GLS Beitrag: Im Neuland

Die Mitglieder der GLS Bank stärken das sinnvolle Banking. Ein Rückblick auf eine historische Generalversammlung.

Mitten in der Aussprache stand ein Mitglied auf und sagte: Egal wie die Entscheidung ausfalle – allein bei dieser Diskussion dabei zu sein habe sich schon gelohnt. Damit war auf den Punkt gebracht, was die GLS Gemeinschaft in den vergangenen zwei Jahren erreicht hat.

Bereits 2014 war klar, dass wir – die Banken und ihre Kundschaft – vor einschneidenden Veränderungen stehen. Die Sinn-Frage: „Warum GLS Bank?“ musste ergänzt werden: „Was ist Ihnen sinnvolles Banking wert?“

Viele tausend Antworten haben wir dazu bekommen. Bei zwei Generalversammlungen, bei Befragungen, in direkten Gesprächen, in den sozialen Medien. Dies mündete in eine – in jeder Hinsicht – außerordentliche Generalversammlung am 10. Dezember. Rund 1200 Mitglieder aus ganz Deutschland waren gekommen. Einige hatten stundenlange Anreise auf sich genommen, um ihre Stimme abzugeben. Ulrich Walter, Vorsitzender des Aufsichtsrats, betonte: „Eine solch starke Beteiligung ist nicht selbstverständlich. Das sorgt dafür, dass Ihre Beschlüsse eine ganz starke Legitimität haben.“

So steht nun fest: Der GLS Beitrag wird in der Satzung verankert. Knapp 80 Prozent stimmten dafür. Medien zeigten sich erstaunt. Die FAZ schrieb, dies sei „vermutlich nur durch idealistische Motivation erklärbar“.

Eine mehr als eindrucksvolle Motivation. Dank des Ideenreichtums der Mitglieder standen vier Anträge neben dem Beitrag zur Auswahl. Diese zielten auf soziale Gerechtigkeit ab, auf höheren Einsatz einzelner Mitglieder, auf mehr Konzentration. Das Engagement der Anwesenden ist groß. Die Zahl der Wortmeldungen übersteigt schnell den Raum der Aussprache.

Nun ist das Besondere der GLS Bank gestärkt: Ihre einzigartige Grundleistung. Sie stellt alles zur Verfügung, was von einer sozial-ökologischen Bank erwartet wird. Ehrliche Beratung. Sinn als Ziel. Transparenz. Eine Infrastruktur die Geld mit Werten auflädt. „Wir betreten Neuland“, erklärt Ulrich Walter, „und das in guter Tradition, denn auch die GLS-Gründung war Neuland“. Das Prinzip kennen wir durchaus, etwa von unserem Stromanbieter. Der nimmt einen Grundpreis und berechnet zusätzlich die jeweiligen Kilowattstunden.

Der Beitrag brachte der GLS Bank viel Aufmerksamkeit. Denn alle 1700 Banken Deutschlands müssen ihr Geschäftsmodell überdenken. Das sagen Aufseher, das sagen Berater, das sagen viele Banker selber. Man muss sich die Tragweite klar machen. Bei Autobauern ist es die Elektromobilität. Bei den Stromriesen sind es die Erneuerbaren. Und für die Geldhäuser ist es gleich dreierlei: der Niedrigzins, Regulierung, Digitalisierung.

Eine Reaktion darauf sind Fusionen: Von 7000 Genossenschaftsbanken 1970 sind heute keine 1000 mehr übrig. Tendenz fallend. Eine andere Reaktion ist Abbau: Weniger Personal, weniger Filialen.

Die GLS Bank geht ihren eigenen Weg. Dafür ist der Beitrag eine wichtige Grundlage, angestrebt werden rund zehn Millionen Euro pro Jahr. Weiterhin wird es aber auch eine Zinsmarge geben, und weiterhin muss die GLS Bank günstiger werden, und weiterhin werden neue Angebote entwickelt. Dazu gehören ein Crowdfunding, eine App mit Kreditkunden vor Ort sowie eine Plattform für den Austausch.

