GLS Wirkungsmessung

Wirkungsmessung – Wo sind die Hebel des Wandels?

Grün zu sein, behaupten viele. Die GLS Bank dagegen belegt ihre Wirkung mit Zahlen. Ihr Anliegen dahinter ist eine fundierte Debatte zu der Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben und was braucht es dafür? Hier ein aktueller Einblick, was bereits gelungen ist.

Geld kann Boden gutmachen. Beispielsweise, wenn aus einer konventionellen Agrarwüste  eine lebendige Humusschicht entsteht, mit Kompost, Millionen an Kleinstlebewesen und der Chance, dort wirklich gute Nahrungsmittel zu ernten. Wie das geht? Bei der GLS Bank Geld anlegen, und die finanziert damit beispielsweise Demeter-Höfe, die neue Flächen bewirtschaften möchten. Da wirkt jeder Euro sehr nachhaltig und bodenständig. Geld kann auch für besseres Klima sorgen, für bezahlbare, gesunde Wohnungen und vieles mehr. Denn die GLS Bank finanziert natürlich auch Erneuerbare-Energie-Projekte und nachhaltiges Bauen.

Anhand dieser Beispiele ist leicht zu erkennen, was Geld bewirkt, das in solcher Art und Weise investiert wird. Dennoch hat die GLS Bank schon 2016 ein Projekt gestartet, das die Wirkung des Geldes genauer untersucht. Wirkungsmessung bzw. „GLS Wirkungstransparenz“ heißt es. Das klingt sehr akademisch. Was steckt praktisch dahinter?

„Wir wollen präzise wissen, wo die Hebel des Wandels sind“,

erklären Laura Mervelskemper und Jan Köpper, verantwortlich für Wirkungstransparenz und Nachhaltigkeit in der GLS Bank. Denn die Bank habe den Anspruch, Gesellschaft zu gestalten.

„Wir wollen Zukunftsbilder entwerfen und wir wollen genau wissen, was wie wirkt und worauf es wirklich ankommt, um die Zukunftsbilder Realität werden zu lassen“,

sagen beide. Nach dem Motto des GLS Gründers Wilhelm Ernst Barkhoff:

„Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen.“

Der internationale Bezug für diese Zukunftsbilder sind die 17 Sustainable Development Goals, kurz SDGs. Diese Nachhaltigkeitsziele reichen von „Keine Armut“ bis zu beispielsweise „Hochwertige Bildung“.

„Sie stehen im Einklang mit unseren Zukunftsbildern, aber wir fordern die SDGs auch heraus. Zum Beispiel wenn wir sagen, wir wollen 100 Prozent ökologische Landwirtschaft“,

erläutert Köpper. Zugleich nutze man aber auch die SDGs für eine Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen, zum einen für die eigene Chancen- und Risikoabschätzung, zum anderen, um den Kund*innen Impulse für mögliche Verbesserungspotenziale aufzuzeigen.

Das GLS Zukunftsbild Landwirtschaft beispielsweise, das  die Abteilung Wirkungstransparenz und Nachhaltigkeit herausgearbeitet hat, beinhaltet: 100 Prozent ökologische Landwirtschaft, faire Partnerschaften, regionale Wertschöpfung, gesunde Ernährung und sozial-ökologische Innovationskraft.

Beim Zukunftsbild Bildung und Kultur geht es unter dem Punkt „Pädagogische Vielfalt und Bildungssouveränität“ unter anderem darum, die methodische Diversität zu stärken und damit Wahlmöglichkeiten zwischen vielfältigen Lern- und Bildungsansätzen zu bieten. Und auch für die anderen finanzierten Themen der GLS Bank gibt es Zukunftsbilder: erneuerbare Energien, Wohnen, Soziales und Gesundheit und nachhaltige Wirtschaft. Jedes Zukunftsbild hat bis zu 40 sogenannte Wirkindikatoren, die den Beitrag zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen messbar machen sollen. Aber es geht nicht nur um eine Messung.

Die Diskussion der Zukunftsbilder mit Kund*innen und Kolleg*innen erlaubt ein besseres gegenseitiges Verständnis für die alltäglichen sozial-ökologischen Herausforderungen, eine gemeinsame Sprache und damit auch eine gemeinsame Wahrnehmung.

„Der Blick auf Wirkindikatoren geht dann etwas tiefer und schaut konkret auf die Qualität und die Maßnahmen, die ein Zukunftsbild gestalten. Und vielleicht am wichtigsten, es geht um Selbst- und Außenreflexion zur Frage: Erreichen wir die gewünschte Wirkung oder was können wir besser machen?“,

beschreibt Köpper. Mervelskemper erläutert:

„Wir müssen für jedes Zukunftsbild auch die Hindernisse und Potenziale herausarbeiten, die uns hindern oder befähigen, wirklich eine positive Wirkung zu erzielen.“

Dann könne man gemeinsam mit der Kundschaft für die gesellschaftliche Transformation einstehen und an den richtigen Stellschrauben drehen. Ein praktisches Beispiel dazu ist der landwirtschaftliche Boden. Dazu Mervelskemper:

„Wer wertvollen Boden mit den überzogenen Praktiken konventioneller Agrarwirtschaft auslaugt, der zerstört seine eigene wirtschaftliche Grundlage und wird in Zukunft auch weniger Ertrag erzielen.“

Logisch — das weiß gewiss auch der Bauer. Weiß es aber auch seine Bank? „Nein!“, antwortet die Expertin. Denn die Bank lese lediglich den Jahresabschluss des Betriebes. Und darin stehe nichts darüber, welche winzigen Lebewesen die ökologische Qualität des Bodens gewährleisteten und wie es ihnen gehe. Doch genau das wäre wichtig, so Mervelskemper.

