ANIMALS UNITED e.V.: Gegen Tiere in Not

Tierrechte: Ein weites Feld. Fleisch essen oder nicht, (Kunst)-Pelz tragen oder es lassen, sich im Zoo Löwen anschauen oder im Zirkus Pferde, Pflegeprodukte kaufen, die an Kaninchen getestet wurden oder einen Hund aus der Zucht kaufen, der aufgrund menschlicher Schönheitsideale am Tier kaum noch Luft bekommt… dies sind nur einige Beispiele für Bereiche, in denen Tiere beschützt werden müssen. Befreit uns diese Unübersichtlichkeit davon, überhaupt etwas zu tun oder zu lassen? Natürlich nicht! ANIMALS UNITED e.V. nimmt sich dieser vielfältigen Aufgabe an und will mit seiner Arbeit vor allem eins erreichen: Aufklären und zum Mitmachen animieren.

Aufklären darüber, wie leicht es ist, Tiere zu schützen und sich selbst aktiv zu beteiligen. Einfach nur dadurch, Gewohnheiten umzustellen und darauf zu achten, was wir konsumieren. Julia Huber ist Teil des Vorstandes des 2005 gegründeten Vereins ANIMALS UNITED e.V., der 2014 mit dem Verein „animal2000 – Menschen für Tierrechte Bayern e.V.“ fusionierte.

Interview mit Julia Huber von Animals United e.V.

Frau Huber, Sie engagieren sich mit dem Verein ANIMALS UNITED e.V. für Tiere und das in allen Facetten. Können Sie uns kurz erläutern, was sie außer Aufklärungs- und Bildungskampagnen für Projekte betreiben?

Diese zwei Bereiche sind zwei unserer Hauptschwerpunkte in unserer Arbeit für Tiere. Ob mit einer kreativen Aktion unserer fleißigen Aktionsgruppen in der Fußgängerzone zu den unterschiedlichen Bereichen, in denen Tiere leiden müssen, Unterricht und Seminaren durch unsere Tierschutzlehrer*innen, Messevorträgen und Diskussionsrunden, Kampagnenarbeit mit Hannes Jaenicke und anderen Persönlichkeiten oder der Aufdeckung und Meldung von Missständen an die Behörden – wir versuchen die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Auch die Bekanntmachung von Missständen in den Medien, um Druck aufzubauen, gehört dazu, falls sich trotz Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und Regularien niemand bewegen möchte. Allerdings kümmern wir uns auch um den karitativen Tierschutz und unterstützen Kastrationsprojekte und zwei Tierheime. Wir packen das Problem gerne an der Wurzel und wollen den Tieren nachhaltig helfen. Daher freuen wir uns auch, dass wir vergangenes Jahr das Projekt Vales dos Bichos (Tal der Tiere) erfolgreich beenden konnten. Über zwei Jahre unterstützten wir die Auffangstation, die sich nach einem Erlass eines bundesweiten Wildtierverbots in Brasiliens Zirkussen um den Erhalt der artenreichen Tierwelt des Landes kümmert. Misshandelten Tieren aus Zoo, Zirkus und illegaler „Haltung“ schenkte sie ein Zuhause. Immer wieder waren wir vor Ort, haben Spenden gebracht und Pläne geschmiedet. Mit Erfolg – die Tiere konnten mit unserer Hilfe in ein Naturschutzgebiet in Sao Paolo umziehen. Nun werden sie dort nach und nach in geschützter Umgebung ausgewildert.

ANIMALS UNITED e.V.: Gegen Tiere in Not / Demonstrierende Menschen
© ANIMALS UNITED

Wie kann man sich Ihre Arbeit in den Tierheimen genau vorstellen?

Wir haben zwei Projekte, eins in Gyula (Ungarn, nahe der rumänischen Grenze) und eines auf der Insel Rhodos in Griechenland. Generell arbeiten wir daran, nachhaltig das Leid der Streunerhunde und -katzen zu mindern, aber vor allem auch durch Kastration der Tiere vor Ort, um Tierleid im Vorhinein zu verhindern. Dies geschieht einerseits durch Bildungsarbeit in öffentlichen Institutionen und Schulen, aber auch durch Kastrationen vor Ort. Regelmäßig reisen Leute von uns und befreundeten Organisationen hin und arbeiten daran, die Empathie für unsere Mitlebewesen zu steigern und die Lebensqualität der Fellnasen weiter zu verbessern. Der Kettenhund im Hinterhof, welcher diesen nicht wieder verlässt – in vielen Ländern keine Seltenheit.

Sie sind eine bundesweite Tierrechtsorganisation, die sich für die Rechte und gegen die Ausbeutung aller Tiere einsetzt. Das wird allein durch Spenden finanziert. Wie kann ich als Spender*in nachvollziehen, wo und ob meine Spende ankommt?