Was bleibt? Ein Prozess, der für die Finanzwirtschaft einmalig war. Und eine außerordentliche Generalversammlung als vorgezogene Bescherung. Thomas Jorberg: „Wer kriegt schon 1200 Weihnachtsgeschenke? Sie setzen ein Signal, dass ihnen die GLS Bank am Herzen liegt. Danke“.

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  1. Bernd Greschke

    Die GLS-Bank ist hat mit dem Beitrag zweifelsohne neue Wege beschritten – und ist nach meinem Empfinden leider auf halbem Weg auf die alten Wege abgezweigt.
    Mit meiner Mini-Frührente habe ich nach längerem Ringen die deutlich höheren Gebühren akzeptiert. In mehreren Briefen und Telefongesprächen habe ich Ihnen dargelegt, dass mein Beitrag zur Arbeit der GLS nicht finanzieller Art sein kann, ich mich aber anderweitig engagiere. Es gibt viele Wege, die Arbeit der GLS zu unterstützen, nicht nur mit Geld. Nun haben Sie sich für Menschen mit einem sehr kleinen Einkommen auch für einen – zwar geringen – festen Beitrag entschieden und ich merke, dass, obwohl der weitere Euro im Monat mich sicher nicht hungern lässt, die Grenze meiner Bereitschaft überschritten ist.
    Ich verstehe, dass Sie mit festgelegten Beitragshöhen die zu erwartenden Einnahmen absehen möchten. Ich bin mir aber sicher, dass Sie mindestens die gleiche Summe eingenommen hätten, wenn Sie es Menschen mit niedrigen Einkommen freigestellt hätten, ob und gfls. in welcher Höhe sie einen finanziellen Beitrag leisten wollen, und die anderen Kunden und Mitglieder um freiwillig höhere Beiträge gebeten hätten, um das auszugleichen.
    Schade, dass die GLS den neuen Weg nicht weiter gegangen ist. Meine Verbundenheit mit der GLS hat dadurch gelitten. Wahrscheinlich werde ich mich mit meinem drittklassigen Einkommen für eine zweitklassige Bank entscheiden. Das wird der GLS finanziell nicht weh tun, sie wird aber ein Stück konventioneller.

    • Julian Mertens

      Lieber Herr Greschke,
      wir freuen uns, dass Sie sich für den sozial-ökologischen Wandel engagieren und die GLS Bank aktiv unterstützen. Nach dem Beschluss der Mitglieder sind vom GLS Beitrag befreit: Minderjährige und Menschen mit Basiskonten. Eine freiwillige Zahlung aller Kundinnen und Kunden wurde als Antrag auf der Generalversammlung vorgestellt, diskutiert und fand in der Abstimmung keine Mehrheit. Gegenüber den Mitgliedern und Kunden ist eine stabile Finanzierung der Bank wichtig, so dass sie dauerhaft und verlässlich ihren Verpflichtungen nachkommen kann. Hierfür deckt der GLS Beitrag unsere Kernleistungen ab: Unser sinnvolles Bankgeschäft und unsere unabhängige Beratung unabhängig davon, welche Beträge unsere Kundinnen und Kunden bei uns anlegen bzw. in welcher Höhe sie Kredit nachfragen.
      Herzliche Grüße,
      Julian Mertens

  2. Langjähriges Mitglied

    Liebe GLS

    Ich bin schon über 10 Jahre Mitglied.
    Aus idealistischen Gründen. Nicht wegen Renditeerwartungen etc.
    Was mich betrübt ist das Gefühl, nicht mitbestimmen zu können.
    Ich kann es mir finanziell nicht leisten nach Bochum zu einer Abstimmung zu fahren. So geht es viele anderen in meinem Bekannten- und Freundeskreis.
    Ich (wir) kennen / haben niemanden der es sich finanziell leisten kann, um nach Bochum zu fahren, also können wir auch niemanden unsere Stimme geben.
    Somit werden viele Stimmen nicht „gehört / gezählt“ und man / Frau kommt sich ganz klein vor, was man eigentlich nicht möchte, da wir alle zur GLS dazugehören und gehört werden wollen!

    • Christian Eichbauer

      Liebes Mitglied,
      vielen Dank für Ihren Post. Ich habe mich gefreut, weil es immer schön ist zu erfahren, wie verbunden Menschen mit der Bank sind. Das gibt mir Zuversicht.

