Schöner Schein: Wie die EU grüne Geldanlage versteht

Die EU will noch in diesem Jahr Regeln für eine grüne Geldanlage erarbeiten. Die Politik hat endlich erkannt, dass es nicht nur auf Profit ankommt. Noch greifen die Pläne zu kurz.

[green_box] Artikel vorlesen lassen. Dauer 3:21 Minuten

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Eigentlich hat sich die Politik schon entschieden. Klimaschutz: Auf jeden Fall. Das Pariser Abkommen sieht vor, die weltweite Erwärmung bis 2030 „deutlich“ unter 2 Grad zu begrenzen. Um das zu erreichen sind jedes Jahr 180 Milliarden Euro an Investitionen notwendig und eine Senkung der Emissionen von Treibhausgasen von 40 Prozent.

Bei der UN in New York gingen die Regierungen sogar noch weiter. Sie beschlossen 2015 die Sustainable Development Goals (SDG). 17 Ziele, die einen ganzheitlichen Wandel einfordern. Weg mit Hunger und Armut, hin zu Gerechtigkeit und Umweltschutz. Und vieles mehr.

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Damit wir diese Ziele erreichen können, muss unsere Wirtschaft umgekrempelt werden. Die EU hat dazu jetzt erstmals einen Aktionsplan erstellt. Die Idee ist sehr richtig. Die Banken und Finanzfirmen sollen grüne Geldanlagen voranbringen. Das kann zu einer nachhaltigeren Wirtschaft führen.

Einfaches Kennzeichen für Geldanlage

So soll es etwa eine europäische Definition von Nachhaltigkeit und Normen für grüne Investments geben. Auch ein Siegel ist geplant, damit Anlegern auf den ersten Blick klar wird, was tatsächlich hinter einem Investment steckt.

Professionelle Anleger und Vermögensverwalter sollen ihre Entscheidungen nicht mehr nur an hohen Profiten ausrichten. Banken sollen den Klimawandel in ihren Strategien berücksichtigen. Die GLS Bank setzt dies bereits um, etwa bei ihrem Klima-Fonds.

Alles in allem klingen die EU-Vorschläge wirklich gut. Jetzt kommt es auf die genaue Umsetzung an. Die Gefahr besteht, dass zu einseitig auf Emissionen abgezielt wird. Das reicht nicht. „Von Beginn an sollte ein umfassendes Nachhaltigkeitsverständnis zu Grunde liegen, um die Auswirkungen von finanziellen Aktivitäten sowohl auf ökologische wie auch soziale Themen zu berücksichtigen“, fordert ein breites Bündnis, dem sich die GLS Bank angeschlossen hat. Genau deswegen sind die 17 SDGs so ein wunderbarer Fahrplan.

Klimaschädlich investieren = mehr Risiko

Ebenfalls problematisch sind mögliche Erleichterungen für vermeintlich grüne Kredite. Denn diese sind pauschal nicht mit weniger Risiko verbunden, als andere Kredite. Besser wäre es umgekehrt. Wenn Gelder in Branchen fließen, die nicht nachhaltig sind, sollten dafür strengere Vorgaben gelten. Dann würden ökologische und soziale Konsequenzen eingepreist.

Solche Verbesserungen haben das erwähnte Bündnis und die GLS Bank vorgelegt. Investoren sollen mehr Verantwortung übernehmen. Wer Vermögen verwaltet, soll die gesellschaftlichen Wirkungen des Geldes beachten. Auch die Transparenz müsse erhöht werden, denn bislang ist es für Kunden kaum nachvollziehbar, was genau mit ihren Geldern geschieht.

Keine Frage, die EU-Politiker haben einen wichtigen ersten Schritt gemacht. Doch von Paris bis New York ist es noch ein weiter Weg.

[green_box] Lesetipps: Überblick über den EU-Aktionsplan, Einordnung und Reaktionen, Brief über Sustainable Finance [/green_box]

Photo by Didier Weemaels on Unsplash

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4 Antworten zu „Schöner Schein: Wie die EU grüne Geldanlage versteht“

  1. […] Rahmenbedingungen voranzutreiben. Die EU nimmt sich nun endlich auch der Frage an, wie das ethische Finanzwesen befördert und Nachhaltigkeit finanziert werden […]

  2. Avatar von Frank
    Frank

    |

    Hurra, wieder ein neues Siegel!
    Na, dann sind ja bald alle unsere Probleme gelöst, ich mache mir da gar keine Sorgen mehr.

  3. […] Als Mitunterzeichner des offenen Briefes hat die GLS Bank in ihrem Blog den Aktionsplan gewürdigt. Inhaltlich ist die Bewertung deutlich positiver als der Titel vermuten lässt: Schöner Schein: Wie die EU grüne Geldanlage versteht. […]

  4. Avatar von Ralf Breuer

    |

    Hallo Herr Mertens,

    danke für den schönen, erhellenden Artikel. M.E. hat die Fokussierung auf Klimarisiken vor allem den Wert, dass sich die Finanzwirtschaft diesen Argumenten nicht verwehren kann. Klimawandel und Energiewende sind da und schon in den Büchern: Der Industrie- und Handelskammertag hat die Belastungen der Wirtschaft aus drohenden Dieselfahrverboten mit € 500 Mio. beziffert.

    Auch die Bankaufsichtsbehörden arbeiten intensiv an Klimarisiken in den Bankbilanzen. So sind sinkende Restwerte für Dieselfahrzeuge spürbar, Handwerkerfahrzeuge ohne grüne Plakette werden entwertet und damit zu „stranded assets“. Das ist ein sehr konkreter Ansatzpunkt.

    Nach meiner Lesart ist der Plan für andere SDGs offen, anders als die britischen Empfehlungen für „Green Finance“.

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