„Frauen bewegen mich“ – Teil 4 – Mobilitätsagentur Velokonzept

Bei Velokonzept machen Frauen kleine und große Schritte zu einer innovativen zukunftsfähigeren Gesellschaft – häufig bleibt es unbemerkt. Diese Leistungen müssen sichtbar werden, wir müssen institutionelle Barrieren abbauen und brauchen Vorbilder, die zeigen, wie Frauen sich gegenseitig helfen, unterstützen und Türen öffnen.

Genau hierum geht es in der Blogreihe „Frauen bewegen mich“. Unglaublich viele Frauen der GLS Community setzen sich mit ihrer Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit ein und reißen uns mit ihrem Engagement mit. Sie gründen, informieren, helfen, reisen, schreiben, arbeiten und leben mit der Mission, die Welt weiblicher/feministischer zu gestalten. Erfahrt mehr über ihren Werdegang, ihre Anliegen und ihre tägliche Arbeit – hier im Blog bei „Frauen bewegen mich“.

Im vorerst letzten Beitrag der Reihe „Frauen bewegen mich“ stelle ich euch die Geschäftsführerinnen Isabell Eberlein, Hille Bekic und Ulrike Saade der Mobilitätsagentur Velokonzept vor.

Um das Thema Radmobilität nach vorne zu bringen, agiert die Agentur als Impulsgeberin, um neue innovative Lösungen zu entwerfen und als Netzwerkerin, um übergreifende Akteure zusammen zu bringen und unterschiedliche Perspektiven auf diese neuen Lösungen und Denkweisen zu beleuchten. Mit Veranstaltungen, Messen und Kongressen wie die Velo, wird das Fahrrad als echtes alternatives Fortbewegungsmittel in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt.

Team Velokonzept, von links nach rechts: Hille Bekic, Ulrike Saade und Isabell Eberlein
Team Velokonzept, von links nach rechts: Hille Bekic, Ulrike Saade und Isabell Eberlein

Mit jeweils 17 Jahren Altersunterschied arbeiten die 3 Geschäftsführerinnen generationenübergreifend. Ulrike hatte bereits 20 Jahre Expertise in der Mobilitäts- und speziell der Fahrradbranche gesammelt, bevor sie im Jahr 2000 die Velokonzept GmbH gründete. Vor knapp zwei Jahren kamen Isabell und Hille hinzu und brachten den Beratungsaspekt mit ins Unternehmen. „Die Zusammenarbeit zwischen uns ist fast magisch – dass das so gut klappt, da habe ich nicht mehr dran geglaubt“, so Ulrike, die mit 67 Jahren langsam den wohlverdienten Ruhestand anstrebt. „Es hat sich einfach gefügt“, sagt Isabell und erzählt, dass sich die drei unabhängig voneinander auf Veranstaltungen kennengelernt haben. „Hille und ich haben gemerkt, dass wir unsere Gründungsidee im Bereich der Mobilitätsberatung für Kommunen und Städte idealerweise innerhalb Velokonzept umsetzen konnten“, berichtet Isabell.

Die Nachfolge-Frage war anfangs dennoch offen und sollte in einem partizipativen Prozess mit dem ganzen Team geklärt werden. Seit September letzten Jahres sind Isabell und Hille gemeinsam mit Ulrike Geschäftsführerinnen der Velokonzept GmbH. Die Verantwortlichkeiten sind klar aufgeteilt und Ulrike zieht sich langsam aus dem operativen Geschäft zurück, steht ihren Kolleginnen aber stets beratend zur Seite.

„Die Perspektiven der neuen Generationen sind wichtig, um verschiedene Aspekte zu beleben und zukunftsfähig zu gestalten“,

sagt Ulrike.

Das Fahrrad – eine echte Mobilitäts-Alternative?!

