgesamt auf alle Pestizide zu. Aus diesen Gründen ist der Einsatz von Pestiziden im ökologischen Landbau auch prinzipiell untersagt.

    Herzliche Grüße
    Timo Hülsdünker

    Zum Nachlesen:
    https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-883606
    https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/pflanze/grundlagen-pflanzenbau/pflanzenschutz/grundlagen/pflanzenschutzmittel-im-oeko-landbau/
    https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32021R1165&from=DE

    Transparenzhinweis: Ich arbeite für die Abteilung “Strategie und Entwicklung” der GLS Bank.

    • Hartwig Callsen

      Lieber Herr Hülsdünker,

      ergänzend zu der Antwort an Frau Tönnis darf ich Sie darauf hinweisen, dass die von Ihnen genannte Begründung unserer Bundesregierung zum beabsichtigten Glyphosatverbot nicht nur absurd, sondern auch fachlich und faktisch falsch ist – dies ist ja auch in dem von mir verlinkten Video dargestellt und erklärt ! Die ausführlichere fachliche Begründung dazu ist in diesem Twitter-Thread und den DruKos nachzulesen :
      https://twitter.com/HartwigCallsen/status/1502000022199672840

      In dem Zusammenhang nochmals der Hinweis, dass Bodenbearbeitung als gängige und empfohlene Alternative zu Glyphosat deutlich schädlichere Auwirkungen auf ganze Nahrungsnetze von Pflanzen, Insekten und Vögeln hat, weshalb nachweislich mehr von dieser Biodiversität auf den Conservation Agriculture-Feldern mit Glyphosat anstatt Bodenbearbeitung zu finden ist, als auf bearbeiteten Flächen – auch im Vergleich zu Ökolandbau-Äckern.

      Korrigieren muss ich Ihre Aussage zu Pestiziden: zahlreiche Wirkstoffe sind auch im ökologischen Landbau zugelassen und werden angewandt, auch (öko)toxikologisch höchst problematische und nicht-selektive Insektizide und Fungizide. Allein Herbizide sind nicht zugelassen und das nur aus dem Umstand heraus, dass noch kein herbizider Wirkstoff gefunden & extrahiert wurde, der auch irgendwo in der Natur vorkommt, denn das ist die Zulassungsvoraussetzung.

      Viele Grüße
      Hartwig Callsen

  4. Hartwig Callsen

    Liebe Frau Martin, Frau Tönnis und Herr Hülsdünker,

    sie drei arbeiten für die GLS-Bank und haben gemeinsame Standpunkte und Meinungen zum Thema Glyphosat, die, wie ich in den Kommentaren schon erläutert habe, nicht der Wahrheit, der Anwendungs-Rechtslage oder den faktischen Gegebenheiten in Deutschland oder im Direktsaat-Anbau entsprechen.

    Aus Ihren Verlinkungen und Quellenangaben ist unschwer zu erkennen, aus welcher “Ecke” sie Ihre Informationen zu dem Thema beziehen und Ihre Meinungen und Ihre Aussagen empfinde ich entprechend als eher eindimensional, was nicht der Komplexität des Themas gerecht wird.

    Sie werden sich sicherlich schon über Webseite, YouTube und Twitter über mich und das Thema Direktsaat / Conservation Agriculture etwas informiert haben, aber wenn ich ihre Äußerungen richtig deute, wird dieses Informationsangebot von mir so weit von ihrem “Weltbild” entfernt sein, dass es ihnen schier unglaublich erscheint. Das verstehe ich gut.

    Deshalb lade ich sie drei, gerne auch noch mit weiteren Kollegen oder Freunden, hiermit zu einem Besuch auf unserem Hof ein und zeige Ihnen bei einem Rundgang über unsere Felder, die meist jährlich mit Glyphosat behandelt werden aber seit 15 Jahren ohne jede Bodenbearbeitung ruhen, die Vorzüge dieses Systems für Natur & Umwelt – gerne auch im Vergleich zu Nachbarfeldern mit Bodenbearbeitung aber ohne Glyphosat !

