Azubis bei der GLS Bank: Die etwas andere Art

Jörg A. Linden schreibt in Wirtschaft im Revier 09 | 2018 über die Auszubildenden und die Ausbildung bei der GLS Bank. Hier sein Gastbeitrag.

GLS Auszubildende
Entspannung im Garten: Wencke Behrens und Alexander Schulz

Sehen so angehende Bankkaufleute aus? Kein Blazer? Keine Krawatte? Irgendwie so gar nicht „korrekt“? Nur ein erster Eindruck. Und eigentlich nicht ganz so wichtig.

Doch das Gefühl, dass in diesem Ausbildungsbetrieb tatsächlich etwas anders sein könnte, verstärkt sich dann schnell bei Sätzen wie: „Keiner von uns wollte einfach nur Bankkaufmann werden. Wir sind bei der GLS, um bei der GLS Bankkaufmann zu sein …“ Ach, so. Einfach mal kurz durchatmen. Nach so einem Satz. Alexander Schulz (im 3. Ausbildungsjahr) hat ihn ganz bewusst gesagt. Und so ein Satz wiegt viel schwerer als irgendeine Äußerlichkeit.

 

GLS Auszubildende - Manuela Zänker
Manuela Zänker, seit 2011 bei der GLS Bank für Ausbildung verantwortlich.

„Das ist hier schon eine etwas andere Art der Ausbildung“, lächelt Manuela Zänker, seit 2010 bei der Bochumer Bank – die wegen ihrer Kreditpolitik unter anderem schon mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ ausgezeichnet wurde – und seit 2011 für die Ausbildung verantwortlich.

16 Azubis gibt es derzeit, neun junge Männer und Frauen haben im August dieses Jahres mit ihrer Ausbildung begonnen. Natürlich angehende Bankkaufleute. Aber auch Kaufleute für Dialogmarketing. Und erstmals auch eine Fachinformatikerin. In einer immer stärker digitalisierten Welt entwickeln sich halt neue Bedarfe. Auch – oder gerade – für eine Bank.

1974 wurde die GLS Bank gegründet, ausgebildet wird seit 1977 – damals begann ein junger Mann mit Namen Thomas Jorberg dort seine Ausbildung. Heute ist er der Vorstandsvorsitzende. Eine Karriere. Damals wie heute bildet man für den eigenen Bedarf aus. Die Bank wächst. Die 535 Mitarbeiter, die es heute in der Zentrale in Bochum und an den Filialstandorten in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, München und Stuttgart gibt, markieren nicht das Ende der Entwicklung. „Wir bieten in der Regel allen nach ihrer Ausbildung eine Stelle bei uns an“, so Zänker. Auch ein Satz, der bei Auszubildenden für Sicherheit und Motivation sorgt.

Fünf Tage Bauernhof

Was kann aber anders sein in einer Ausbildung, die bundesweit bei jedem Geldinstitut die gleichen Lerninhalte vermitteln muss? Zänkers Satz, „wenn jemand in Mathe eine 5 hat, ist das nicht so schlimm, wenn er einen Taschenrechner bedienen kann“, ist für eine Bank vielleicht ungewöhnlich, aber inzwischen bei Unternehmen weit verbreitet. Aber dass angehende Bankkaufleute im Rahmen ihrer Ausbildung auch mal fünf Tage auf einem Bauernhof mitarbeiten – nicht Urlaub machen! – hat dann schon eine andere Qualität. „Unsere Auszubildenden sollen unsere Kunden kennen. Sie sollen wissen, was für einen Bio-Landwirt ein Kredit der GLS Bank bedeutet. Und sie sollen wissen, was der damit macht.“ Auch Projekte in Kindergärten, in denen gemeinsam ein Spielraum neu gestaltet oder ein Raum gestrichen wird, gehören zur Philosophie des Hauses. „Mit eigener Muskelkraft Ideen umzusetzen, die anderen Menschen sichtbar zugutekommen, darum geht’s“, so Zänker. Die GLS Bank gibt Kredite für Nachhaltigkeitsprojekte. Und die Kunden können entscheiden, wohin ihre Einlage fließt. Das hat viel mit Ideologie zu tun. Bei der Bank. Bei den Kunden. Und das spürt man eben auch bei den Azubis – siehe Satz ganz oben …

… auch bei Wencke Behrens. „Umwelt?! Das ist das zentrale Thema in meinem Leben“, sagt die 24-Jährige, die selbst vom Bauernhof kommt. In ihrer Bachelor-Arbeit hat sie sich – vereinfacht gesagt – mit der Frage auseinander gesetzt, was sie sich für die Umwelt wünscht. Und irgendwann danach ist sie auf die GLS Bank gestoßen.

