Nachhaltigkeit erleben: Die Jahresversammlung 2012

„Landwirtschaft und Welternährung“ – die Herausforderungen und die Zukunft der ökologischen Landwirtschaft begleiteten uns durch die diesjährige Jahresversammlung. Rekordverdächtige 900 Mitglieder und Gäste hatten sich im Vorfeld angemeldet. Und so war das Schauspielhaus Bochum bis zum letzten Platz besetzt, als Dr. Felix Prinz zu Löwenstein zum Auftakt die Frage stellte: „ Kann Bio die Welt ernähren?“.

In der an seinen Impulsvortrag anschließenden Podiumsdiskussion erläuterte er mit Dr. Beatrix Tappeser, Ulrike Ostendorff, Wolfgang Gutberlet und Maria Heubuch aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft. Angefangen bei der Notwendigkeit der Biodiversität über den Weltagrarbericht hin zur bedenklichen Situation des Saatgutmarktes, stellten die Diskutanten fest: Bio ist kein Luxus. Der Besitz eines Autos oder Rauchen hingegen schon. Ausschlaggebend sind allein unsere Prioritäten.

Mitgestalten

Am Samstag eröffnete Ulrich Walter zum ersten Mal als Aufsichtsratsvorsitzender die Generalversammlung. Sein Vorgänger, Paul Mackay, stimmte zu seinem offiziellen Abschied ein Lied an und fand warme Worte für all die Jahre, in denen er die GLS Bank in verschieden Positionen begleitete. Mit einem leichten Augenzwinkern galt sein Dank seiner Frau, die ihm bei seinen Vorhaben stets zur Seite stand und steht.  Thomas Jorberg und Andreas Neukirch referierten im Anschluss über die anhaltend positive Entwicklung der GLS Bank  im zurückliegenden Geschäftsjahr sowie die starke Unterstützung der Bank durch ihre Mitglieder: Seit Einführung der Dividende erhöhte sich das Geschäftsguthaben um 18,2 Mio. Euro. Neben zahlreichen neuen Mitgliedern kann die GLS Bank derzeit monatlich etwa 2.300 Menschen neu als Kunden begrüßen. Bedingt durch die anhaltende Finanz- und Schuldenkrise sowie Veränderungen des Konsumentenverhaltens ist das Kundenpotenzial der Bank jedoch beiweitem noch nicht ausgeschöpft. Laut einer aktuellen Studie „Social Banking“ der Management-Beratung „zeb/“  sind in Deutschland bis zu 3 Mio. Menschen bereit, zu einer nachhaltigen, nach sozialen und ökologischen Kriterien arbeitenden Bank zu wechseln.

Den Mitgliedern wurde auf der Versammlung nach sorgfältiger Prüfung und Beratung vom Aufsichtsrat eine Neuregelung seiner Vergütung vorgeschlagen. Mit klarer Mehrheit wurde der Vorschlag nach einer regen Diskussion angenommen. Die geäußerten Ideen zur weiteren Anpassung wird der Aufsichtsrat in künftigen Sitzungen aufgreifen.  Die Verschmelzung der GLS Bank mit der Bürgschaftsbank für Sozialwirtschaft fand große Zustimmung. Nach intensiver Vorbereitung kann die GLS Bank nun das soziale Engagement und die sinnvolle Arbeit der Bürgschaftsbank aufrechterhalten. Turnusmäßig stellten sich Prof. Götz W. Werner und Axel Janitzki zur Wiederwahl. Die Mitglieder bestätigten mit großer Mehrheit ihr Vertrauen in die Arbeit der beiden Aufsichtsräte.

Nachhaltigkeit erleben

In zahlreichen Workshops und Vorträgen diskutieren wir ab Mittag dann mit unseren Mitgliedern über aktuelle Themen und die Arbeitsweise der GLS Bank: Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus? Wo setzen sich die GLS Bank und die GLS Treuhand für die Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft ein? Wie können wir gemeinsam die Mitgliederbank stärken?

Ein ganz besonderer Höhepunkt waren die Führungen durch unser neues Gebäude in der Christstr. 11. Viele Mitglieder nutzen die Chance, um den Fortschritt der Bauarbeiten zu begutachten, mit unserem Architekten über die energetischen Herausforderungen zu fachsimpeln oder im sechsten Stockwerk ihren Blick über Bochum schweifen zu lassen.

In etwa einem Jahr laden wir euch wieder ein, uns in Bochum zu besuchen!

Eine Diashow mit Bildern der Jahresversammlung am 15. und 16. Juni könnt Ihr hier starten.

Den Impulsvortrag von Dr. Prinz zu Löwenstein gibt es in voller Länge auch bei youtube zu sehen:

  1. D. Maaß

    Ich würde gerne die Frage umdrehen, kann denn die konv. Landwirtschaft die Menschen ernähren?
    Es ist gut einhundert Jahre her, dass die Düngesalze auf die Pflanzenwelt losgelassen zu wurden – ohne jegliches Verständnis für die Naturzusammenhänge wie sich in der Folge gezeigt hat. die Pflanzen wurden nämlich krank – schutzbedürftig. Also wurden Pflanzenschutzmittel ausgebracht und es begann die unsägliche Verstrickung in einem Gedankengespinnst fern ab der Naturzusammenhänge. Die Pflanzen wurden geschützt, aber wer will das denn? Wem hilft das?, doch nur denen die es verkaufen und eigentlich noch nicht mal denen, sie wissen es nur nicht. In dem Wort Pflanzenschutzmittel ist doch schon die Selektivwahrnehmung der Problematik enthalten – die Scheuklappensicht.
    Den Pflanzenschutzmitteln mussten doch Schutzmittel für die Naturzusammenhänge entgegengestellt werden, und wurden ja zum Glück auch.
    Wir haben gute, tragfähige, praxiserprobte Konzepte auf die Beine gestellt unter riesigen Entbehrungen, mit unglaublichem Fleiß haben wir auf die Naturreiche geschaut, und dabei auch den Kosmos mit einbezogen. und ich kann für mich auch sagen, dass ich viel Spaß daran hatte.
    Die Aufgabe dieser Generation muss es nun werden, nicht noch eine Optimierung der Kartoffelkäferabsaugmaschine zu entwickeln, sonder diese so moderne Landwirtschaft mit all ihren spannenden Gebieten so zu gestalten, dass sie für Menschen lebbar und in tiefster Seele erlebbar wird, so, dass die Menschen von überall auf der Welt uns die Türen einrennen.
    Als Geldanlagen unsicherer wurden strömten viele Menschen auf die GLS Bank zu. Heißt das, dass unsere Naturzusammenhänge (die Landwirtschaft ist nur ein Teil darin) noch sicher sind. Hier scheint mir liegt eine riesige Aufgabe vor uns. Freie, enthusiastische Menschen zu gewinnen ohne Anbiederung.

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