Daher habe die GLS Bank gemeinsam mit Partnern zur Kostenwahrheit gearbeitet, erläutert Köpper: eine neue Form der Bilanzierung, bei der auch die Pflege, der Erhalt und der Aufbau von Bodenfruchtbarkeit als Vermögenswerte auftauchen.

„Die Bodenfruchbarkeit ist ein echter Wert — für Bäuerinnen und Bauern, aber auch für die Gesellschaft und die Natur“,

sagt Mervelskemper. Solange Bilanzen für bäuerliche Betriebe solche Fakten ignorierten, spiegelten sie somit die Wahrheit nicht wider. Für die Biolandwirtschaft ein Hindernis: Da die wahren Werte nicht berücksichtigt werden, ist ihre Bilanz schlechter als die Realität im Boden. Im Ergebnis können die Bauern ihre Beiträge zum Erhalt und Schutz der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität nicht geltend machen und müssen etwaige Kosten an Verbraucher*innen weitergeben.

„Aber gleichzeitig steckt hier auch das Potenzial“,

erklärt Mervelskemper: wenn nämlich konventionelle Lebensmittel auch deren indirekte Kosten einpreisen würden und damit deutlich teurer würden als biologisch produzierte Lebensmittel. Die Folge:

„Die GLS Bank muss im Auftrag ihrer Mitglieder und Kund*innen auch politische Forderungen stellen, um den Zukunftsbildern nahezukommen“,

sagt Köpper. Das könne durchaus zeitweise im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Eigeninteressen der Verbraucher*innen, Manager*innen oder Investor*innen stehen.

Konsequente Abgaben auf Spritz- und Düngemittel etwa oder auf den Ausstoß von CO2 seien im Gemeinwohlinteresse, aber nicht unbedingt von kurzfristigem Vorteil für jeden Einzelnen. Glyphosat-Vertriebsmanager*innen würden womöglich in ihrer Rolle als Angestellte anders denken als in ihrer Rolle als liebende Eltern.

„Und genau diese Trennung gilt es dringlich zu überwinden“,

so Köpper. Konsequenzen hat die neue Sichtweise auch für den Nachhaltigkeitsbericht der GLS Bank. Er soll sich in Richtung eines integrierten Berichts weiterentwickeln und dabei beispielsweise finanzielle und nicht finanzielle Aspekte verbinden.

Seit Anfang 2020 erfasst die GLS Bank auf dieser Grundlage bei jeder neuen Kreditvergabe im Gespräch mit den Firmenkund*innen die gesellschaftliche Wirkung des Vorhabens noch genauer als früher. Und die Gespräche mit Kund*innen verlaufen anders: Sie bieten im Ergebnis differenziertere, ganzheitlichere Betrachtungen. Vor allem fördern sie den Austausch und die gegenseitige Wahrnehmung. Beispielsweise kann die Bank in den Gesprächen ihre Wertehaltung noch klarer ausdrücken. Natürlich bedeutet das alles auch Mehrarbeit.

Nicht zuletzt für Kund*innen, von denen Daten erhoben werden, ohne dass der unmittelbare Mehrwert für sie direkt sichtbar wird,

sagt Mervelskemper. Die Herausforderung sei, dass alle Abteilungen ganzheitlich denken müssten.

„Privatkund*innen haben bereits jetzt einen Mehrwert, weil sie erste Ergebnisse der Wirkungstransparenz und somit der Mittelverwendung der uns anvertrauten Gelder erhalten. Firmenkund*innen bekommen einen Wirkbericht, der sich durch Vergleichsdaten nutzen lässt.“

Das sei aufwendig — aber auch unabdingbar, wenn man den Wandel gestalten wolle. Die Wirkberichte werden zusammengefasst und auf verschiedensten Kanälen kommuniziert. Sie erlauben einen Einblick, wo und wie die finanzierten Projekte gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben.

„Das wollen die Kund*innen und Mitglieder, und es soll alle weiteren Mitstreiter*innen für die gemeinsame Sache mobilisieren“,

fassen Mervelskemper und Köpper zusammen. So werde aus der Frage, was ein Mensch alleine schon ausrichten könne, die Gegenfrage der GLS Gemeinschaft: Und was, wenn wir viele werden?

Wirkungsmessung – wirkt das wirklich?

Erfahren Sie, wie viel Quadratmeter Wohnfläche Ihr Geld aktuell finanziert. Oder interessieren Sie sich mehr dafür, wie das Zukunftsbild der GLS Bank im Bereich Ernährung aussieht?

Ein eigenes Team in der GLS Bank hat darum eine Wirkungsmessung für unsere Geschäfte erarbeitet. Im Bereich der Klimawirkung arbeiten wir eng mit dem Wuppertal Institut und dem jungen Unternehmen right. based on science zusammen. Damit definiert die GLS Bank den Maßstab für Transparenz für Unternehmen völlig neu!

Viel Freude beim Entdecken auf unserer Webseite gls.de/wirkung!


Zum Autor

Jörg Weber ist Chefredakteur bei ECOreporter

Zurück zum Bankspiegel 2020/2 Inhaltsverzeichnis
Ein Artikel aus dem GLS Kundenmagazin Bankspiegel zum Thema „Wirkung – Transformation durch grünes Geld“. Diesen und viele andere spannenden Artikel finden Sie im Blog. Alle Ausgaben des GLS Bankspiegel als PDF finden Sie unter: https://www.gls.de/bankspiegel/.

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