      „Gehört“ wird Ihre Stimme, bitte seien Sie sich dessen sicher.
      Im gesamten 2-jährigen Entwicklungsprozess des GLS Beitrags haben wir im Dialog mit unseren Kunden*innen und Mitgliedern gestanden. Herrn Jorbergs Mitgliedereise durch alle Filialen etwa (jeweils zu Beginn des Jahres) dient ebenfalls dem Zweck, Meinungen, Stimmungen und Rückmeldungen von Ihnen aufzunehnmen.

      Bezüglich der Abstimmung auf der Generalversammlung: wir glauben, das der persönliche Austausch von Mensch zu Mensch durch nichts zu ersetzen ist. Er ist wichtig für die Abstimmung selbst.

      Den Impuls zu einer virtuellen Abstimmungsmöglichkeit haben wir jedoch aufgenommen. Und denken über Möglichkeiten nach. Wir waren hierzu schon im Gespräch mit einer Genossenschaften, die eine Abstimmung per Internet erprobt hat.

      Vielleicht nicht in diesem Jahr, aber mittelfristig möchten wir eine Idee vorstellen, die es jedem ermöglicht, an der Abstimmung teilzunehmen, auch ohne vor Ort zu sein.

      Ich möchte auch noch einmal darauf hinweisen, dass es etwas Besonderes ist, dass die GLS Bank derlei Geschäftsentscheidungen innerhalb der Gemeinschaft bespricht und darüber abstimmt. Das kenne ich von keiner anderen Bank.

      Herzlichen Gruß
      Christian Eichbauer

  3. Thomas Schulz

    Ich habe einige Kommentare zum GLS-Beitrag doch mit großer Verwunderung gelesen. Da wird von Unterbuttern der Alternativvorschläge gesprochen, davon dass „nur“ 2,7% der Mitglieder alles bestimmen usw. Da gab es doch keine „Höchstteilnehmerzahl“. Ich war auch auf der Generalversammlung und kann nicht bestätigen, dass Alternativvorschläge benachteiligt wurden. Die Diskussionszeit wurde um eine Stunde überschritten um möglichst vielen Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung zu sagen. Alle Vorschläge wurden klar vermittelt. Wenn sich die Mitglieder mit überwältigender Mehrheit für den GLS-Beitrag entschieden haben, dann aus eigenem Entschluss, vielleicht weil sie fanden, dass dieser Vorschlag der beste ist. Lassen wir doch die „Verschwörungstheorien“ von Benachteiligung und Unterbuttern. Dieses Thema steht doch schon seit Monaten auf der Tagesordnung. Alle Vorschläge wurden intensiv beworben. Dass der Vorstand seinen Vorschlag bevorzugte ist doch verständlich, das wollten auch die Anderen. Übrigens haben alle anderen Vorschläge auch einen „Zusatzbeitrag“ beinhaltet, außer der Vorschlag von Herrn Zibrowius (Beschränkung auf das Kerngeschäft der Bank). Auf meine Nachfrage hat er allerdings erklärt, dass damit das Problem der sinkenden Zinsmarge wohl nicht gelöst werden könnte. Aber darum ging es doch gerade! Auch konnte mir Herr Schumacher nicht in jedem Fall die Berechnungsgrundlage seines Negativzinses erläutern. An sich fand ich die Idee interessant, aber warum gerade Spar- und Festgeldkonten bei der Berechnung des Negativzinses ausgenommen werden sollten, hat mich nicht überzeugt. Die Mitglieder haben nicht nur mit großer Mehrheit den GLS-Beitrag beschlossen, sondern auch das Sonderkündigung. Somit handelt es sich um keinen „Zwangsbeitrag“, denn jeder kann letztendlich selbst entscheiden, ob er den GLS-Beitrag zahlt oder nicht. Ich bin ich zur GLS-Bank gegangen, weil eben nicht die höchste Rendite im Vordergrund steht, sondern die Frage, was mein Geld bewirken kann. Vielleicht aus meinen Erträgen einen Teil an die Welt zurückgeben. Ich denke, dass ist der entscheidende Punkt. Die GLS-Bank hat hohe Ansprüche, die will ich unterstützen und deshalb werden mich 5 Euro im Monat nicht davon abhalten.