    Sie können dabei selbst mit allen Sinnen erleben, was der Unterschied und Vorteil ist, können mich gerne mit Fragen löchern und mit Kritik und negativen Studienergebnissen konfrontieren – ich habe keine Scheu davor, denn die Vorteile sind mittlerweile so überzeugend und eindeutig und ich habe nichts zu verbergen, denn es ist alles wirklich so, wie ich es beschreibe und u.a. in den Videos zeige.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn sie mich kontaktieren und wir uns hoffentlich schon bald persönlich kennenlernen !

    Viele Grüße
    Hartwig Callsen

  5. Hartwig Callsen

    Liebe Frau Martin, Frau Tönnis und Herr Hülsdünker,
    bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch die Studie des NABU zusammen mit der Boston Consulting Group :

    https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/landwirtschaft/230323-the_case_for_regenerative_agriculture_longversion-engl.pdf

    Auf Seite 11 ( S. 8 pdf) werden die Prinzipien von Regenerative Agriculture ( = Conservation Agriculture) benannt und welche Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsziele damit verfolgt und erreicht werden.

    Die Notwendigkeit von Herbiziden zur Erreichung dieser Ziele und Einhaltung der Prinzipien wird ausdrücklich erwähnt auf Seite 19 ( S. 12 pdf) :
    “Although completely eliminating crop protection chemicals
    is a long-term aspirational goal of regenerative agriculture,
    reductions in herbicide use tends to be gradual, as apply-
    ing herbicides may still be necessary to control weed pres-
    sure from previous years, especially in the first years of the
    transition. ”

    Da die GLS-Bank Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen versucht, sollten sie sich wirklich mit Conservation Agriculture als dem naturnähesten und im Anbau von Flächenkulturen auch nachhaltigsten Anbausystem beschäftigen und insbesondere ihre ablehnende Haltung gegenüber Herbiziden als Schlüsseltechnologie für nachhaltigen Ackerbau überdenken, zumal diese offenbar auf falschen oder fehlenden Informationen beruht.

    Herzliche Grüße
    Hartwig Callsen

  6. Rene Rempt

    Ich kann Callsen nur zustimmen, aktuelle ist es fahrlässig Glyphosat zu verbreitet weil damit ein wichtiges Werkzeug für die Direktsaat verloren geht. Schauen wir uns die Werkzeugkiste der Landwirte an die gegen Unkräuter zur Verfügung steht:

    mechanische Bekämpfung: Pflug, Striegel, Grubber, Frässen usw.
    – Eingriff in den Boden
    – Zerstörung des Bodengefüge
    – kommt zu Zeiten in den Bodenbrüter unterwegs sind
    – Erosion wird gefördert (Wind und Wasser)
    – Verringerung des Humusgehalts
    – viel Diesel pro ha

    Einsatz von chemischen Herbiziden und Direktsaat:
    – alles nicht was oben aufgeführt wird
    – Stoffe können eine kurze Zeit toxisch wirken werden relativ schnell abgebaut, wenn man ein intaktes Bodenleben hat

    Spannend ist folgende Studien zu Dirketsaat aus Dänemark

    https://www.ft.dk/samling/20201/almdel/KEF/bilag/109/2300225/index.htm

    Fazit: Wer auf Direktsaat umstellen möchte und dies erfolgreich dafür ist Glyphosat sehr wichtig und ein Werkzeug. Die positiven Effekt überlagern deutlich die negativen. Hierfür müssen Sie aber aus ihrer Stadt raus kommen und sich mit den Anwendern vor Ort unterhalten wie z.B. mit Herrn Callsen. Unterhalten Sie sich mal dringend mit der Ackerbauabteilung des Nabus zum Thema regenerative Landwirtschaft.

