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Nachhaltiges Banking – (k)ein nachhaltiger Trend?

Nachhaltige Geldanlage steht bei Anlegern derzeit hoch im Kurs. Nur ein kurzfristiger Trend oder doch langfristiges Umdenken?

In den vergangenen Jahren haben Banken, die sozial-ökologische Kriterien berücksichtigen, einen enormen Zulauf erfahren. In der GLS Bank hatten wir 2009 rund 33% Wachstum. Bereits in den letzten Jahren lag das Wachstum um 20%, doch die Nachfrage hat gerade seit Ende 2008 einmal deutlich angezogen.Wir freuen uns darüber, dass wir mit diesem Plus an Kundengeldern immer mehr nachhaltige Projekte in Deutschland finanzieren und auf den Weg bringen können.

Wir stellen in unseren Gesprächen mit Kunden und Interessierten täglich fest, dass dieser Trend nachhaltig ist und weiter an Bedeutung zunehmen wird. Das sahen auch 43% der vom ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) in einer Studie befragen Finanzmarktexperten so. Die Gründe des aktuellen Trends identifizieren die Experten folgendermaßen:

  • Die Kunden misstrauen "konventionellen" Kreditinstituten.
  • Es besteht ein verstärktes Interesse an sozialen und ökologischen Themen.
  • Das Vertrauen gegenüber "grünen" Banken ist groß.
  • Die Kunden schätzen darüber hinaus deren gute Reputation und die hohe Transparenz.

Also: Kann die Bedeutung des "grünen Geldes" in Zukunft noch als kurzfristiger Trend abgetan werden? Wir sagen: Nein!

  1. Mich würde die Position der GLS-Bank zum angesprochenen Thema meines Vor-Kommentators interessieren.

    Als Noch-Nicht-GLS-Kunde sympathisiere ich sehr mit den Idealen der GLS-Bank und halte ihr Konzept für unterstützenswert.

    Ich sehe aber auch, das die GLS-Bank in Bezug auf unser Geldsystem denselben Prinzien unterworfen ist, wie alle anderen Banken auch.

    Daher meine Frage: Gibt es seitens der GLS-Bank Überlegungen oder gar konkrete Projekte in Richtung Regio-Geld, Alternativwährungen, andere Währungssysteme? Oder Bestrebungen nach dem Vorbild der schweizer WIR-Bank?

    • Eva Schneeweiss

      Lieber Anfi,
      auch wir sind, wie Du schreibst, ein Teil des deutschen Bankensystems, dennoch unterscheidet uns die sozial-ökologische Verwendung des angelegten Geldes und unsere umfassende Transparenz ganz wesentlich von „konventionellen“ Banken. (Welche Projekte wir finanzieren führen wir u.a. auf unserer Internetseite auf: http://www.gls.de/projekte.html )
      Wir sehen es neben unserem Kerngeschäft auch als unsere Aufgabe, uns frühzeitig mit innovativen Ideen zu beschäftigen. Dazu gehört auch das Konzept der Regionalwährungen. So waren wir z.B. an der Entwicklung des „Chiemgauers“ aktiv beteiligt. Aktuell haben wir gemeinsam mit diesem neue Techniken, wie z.B. den „elektronischen Chiemgauer“ erarbeitet. Dabei handelt es sich um eine Chipkarte, mit welcher man bei den teilnehmenden Unternehmen elektronisch mit dem Regio-Geld bezahlen kann.
      Darüber hinaus unterstützen wir gemeinsam mit der GLS Treuhand den „Bundesverband für Regionalgeld e.V.“. Dabei werden von uns z.B. Druckkosten für Informationsbroschüren übernommen oder einzelne Veranstaltungen finanziert.
      Herzliche Grüße
      Eva Schneeweiss

  2. Übernommener Kommentar*

    Grünes Geld…

    Grünes Geld – klingt erst einmal gut und ist in jedem Falle auch besser als das übliche Zockerkapital. Allerdings arbeitet auch die GLS noch zu 100% im üblichen Geldsystem. Der durch den Zinseszins verursachte Zwang zum „Wachstum“ kann daher nicht vermieden werden. Wobei man „Wachstum“ nicht generell positiv bewerten kann. Auch eine Krebsgeschwulst wächst…
    Und in unserer Welt hat das Geldsystem viele solche Krebsgeschwülste hervorgebracht. Die hören nicht eher auf zu wachsen als bis man sie vollständig entfernt oder bis der Wirt – in dem Falle unsere Globale Gesellschaft stirbt. Dann gibt es nichts mehr zu holen und das Wachstum endet. Wenn die GLS revolutionär wäre, würde sie nicht nur die Richtung des Wachstums beeinflussen sondern auch ein neues Geldsystem ohne Wachstumszwang begründen. Ob dies aber von einem gelernten Banker verlangt werden kann ist fraglich. Er müsste sich ja selbst in Frage stellen und seinen Job völlig neu definieren…

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