    • Hallo Thomas Schulz,
      ich versuche gerne zu erläutern, warum meiner Ansicht nach Spargelder und andere Anlagen von dem Negativzins ausgenommen bleiben sollten.
      Vorab – erläuterungen zu den Geldmengen M0 bis M3 finden sich hier (https://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge).
      Angelegte Gelder (M2 und M3 abzüglich M1) werden von der GLS-Bank als Kredite weitergegeben. Da gibt es zwar auch Risiken zu beachten – insgesamt entspricht die Summe der vergebenen Kredite bei der GLS Bank durchaus der Summe, die als angelegte Gelder vorhanden sind. Die GLS Bank verhält sich da so, wie Normalbürger es von Ihrer Bank erwarten würde. Das Problem sind momentan aber die hohen tagfälligen Sichteinlagen (M1 minus M0).
      Diese Sichteinlagen liegen da rum, können nicht wirksam werden, kosten den Besitzern aber lediglich die Kontoführungsgebühr. Die Bank ihrerseits muss diese Gelder bei der EZB mit -0,4% p.A. über Nacht hinterlegen. Diese Gelder sollen wirtschaftlich aktiv werden. Daher sollte zumindest der EZB-Minuszins weitergereicht werden. Wandern diese Gelder aufgrund dessen in den Anlagenbereich, dann wird dort der Markt aufgrund der unvorstellbaren Geldmenge automatisch dafür sorgen, dass auch dort sich ein Negativzins entwickeln wird. Schon heute kann die öffentliche Hand sich z.T. mit Geld versorgen und bekommt dabei etwas heraus (https://www.welt.de/print/die_welt/finanzen/article156231933/Zehnjaehrige-Bundesanleihen-mit-Negativ-Zins.html).
      Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung (d.schumacher@owako.de)
      Dirk Schumacher

  4. David Boehme

    „Was bleibt? Ein Prozess, der für die Finanzwirtschaft einmalig war. Und eine außerordentliche Generalversammlung als vorgezogene Bescherung.“

    Das klingt in meinen Ohren schon zynisch, wenn ich als freiher Bürger jetzt gleich zwei Kopfpauschalen unterm Tannebaum liegen hatte – die euphemistisch „Rundfunkbeitrag“ genannte Zwangsabgabe an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und nun auch von der GLS-Bank – einst von mir geschätzt.
    Es ist erstaunlich und befremdlich, wie sehr hier die freie Entscheidung des/der Einzelnen, etwas zu unterstützen oder eine Dienstleitung in Anspruch nehmen zu wollen oder eben auch nicht, mit Fäusten geschlagen wird.
    Freiwillig hätte ich bestimmt meinen Obulus geleistet. Aber verpflichtend? Nein Danke. Es gibt schon zu viel und immer mehr zu zahlen in diesem Land.
    Schade!

    • Julian Mertens

      Lieber Herr Boehme,
      wieso wir den GLS Beitrag genau umgekehrt, als freie Entscheidung der Gemeinschaft sowie als geeignete Form, betrachten, haben wir hier im Blog mehrfach beschrieben. Dennoch ein weiterer Gedanke: Wenn wir als Kundinnen und Kunden uns nicht nachhaltig verhalten, sei es bei Banken, im Supermarkt oder anderswo, zahlen wir auch einen Preis. Nur macht der sich nicht sofort auf unserem Konto bemerkbar, weil wir sie in anderen Rollen bezahlen. Als Steuerzahler. Als Naturliebhaber. Als Eltern. Als Wohnungssuchende. Als Bürger. Und überall, wo Dinge nur gewinnorientiert finanziert werden. Bei der GLS Bank denken wir mit unserem ganzheitlichem Ansatz an alle Rollen, die wir Menschen einnehmen. Insofern ist der GLS Beitrag auch eine Entscheidung, den Mensch weiter in den Mittelpunkt zu stellen und sozial-ökologische Wirkungen für uns alle zu ermöglichen.
      Herzliche Grüße,
      Julian Mertens