  7. Antje Tönnis

    Lieber Herr Callsen,

    ja genau, ich arbeite unter anderem bei der GLS Bank, weil sie ausschließlich biologische Landwirtschaft finanziert. Das finde ich gut und richtig. So oder so habe ich aber viel Respekt für alle Bäuer*innen. Wenn jemand mit weniger Gift auszukommen versucht, ist das begrüßenswert. Ich bin ab und an an der Schlei (in diesem Jahr allerdings wahrscheinlich nicht mehr) und nehme gerne Ihr Angebot an, Ihren Hof dann zu besuchen. Das ist bestimmt hilfreicher, als hier weiter Filme oder Studien hin und her zu schicken.

    Herzlicher Gruß
    Antje Tönnis

  8. Ingrid Dannhorn

    Guten Tag Frau Tönnis,
    Sie legen dar, das Sie ausschließlich biologische Landwirtschaft finanzieren.
    Gebietet es nicht Ihr geltend gemachter Respekt für alle Landwirte, die Stimmungsmache gegen Glyphost sofort zu beenden.
    Finanzieren Sie Biolandwirte und lassen Sie die anderen in Frieden ihrer Arbeit nachgehen.
    Viel zu lange schon müssen konventionelle Landwirte Unwahrheiten über sich ergehen lassen.
    Dem wollen Sie sich doch sicher aufgrund eigener hoher ethischer Maßstäbe nicht anschließen.
    Viele Grüße
    Ingrid Dannhorn

  9. Ich habe letztens das Buch “Klima” von Charles Eisenstein gelesen. (Und ich finde es sehr empfehlenswert!) Er beschreibt, wie er sich ausführlich mit den Argumenten beschäftigt hat, wie es zu dem “menschengemachten Klimawandel” kommt und er hat viele plausible Erklärungen gefunden. Und dann hat sich mit den Gegenargumenten intensiv beschäftigt – und auch diese sind sehr plausibel. Und die Gegenargumente darauf wieder. Und so weiter. (Kap. 3)

    Und letztendlich kommt er zu dem Schluss, dass wir die Ebene wechseln müssen, um aus diesem Dilemma zu entkommen (S. 118): Solange ich unseren Planeten nicht als lebendig anerkenne und der Erde nicht mit Respekt in Liebe begegne, kann ich nicht *fühlen*, welche Auswirkungen mein Tun hat. Wenn ich sehe, dass die Bienen und Insekten immer weniger werden, und die Anzahl der Vogelarten bei uns in der Umgebung abnimmt, dann empfinde ich das als schmerzhaft. Dafür brauche ich keine Fakten und Studien, um das zu spüren.

    Und ich glaube, die Diskussion hier, ist ähnlich: Man kann sie nicht mit logischen, mentalen Argumenten lösen. Denn da kann man immer ein Gegenargument finden und eine Studie, die das belegt.

    Interessanterweise steht in Eisensteins Liste von vorgeschlagenen Maßnahmen (mit Bezug auf das Klima, s. S. 362ff) auch die Hinwendung zu “regenerativer Landwirtschaft” (das Stichwort ist ja oben auch schon erwähnt) und ein Verbot von allen Pestiziden. Ich bin hier definitiv kein Experte, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass regenerative Landwirtschaft und Pestizid-Einsatz zusammen passt. Die oben zitierte NaBu-Studie verstehe ich so (zugegeben, ich habe nur die beiden angegebenen Seiten gelesen), dass Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft *in der ersten Übergangszeit* noch nötig sein können (“especially in the first years of the transition”). Aber ganz bestimmt nicht als dauerhafter Baustein. Eisenstein schreibt zu regenerativer Landwirtschaft einiges, gerne dort selber nachlesen.

    Es ist mein Wunsch, dass auch noch meine Kinder und Enkel einen lebenswerten Planeten bewohnen können, und da spielt – nach allem, was ich bisher dazu gelesen haben – auch die Landwirtschaft nun einmal eine wichtige Rolle.