Wir verstehen uns als transparenten Verein und leben dies in unserer täglichen Kommunikation mit Aktiven, Spendern und Mitgliedern. Zu jeder Zeit kann zu unserer Mitgliederbetreuung Kontakt aufgenommen werden, um über aktuelle Projekte informiert zu werden. Unser jährlicher Finanzbericht legt alle Ein- und Ausgaben verständlich dar und wird bei der jährlichen Mitgliederversammlung im Plenum diskutiert. Uns ist es wichtig, dass die Gelder bei den Tieren und den Tierschutzprojekten ankommen, weshalb wir unsere Verwaltungsausgaben auf ein Minimum beschränken. Desweiteren kann auch für einen bestimmten Zweck gespendet werden – sei dies durch Angabe auf der Überweisung oder Spenden zugunsten eines ausgewählten Projektes auf Spendenportalen wie Betterplace und ähnlichen – diese kommen auch direkt dem jeweiligen Projekt zugute. Es bestehen bei uns viele Möglichkeiten, über unsere Projekte und darüber, was wir mit den Spenden unternehmen, auf dem Laufenden zu bleiben: Ob in den sozialen Medien, auf unserer Homepage, am Infostand oder ihr fragt einfach bei uns nach – auch ich stehe jederzeit gern für Fragen zur Verfügung. Mitglieder bekommen beispielsweise auch zweimal im Jahr Post von uns in den Briefkasten. Auch Sachspenden und projektbezogene Spenden helfen: So bekamen wir für
das ungarische Tierheim im vergangenen Jahr beispielsweise Hundehütten gespendet, andere fanden beispielsweise unsere Großdemonstrationen mit 1 000 Menschen für einen tierfreien Zirkus, darunter etliche Prominente wie Hannes Jaenicke, im vergangenen März besonders unterstützenswert.

ANIMALS UNITED e.V.: Gegen Tiere in Not / Portrait Hannes Jaennecke
© ANIMALS UNITED

Haben Sie einen konkreten Tipp für unsere Leser, wie man bereits durch kleine Veränderungen seiner Gewohnheiten Tiere schützen kann?

Durch das Ausprobieren und die Wahl tierleidfreier Optionen im Alltag: Überlegt aus dem Tierheim adoptieren statt vom Züchter kaufen, probiert und integriert pflanzliche Lebensmittel in euren Speiseplan (hier gibt es Anregungen), besucht lieber die nächsten Freizeitparks ohne Tiere und pädagogisch wertvolle Lebens-/oder Gnadenhöfe anstatt Zirkusse und Zoos mit Tieren. Was mir jedoch besonders am Herzen liegt ist, dass die Menschen anfangen, sich für die Missstände in der Welt zu interessieren und versuchen etwas zu verändern. Ja, es sind grausame Tatsachen. Aber jede*r Einzelne hat jeden Tag die Wahl, ob man dies weiterhin unterstützen möchte.

Wenn Sie in einem Satz mit einem allgemeinen Irrtum im Tierschutz aufräumen müssten…

Auch Tiere in der Bio-Haltung werden nicht totgestreichelt.

Was konkret können unsere Leser tun, um Sie zu unterstützen?

Wir sind aktuell bundesweit mit 15 Aktionsgruppen vertreten, welche sich immer über Interessierte freuen. Sei es um sich selbst weiterzubilden oder aktiv mitzuhelfen über Tierleid aufzuklären – vorbeischauen lohnt sich. Augen aufhalten und Missstände melden – hierfür existiert auch ein Formular auf unserer Homepage, damit wir diesen nachgehen und den Tieren helfen können. Da wir unsere Arbeit ausschließlich über Spenden, Mitgliedsbeiträge und Erbschaften finanzieren, freuen wir uns immer über Unterstützer. Denn nur so können wir mit unseren Kampagnen und Projekten mehr Menschen erreichen und Tieren nachhaltig eine Stimme geben. Außerdem gibt man mit einer Mitgliedschaft unserem Anliegen politisch mehr Gewicht: Es macht einen Unterschied, ob wir mit 500 Mitgliedern ein Umdenken fordern oder mit 500 000.

Haben Sie noch ein besonderes Anliegen?

Sich selbst an der Nase packen, sich informieren und Gewohnheiten überdenken. Wieso den einen streicheln und verwöhnen, während jemand anderes mit ähnlich ausgeprägten Fähigkeiten nach kurzer und leidvoller Existenz auf unserem Teller landet?

Fotos: © ANIMALS UNITED

Webseite von ANIMALS UNITED e.V.

  1. Claudia Steinmetz

    Hallo,

    finde ich absolut klasse, wie umfangreich und global ihr Euch für die Tiere einsetzt, die ja (leider) selbst keine Möglichkeit dazu haben. Habe selbst zwei Streunerhunde, einen aus Kroatien und einen aus Rumänien adoptiert. Die sind so dankbar!

    Viele Grüsse
    Claudia Steinmetz

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