„Da habe ich gesehen, dass die all das fördern, was mir wichtig ist. Heute weiß ich, dass das Geld dort landet, wo es hin soll.“ Wencke Behrens

Dass sie jemals Bankkauffrau werden würde – hätte sie selbst nicht gedacht. Aber: „Bankkauffrau ist nicht das Thema. Ich möchte für diese Bank arbeiten.“  Überzeugungs-Bankerin, oder was?!

Pia Ritter, noch keine 20, ist auch so eine. Unterschied: Sie wollte immer zur Bank. Wie ihr Vater. Vor drei Jahren hat sie ein zweiwöchiges Praktikum in Bochum gemacht – und war so begeistert, dass sie sich nach dem Abitur beworben hat. Wobei man wissen muss: Pia Ritter lebt auf Sylt, fährt dort Fahrrad – und hat jetzt zunächst einmal bei ihrer Großmutter in Bochum einen Unterschlupf gefunden. Ausbildung mit Kulturschock: „U-Bahn-Fahren ist für mich schon eine Herausforderung.“ Was ihr gleich am ersten Tag aufgefallen ist:

„Man wird hier an die Hand genommen. Ein schönes Gefühl.“ Pia Ritter

Alt-Azubis werden bei der GLS Bank zu Paten der Neuen. Auch eine Art von Gemeinschaftsbank.

Als die Bankenkrise tiefe Spuren hinterließ, begann Alexander Schulz, sich für Geldmärkte zu interessieren. Und las Bücher. Banker wollte er nie werden. Heute ist er davon überzeugt, dass sich trotz der damaligen Krise wenig verändert hat. Wieder investieren die Menschen in Immobilien – wegen des niedrigen Zinses. Als sein Onkel ihn auf die GLS Bank aufmerksam machte, schrieb er eine Initiativbewerbung. Wurde genommen. Grundüberzeugung des 33-Jährigen: „Geld ist für den Menschen da.“ Und eben nicht umgekehrt.

Die GLS Bank hat einen Namen. Und deshalb hat man in der Vergangenheit nicht viel Werbung für die eigenen Ausbildungsstellen gemacht. Auch in diesem Jahr hat man die freien Stellen erst im Januar ausgeschrieben – und knapp 100 Bewerbungen bekommen. Im nächsten Jahr will man erstmals Ausbildungsstellen mit dualem Studium anbieten. Und werbetechnisch mehr dafür tun, „dass sich mehr Menschen für die GLS Bank interessieren“, wie Zänker es formuliert. Beispielsweise soll an den Filialstandorten stärker geworben werden. Auch wenn Bochum die zentrale Ausbildungsstelle ist, müssen die Azubis natürlich auch in die Filialen. In München, Stuttgart und Berlin hat man Wohnungen für die Azubis angemietet – wie sollten die dort sonst eine Unterkunft finden.

GLS Auszubildender
Ganz nah am Kunden: Christian Homberg

Menschlich

Diese „Menschlichkeit“ zeigt sich auch an anderer Stelle. Beispiel: Christian Homberg. 37 Jahre alt, Familienvater, zwei Kinder. Schon fast alles in seinem Leben (irgendwie unvollendet) gemacht – und nun seit 2017 in der Ausbildung zum Kaufmann für Dialogmarketing. Telefon, Service, Kontakt mit Menschen – „das kann ich, das will ich“. Über ein Call-Center war er an die Bank ausgeliehen und wusste ganz schnell: „Dahin wollte ich auf keinen Fall zurück. Die Atmosphäre hier ist einfach wunderbar.“ Nur: Wer seine Familie ernähren muss, braucht Geld – und das verdient man nicht unbedingt in einer Ausbildung. „Wir geben etwas dazu. Für die Kinder“, so Zänker. Damit auch die erwachsenen Auszubildenden auf eigenen Beinen stehen können.

Egal, wer welche Ausbildung macht: „Wir arbeiten alle an einer positiven Sache mit“, beschreibt es Christian Homberg stellvertretend:

„Um ein bisschen die Welt zu verändern …“

Fotos: Wirtschaft im Revier © Maciej Karolczyk

Mitarbeiten bei der GLS Bank

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt und euch für eine Ausbildung oder Arbeit bei der GLS Bank interessiert, schaut doch einmal bei unsereen Stellenangeboten nach.

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  1. Es ist schön zu lesen, dass auch im Bank-Beruf immer mehr Softskills zählen und weniger die harten Mathe-Fakten. Ich denke, das hilft auch bei einer menschlicheren und kundennahen Betreuung deutlich mehr als eine gute Note in Mathe. :D

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