Bessere Pestizidkontrolle für die Bienen

Pestizidkontrolle – Was gut ist für Bienen, ist gut für alle

Petition zur Pestizidkontrolle startet bald. Thomas Radetzki reicht es jetzt. Er will per Bundestagspetition das Zulassungsverfahren für Pestizide grundlegend verändern.

Es ist ein stilles Sterben. Als der Imkermeister Thomas Radetzki vor rund 15 Jahren bei einer Kontrolle seiner Jungvölker nur noch einige wenige tote Bienen vorfand, der Rest der Völker aber verschwunden war, dachte er noch nicht gleich daran, dass Pestizide der Grund sein könnten. Denn solche Schäden entstehen typischerweise in Folge von Varroa-Milben. Das konnte der Bienenseuchensachverständige Radetzki in diesem Fall jedoch ausschließen. Er hatte die Völker erst kurz zuvor gegen die Milben behandelt. Auch in den Folgejahren traten bei ihm und anderen erfahrenen Imker-Kollegen*innen Bienenschäden auf, die sich nicht einfach durch die Milben erklären ließen. Für den leidenschaftlichen Bienenexperten war das jedes Mal schmerzlich.

Pestizide bringen Bienen in Gefahr

Heute sind die Ursachenforschung und die Faktenlage eine andere. 2008 starben im Rheintal tausende Bienenvölker nachgewiesener Weise durch das Pestizid Clothianidin. 2016 kam die Langzeitstudie des Entomologischen Vereins Krefeld zu dem Schluss, dass der Insektenbestand in Deutschland seit 1989 um über 75 % zurückgegangen ist, betroffen davon Honigbienen, Wildbienen und andere blütenbestäubende Insekten gleichermaßen. 2018 hat das Europäische Gericht den Freilandeinsatz von drei zugelassenen, weit verbreiteten Neonicotinoiden (siehe unten: Einmaleins) aufgrund ihrer Schädlichkeit für Bienen und Umwelt verboten. Das wirft die Frage auf, ob die Zulassungsverfahren nicht ganz anders durchgeführt werden müssten. Denn das Sterben geht schleichend weiter.

Thomas Radetzki ist für Pestizidkontrolle
Imkermeister Thomas Radetzkis ist für eine Pestizidkontrolle

Besser vorsorgen, besser prüfen

„Zum Schutz von Mensch und Biene und aller Insekten muss zukünftig das gesetzlich festgeschriebene Vorsorgeprinzip auch konsequent angewendet werden. Außerdem dürfen indirekte und langfristige Umweltbelastungen sowie Wechselwirkungen von Pestiziden nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden, sondern müssen unter Realbedingungen untersucht und von unabhängigen Instituten bewertet werden.“ Bisher gibt es keine verbindlichen Prüfverfahren dazu, ob und wie ein Pestizid das Immunsystem und die Fortpflanzungs- und Orientierungsfähigkeit von Bienen schwächt und sie für Krankheiten anfälliger macht.

Weniger Bienen, weniger Nahrung

Was Thomas Radetzki besonders mitnimmt, ist, wenn er im Frühjahr erleben muss, „dass ein Volk, das normalerweise wie ein Hefeteig auseinandergeht und in kurzer Zeit von 10.000 auf 30.000 Bienen wächst, Waben baut, brütet, Larven versorgt, Futter sammelt, plötzlich zum Stillstand kommt und kraftlos wird.“ Gerade der Aufbruch im Frühling sei mit das Schönste, was ein Imker erleben könne. Gebremstes Wachstum von Bienenvölkern führe nicht nur zu weniger Honig, sondern auch zu Ernteausfällen, denn: „Weniger Bienen bestäuben weniger Blüten, die damit auch weniger Früchte produzieren.“

Wer ist systemrelevant?

Nach jahrzehntelangem Einsatz landen Pestizide mittlerweile regelmäßig auf unserem Tisch – und in unserem Körper. Das Deutsche Bienenmonitoring kam 2016 zu dem Ergebnis, das 96 % des Blütenpollens mit Pestiziden verunreinigt sind, zum Teil mit mehr als 10 verschiedenen. Bei einer Untersuchung von weltweit gesammelten Honigproben wurden in 75 % Neonicotinoide festgestellt. Laut Agrar-Atlas 2019 können bei 44 % der Deutschen mittels Haarproben Pestizide im Körper nachgewiesen werden.