    • David Boehme

      Lieber Herr Mertens.
      Danke für Ihre Zeilen.
      Ihre Antwort ist ein gutes Beispiel dafür, dass Sie zu Recht Referent der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind:
      Sie haben schöne Worte gefunden, die zwar „weltanschaulich“ und emotional etwas hergeben („den Mensch weiter in den Mittelpunkt … stellen“, „sozial-ökologische Wirkungen“, „nachhaltige Lösungen in Chancen umzuwandeln“).
      Herrliche Kaugummi-Begriffe, die jedoch nicht über das Geschehene hinwegzutäuschen vermögen – dass nämlich eine zuvor als alternativlos angepriesene und dennoch sozial (immer!) ungerechte Kopfpauschale eingeführt worden ist. Willkommen im Zeitalter des Postfaktischen :-)

      Mir nützt das von Ihnen blumig Beschriebene wenig, auch wenn ich nachhaltig und minimalistisch lebe, werde ich dennoch mehr und mehr zur Kasse gebeten (wobei „bitten“ anders aussieht).
      Aber schön, dass wir drüber gesprochen haben.

    • Julian Mertens

      Lieber Herr Böhme,
      ich finde es schade, dass derzeit bei widersprüchlichen Meinungen so schnell vom Postfaktischen gesprochen wird. Das schränkt Debatten ein.
      Warum ich, um in Ihrem Bild zu bleiben, so viel Kaugummi an die Blog-Wand geklebt habe? Weil uns natürlich klar ist, dass Sie und ich und alle anderen auch mehr bezahlen müssen. Entscheidend ist: Wofür? Kein billiger Finanzdienstleister mit gebührenfreien Konto und möglichst hohen Zinsen (und dem damit verbundenen Geschäftsmodell). Das verhält sich wie bei Lebensmitteln vom Discounter oder aus dem Biomarkt. Auto oder Bahn. Billigkleidung oder faire Ware. Atomstrom oder Erneuerbare. Ständig treffen wir Entscheidungen, was uns etwas wert ist und wie viel Euro wir dafür geben würden. Genau darum haben wir zuerst gefragt: Warum sind Sie bei der GLS Bank? Das haben wir ein Jahr lang gefragt und schließlich den Mitgliedern zur Abstimmung gegeben. Diese haben uns einen überzeugenden Auftrag gegeben.
      Herzliche Grüße,
      Julian Mertens

  5. Liebe GLS-Online-Redaktion,

    vor knapp über einem Monat wurde der GLS-Grundbeitrag beschlossen. Viele Mitglieder und Kunden haben ja im Vorfeld der Versammlung und im Nachgang angekündigt, ihre Mitgliedschaft bzw. die Konten zu kündigen. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie viele Kunden und Mitglieder aufgrund der Einführung des GLS-Beitrages tatsächlich bis dato ihre Mitgliedschaft bzw. ihre Konten gekündigt haben. Gibt es hierzu schon Zahlen?

    Viele Grüße

    • Julian Mertens

      Lieber Stefan,
      dürfen wir Dich um etwas Geduld bitten, wir bereiten unsere Jahreszahlen für das vergangene Geschäftsjahr aktuell auf und werden sie auf unserer Jahrespressekonferenz am 1. Februar Bilanz ziehen. Dort wird das sicherlich auch Thema werden. Allerdings haben wir natürlich auch Kündigungen aus anderen Gründen, nicht nur wegen des Beitrags. Was wir schon sagen können ist, dass wir weiterhin eine positive Entwicklung bei der Kundenentwicklung haben, vergleichbar mit 2015.
      Herzliche Grüße,
      Julian Mertens

    • Steffen Jooß

      Ich habe als Bestandskunde ja ein Jahr Zeit, bevor ich den Zwangsbeitrag zahlen muss. ich habe jetzt ein Konto bei der Evangelischen Bank eröffnet, aber mein Konto bei der GLS noch nicht gekündigt. Es dauert einige Zeit, bis die Online-Banking-Unterlagen da sind. Deshalb ist es unrealistisch, am 01.02.2017 eine Zwischenbilanz zu ziehen.