Ulrike hat während ihrer langjährigen Erfahrung im Mobilitätskontext dafür gearbeitet, den Wandel voranzubringen und das Fahrrad als echte Mobilitäts-Alternative in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren. Kürzlich sah es fast danach aus: die Pandemie hat der aktiven Mobilität, dem Fahrrad fahren, einen kräftigen Schub gegeben. Im letzten Jahr wurden rund 35% mehr Fahrräder als im Jahr zuvor verkauft. Das Fahrrad galt als pandemiesichereres Fortbewegungsmittel, die Menschen hatten wieder mehr Zeit und der verpasste Urlaub ließ etwas extra Budget für ein neues Zweirad auf dem Konto. Auf den Straßen war weniger los, es entstanden Pop-Up Fahrradwege und die Fitness-Studios waren ohnehin geschlossen. Also warum nicht die neu gewonnene Freizeit zum Radfahren nutzen?

Auf der anderen Seite sind die Zahlen dennoch ernüchternd: jedes Jahr werden immer mehr Autos gekauft. Unsere Verkehrsinfrastruktur ist größtenteils auf den Autoverkehr ausgelegt. „Das Problem ist, dass unsere Infrastruktur auf monostrukturelle Wege angelegt wurde: ich fahre mit dem Auto von zuhause zur Arbeit und zurück“, sagt Isabell.

Genderspezifisches Mobilitätsverhalten

Durch die traditionelle Arbeitsteilung sind es aber vor allem Frauen, die viel komplexere Wegketten zurücklegen, und das häufig in Begleitung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Dafür nutzen sie häufiger ÖPNV oder gehen zu Fuß – das Fahrrad nutzen sie dennoch weniger als Männer.

„Wenn mehr Frauen als Männer in einem Land Radfahren ist das ein Zeichen für eine besonders sichere Infrastruktur“,

erklärt Isabell. Frauen legen häufiger vielfältige Begleitwege zurück – dafür sind ihnen die Straßen häufig noch zu unsicher.

Aus diesem genderspezifische Mobilitätsverhalten ergeben sich spezielle Anforderungen an unsere Infrastruktur, die heute in kaum einer Stadt gegeben sind. Obwohl Frauen und Männer, die Care-Arbeit leisten, demnach andere und spezifischere Mobilitätsbedürfnisse haben, werden sie nicht entsprechend in der Verkehrsplanung berücksichtigt. Isabell und Ulrike sehen die Repräsentanz von Frauen sowohl in der Industrie als auch in der Politik als Hauptproblem.

„Wenn wir eine Mobilität für alle voranbringen wollen, müssen wir die unterschiedlichen Bedürfnisse verstehen“,

sagt Isabell.

Velokonzept – und der kulturelle Aspekt des Radfahrens

Tische, an denen Entscheidungen rund um das Thema Mobilität getroffen werden, müssen diverser besetzt sein. Dies würde zu einer zugänglichen, barrierefreien und sicheren Mobilität für alle beitragen – da sind sich Ulrike und Isabell sicher.

Mit Velokonzept (Weblink) bringen Isabell, Ulrike und Hille die verschiedensten Akteure zusammen, um genau das zu schaffen: alle Perspektiven zu hören und zu beleuchten. Ihnen ist es wichtig, den Mensch, der Fahrrad fährt, in den Mittelpunkt zu stellen und nicht ausschließlich auf technische Lösungen für die Mobilitätswende zu bauen. Der kulturelle Aspekt des Radfahrens steht bei der Velokonzept GmbH im Vordergrund. Gemeinsam mit vielen, auch weiblichen, gleichgesinnten Partner*innen wollen sie es so schaffen, dass das Fahrrad langfristig in der Mitte der Gesellschaft ankommt und als echte Alternative angesehen wird.

Lest und hört hier den spannenden Beitrag „GLS Audio Feature – Mobilitätswende in der Kommune oder Stadt“

GLS Audio Feature – Mobilitätswende in der Kommune oder Stadt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.