„Wir brauchen einen Perspektivenwechsel!“, meint Thomas Radetzki „Nicht die Pestizide sind systemrelevant für die die landwirtschaftliche Produktion, sondern die Bienen und die anderen bestäubenden Insekten. Weniger Umweltgifte und mehr ökologischer Landbau bedeuten wirksamen Klimaschutz, weniger CO2-Emissionen und mehr Vielfalt.“

Mit der GLS Bank verbindet Thomas Radetzki eine lange Beziehung. Sowohl der von ihm gegründete Verein Mellifera e.V. als auch seine Aurelia Stiftung  sind Kunden. In 2013 fanden drei seiner Bienenvölker auf dem Balkon des GLS Hauptsitzes in Bochum eine neue Heimat.

Pestizidkontrolle – Startklar für die Unterzeichnung

Noch prüft der Petitionsausschuss des Bundestages die eingereichte Petition. Nimmt der Ausschuss sie an, muss es schnell gehen. Innerhalb von vier Wochen braucht Thomas Radetzki dann 50.000 Mitunterzeichner*innen, damit der Bundestag sein Anliegen öffentlich diskutiert. Unterstützt die Petition zur Pestizidkontrolle! Damit Honigbienen und ihre wilden Schwestern eine Zukunft haben.

Ergänzung: Die Petition kann seit Anfang April unterzeichnet werden.

Kleines Einmaleins des chemischen Pflanzenschutzes

Pestizide sind Mittel zur Schädlingsbekämpfung. „Schädling“ ist eine Kollektivbezeichnung für Organismen (Tiere, Pflanzen, Bakterien, Viren, Pilze), die vornehmlich den wirtschaftlichen Erfolg des Menschen schmälern, z. B. durch die Schädigung unserer Kulturpflanzen. Pestizide töten oder vertreiben Schädlinge oder wirken hemmend auf deren Wachstum oder Vermehrung. Die Wirkstoffe von Pestiziden können chemischer oder biologischer Art (Mikroorganismen oderViren) sein.

Insektizide sind Pestizide zur Bekämpfung von Insekten.

Neonicotinoide sind Wirkstoffe für Insektizide. Neonicotinoide werden chemisch-synthetisch hergestellt. Sie wirken besonders stark auf Nervenzellen von Insekten, stören die Weiterleitung von Nervenreizen und werden deshalb auch als selektive Nervengifte bezeichnet.

Petition erfolgreich – Update (3.5.2019)

Am 1. Mai hatten über 71.000 Menschen die Bundestagspetition von Thomas Radetzki unterzeichnet. Damit ist das Ziel erreicht.

Wie geht es weiter?

Dazu sagt Thomas Radetzki: „Die Bundestagsverwaltung wird die per Post eingereichten Unterschriften auswerten und die genaue Anzahl der gültigen Stimmen feststellen. Dann folgt eine Entscheidung über eine öffentliche Anhörung, bei der ich unsere Forderungen mit den Fachleuten des Ausschusses diskutieren möchte. Auch die zuständigen Ministerien werden zu einer Stellungnahme aufgefordert. Wie lange dieser Prozess dauert, ist schwer abzuschätzen.“ Informiert euch auf der Website Pestizidkontrolle über den aktuellen Stand.

Fotos: Titel – Collette Michel, Th. Radetzki – Tobias Gerber

Auch die Klimareporter sprechen in Ihrem Beitrag „Insekten verschwinden in ihrer Gesamtheit“ über das Bienensterben. Was denkt Ihr? Hinterlasst doch einen Kommentar.

  1. Edgar Weimer

    Was gut ist für Bienen, ist gut für alle. Das vergiften der Natur muß ein Ende haben!

  2. HEIKE Hillmann,

    Bienensterben durch Pestizide muss gestoppt werden, ganz klar!
    MfG Heike Hillmann

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