  6. Sehr geehrte GLS,
    auf meine Kündigung der Genossenschaftsmitgliedschaft teilen Sie mir mit, dass ich wunschgemäß voraussichtlich Sommer 2022 meine Anteile ausbezahlt bekomme. Es ist nicht mein Wunsch!
    Ich werde die 5,5 Jahre warten!
    Sie sollten aber zumindest ihren Namen ändern. GEMEINSCHAFT für LEIHEN und SCHENKEN – das ist nicht, wie Sie mich behandeln.
    Ich sehe, wie es um Sie bestellt ist.
    Ich möchte, dass Sie mir sagen,
    und zwar gleich hier im Blog, wie viel mich die 5,5 Jahre warten kostet!

    • Bettina Schmoll

      Guten Tag Stefanie,
      können Sie uns bitte Ihren Namen bzw. Ihre Kunden- oder Mitgliedsnummer an blog@gls.de schicken, damit wir uns das prüfen können?
      Viele Grüße
      Bettina Schmoll

  7. Thomas Schulz

    Lieber Herr Jooß,

    Sie unterstellen den Mitgliedern und damit auch mir, dass einzig die Renditeerwartung Grund der Einführung des GLS-Beitrages war. Ich habe 15 Anteile, das bringt eine jährliche Rendite von ca. 30,00 bis 45,00 €. Vorher hatte ich mein Geld bei einer Direktbank angelegt, da gab (und gibt) es tatsächlich für Tagesgeld noch Zinsen. Als ich erfahren habe, womit diese Bank das Geld verdient (Waffen, Kohle, Atom usw.) habe ich zur GLS-Bank gewechselt. Die Rendite fängt den Zinsverlust nicht annähernd auf. Ich verdiene mein Geld durch meine Arbeit und nicht durch Spekulation. Aber ich möchte, dass die Welt nicht noch mehr zerstört wird, deshalb habe ich mein Geld der GLS-Bank zur Verfügung gestellt und bin auch Mitglied geworden. Übrigens eine tolle Gemeinschaft. Und den GLS-Beitrag zahle ich auch und zwar gerne.

  8. Ich wünsche mir eine ehrliche und transparente Umfrage. Die Entscheidung ist nun gefallen: 2,7% der wahlberechtigten Mitglieder (teilweise mit Vollmachten) haben in der aoGV mit einem Anteil von rund 80% Ja-Stimmen knapp über der erforderlichen 3/4 Mehrheit (75%) – nach Satzung ohne Berücksichtigung der Enthaltungen – diese Entscheidung herbeigeführt.
    Die Reaktionen vorher und nachher sind offensichtlich sehr kontrovers. Ich denke wichtig sind besonders auch Ja-Rückmeldungen der Kunden oder Mitglieder wie hier von Herr Matthias Steger, vielen Dank hierfür. Die teilweise wirklich verzweifelten Nein-Rückmeldungen sind vielfach zu lesen…
    Eine Gesamtumfrage könnte nun wirklich etwas Ruhe und Transparenz einbringen. Eine Umfrage unter den Mitgliedern, den Kundinnen und Kunden und vielleicht sogar den Bankangestellten mit teilweise unterschiedlichen Aspekten. Die Umfrage könnte beim einloggen ins Online-Banking oder per Info im Postkorb freiwillig abgefragt werden, womit quasi alle erreicht werden könnten. Sie ist mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich und es fördert den Dialog und das Verständnis im Gesamtgefüge. Es entspricht auch einem modernen Austausch innerhalb einer großen Gemeinschaft mit ähnlichen Interessen.
    Folgende Aspekte und natürlich weitere könnten dabei berücksichtigt werden:
    -Meinungsbild zum GLS-Beitrag von Kunden/Kundinnen, Mitgliedern und ggf. Bankangestellten
    -Informationsstand zum GLS-Beitrag allgemein, fühlen sich die unterschiedlichen Teilnehmer ausreichend informiert?
    Reduktion auf max. 5 Fragen um den Aufwand minimal zu halten.
    Das schöne daran ist, dass die Auswertung vorerst in Ruhe intern erfolgen kann. Natürlich sollte dabei auch ehrlicherweise die erfolgte Kündigungswelle berücksichtigt werden. Dann kann die Auswertung in relevanten Teilen veröffentlicht und ggf. sogar zukunftsweisende Maßnahmen abgeleitet werden. Harmonisierung innerhalb der großen Interessensgemeinschaft in der alle ihre Meinung kundgeben dürfen.
    Ich freue mich über Feedback.

