Der Wirtschaftsteil :: kompakt Nr. 265 Daniel Überall über Landwirtschaft

Der Wirtschaftsteil :: kompakt Nr. 265 Daniel Überall über Landwirtschaft

Daniel Überall ist im Vorstand der anstiftung und des Kartoffelkombinats. Ehrenamtlich engagiert er sich für die Hilfsorganisation IHA, den Münchner Klimaherbst und die Initiative Stadtimker. In seinem Wirtschaftsteil geht es um die Landwirtschaft.

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Bei dem Begriff Landwirtschaft gehen die Assoziationen weit auseinander – die Städter denken an Bauernhöfe und Traktoren, die Bauern selbst denken an Preisverfall und Existenzängste. Und während alle so vor sich hin denken, werden in Deutschland jeden Tag 104 ha Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke verbraucht.

Wie abhängig wir in der EU von den Ackerflächen in anderen Ländern sind, um z.B. unseren massiven Bedarf an (Futter-)-Soja für unsere Massentierhaltungen zu decken, thematisiert der immer noch aktuelle Bodenatlas von 2015 der Heinrich Böll Stiftung (Seite 24): „Das International Resources Panel, ein Expertengremium des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, hat berechnet, wie viel Ackerland wir nutzen dürften, wenn fair geteilt würde. Die Antwort lautet: 0,2 Hektar pro Person und Jahr – das ist weniger als ein Drittel eines Fußballfeldes und weniger als ein Sechstel dessen, was jeder Europäer derzeit verbraucht.“

In dieselbe Kerbe schlägt Kathrin Hartmann mit ihrem Kommentar im Freitag und erklärt, warum die deutsche Landwirtschaftspolitik mit dieser Wirtschaftsweise die Welt zerstört: „Jedes Jahr werden Lebensmittel und andere Produkte importiert, deren Anbau und Herstellung eine Fläche, doppelt so groß wie die Bundesrepublik, beansprucht – anderswo in der Welt. Während sich Deutschland zunehmend gegen jene abschottet, die vor Armut, Hunger und Krieg hierher fliehen, verleibt man sich wie selbstverständlich deren Land, Wasser, Rohstoffe, Essen und Lebensgrundlagen ein.“

Dass das Thema „Landflächen“ auch an den internationalen Investoren nicht vorbeizieht, überrascht wenig. Genannt wird dieses Phänomen „Landgrabbing“ und der Bodenatlas widmet sich in seinem letzten Report diesem anhaltenden Boom: „Seit den Jahren des Rohstoffbooms und der darauf folgenden Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2007 und 2008 ist fruchtbares Ackerland in den Fokus internationaler Investoren gerückt. Sowohl Staaten als auch Konzerne versuchen, Land zu kaufen oder zu pachten – zu Lasten der ansässigen Bevölkerung. Laut einer Schätzung des Weltbank-Ökonomen Klaus Deininger sind weltweit zwischen 10 und 30 Prozent des Ackerlandes von Landgrabbing betroffen.“

Gleiches gilt auch für hiesigen Ackerboden, dazu ein Video bei Plusminus.

Natürlich geht aktuell kein Weg vorbei an Glyphosat. Nach der öffentlichen Bewerbung des noch-Landwirtschaftsminister bei der chemischen Industrie, gilt jetzt das Gleiche wie bei der Energiewende oder dem Aufbau von Subsistenzstrukturen: einfach selber machen. Z.B. hier und hier und hier und hier … leider ist damit das generelle Problem noch nicht gelöst.

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Dieser Wirtschaftsteil ist ein Gastbeitrag von Daniel Überall über Landwirtschaft. Weitere spannende Gastbeiträge anderer Autoren und Blogger findet Ihr hier.

Photo by Jakob Creutz on Unsplash

  1. Mein Lehrer meinte vor 10 Jahren halb Ernst / halb Scherz….wir müssten die einfach nur wieder auf Pferde zurück steigen. Die Energiekrise wäre gelöst und es gäbe wieder deutlich mehr Arbeitsplätze. Der Verbraucher von Pferden an Getreide gemessen an der Leistung ist ein Witz. Die Stickstoffbelastung und andere Schadstoffe gehen runter auf 0.

  2. Pingback: Durch die Woche mit Links – 06/18 | Überall und sowieso

  3. Wer seine 0,2 Hektar Ackerland (zur Beruhigung gibt es dazu noch 0,45 ha Weide, 0,5 ha Wald und ebensoviel Stadt, Autobahn und Wüste) einmal live erleben will und sich vielleicht fragt „Wieviel Quadratmeter gibt es denn heute zum Abendessen“ kann gerne mal bei http://www.2000m2.de vorbeischauen. Es wächst auf 2000 Quadratmetern, auch das eine gute Nachricht, mehr als ein Mensch im Jahr vertilgen kann – so lange er nicht ein Drittel wegwirft, vierzig Prozent für Tierfutter und 20 Prozent für „Bio“sprit und Energie verbraucht.

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