Blockchain, Bitcoin, Kryptowährungen – was steckt dahinter?

Digitale Währungen waren das Thema im vergangenen Jahr und werden es auch 2018 sein. Natürlich beschäftigen auch wir uns mit Kryptowährungen und der ihnen zugrunde liegenden Blockchain-Technologie. Immerhin sehen manche damit schon das Ende der Banken kommen. Andere wiederum sind der Meinung, dass Banken die Technologie für sich nutzen können. Was steckt dahinter? Eine Erklärung am Beispiel von Bitcoins.

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind die momentan bekannteste virtuelle Währung. Es gibt hunderte solcher Kryptowährungen, zum Beispiel Ether, Ripple und Litecoin. Mit ihnen kann man  Geld direkt an jemand anderen übertragen, ohne Zwischeninstanzen wie eine Bank oder eine Clearingstelle. Eine externe, zentrale Kontrolle oder Regulierung gibt es nicht.

Die Idee des Bitcoin stammt von Satoshi Nakamoto, von dem bis heute nicht bekannt ist, ob es eine Person oder eine Gruppe ist. Seit 2008 – nicht ganz zufällig zeitgleich mit der Finanzkrise – wird das Konzept von Freiwilligen umgesetzt und weiterentwickelt. Kryptowährungen basieren auf einer Software und verschlüsselten Daten – der Blockchain.

Wie funktionieren Blockchain und Bitcoins?

Keine Bitcoins ohne Blockchain. Mit dieser Technologie wird z. B. ein Geldbetrag von A nach B übertragen. Diese Transaktion wird an alle dezentralen Server (Knoten) im Bitcoin-Netzwerk geschickt. So entsteht auf jedem Knoten – bildlich gesehen – eine lange Liste an Transaktionen. Jede neue Zahlung (Transaktion) wird in der Liste ergänzt und „mit einem individuellen Wert versehen, der Auskunft über Herkunft und Reihenfolge gibt“ (Steuer, Seite 15, s.u.). Eine bestimmte Anzahl von Transaktionen wird zu einem „Block“ zusammengefasst, auf allen Rechnern im Netzwerk überprüft und – falls kein Fehler gefunden wird – mit einem individuellen Code (Hash) für gültig erklärt (verifiziert). Dieser enthält auch die Information, wo genau der Block in der Reihe zu stehen hat. Der verifizierte Block wird samt Hashwert an den vorherigen angehängt. So wächst die Blockchain immer weiter.

Für die Arbeit der Rechner erhalten ihre Besitzer*innen (Miner) eine Belohnung in Form von Bitcoins. Dazu müssen sie ein kompliziertes Verifizierungsrätsel lösen, mit dem ein Block geschlossen wird. Das Rästel wird von der Bitcoin-Software gestellt. Wer es als Erstes löst, erhält die Belohnung. Anfänglich wurden alle 10 Minuten 50 Bitcoin vergeben. Dieser Betrag vermindert sich alle vier Jahre, seit 2017 sind es 12,50 Bitcoin. Die gesamte Bitcoinmenge soll nach dem Willen des Erfinders auf 21 Millionen gedeckelt sein. Diese Menge wird ungefähr im Jahr 2140 erreicht sein.

Verschlüsselung, Aneinanderketten, Verifizierung und Verteilung machen eine Manipulation der Blockchain nahezu unmöglich. Die Liste enthält die Kontostände aller Nutzer*innen zu jedem Zeitpunkt. Sie ist auf abertausende Rechner weltweit verteilt, nicht löschbar und von allen Nutzer*innen einsehbar.

Nebenwirkungen

Da die Prüfung und Verifizierung von Blöcken und Transaktionen aufgrund der immer länger werdenden Bitcoin-Blockchain immer mehr Rechnerkapazitäten benötigt, steigt der Energiebedarf immer weiter. Ende vergangenen Jahres wurde der Stromverbrauch für jede Transaktion auf 285 KWh (Kilowattstunden) geschätzt, das ist durchschnittlich so viel wie 9,63 US-Haushalte täglich verbrauchten. Die Folge: Rechner oder besser ganze Rechnerfarmen werden dort betrieben, wo Energie billig ist, z.B. in China oder der Inneren Mongolei. Dabei stammt der Strom zum Teil auch aus Kohlekraftwerken.

Wozu sind Bitcoins gut?

Transaktionen mit Bitcoins erfolgen direkt zwischen den Beteiligten und sind so gut wie nicht manipulierbar. Solange man einen Internetzugang hat, kann man über sein Geld verfügen, auch wenn man kein Bankkonto (mehr) hat bzw. auf dieses zugreifen kann. Transaktionen und Kontostände sind für alle einsehbar, durch die Verschlüsselung bleiben die Personen dahinter aber anonym. Die Zahl der Geschäfte und Shops, die die Währung akzeptieren, steigt.