    • Julian Mertens

      Hallo,
      vielen Dank für die Anregung. Das Gespräch über die Entwicklung des Beitrags der GLS Bank geht natürlich weiter, genauso wie wir über zwei Jahre lang in allen Formen im Gespräch waren – Mitglieder, Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die anhaltende Zahl an Neukundinnen und Neukunden. Eine weitere, freiwillige Umfrage wäre dann zielführend, wenn wir den GLS Beitrag jetzt erneut in Frage stellen würden. Die Entscheidung zur Einführung des GLS Beitrages hat die Generalversammlung jedoch definitiv getroffen. Die unterschiedlichen Meinungen wurden zum Ausdruck gebracht, ebenso der Wunsch zu mehr Austausch und Gemeinschaft. Natürlich werden auch weiter informieren, wie die Umsetzung stattfindet und was es an neuen Ansätzen aus der GLS Bank gibt.
      Herzliche Grüße,
      Julian Mertens

  9. Auch ich habe mir zu diesem Thema über viele Wochen hinweg Gedanken gemacht. Ich war hin- und hergerissen: einerseits unterstütze ich gerne Projekte die in unserer zerfaserten Gesellschaft den Zusammenhalt stärken. Andererseits möchte ich dafür auch mehr mitbestimmen und -gestalten dürfen. Der Begriff „Zwangsbeitrag“ passt nun leider doch. Dass ich als Stimmberechtigter persönlich vor Ort sein muss um meine Meinung zu äußern, finde ich in unserer digitalisierten Welt nicht fortschrittlich. Es ist auch nicht verwunderlich, dass nur 1200 Mitglieder anwesend waren um abzustimmen. Die Idee des Kundenservice, ich solle einen Freund oder Verwandten zur Abstimmung entsenden, ist schon abenteuerlich und wirkt wie aus der Zeit gefallen. Vielleicht ist der Kommentar ein erneuter Denkanstoss, zukünftige „historische“ oder „wegweisende“ Abstimmungen auch auf die Basis aller Stimmberechtigten zu stellen indem man die Hürden bei Abstimmungen abbaut. Ich glaube, dass sich nur dann der gemeinschaftliche oder genossenschaftliche Gedanke wirklich entfalten kann.

    Ich wünsche der GLS-Bank, deren Kunde ich noch immer bin, Erfolg für die Zukunft.

    • Julian Mertens

      Lieber Alexander,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Grundsätzlich war es uns wichtig, so viele Menschen wie möglich an dem Prozess zu beteiligen und nicht nur eine Vorstandsentscheidung zu treffen. Dennch ist Dein Hinweis wichtig, passt er doch zu dem Echo, das wir vielfach bekommen haben, nämlich, dass mehr Raum für Miteinander entstehen soll. Ein Echo, das sich wiederum an alle Mitglieder richtet (z.B. sind auch die Abstimmungsmodalitäten in der Satzung geregelt).
      Die Plattform wird sicherlich ein Instrument werden können, um den Wunsch nach mehr Gemeinschaft zu erfüllen.
      Herzliche Grüße,
      Julian Mertens

  10. Noch-Mitglied

    Guten Tag allerseits,
    erstaunlich, wie verschieden ein und dasselbe Ereignis, die außerordentliche Generalversammlung, betrachtet werden kann:
    Auf der einen Seite der Jubelbericht hier und auf der anderen die ernüchternden Erfahrungen der alternativen Antragssteller, die von Anfang an behindert und untergebuttert worden sind.
    http://gls.owako.de/
    So gesehen bin ich froh, dass ich wegen beruflicher Verpflichtungen nicht kommen konnte, Vollmachten für Gegenstimmen waren von uns frühzeitig erteilt.
    Ich hätte mich über diese Art Versammlung nur geärgert, und mir bleibt der Trost, dank Sonderkündigungsrecht jetzt schnell einen Schlussstrich ziehen zu können.

  11. Lieber Herr Jooß,

    die besten Ideen sind die, die andere auch zum Nachdenken bringt. Dies hat die GLS mit der Einführung eines Grundbeitrags geschafft.

