GLS Mitarbeiter vor Ort: In Kenia

 In ein fernes Land begaben sich Anfang Oktober zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GLS Bank. Gemeinsam mit Dr. Annette Massmann, der Geschäftsführerin der Zukunftsstiftung Entwicklung, erreichten sie nach 18 Stunden den Zielflughafen Nairobi, die Hauptstadt Kenias. Im GLS Blog beschreiben sie einzelne Ereignisse der facettenreichen Fortbildung, die sie besonders berührte und wagen den Versuch, die Vielseitigkeit und Besonderheiten der Reise greifbar zu machen.

Die Organisation der 11-tägigen Reise erfolgte in enger Absprache zwischen Ursula Oppermann-Weber, Leiterin der Mitarbeiterentwicklung, und Dr. Annette Massmann sowie durch SACDEP (Sustainable Agriculture Community Development Programme), einer wichtigen Partnerorganisation der Zukunftsstiftung Entwicklung vor Ort.

Herzlich wurden wir von mehreren SACDEP-Mitarbeitern und dem Geschäftsführer Ngugi Mutura direkt am Flughafen empfangen. Kurze Zeit später saßen wir im Jeep Richtung Thika. 45 Minuten nordöstlich von Nairobi entfernt, befindet sich die Zentrale von SACDEP. Eine traumhaftes Kleinod, das gleichzeitig unsere Dreh- und Angelpunkt sowie das Energiefeld der Reise darstellen sollte.

Von den Flugstrapazen gut erholt, starteten wir am nächsten Morgen im Mary´s House, einem großzügigen hellen und luftigen Haus auf dem idyllischen Areal. Ngugi Mutura erläuterte die Geschichte des Landes, von der Kolonialzeit der Vergangenheit über die heutige „ökonomische Kolonialisierung“ bis hin zu den aktuellen sozialen und politischen Rahmenbedingungen und den daraus entstandenen Aufgaben für SACDEP.
Bereits seit 20 Jahren besteht eine intensive und äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit der Zukunftsstiftung Entwicklung mit SACDEP .SACDEP konzentriert sich -auf Fortbildungsmaßnahmen rund um das Thema organischer Landbau, stets mit dem Ziel, Nahrungssicherheit in der Bevölkerung als Basis einer nachhaltigen Entwicklung zu schaffen. Neben einer ökonomischen Tragfähigkeit, der umweltfreundlichen Bewirtschaftung, dem Einsatz von erneuerbaren Energien und dem anschließenden Wissenstransfer, ist die Entwicklung des Bewusstseins, kleinbäuerliche Farmen im Sinne der organischen Landwirtschaft als ganzheitlichen Organismus zu sehen und so wenig wie möglich von außen (beispielsweise in Form von synthetischen Düngern oder Pestiziden) einzubringen, ein elementarer Bestandteil der Fortbildung. Der Leiter der Organisation, Ngugi Mutura, betonte immer wieder, dass SACDEP nicht mit armen Menschen zusammenarbeitet, sondern mit Menschen, die ihren vorhandenen Reichtum in Form von Boden besser nutzen lernen.

„Jeder Mensch hat Stärken“

Anschließend starteten wir zu unserem ersten Projektbesuch nach Githunguri. Kaum angekommen wurden wir von den Farmern in die Komplexität der biologisch-dynamischen Kompostherstellung eingeführt und durften direkt mit Hand anlegen. Eine bereits ausgehobene Grube von ca. 80 cm Tiefe füllten wir gemeinsam in feinen Schichten mit unterschiedlich frischem und getrocknetem Pflanzenmaterial und Kuhdung unter Hinzufügung von Asche und etwas Wasser. Eine ganz neue Erfahrung für die meisten von uns, mit Hacke, Schaufel und den Händen das Material zu schichten und sich in unserer kleinen Gemeinschaft im „Hier und Jetzt“ zu organisieren. Das notwendige Wasser kam – wie zu erwarten – nicht aus dem Wasserhahn, sondern musste aus einem 26 Meter tiefen Brunnen gekurbelt werden. Unser nicht ganz unsportlicher Kollege brauchte bereits nach vier Eimern und gefühlten 250 Kurbelumdrehungen eine Erholungspause. Lachend erzählte uns die Besitzerin des Hofes, dass sie mindestens 50 Wassereimer pro Tag aus der Tiefe holt. In diesem Zusammenhang fiel zum ersten Mal die interessante und während unserer Reise immer wiederkehrende Aussage, dass jeder Mensch seine Stärken hat, die er bestmöglich in seiner Gemeinschaft einbringen kann. Abschließend wurde der Komposthaufen mit Folien abgedeckt und die Humusbildung konnte beginnen. In Deutschland reift der Kompost sechs bis neun Monate. In Kenia kann er bereits nach unvorstellbaren sechs Wochen für die Bodenbestellung weiterverwendet werden.

