Die Klimakrise lässt sich nicht privat lösen

Viele Menschen konsumieren nachhaltig und versuchen, die Klimakrise abzumildern. Auch die GLS Gemeinschaft hat viel erreicht. Jetzt geht es um den politischen Rahmen.

von Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank

Thomas JorbergViele Kund*innen der GLS Bank haben gezeigt, dass Handeln im Einklang mit Mensch und Natur möglich ist und sogar ökonomisch erfolgreich sein kann. Damit sind sie Teil einer weltweiten Bewegung mit Millionen von Projekten, Unternehmen und Produkten. Ganz praktisch ist dadurch nachvollziehbar: Wir können auch bei wachsender Bevölkerung leben und wirtschaften, ohne die Umwelt, das Klima, die Bodenfruchtbarkeit und die Artenvielfalt weiter zu zerstören.

Dafür verfügen wir über die notwendigen Technologien, das Know-how, die Verfahren und Produkte. Darauf können wir stolz sein! Während dieser sehr positiven Entwicklung in den letzten 20 bis 30 Jahren ist allerdings unser Raubbau an den natürlichen Ressourcen und dem Klima fast ungebremst fortgeschritten. Unser individuelles Handeln genügt also nicht. Wir müssen dringend größer denken. Als Staaten, ja als Weltgemeinschaft. Nur so lässt sich die Erde erhalten.

„Je länger wir abwarten, desto einschneidender müssen die Maßnahmen zur Reduzierung con CO2-Emissionen sein.“ Thomas Jorberg

Ein Beispiel: Bei der dritten Weltklimakonferenz 1997 in Kyoto wurde bereits die Entwicklungskurve der CO2-Emission gezeichnet, die für eine maximale Erderwärmung von 1,5 Grad einzuhalten ist.

Klima: CO2-Emissionen und 1,5 Grad Ziel
Mehr CO2-Emissionen verkraftet die Erde nicht: Je später wir mit der Reduzierung beginnen, desto einschneidender müssen die Maßnahmen sein und desto verheerendere soziale Verwerfungen sind zu erwarten.

Die Fläche unter der Kurve entspricht der für die Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles noch möglichen CO2-Emission. Die Logik ist einfach: Je früher uns eine Absenkung der Kurve gelingt, desto einfacher und weniger aufwendig kann der Übergang sein. Je länger wir aber abwarten, desto einschneidender müssen die Maßnahmen sein — und desto verheerender werden die sozialen Verwerfungen sein. Es ist unverantwortlich, dass wir als Weltgemeinschaft nicht bereits 1997 wirksame Maßnahmen ergriffen haben. Mittlerweile wurde eine Erderhitzung von einem Grad erreicht, und wir spüren die Folgen — am meisten die Menschen im globalen Süden. Wir steuern damit auf einen Temperaturanstieg von drei bis sechs Grad zu. Die Folge wäre ein Ende der Zivilisation, wie wir sie bisher kennen.

Klimakrise: die Politik ist handlungsunfähig

Aber die Politik agiert weiterhin, als hätte sie den Ernst der Lage nicht verstanden. Parteipolitische Partikularinteressen scheinen wichtiger als die Abwendung des langfristigen Hitzetods unseres Klima- und Natursystems. Das aktuelle Klimapaket der Bundesregierung zeigt die Handlungsunfähigkeit der Politik für langfristige Zukunftsfragen. Notwendig wäre aber, unsere Wirtschaftsweise radikal, also von der Wurzel her, zu ändern. Was wir brauchen, sind Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass sich umweltschädigendes Verhalten nicht mehr lohnt, wie zum Beispiel eine wirksame CO2-Abgabe, um die Erderhitzung zu begrenzen. Oder auch eine konsequente Abgabe auf Spritz- und Düngemittel, um die Bodenvergiftung zu stoppen. Einzelne Anstrengungen von Individuen sind wegweisend und haben eine wichtige Vorbildfunktion — entfalten global gesehen aber nur marginale Wirkung. Darum sind in erster Linie aus der Politik heraus die richtigen Weichen zu stellen. Die Klimakrise lässt sich nicht mehr privat lösen, nur noch menschheitlich.

Im Kleinen gibt es schon Lösungen, was jetzt folgen muss, ist die Transformation des Mainstreams.


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