  10. Übrigens, wer wissen will, wie sehr er selber mit Glyohosat belastst ist, kann das hier für einen kleinen Obulus testen lassen: https://www.glyphosat-test.de/
    Und für alle Glyohosat-Befürworter: Hier ein Interview mit einem investigativen Journalisten, der Journalismus noch so betreibt wie er sein soll. Seine Argumente sind nicht widerlegbar und umfassend recherchiert: https://bewusstseinundphysis.de/2021/05/27/12-nico-davinci-glyphosat-der-rohrreiniger-in-deinem-essen/
    Es lässt viel darauf schließen, dass viele Unverträglichkeiten, die z.B. dem Weizen zugeschrieben werden, eigentlich durch das Glyphosat verursacht werden, mit dem der allermeiste Weizen behandelt wird.

    • Rene Rempt

      Sehr geehrter Herr Feger,

      danke für die Links. Meine Frage wie kommt Glyphosat in die Nahrungskette? Gerade Weizen ist damit belastet? Wie? Seit mehreren Jahren darf Glyphosat nicht mehr zur Abreifebeschleunigung genutzt werden. Wo kommt es dann her? Wird bei dem Test wirklich Glyphosat gemessen oder doch „nur“ der Abbaustoff AMPA der auch beim Abbau von Waschmitteln entsteht?

      Mit freundlichen Grüßen
      René Rempt

    • Hallo Herr Rempt
      Wenn Sie die FAQs des Testlinks aufmerksam gelesen hätten, hätten Sie sich die Antwort selber geben können. Verwendet wird der sog. “ELISA-Test” https://www.goldstandarddiagnostics.com/products/water/rapid-test-kits/pesticides/glyphosate-elisa-96-tests.html
      Es wird also “wirklich” Glyphosat gemessen.
      Ihr anfänglichen Fragen erinnern mich etwas an das Gedicht “Die unmögliche Tatsache” von Christian Morgenstern, das mit den folgenden Zeilen endet:

      Und er kommt zu dem Ergebnis:
      „Nur ein Traum war das Erlebnis.
      Weil“, so schließt er messerscharf,
      „nicht sein kann, was nicht sein darf.“

    • Hartwig Callsen

      Sehr geehrter Herr Ferger,
      dass Glyphosat-Rückstände in Lebensmittel und auf unsere Teller gelangen, ist unstrittig. Es geht aber doch zunächst um die Frage, wie diese dorthin kommen und was ein nationales Glyphosat-Verbot daran ändern würde, oder ?
      Dazu ist festzustellen, dass die Erzeugnisse unserer heimischen Landwirtschaft seit Jahren keine Glyphosat-Rückstände enthalten. Diese werden in importierten und/oder industriell verarbeiteten Lebensmitteln nachgewiesen. Ein Verbot würde den Eintragspfad also überhaupt nicht berühren ! Es ist eher so, dass durch die immer weiter sinkende Inlandserzeugung von Agrarprodukten und damit immer mehr zunehmende Importe von Lebensmitteln auch immer mehr Rückstände, nicht nur von Glyphosat, von uns importiert werden.

      Diese These, dass Weizen-Unverträglichkeiten in Wirklichkeit Glyphosat-Unverträglichkeiten sein sollen, ist bekannt – der Umkehrschluss wäre, dass Menschen mit dieser Unverträglichkeit auf nachweislich nicht mit Glyphosat in Berührung gekommenen Weizen (Bio oder konv.) nicht reagieren müssten. Das ist nach m.K. aber nicht der Fall. Bekannt ist, dass Unverträglichkeiten bei unterschiedlichen Brotsorten von unterschiedlichen Bäckern oder Herkunfts-Höfen unterschiedlich ausgeprägt sind, einen monokausalen Zusammenhang mit Glyphosat-Anwendungen, bzw. Rückständen gibt es m.W. dazu aber nicht.

      Im Übrigen steht der Umstand, dass NicoDaVinci noch immer alte Hoaxes wie das Glyphosat in der Muttermilch oder die vom Glyphosat missgebildeten Ferkel des dänischen Bauern Ib Bo Pedersen verbreitet, Ihrer Einschätzung zur Qualität seiner Argumente und seiner journalistischen Arbeit diametral entgegen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Hartwig Callsen

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