Anschließend fuhren wir zu einem Bauern in der Nachbarschaft, der gerade mit dem Bau einer Biogasanlage beschäftigt war. Nachdem er uns die Funktionsweise und die Vorteile einer solchen Anlage nahegebracht hatte, wartete die nächste Herausforderung auf uns: Das Mischen von Beton und die Herstellung von Ziegeln.

Kaum waren wir damit fertig, ging es auch gleich weiter zum Mauern. Etwas handwerkliches Geschick und eine kleine Dosis Selbstbewusstsein waren erforderlich, um den frischen Beton treffsicher auf der Mauer zu platzieren und danach den Ziegelstein zu fixieren. Damit der Biogasbehälter rund ist, brachten wir in der Mitte eine Stange in den Boden ein und fixierten sie mit einem Holzstück, das als Abstandshalter für die Ziegelsteinfixierung genutzt wurde. Eine weitere Erkenntnis des Tages: Improvisationstalent ist existenziell erforderlich. Am Abend erreichten wir überwältigt von den tollen Erfahrungen wieder Thika, wo wir lange und ausführlich über unsere Erfahrungen und Erkenntnisse des Tages austauschten und dann den Tag nach etwas hektischem Einsatz unseres Mückensprays entspannt ausklingen ließen.

Überlebenswichtige Wassertanks

In Mwingi, einer besonders trockenen Region, ca. 130 km östlich, wurden wir tanzend und singend von den Frauen der Gemeinschaft empfangen. Sie schilderten sehr deutlich die Herausforderung des Umgangs mit Wasser und weihten uns in die Feinheiten des Gärtnerns ein. Nach umfangreicher Erklärung setzen wir auch schon Samen, Tomaten und Zwiebeln in den Boden und wässerten sie für ein gutes Gedeihen. Dank der Unterstützung durch SACDEP wurde ein großer Wassertank installiert, der während der Regenzeit über die Hausdächer gefüllt wird. 12.600 Liter Kapazität eines Tanks versorgen zwei Haushalte (ca. 10 Menschen) drei bis vier Monate mit Trinkwasser. Eine Bewohnerin schilderte sehr ergreifend,, warum der Wassertank so wertvoll ist: Ihre Tagesaufgabe bestand darin, mühsam Wasser aus einem sieben Kilometer entfernten Wasserloch nach Hause zu holen. In aller Frühe aufgebrochen, war sie meist erst gegen 14 Uhr mit dem frischem Wasser zurück. Ihre Kinder fand sie in dieser Zeit oft wegen Hunger erschöpft bereits eingeschlafen vor. Sie konnte sich in dieser Zeit weder richtig um ihre Kinder, noch um den Haushalt und ihre Landwirtschaft kümmern. Dank des jetzt vorhandenen Wassertanks gibt es eine grundlegende Verbesserung ihres Tagesablaufs und damit einhergehend der Versorgung ihrer Familie.

Ein weiteres Highlight war unser Besuch bei YARD (Youth Action for Rural Development). 23 Mitarbeiter betreuen 4.000 bedürftige Kinder in der Umgebung, die ihre Eltern durch AIDS oder andere Umstände verloren haben bzw. Kinder, die aufgrund von fortschreitender Krankheit der Eltern bald auf sich selbst gestellt sein werden. YARD betreut die Kinder in ihrer vertrauten Umgebung auf dem Land der Eltern, unterstützt von Sozialarbeitern der Region. Frühzeitig werden sie an Themen wie Selbstversorgung durch biologisch-dynamische Landwirtschaft, Aufklärung in Gesundheits- und Ernährungsfragen sowie praktische Bildung herangeführt. Krönender Tagesabschluss war ein großer Schülerkongress, an dem die kurz zuvor fertiggestellte, von Geldern der Zukunftsstiftung mit finanzierte, Mehrzweckhalle der Gemeinschaft durch uns feierlich eingeweiht wurde. Tolle, kreative Vorführungen der Schülerinnen und Schüler und anschließend gemeinsames Tanzen ließen erneut die Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit der Menschen im vollen Glanze aufleuchten.