    So ist auch Ihr Beitrag eine gute Möglichkeit um Nachzudenken, ob meine Bank mit dem Beitrag Kunden verlieren wird oder weniger neue Kunden gewinnen wird.

    Wenn ich Ihnen zustimmen würde, wäre ich vielleicht nur Kunde geworden, weil mich niedrige Kontoführungsgebühren angezogen haben oder ich mir nicht richtig überlegt hatte, meine Privat- und Firmenkonten ethisch und ökologisch auszurichten.

    Dann könnte ich vielleicht darüber nachdenken zu wechseln.

    Auch würde ich nachdenken, wenn mir der Vorstand Gründe gegeben hätte, der Bank nicht mehr zu vertrauen.

    Glücklicherweise habe ich mir das vorher genau überlegt und es war eine bewusste Entscheidung für die GLS Bank – vor ca. 10 Jahren – ich hätte also bei anderen Banken 10 Jahre lang keine Gebühren bezahlt und der Vorstand wie auch allen Mitarbeitern kann ich immer wieder mein Vertrauen schenken – jeden Tag – bei jedem Telefonat.

    Ich bleibe dabei, das war eine meiner besten Ideen und meine Bank lässt mich ruhig schlafen :-)

    Ob ich das als Aktionär auch könnte, kann ich nicht beurteilen, da ich dies bewusst nicht sein wollte. Mir würde es zu viele Sorgen machen, wenn meine Bank Waffen, Atomkraftwerke oder gar Nahrungsmittelspekulationen finanziert und so möglicherweise für Kriege Hunger und Not sorgt. Frieden ist für die meisten Menschen der Garant für Leben – nur wenige Menschen leben vom und für den Krieg und erzielen so hohe Renditen….

    Daher zahle ich gern jeden Monat meinen Grundbeitrag – für meine Bank und mehr Frieden auf dieser Erde.

    Ich wünsche allen einen sanften Start ins Jahr 2017

    Matthias Steger (Dipl. Kfm./ Dipl. Finanzwirt (FH)), Steuerberater

  12. Steffen Jooß

    Historisch wird die Entscheidung sein. Entweder verliert die GLS-Bank so viele Kunden durch den Zwangsbeitrag und gewinnt zu wenige hinzu, dass sie in wenigen Jahren ebenso Geschichte sein wird wie die im Artikel angesprochenen 6.000 „verschwundenen“ Genossenschaftsbanken. Oder es setzt sich durch, dass man einen Zwangsbeitrag zahlen muss, um überhaupt eine Hausbank haben zu dürfen.

    Überraschend ist der Entschluss übrigens nicht: Die Mitglieder wollen ja letztendlich nicht auf ihre Rendite verzichten und möchten, dass die Kunden die Rendite durch den Zwangsbeitrag bezahlen. Die Aktionäre der Deutschen Bank handeln ja genauso. Deshalb ist die Entscheidung nicht „sensationell alternativ“, sondern ein Schritt in den ganz normalen Kapitalismus. Die Inhaber des Kapitals haben entschieden, wer für ihren Gewinn aufkommt: Die Kunden.

    Frohe Weihnachten!

    • Julian Mertens

      Lieber Herr Jooß,
      Sie haben Recht, es ist viel Bewegung.
      Wir erleben unsere Mitglieder keinesfalls als Menschen, die sich wegen der Rendite der Genossenschaft anschließen. Sie kommen, um Teil einer Gemeinschaft zu werden, die sinnvolle Ideen trägt und ermöglicht. Dafür verpflichten sie sich mehrere Jahre (Aktionäre können sofort verkaufen), erst dadurch wird sinnstiftende Kreditvergabe möglich. Bei AGs zählt bei Abstimmungen, wie viele Aktien man hält. Bei der Genossenschaft zählt jeder Mensch mit seiner Stimme. In der Aussprache erhielt übrigens ein Mitglied viel Applaus für das Plädoyer, dass mehr Menschen Teil der Genossenschaft werden sollen. Denn die setzt sich weiter höchstengagiert dafür ein, die vielen gesellschaftlichen Aufgaben vor denen wir stehen durch gute nachhaltige Lösungen in Chancen umzuwandeln.
      Auch Ihnen wünsche ich schöne Feiertage!
      Julian Mertens

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