Schwankende Kurse

Die extremen Kurssprünge im vergangenen Jahr zeigen, dass der Bitcoinkurs alles andere als stabil und berechenbar ist. Wirtschaftsexperten halten es für möglich, dass es eine Bitcoin-Blase geben könnte. Die Rufe von Banken und Politiker*innen nach einer Regulierung von Kryptowährungen werden deshalb lauter. Erste Regierungen denken über Verbote nach.

Bitcoins kaufen und aufbewahren

Kryptowährungen kann man auf Plattformen kaufen. Bezahlt wird in Euro, Dollar oder einer anderen Währung. Bitcoins werden in einer „Wallet“, einer virtuellen Geldbörse, aufbewahrt. Diese hat eine individuelle Adresse. Der/die Eigentümer*in und auch andere Bitcoin-Nutzer*innen können darunter nachschauen, wie viele Bitcoins vorhanden sind. Verfügen kann allerdings nur der/die Eigentümer*in mittels eines eigenen digitalen Schlüssels, der ihr/ihm bei der Erstellung „ausgehändigt“ wird.

Am sichersten wird Kryptowährung offline aufbewahrt. Allerdings darf der Schlüssel nicht verloren gehen, sonst ist das Guthaben ebenfalls verloren. Es kann nicht mehr zugeordnet werden und es gibt keine Instanz auf der Welt, die das regeln kann. Wer in Krypotowährungen investiert oder sie nutzen möchte, sollte sich vorher ausführlich über den Anbieter informieren und sich über das Verlustrisiko bewusst sein.

Was geht sonst noch mit der Blockchain?

In der Blockchain können Prozesse auch automatisiert werden, indem man entsprechende Anweisungen in die Informationsblöcke schreibt. Ein Beispiel für einen solchen „Smart Contract“ genannten Prozess: „Nur wenn Person A und Person B und Person C einverstanden sind, wird die Transaktion ausgeführt und in den nächsten Block geschrieben“. Auf diese Weise können Verträge, Crowdfunding oder Mikrozahlungen abgewickelt werden.

Was hält die GLS Bank von Bitcoin und Blockchain?

Beim Bitcoin fragen wir uns, wofür er genutzt wird. Denn wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Geld dorthin zu bringen, wo es tatsächlich gebraucht wird und gesellschaftlich und ökologisch positiv wirkt. Hier fehlt uns beim Bitcoin der realwirtschaftliche Bezug. Den Energieverbrauch und die Energiequellen sehen wir kritisch. Die Blockchain-Technologie hingegen halten wir und viele Kunden für spannend und prüfen Möglichkeiten, diese zu nutzen.

Und ihr? Bezahlt ihr schon mit Bitcoins? Schreibt uns Eure Erfahrungen!

Mehr Infos

Krypto Guide von Philipp Steuer, erstellt in Zusammenarbeit mit t3n.
Stromverbrauch von Bitcoins (gegen t3n-Newsletter Bestellung)
Das Geheimnis des Bitcoins von Rico Grimm  (bei krautreporter.de gegen Probeabo)

Blockchain und Banken – wohin geht die Reise?

Photo by Markus Spiske on Unsplash

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2 Antworten zu „Blockchain, Bitcoin, Kryptowährungen – was steckt dahinter?“

  1. Avatar von Hans-Florian Hoyer
    Hans-Florian Hoyer

    |

    Hallo Bettina,
    ich habe mir vor drei Jahren Bitcoins gekauft, weil ich Wikileaks etwas spenden wollte. Das habe ich dann auch getan. Später habe ich noch Ethereum dazugenommen. Insgesamt habe ich selbst 200€ eingesetzt, 300€ gespendet und dann noch 2.300€ beim Verkauf realisiert. Daran kann man sehen, dass es sich nicht um „Währung“ handelt. Von wem sind die 2.400 Euros gekommen, die letztlich auf meinem Bankkonto gelandet sind? Die Preise für die Daten sind dann noch dreimal so hoch gehyped worden. An dem Umverteilungsmechanismus wollte ich nicht beteiligt sein.
    Desungeachtet sehe ich in der erstmaligen Möglichkeit, den eindeutigen „Besitz“ von Daten im Internet darzustellen, den Schlüssel für das Aufkommen eines Internets der Werte. Wer nach „internet of values“ recherchiert, wird interessante Initiativen – wie z.B. Holochain- finden.
    Unsere jetzigen Finanzsysteme sind Modifikationen aus Münz-Zeiten und aus Zeiten, in denen die begrenzte Tragfähigkeit des Planeten noch nicht bewußt war. Wir brauchen viele Wenden, vor allem in unseren eigenen Köpfen, um in die Formen des Zusammenlebens einzumünden, die für Planeten und Menschheit gedeihlich sind. Bei der Geldwende werden uns die Verfahren, die bei Bitcoin zum ersten Mal zum Einsatz kamen, sehr hilfreich sein.

  2. […] Digitale Währungen und was steckt dahinter? Einen aufklärenden Blogartikel gibt es bei der GLS Bank. […]

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