Zu Besuch bei den Massai

170 km von Thika entfernt, besuchten wir unter anderem die Masai-Gemeinschaft Marantawua. Ein 140 Meter tiefes Bohrloch stellt die gesamte Wasserversorgung der Gemeinschaft sicher. An diesem Bespiel wurde uns die Problematik nicht ganzheitlich gedachter Entwicklungsunterstützung aufgezeigt: Einzig und allein die Bohrung wurde nach langjähriger Auseinandersetzung mit der Regierung von selbiger umgesetzt und bezahlt. Die Förderung des Wassers durch Einsatz einer Pumpe sowie der Transport durch Wasserleitungen konnten allerdings nur mit der Unterstützung von befreundeten Organisationen wie SACDEP und der Zukunftsstiftung Entwicklung realisiert werden.

Nachdem wir den großen Wassertrank, die Viehtränke und den Wasserkiosk besichtigt hatten, fanden wir uns in der unweit entfernten Grundschule ein. Im einzigen Klassenzimmer der Schule nahmen wir auf den kleinen Holzbänken Platz um der Gründungsgeschichte bis zur jetzigen Überlegung der Umsetzung einer Secondary School zu lauschen. Die Schaffenskraft und der Ehrgeiz der Beteiligten waren überwältigend. Anschließend nutzten wir das einmalige Angebot – und die damit verbundene außerordentliche Auszeichnung – zur Besichtigung eines ursprünglichen Masai-Hauses. Einen passenden Abschluss des Besuches bildete eine kleine Gesangs- und Tanzvorführung der ersten Klasse der Schule. Rührend, wie sehr sich die kleinen Mädchen und Jungs bemühten, Gesang und Tanz zu koordinieren. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Es folgten abenteuerliche Tage mit: Einem kurzen, aber intensiven Besuch im Amboseli Nationalpark, einem Massai-Tanz-Crash-Kurs am Abend, einer spannenden Übernachtung im Zelt verbunden mit einem atemberaubend klarem Blick auf den schneebedeckten Gipfel des Kilimandscharos am nächsten Morgen.

Zurück bei SACDEP fand der jährliche Farmer Congress statt. Aus ganz Kenia reisen Vertreter der einzelnen Gemeinschaften sowie die in den jeweiligen Regionen aktiven SACDEP-Mitarbeiter an, um sich auszutauschen und feierlich über die Erfolge der Vergangenheit berichten.

Assanti mono mono!

Rückblickend war es eine sehr lehrreiche und äußerst ermutigende Reise in ein bezauberndes Land mit ganz besonderen Eindrücken und vielseitigen Erfahrungen. Während der elf Tage trafen wir so viele vorbildliche Projekte von tollen, begeisterungsfähigen Menschen, die so viel Zufriedenheit ausstrahlten. Wir erlebten zielführendes Teamwork, wurden in funktionierende Gemeinschaften integriert und fühlten uns jederzeit als Teil einer herzlichen Gemeinschaft. Mutura gab uns immer wieder durch interessante Impulsvorträge am Morgen Denkaufgaben für den Tag mit und ermöglichte uns dadurch einen kleinen Einblick in das ganz offensichtliche Erfolgsmodell seiner Organisation.. Wir danken der reibungslosen Organisation von SACDEP vor Ort und unseren zwei Fahrern – Herzlichen Dank! Assanti mono mono!

Mario Hein

 

In unserer  Bildstrecke haben wir weitere Eindrücke für Euch festgehalten: Impressionen aus Kenia

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Eine Antwort zu „GLS Mitarbeiter vor Ort: In Kenia“

  1. Avatar von Heinz Broer
    Heinz Broer

    |

    Sehr geehrte Damen und Herren
    Ich leIbe 15 Jahre in Kenia und auch habe ich 10 Jahre in Thika verbracht und wuerde gern noch etwas arbeiten, denn zum rumsitzen fuehle ich mich zu jung. Sollten sie interessiert sein lassen Sie es mich wissen. Mir sine die Lensweisen und Sprache sehr wohl bekannt. Meine Eltern waren Farners in Deutschland und ich war hier fuer eine Firma bereits im Management taetig

    M F G

    Heinz broer

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